Hallo,
wie der Betreff schon sagt, würde mich interessieren, ob in Fernost
tatsächlich gefälschte Atmegas angeboten werden.
Hin und wieder hört man gerüchteweise davon - bei U-tube gibt es auch
einige Videos zum Thema.
Ein offensichtlich gefälschter Atmega ist mir persönlich allerdings noch
nie untergekommen und ich kann mir eigentlich auch nur schwer
vorstellen, dass es mit vertretbarem Aufwand möglich ist, solche
vergleichsweise komplizierten Chips nachzubauen.
Eher könnte ich mir vorstellen, dass es sich bei den Billigangeboten bei
Aliexpress und ähnlichen Plattformen um Ausschussware aus der regulären
Atmega-Produktion handelt.
Wie denkt Ihr über das Thema?
Auf jeden Fall werden in China alle ICs die sich irgendwie zu Geld
machen lohnt mit neuem Aufdruck und frisch ausgerichteten und verzinnten
Pins als Neuware verkauft.
Es ist echt beeindruckend wie viele Chips von Atari und Commodore immer
wieder zu hunderten irgendwo gefunden werden. 100% Original und NOS! ;-)
Bei DDS-Chips habe ich das selber mal erlebt und auch öfter Berichte aus
zweiter Hand erhalten von solchen plumpen Produktfälschungen.
In der Regel funktionieren solche Chips entweder nur mit Abstrichen oder
gar nicht.
Bei Youtube hatte ich neulich ein Video gesehen, in dem offensichtlich
funktionierende Atmegas aus China vorgestellt wurden, die erstens sehr
günstig gewesen sein sollen und zweitens einen ganz schlechten Stempel
hatten.
Der Urheber des Videos ist der festen Überzeugung, dass es sich um in
China geklonte Atmegas handelt.
@A.K.
Ich habe diesen Kontroller zu kaufen versucht, bekam aber überall das
Wort:
"Discontinuet" zu lesen.
Zumindest ist Eines sicher: Wenn die Produktion von AVR der Tiny- und
Mega-Serie vom Originalhersteller eingestellt wird, gibt es Leute, die
Wissen und die technischen Möglichkeiten haben, für Ersatz zu sorgen.
mfG Paul
Daniel C. schrieb:> Eher könnte ich mir vorstellen, dass es sich bei den Billigangeboten bei> Aliexpress und ähnlichen Plattformen um Ausschussware aus der regulären> Atmega-Produktion handelt.
Ein Gerücht, welches irgendwie nicht aus der Welt zu bekommen ist.
Jeder glaubt wohl, dass man in Taiwan in der Fab da einfach nur mal
schnell in die Kiste mit dem Ausschuss langen müsste …
Was es aber in der Tat gibt (habe neulich Fotos zugesandt bekommen),
sind eben diese „recycelten“ ATmegas, bei denen natürlich dann auch
die Bezeichnung „nicht ganz korrekt“ ist. Da werden einfach hornalte
Bauteile neu gestempelt, und so wird schon auch mal aus einem alten
ATmega128 angeblich ein ATmega128A. Diese Art Fälschung wird recht
offensichtlich, wenn man die Bauteile umdreht: Vorder- und Rückseite
haben unterschiedliche Datecodes, die auf der Rückseite (auf dem Foto
waren mehrere zu sehen) waren auch schön kunterbunt.
Beeindruckend war eigentlich, wie sauber sie die Pins dabei bekommen
haben. Denen sah man wirklich nicht an, dass die Bauteile nicht neu
sind.
Daniel C. schrieb:> Ausschussware aus der regulären Atmega-Produktion handelt.
Das Zweifel ich sehr stark an. Ausschuss wird bei solchen Firmen gleich
vernichtet. Die werden ihren guten Ruf bestimmt nicht so einfach aufs
Spiel setzen.
Ausgelötet kann mit Sicherheit auch nicht als neu verkauft werden. So
sauber bekommt man die wohl kaum.
Ich selber hab mal PIC aus obskuren Quellen in China gekauft. War alles
OK.
Hatte aber auch mal ein Maxim IC (vergessen welchen, CAN Bus?) das war
Fake und ging 'teilweise'. Unter dem X-Ray sah es ganz anders aus. Beim
Test in der Klimakammer sind die dann reihenweise ausgefallen.
Jan B. schrieb:> Ausgelötet kann mit Sicherheit auch nicht als neu verkauft werden. So> sauber bekommt man die wohl kaum.
Ich hätte es auch nicht geglaubt, wenn ich nicht die Fotos gesehen
hätte. Die Stempel auf der Rückseite waren ATmega128 von ca. 2007,
auf der Vorderseite vorgeblich ATmega128A von 2015.
Och - die bereiten ICs erstaunlich gut auf.
Ich habe mal bei ebay 10 gebrauchte parallele DIL - EEproms gekauft, die
nicht mehr neu zu bekommen waren.
Bei einem Stückpreis von etwa 2 Euro waren auch dort alle IC-Beine frei
von jeglichen Löt oder Steckspuren. Perfekt ausgerichtet und neu
verzinnt.
Hier waren aber verschiedenste Herstellungschargen gemischt - und auch
keine Neubeschriftung vorgenommen worden - waren ja auch als
Gebrauchtware ausgewiesen.
Aber selbst bei schwer beschaffbarer Gebrauchtware - und dann deutlich
anziehenden Preise - könnte ich mir in Zukunft die Gefahr von
Fälschungen vorstellen. Da würde ich Gebrauchsspuren eher als beruhigend
einstufen ;)
Ist ja wie mit Patina - und totalgefälschten Bugatti-Oldtimern im
Neuzustand...
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Bei Atmel Controllern habe ich in einer seriös einzustufenden
Veröffentlichung gelesen, dass in China auch "nicht ROHS" Ware in ROHS
umgeschummelt wurde.
vg
Maik
Maik .. schrieb:> Bei Atmel Controllern habe ich in einer seriös einzustufenden> Veröffentlichung gelesen, dass in China auch "nicht ROHS" Ware in ROHS> umgeschummelt wurde.
Was ist eigentlich der Unterschied zwischen ROHS und "nicht ROHS" bei
ICs?
Uhu U. schrieb:> Was ist eigentlich der Unterschied zwischen ROHS und "nicht ROHS" bei> ICs?
Oftmals wirklich nur die Deklaration, der natürlich wiederum eine
Analyse vorangegangen ist, um festzustellen, ob (und in welcher Menge)
da RoHS-relevantes Material enthalten ist.
Bei der Verzinnung könnte es Unterschiede geben: galvanisch war es schon
immer einfacher, reines Zinn abzuscheiden, aber wenn die Verzinnung in
einem Tauchbad erfolgt ist, dann könnte das früher schon SnPb gewesen
sein.
Maik .. schrieb:> Bei Atmel Controllern habe ich in einer seriös einzustufenden> Veröffentlichung gelesen, dass in China auch "nicht ROHS" Ware in ROHS> umgeschummelt wurde.
Dann muessen die ICs aber ueber 10 Jahre alt sein. Nicht RoHS ist sehr
schwer zu bekommen und teurer!
Macht aber bei ICs keinen Sinn, da man RoHS Teile auch verbleit
verarbeiten kann.