Was muss ein Labornetzteil können?

OP #1123725
Was muss eigentlich ein Labornetzteil für den HOBBYBASTLER können?
Ich sehe hier hin und wieder leute die Netzgeräte für ein paar Hundert 
€?

Ich will nich irgendwie sarkastisch klingen , mich interessiert es nur.

Meine Vorschläge (bitte ergänzt sie!)
x Regelbare Spannung
x Sinnvoller Spannungsbereich also nicht 0-2 V und 20%Genauigkeit
x Stabile Ausgangsspannung
x Anzeige der Spannung?
x ???????




Gruß Lukas
#1123728
Es sollte eine Strombegrenzung haben, so dass die Spannung runter geht, 
wenn man irgendwo einen Kurzschluss hat.

Sowas hat mir in der Uni im Institut, wo die solche Netzgeräte haben, 
schon mehrere Bauteile gerettet...
#1123879
Lukas Migi wrote:
> Was muss eigentlich ein Labornetzteil für den HOBBYBASTLER können?

Außer den von Dir genannten Punkten mag ic hnoch:

- regelbarer Strom, umschaltbar Begrezung oder abschaltung.
- Neben dem von Dir genanntne Voltmeter ein Amperemeter
- Abschaltung bei Übertemperatur (für den Fall das man es bei all der 
Begeisterung im Hobby vergißt selber drauf zu achten).

> Okay aber so ein Netzteil kostet doch keine Hunderte Euro?

Wenn Du es selberbaust, etwas Glück hast an preiswerte Teile aus 
Lagerauflösung, etc. zu kommen. und deine Zeit für's Zusammenbauen und 
Entwickeln der Schaltung nicht rechnest: Dann kostet es deutlich 
weniger.

Das ist ähnlich beim Autofahren: Kostet es nur die 5.1 ltr Diesel auf 
100km? Oder rechnest Du Wertverlust, Verschleiß, Repraparaturen Steuer 
und Versicherung mit rein?

> Ich habe zum Beispiel noch mein Netztgerät ,dass wir in der Schule
> gemacht haben in Benutzung!

Yepp, und nun schau mal wieviel Stunden Du daran gearbeitet hast, Deine 
Lehrer Dir Fragen beantwortet hat, etc. rechne das auf eine 
Arbeiterstundnesatz um, etc. -- und, nun kostet es deutlich mehr als 200 
Euro...


hth,
Andrew
Gast #1123892
x Bezahlbar

Etwas, dass die Markenfanatiker gerne vergessen.

x Erhältlich

Nur weil Gast damals, vor'm Krieg, angeblich ein Superschnäppchen, 
natürlich "Marke", auf eBay gemacht hat oder eins im Schrott gefunden 
hat, bedeutet es nicht, dass man auch das Glück hat und sich drauf 
verlassen kann. Das Gerät muss stattdessen heute im normalen Handel 
erhältlich sein.

x Vernünftiges Gehäuse

Wabbelplastik muss nicht sein.


Je nachdem, was man machen möchte, kommen noch diverse Eigenschaften 
hinzu. Hier reiten einige immer auf HF-Festigkeit rum. Bei Audio möchte 
man kein Brummen. Zwei Ausgangsspannungen sind manchmal ganz nett 
(positive und negative Versorgung für Operationsverstärkern). Gängige 
Spannungen (3,3 V, 5 V) als zusätzliche Festspannungsausgänge sind 
manchmal nützlich.
Gast #1124058
Mal bei einem Chinateil gesehen: Da war ein Schalter zum gemeinsamen
Abschalten der Ausgänge dran. Bei ausgeschalteten Ausgängen haben
die Amperemeter den Kurzschlußstrom angezeigt. Da konnte man die
Strombegrenzung einstellen ohne erst außen per Kabel einen Kurzschluß
herzustellen.

Jens
Gast #1124086
-Es sollte schutzisoliert sein, damit man sich aussuchen kann, was man 
als Masse nimmt.
-Es sollte möglichst HF-fest sein, damit man z.B. auch mal ein CB-Funke 
speisen kann
-Es sollte die Spannungen und Ströme liefern, die man braucht.
-Die Meßgeräte sollten nicht lügen.
-Die Restwelligkeit sollte den Anforderungen genügen.
-Überstromsicherung einstellbar vermeidet Rauchzeichen.
#1124116
oszi40 wrote:
> -Es sollte schutzisoliert sein, damit man sich aussuchen kann, was man
> als Masse nimmt.

Du meinst vermutlich: erdfreier Ausgang. Die wenigsten Labornetzteile 
sind nämlich schutzisoliert.

Erdfreier Ausgang ist das was hier benötigt wird.


> -Es sollte möglichst HF-fest sein, damit man z.B. auch mal ein CB-Funke
> speisen kann
> -Es sollte die Spannungen und Ströme liefern, die man braucht.

So als Erfahrungswerte: 0-20V oder 30V, 2 bis 5 A.

