Hi,
Wenn ich einen CMOS Inverter habe und nur passive Komponenten
hinzufuegen kann, wie kann ich damit einen Oszillator bauen? Wie wird
die Resonanzfrequenz bestimmt?
Was mich dabei verwirrt: Wieso brauche ich den Inverter (aktives
Element) ueberhaupt? Kann man einen Oszillator nicht einfach nur aus
einem LC Tank bauen?
LG
Peter
>Kann man einen Oszillator nicht einfach nur aus>einem LC Tank bauen?
Was ist das denn? Google schmeißt mir nur einen LC-Schwingkreis raus.
Klar, LC-Kreis ist eine Möglichkeit, brauchst aber noch ein aktives
Element, das Energie reinpumpt, um die Verluste auszugleichen.
>Kann man einen Oszillator nicht einfach nur aus>einem LC Tank bauen?
Und wer stösst diesen Tank an, damit er schwingt?
Stell dir deinen "LC-Tank" wie ein Gewicht vor, das an einer Feder
aufgehängt ist. Die Feder ist dein LC-Tank (das frequenzbestimmende
Teil), die Schwerkraft ist die Versorgungsspannung. Von selber schwingt
da gar nichts, das Gewicht hängt einfach ruhig an der Feder. Erst wenn
ein aktives Teil dazukommt (irgendwer das Gewicht anstupst) beginnt das
Ganze zu schwingen.
Bei einem LC-Tank ist es das Gleiche, der Kondensator wird ein mal
aufgeladen und das war's. Erst wenn ein Transistor oder sonst ein
aktives Teil dazukommt, tut sich was.
Hallo spontan,
Sorry, LC tank ist einfach die englische Bezeichnung fuer LC
Schwingkreis (parallel).
Zu deiner Antwort: Gibt es da eine Schaltung und Berechnungen mit der
ich das verstehen kann?
Ich habe versucht Aus-/Eingang des Inverters mit einer Induktivitaet zu
verbinden und Ein-/Ausgang jeweils einen Kondensator nach GND.
Ich glaube das ist auch richtig weil ich das schon wo gesehen habe.
Aber ich versteh nicht:
a) Wie man auf das kommen kann
b) Wie es funktioniert
c) Wieso die Schwingfrequenz (angeblich) 1/sqrt(LC) ist (auch wenns
naheliegend ist)
d) Wieso ich sozusagen den Ausgang negativ an den Eingang rueckkoppeln
muss
e) Wie ich das mit Kirchhoff und/oder s-domain "sehen" kann.
Am liebsten waere mir das im Rahmen von Feedback zu "verstehen" (d.h. zu
sehen dass der Loopgain des Kreises genau |T(s)|=1 ist oder so).
LG
Peter
Peter schrieb:> Zu deiner Antwort: Gibt es da eine Schaltung und Berechnungen mit der> ich das verstehen kann?
Es gibt viel Literatur zum Thema Oszillatoren. Ohne Deinen Hintergrund
(und Dein mathematisches Verständnis) zu kennen, ist es schwer, Dir da
was konkretes zu empfehlen. Für den Anfang ist der Wikipedia-Artikel
http://de.wikipedia.org/wiki/Oszillatorschaltung vielleicht gar nicht
schlecht.
> Ich habe versucht Aus-/Eingang des Inverters mit einer Induktivitaet zu> verbinden und Ein-/Ausgang jeweils einen Kondensator nach GND.>> Ich glaube das ist auch richtig weil ich das schon wo gesehen habe.
Schau doch lieber mal gezielt nach Oszillatorschaltungen und
Informationen, die Du verstehen kannst, als Dich an der Sache mit dem
Inverter aufzuhängen. Man kann LC-Oszillatoren auch mit OpAmps
realisieren, die verhalten sich im Gegensatz zu einem CMOS-Inverter
deutlich "idealer" (im Sinne von "linearer") und damit sind vielleicht
am Anfang eher dazu geeignet, die gelesene Theorie (Mathematik) zu
verinnerlichen und mit der Praxis in Einklang zu bringen. Eine
SPICE-Simulation kann da auch Wunder wirken, da kann man nämlich sehr
schön "messen", was in der Schaltung im einzelnen passiert, was in der
Praxis nicht immer so einfach möglich ist.
> Aber ich versteh nicht:> a) Wie man auf das kommen kann> b) Wie es funktioniert
Verstehst Du jetzt grundsärtlich das das Prinzip eines Oszillators nicht
oder geht es Dir speziell um die Sache mit dem Inverter?
> c) Wieso die Schwingfrequenz (angeblich) 1/sqrt(LC) ist (auch wenns> naheliegend ist)
Wenns naheliegend ist, dann könnte man die Frage auch umformulieren:
Warum sollte es gerade nicht so sein? :-)
> d) Wieso ich sozusagen den Ausgang negativ an den Eingang rueckkoppeln> muss> e) Wie ich das mit Kirchhoff und/oder s-domain "sehen" kann.>> Am liebsten waere mir das im Rahmen von Feedback zu "verstehen" (d.h. zu> sehen dass der Loopgain des Kreises genau |T(s)|=1 ist oder so).
Ich geh mal davon aus, dass Du eher Anfänger bist, daher:
Einen klassischen, einfachen Oszillator im Rahmen von Feedback zu
verstehen ist nicht so schwer. Eine weniger elektronische, sondern eher
physikalische Erklärung/Hinführung hangelt sich in Analogie zum oben
schon erwähnten Federpendel (Masse an einer Feder) z.B. an folgenden
Tatsachen entlang:
1. Masse an Feder wird ausgelenkt: die Masse führt daraufhin eine
gedämpfte Schwingung aus, da kontinuierlich potenzielle Energie in
kinetische umgewandelt wird und andersherum; die Dämpfung der Schwingung
ergibt sich aus den Energieverlusten im System -> Schwingungsamplitude
nimmt mit der Zeit ab, d.h. nach einer Weile kommt die Masse wieder in
der Ausgangslage zur Ruhe.
2. Um eine kontinuierliche harmonische Schwingung konstanter Amplitude
zu erreichen muss man die Dämpfung kompensieren in dem man Energie
zuführt und zwar a) die richtige Menge Energie und b) im richtigen
Moment.
Die Punkte 2a und 2b korrespondieren dabei mit dem Feedback im
Oszillator und führen in letzter Konsequenz zur Amplituden- und
Phasenbedingung (|A| = 1, \phi = 360° x n) für die Aufrechterhaltung
einer Schwingung konstanter Amplitude und Frequenz. (Wenn man gewillt
ist, sich das mathematisch anzuschauen, dann ergibt sich das alles im
Grunde genommen mehr oder weniger sofort, wenn man die
Differentialgleichungen für das Federpendel mit Dämpfungsterm und
hinschreibt und den inhomogenen Fall löst.)
Benutzt man nun die Maschenregel (oder von mir aus auch Kirchhoff) und
vergisst dabei nicht, dass die Spule und der Kondensator selbst und die
elektrischen Verbindungsleitungen zwischen den beiden Bauelementen eine
Dämpfung in Form ohmscher Verluste bewirken, so landet man für den
LC-Schwingkreis beim selben Typus von Differentialgleichung. Federpendel
und LC-Schwingkreis verhalten sich physikalisch gesehen also identisch,
d.h. in beiden Systemen führt eine initiale Auslenkung zu einer
gedämften Schwingung.
Folglich muss man zur Aufrechterhaltung einer Schwingung konstanter
Frequenz und Amplitude im LC-Schwingkreis analog zu 2a) und 2b) oben
eben auch immer wieder die richtige Menge Energie im richtigen Zeitpunk
zuführen, sonst klingt die Schwingung mit der Zeit ab oder wächst über
alle Maßen (womöglich bis zur Zerstörung des Oszillators) oder die
Schwingung ist keine harmonische Schwingung mehr. Um das elektronisch zu
realisieren, reichen passive Bauelemente nicht aus, man benötigt
mindestens ein aktives Bauteil. Das kann z.B. ein passend beschalteter
Transistor oder eben ein passend beschalteter Inverter sein.
Es gibt noch andere, eher elektronisch bzw. systemtheoretisch geprägte
Ansätze, wie man auf die Schwingbedingungen (Amplituden- und
Phasenbedingung) für Oszillatoren kommt. Das Ergebnis ist immer das
selbe.
In der (meist linearen) Theorie ist der hergeleitete Oszillator relativ
simpel zu verstehen, im Endeffekt reicht da wirklich das oben
geschriebene. In der Praxis ist die Sache dann aber schon ganz anders,
reale Oszillatoren werden eher durch die nichtlinearen Eigenschaften der
verwendeten Bauteile am Leben erhalten als durch deren lineare
Eigenschaften (Stichwort z.B. Amplitudenstabilisierung).
Dein CMOS-Inverter ist da ein schönes Beispiel: In gewissen Bereichen
arbeitet der als linearer(!) invertierender Verstärker mit |A| >> 1. Aus
dem Bereich ist man aber bei größeren Amplituden schnell raus, was dazu
führt, dass die effektive Verstärkung abnimmt. Ein LC-Oszillator mit
CMOS-Inverter reguliert sich daher quasi selber auf die Bedingung |A| =
1 ein, in dem die Amplitude der Schwingung so lange wächst, bis die
effektive Verstärkung der Rückkopplung über den Inverter auf 1 gesunken
ist. Um das zu verstehen darf man den CMOS-Inverter aber nicht als
digitales Bauteil betrachten, sondern muss ihn als als (analogen)
Verstärker betrachten.