Abweichungen in jede Richtung immer möglich  je nach Ausprägung des 
Hobbybastlers (siehe Frage vom TE)

> -Die Meßgeräte sollten nicht lügen.
> -Die Restwelligkeit sollte den Anforderungen genügen.
> -Überstromsicherung einstellbar vermeidet Rauchzeichen.

d'accord



hth,
Andrew
#1124246
Lukas Migi wrote:
> Meine Vorschläge (bitte ergänzt sie!)
> x Regelbare Spannung
> x Sinnvoller Spannungsbereich also nicht 0-2 V und 20%Genauigkeit
> x Stabile Ausgangsspannung
> x Anzeige der Spannung?

x regelbare Strombegrenzung
x Anzeige für Strom
x vorzugsweise abschaltbarer Ausgang
x erdfreier Ausgang
x ab entspr. Stromstärke mit Sense-Anschlüssen
x für den Dauerbetrieb ausgelegt
x Anzeigemöglichkeit der Strombegrenzung
xvorzugsweise passive gekühlt (je nach Leistungsklasse)


... dazu gibt es halt noch viele Spielereien, die NICE TO HAVE sind

+ analoge Steuereingänge
+ digitale Steuerung (USB, RS232, GPIB, LAN ...)


Ein "general purpose" Labornetzgerät ohne speziellen Aufgabenbereich hat 
für mich 0-30 V und mind. 0-2 A. Alles andere ist dann je nach 
Bedarf/Einsatzgebiet.
#1124249
Jens wrote:
> Mal bei einem Chinateil gesehen: Da war ein Schalter zum gemeinsamen
> Abschalten der Ausgänge dran. Bei ausgeschalteten Ausgängen haben
> die Amperemeter den Kurzschlußstrom angezeigt. Da konnte man die
> Strombegrenzung einstellen ohne erst außen per Kabel einen Kurzschluß
> herzustellen.

Sowas haben die meisten Thurlby Thandar Netzteile serienmäßig.
Ein wirklich gutes Feature.
Gast #1124383
und einen sehr kleinen ausgangskondensator sollten die haben. das 
problem kann sein, dass wenn die strombegrenzung anspringt, der 
kondensator noch mit einer spannung aufgeladen ist, die deutlich höher 
sein kann, als die in der strombegrenzung sich einpendelnde spannung. 
nehmen wir an, es soll eine led mit 20ma betrieben werden und die 
spannung wird dazu einfach auf die maximalen 30v gestellt. nun ist der 
glättungskondensator am ende mit 30v aufgeladen und entlädt sich 
schlagartig, wenn die led angeschlossen wird. die blitzt dann vermutlich 
einmalig sehr hell auf und dann garnicht mehr
Gast #1124431
> und einen sehr kleinen ausgangskondensator sollten die haben.

Oder zumindest "active down programming" (sch..., was ist denn die 
deutsche Bezeichnung dafür? Zu lange in internationalen Projekten 
gearbeitet ...) oder einen anderen Entladepfad.

"active down programming" ist im einfachsten Fall ein Transistor in 
Emitterschaltung mit einem Kollektorwiderstand zur Strombegrenzung, 
parallel zum Ausgang. Wenn es mit der Spannung abwärts gehen soll, dann 
wird nicht nur der Regler runter gefahren, sondern auch der Transistor 
durchgeschaltet um den Kondensator (und alles was die Last so an 
Kapazität mitbringt) schneller zu entladen.

In der fortschrittlicheren Version dient der Transistor nicht als 
Schalter, sondern wird so angesteuert und geregelt, dass ein gewisser 
Prozentsatz (zum Beispiel 20%) des maximalen (eingestellten) 
Ausgangsstrom durch fließt. Damit vermeidet man direkt in die 
Strombegrenzung des Netzteils zu rasseln, zumindest wenn die Last am 
Ausgang nicht sehr viel Strom (z.B. > 80% des Maximalwertes) zieht.

Wenn die Sollspannung am Ausgang erreicht ist, wird der Transistor 
gesperrt und die Regelung wieder alleine dem Regler überlassen. Eine 
Realisierung mit einem Mikrocontroller zur Steuerung des Reglers und des 
Transistors bietet sich an, womit wir wieder beim Thema sind :-)