Keine Ahnung ob Dir mit Deinem mir unbekannten Kenntnisstand das jetzt
geholfen hat oder nicht... falls nein: vielleicht freut sich ja ein
anderer Laie drüber :-)
Guten Rutsch,
Stephan
Hallo Stephan!
Ja, danke, deine Antwort hilft mir schonmal sehr weiter denke ich!
Ich bin damit auch auf die Erklaerung im Tietze Schenk gestossen (s.
904):
http://snag.gy/jFQVn.jpg
Ich verstehe nun, wie der Verstaerker den Widerstand kompensiert
(s^2+k=0, d.h. Koeffizient bei s soll 0 sein).
Das, was diese Schaltung funktionierend macht ist die Tatsache, dass
(1-A)/(2RC) gilt und A so gewaehlt werden kann dass das 0 ergibt. (*)
Ich habe versucht dieses Konzept fuer einen inverterienden Verstaerker
zu verwenden. Klarerweise erhalte ich dann aber keine Subtraktion, und
im Falle eines idealen CMOS Verstaerkers einfach "2*Vo". Ich habe
versucht die Schaltung entsprechend zu modifizieren.
Hast du einen Tipp welche Beschaltung die Subtraktion auch mit einem
invertierendem Verstaerker schafft?
(*) Und nochmal grundlegend: Ich wuerde keinen Verstaerker benotigen
wenn L und C ideal waeren, d.h. keine Verluste besaessen. Verstehe ich
die Schaltung richtig, dass sie auch die Phasen- und Amplitudenbedingung
behalten wuerde wenn L und C parasitaere R hat?
Peter
Peter schrieb:> Wieso die Schwingfrequenz (angeblich) 1/sqrt(LC) ist (auch wenns> naheliegend ist)
Die Frage ist, wo Du diese Formel her hast.
Eigentlich lautet sie ja:
Hallo,
Noch eine simple Rueckfrage dazu: Sehe ich es richtig dass das Konzept
"einfach" ist, eine Transferfunktion von Input -> Output zu finden,
sodass bei einer Frequenz f0 (Frequenz des Oszillators) die Verstaerkung
1 ist und Phase 0 hat?
Alternativ kann man es doch so formulieren, einen Bandpass zu finden,
der diese Kriterien erfuellt?
Beispiel: Ich habe durch Trial & Error jetzt eine Schaltung mit einem
CMOS Inverter gefunden die (hypothetisch) oszillieren muesste:
http://snag.gy/Oskri.jpg
Die Transferfunktion lautet:
vo/vi = -Gm/(s*2*C + s^3*L*C^2)
Das Bode Diagramm sieht so aus:
http://snag.gy/gwNyE.jpg
D.h. mit hypothetischen Werten L=1mH, C=1uF, Gm=6.1376nS ;-) gibt es
eine Frequenz mit Verstaerkung 1 und Phase 0.
Stimmt das so - theoretisch?
Wie kann man nun eine Schaltung mehr methodisch finden und nicht Trial &
Error?
Happy new 2014!
Peter
Peter schrieb:> Ich bin damit auch auf die Erklaerung im Tietze Schenk gestossen (s.> 904):>> http://snag.gy/jFQVn.jpg>> Ich verstehe nun, wie der Verstaerker den Widerstand kompensiert> (s^2+k=0, d.h. Koeffizient bei s soll 0 sein).
Was für einen Widerstand meinst Du?
> Das, was diese Schaltung funktionierend macht ist die Tatsache, dass> (1-A)/(2RC) gilt und A so gewaehlt werden kann dass das 0 ergibt. (*)
Stimmt. (Nebenfrage: wie würde man das, was Du hier als Wahlfreiheit von
A bezeichnest, in der Praxis realisieren?)
(Für alle: \gamma = (1-A)/(2RC) ist in dem Beispiel aus dem
Tietze/Schenk die Dämpfung, die dann für das vorliegende System zweiter
Ordnung die Fallunterscheidung \gamma kleiner, gleich oder größer Null
ermöglicht und damit die Evolution des Systems beschreibt - abklingende,
stabile oder ansteigende Amplitude der Schwingung.)
> Ich habe versucht dieses Konzept fuer einen inverterienden Verstaerker> zu verwenden. Klarerweise erhalte ich dann aber keine Subtraktion, und> im Falle eines idealen CMOS Verstaerkers einfach "2*Vo". Ich habe> versucht die Schaltung entsprechend zu modifizieren.>> Hast du einen Tipp welche Beschaltung die Subtraktion auch mit einem> invertierendem Verstaerker schafft?
Es ist schwer, Dir zu folgen, unter anderem weil Du ein bissl arg mit
aus dem Zusammenhang gerissenen Formeln um Dich schmeisst. Aber egal.
Lass uns mal den Oszillator aus dem Tietze/Schenk etwas genauer
anschauen, ich denke dann wird klar, was man für den Fall eines
invertierenden Verstärkers machen muss.
Ich hab den Oszillator nochmal hingemalt (bitte Bauteilewerte
ignorieren.) Den Kasten kann man sich nun als Blackbox vorstellen, wobei
diese Box links einen Eingang mit zwei Anschlüssen und rechts einen
Ausgang mit zwei Anschlüssen hat. (Würde man noch einen Kasten um den
OpAmp und seine Rückkoppelwiderstände ziehen, dann hätte man das
klassische Blockschaltbild eines Oszillators.)
Im Resonanzfall verhält sich die Blackbox wie ein Spannungsteiler ohne
Blindanteil, d.h. die Übertragungsfunktion der Resonatorblackbox ist
reell (warum?). Das bedeutet unmittelbar, dass die Phasenverschiebung
der Blackbox im Resonanzfall vom Eingang zum Ausgang Null wird.
Der OpAmp mit der gezeigten Beschaltung liefert ebenfalls eine
Phasenverschiebung von Null. Die Phasenverschiebung des Gesamtsystems
ist daher ebenfalls Null und damit ist die Phasenbedingung erfüllt.
Wenn Du nun einen invertierenden Verstärker benutzen möchtest, dann
liefert dieser einen Beitrag von 180° zur Phasenverschiebung des
rückgekoppelten Systems. Mit dem LC-Schwingkreis wie im Tietze/Schenk
lässt sich die Phasenbedingung nun nicht mehr erfüllen. Man benötigt als
Blackbox nun also eine Resonatorschaltung, die bei der
Oszillationsfrequenz die fehlenden 180° Phasenverschiebung beisteuert.
Insofern bist Du schon sehr nahe dran, wenn Du schreibst...
> Noch eine simple Rueckfrage dazu: Sehe ich es richtig dass das Konzept> "einfach" ist, eine Transferfunktion von Input -> Output zu finden,> sodass bei einer Frequenz f0 (Frequenz des Oszillators) die Verstaerkung> 1 ist und Phase 0 hat?>> Alternativ kann man es doch so formulieren, einen Bandpass zu finden,> der diese Kriterien erfuellt?
... aber Vorsicht: Die Schwingbedingung (Amplituden- und
Phasenbedingung) müssen für das Gesamtsystem gelten, nicht nur für den
Resonator alleine. In Bezug auf die Phasenverschiebung heisst das z.B.
dass Du auch einen Resonator mit 2° Phasenverschiebung benuzen könntest,
so lange der Verstärker die fehlenden 358° hinzusteuert oder
andersherum.
Die Schaltung, die Du da mit Trial & Error gefunden hast (CMOS-Inverter
+ LC-Pi-Glied aus dem Link http://snag.gy/Oskri.jpg) wäre jetzt auch das
gewesen, was ich Dir als Ansatz vorgeschlagen hätte. Eine andere
Alternative ist hier beschrieben:
Beitrag "VLO mit Invertern"
Allerdings frage ich mich immernoch, warum Du Dich so an der Sache mit
dem CMOS-Inverter aufhängst, vor allem in Kombination mit einem
LC-Resonator. Vielleicht kannst Du das ja mal kurz erläutern :-)
> Wie kann man nun eine Schaltung mehr methodisch finden und nicht Trial &> Error?
Zählt Intuition auch als Methode? ;-) Meist wird aber eh das kopiert,
was schon bekannt ist.
In Deinem Fall hättest Du ja nur systematisch nach einer
Resonatortopologie suchen müssen, die die fehlenden 180°
Phasenverschiebung beisteuert.
> (*) Und nochmal grundlegend: Ich wuerde keinen Verstaerker benotigen> wenn L und C ideal waeren, d.h. keine Verluste besaessen. Verstehe ich> die Schaltung richtig, dass sie auch die Phasen- und Amplitudenbedingung> behalten wuerde wenn L und C parasitaere R hat?
Klar, bei geeigneter Wahl der Werte für die Bauteile würde das alles in
gewissen Grenzen sehr schön funktionieren, auch mit verlustbehafteten Ls
und Cs. Dann sieht dann halt der Dämpfungsterm \gamma anders aus, so
dass man für die benötigte Verstärkung auf einen anderen Wert für A
kommt. Auch die Resonanzfrequenz verschiebt sich möglicherweise.
LG Stephan