Wenn man kein "active down programming" hat / einbauen möchte, dann kann 
man sich mit einem relativ niederohmigen Voltmeter zur Anzeige der 
Ausgangsspannung behelfen. Das Voltmeter zeigt nicht nur die aktuelle 
Spannung am Kondensator, sondern entlädt ihn auch. Hochohmige Voltmeter 
sind nicht immer gut.
Gast #1125008
>x Regelbare Spannung
2x 0-30V 0-10A
>x Sinnvoller Spannungsbereich also nicht 0-2 V und 20%Genauigkeit
~Regelbare Spannung / Genauigkeit 5% ausreichend
>x Stabile Ausgangsspannung
~wird durch die Genauigkeit ausgedrückt
>x Anzeige der Spannung?
Geschmackssache, Digital ist Zeitgemäßer
>x ???????
Geringes Brummen sollte 2% nicht überschreiten.
Mit einer Digitaleingabe und anderen Spielereien
kann man den Bedienkomfort noch verbessern.
z.B. -Werte über eine Tastatur eingeben und gr.Alphadisplay ausgeben.
     -Ausgang ein/aus
     -akustischer Warnung wenn eingestellte Werte am Ausgang unstimmig
      (z.B. wenn Überstrom,Kurzschluß)
     -Speicher für Werte die man häufiger braucht (z.B. 5V,12V,-12V...
      beliebig programmierbar)
     -Eingang zum modulieren (optional)
Bestimmt gibts noch mehr Ideen.
Gast #1125886
Es gibt eine Menge Gehäusehersteller aber warum Alu und warum nur für
Netzteile? Mir gefallen die Okw Europa-Gehäuse ganz gut. Haben eine
Alu-Frontplatte, Seitenteile und Frontplatte in verschiedenen Höhen,
Tragegriffe und Lüftungsschlitze sind variabel.Kostet natürlich etwas
aber sieht auch nach was aus. Ansonsten beibt nur zu versuchen in der
nächsten Schlosserbude einen zu finden der einem für Lau schnell mal
was aus Alu biegt. Umsonst ist es aber auch nicht und eine normgerechte
Zeichnung vom Gehäuse wird dort voraus gesetzt.
Haste schon bei Reichelt, Pollin, Conrad geschaut?
Gast #1125896
Muß es unbedingt ein neues Gehäuse sein ? Evtl. ist es einfacher ein 
kaputtes Gerät zu schlachten und das Gehäuse wiederzuverwenden?

Abgesehen davon ist es trotzdem billiger und sicherer ein fertiges 
Labornetztil zu kaufen als alle Teile einzeln zu beschaffen und eine 
Leiterplatte zu ätzen.
#1126104
oszi40 wrote:
> Muß es unbedingt ein neues Gehäuse sein ? Evtl. ist es einfacher ein
> kaputtes Gerät zu schlachten und das Gehäuse wiederzuverwenden?

Nun, wenn ma ndas "Glück" hat ein gutes Gehäuse mit defektem Netzteil zu 
bekommen, dann sollte man das Gelegenheit nutzen und es wiederaufbauen. 
Ob in der Originalschaltung oder in einr verbesserten eigenen Version: 
Das kommt auf den Einzelfall an.


>
> Abgesehen davon ist es trotzdem billiger und sicherer ein fertiges
> Labornetztil zu kaufen als alle Teile einzeln zu beschaffen und eine
> Leiterplatte zu ätzen.

Sehe ich nicht so.
Nun, ein gut vorgeplanter Selbstbau ist bei gleicher Qualität oft 
billiger realisierbar als ein gutes neues gekauftes Labornetzteil.
OP #1126134
Ja und mir geht es auch um den Lerneffekt, den ich weiß schon was son 
ein Netzgerät macht aber wie ich es baue weis ich noch nicht.

Darum wollte ich mich nur so erkundigen was man so alles realisieren 
kann!

DANKE1




Lukas
Gast #1126489
>Danke schonmal im Voraus!
>Gibt doch auch noch nette Leute in dem Forum!

Nein!!!!!
Hier sind alles Pessimisten, Narzisten und Leute die Spaß daran haben 
andere in ihr Unglück zu führen.

Klar?
Gast #1126643
> @Norgan:
> Dein "active down programming" wird bei Agilent (ehemals HP) "bleeding
> circuit" und das aktive Element dieses Schaltungsteils logischerweise
> "bleeding transistor" genannt. Funktion ist aber die selbe.

Ich habe mal kurz bei Agilent nachgesehen. Denen ist der Begriff "active 
down programming" nicht ganz unbekannt:

http://www.home.agilent.com/agilent/facet.jspx?cc=US&lc=eng&k=%22active+down+programming%22&sm=g

33 Treffer.

Wenn ich das richtig verstehe, dann ist "active down programming" die 
Funktion und ein "bleeding circuit" mit "bleeding transistor" eine 
gängige Realisierung.

Nur, eine Sache fehlt mir immer noch: Wie heißt die Funktion auf 
Deutsch?
#1126947
@ Norgan:
In den alten Schaltplan-Scans von HP war der Teil der Schaltung (mit dem 
entsprechenden Transistor) so bezeichnet worden.
Aber Du hast (auch) recht. In den aktuellen PDFs und auf der Homepage 
findet man nichts (mehr) mit "bleeding circuit" oder "bleeding 
transistor". Welcher Ingenieur es auch damals so genannt hat, heute 
scheint es diesen Begriff, in Bezug auf die von uns erwähnte Funktion, 
so nicht mehr zu geben.
Naja, nichts ist so stetig wie der Wandel.

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