da ich mich zwar mit Digitaltechnik auskenne, aber von Analog keine Ahnung habe, frage ich mal um Rat.
Was will ich:
einen kleinen NF-Verstärker mit ca. 3W RMS. Klirrfaktor unter 0,1%, also schon recht hochwertig. Stereo.
Die Schaltung sollte solide sein.
Symetrische Spannung geht, würde ich aber gerne vermeiden.
Kein Class-D.
Stromverbrauch egal, da am Netz hängt. (Bitte keine Belehrungen über Netzspannung, ich habe Elektroinstallateur gelernt.)
Bauteile sollten bei Digikey oder Reichelt bestellbar sein.
Ich will ja dabei was lernen, also keine fertigen Module.
Eine Schaltung einfach nachbauen will ich auch nicht, ich will sie verstehen damit ich sie auch reparieren kann.
Oder, wenn du es dir zutraust, mit KiCad und einem ersten Schaltplan?
Denn du möchtest ja lernen, also Schaltung selbst erstellen, Komponenten nach Verfügbarkeit auswählen, PCB layouten und fertigen lassen, selbst bestücken, Gehäuse und Anschlüsse montieren, und stolz das eigene Werk und den Lernerfolg feiern.
Wie fange ich an?
Ich will ja dabei was lernen, also keine fertigen Module.
Eine Schaltung einfach nachbauen will ich auch nicht, ich will sie
verstehen damit ich sie auch reparieren kann.
3W ist so wenig, dass es dazu ein IC tut, da ist natürlich nicht so viel mit reparieren und verstehen. Hier findest du eine Auswahl von Chips
An den technischen Daten der Chips kannst du wenig ändern, du kannst sie nur versauen so dass es brummt und rauscht und schwingt und rückkoppelt,
Der übliche 3W Chip wäre heute der PAM8403, läuft am 5V USB Netzteil, aber ClassD wolltest du nicht. Bipolare Versorgungsspannung auch nicht, das bedeutet du brauchst einen Kondensator vor dem Lautsprecher oder eine BTL Schaltung. Letztere hat 'doppelt so schlechte' Daten und ganz egal war dir die Qualität auch nicht, obwohl 0.1% auch mit BTL erreichbar sind. 3W an 8 Ohm werden schon mit +/-5Vrms also +/-7Vpeak also +/-9V Versorgungsspannung oder 18V erreicht, bei 4 Ohm reichen 12V. Also tut es gut ein Autoradio-Audioverstärker, wie TDA7375, der erreicht 0.02% THD. Und er kann 4 Lautsprecher oder 2 mit mehr Power betreiben, falls du mal mehr willst. Er arbeitet an einem 12V~ Trafo nach Gleichrichtung und Siebelko. 12VA=1A reicht Stereo für deine Leistung, Trafos in Audioverstärkern sind immer gut unterdimensioniert. Du brauchst auch keinen dicken Kühlkörper, schraub ihn auf ein einfaches Blech.
Ich begrüße deine Absichten ebenfalls.
Martin D. schrieb im Beitrag #7555308:
Eine Schaltung einfach nachbauen will ich auch nicht, ich will sie
verstehen damit ich sie auch reparieren kann.
Also keine fertige Schaltung - das bedeutet eine Schaltung selber entwerfen. Das ist prinzipiell möglich, aber dazu muss man die Bauelemente schon aus dem FF kennen. Ich denke, du musst schon anhand einer fertigen Schaltung Schritt für Schritt das Wesen eines Widerstandes, eines Kondensators und eines Transistors erfahren und verinnerlichen. Dann verstehst du, wie die Schaltung funktioniert, was sich wie verhalten müsste, wenn alles ok ist und wenn nicht, an welcher Stelle etwas anders ist, als zu erwarten, oder welches Bauteil sich nicht so verhält, wie es soll.
Eine Schaltung "zusammenzulöten" und sich zunächst über einen Erfolg zu freuen, ist wichtig. Tu das, ich denke, so haben die Meisten angefangen. Ich auch. Dann könnte man mit dem Verstehen anfangen. Und dann vielleicht damit weiter machen, wie man denn noch Schaltungen z. B. für kleine Verstärker machen könnte. Da gibt es im Prinzip eine Reihe von üblichen Konzepten, die man dann kennen und verstehen lernt.
Es geht dem TO ums Verstehen, nicht ums Ziel.
So habe ich den Eröffnungsthread jedenfalls verstanden.
Und daher postest du eine Seite mit Nf-Verstarker mit Röhren oder Germanium-Transistoren ? Da hat er aber einen weiten Weg bis 0.1% THD vor sich und hinterher viel unnutzes wissen.
Soll er sich lieber ein Buch von Douglas Self kaufen wie Audio Power Amplifier Design von Douglas Self | ISBN 978-0-240-52613-3
Douglas Self covers all the design issues of noise, distortion, power supply rejection, protection, reliability, and layout.
Mit nachbauen von Schaltungen war gemeint, nicht nur zusammenlöten und fertig und nix verstanden. Dazu bin ich durchaus in der Lage, will ich aber nicht.
Platinenerstellung is kein Problem.
Wie Bauteile funktionieren weiß ich auch. Habe aber noch keine Verstärker gebaut.
Ich hätte eher an die SIEMENS_Schaltbeispiele_1972-73 gedacht, für die ich leider keinen Link im Ärmel habe. Erreicht aber nicht den Phantasiewert von 0,1% THD.
sehr gut. Die Schaltbeispiele aus der Zeit, also um die 1970, sind besser geeignet, als die späteren (z.B. die Schaltbeispiele 1982/83), weil in den alten noch diskrete Schaltungen gezeigt werden, während 12 Jahre später schon (oder nur noch) die neusten ICs vorgestellt werden. In deinem Sinne wäre der Einsatz z.B. eines NF-Leistungsverstärker-ICs so etwas wie Malen nach Zahlen, also für diejenigen, die der Weg nicht interessiert, z.B. für kommerzielle Produkte oder für die, die es schon wissen oder die, die nicht lernen wollen.
Die Schaltungen im PDF auf S. 37/38 sind typische, einfache, mit Silizium-Transistoren diskret aufgebaute Endstufen, die mit der vorgeschlagenen Dimensionierung je nach Betriebsspannung zwischen wenigen und 45 Watt Ausgangsleistung liefern. Allerdings würde ich empfehlen, statt 4 Dioden und einem Heißleiter zur Ruhestromstabilisierung einen Transistor mit 2 Widerständen einzusetzen.
Die Schaltungen sind gut beschrieben, vielleicht kannst du daran sogar nachvollziehen, wie die Zusammenhänge sind.
Dass sie für kleinere Leistungen überdimensioniert wären, sollte dich nicht stören, denn 1. willst du ja hauptsächlich die Schaltung verstehen, und 2. kannst du dieselbe Schaltung mit schwächeren und moderneren Halbleitern auch für kleinere Leistung aufbauen. Ach so - ja, der "Phantasiewert von 0,1% THD" wird auch erreicht. Aber der ist echt nicht wichtig für dich und dein hauptsächliches Anliegen.
Und wenn du willst, kann ich dir auch z.B. telefonisch mehr erklären.
Erreicht meinen geforderten THD bei 4W.
Bauteil ist lieferbar. (In der heutigen Zeit ja nicht mehr selbstverständlich.)
Ich will bis zum 20.02.2024 fertig sein.
Frage zum TDA7388:
Die Kondensatoren 100nF C1 - C4 liegen im Audiopfad. Wofür sie gut sind ist mir klar. Muss ich beim Kondensator kaufen auf was achten? (Qualität, Folie, Keramik, etc.)
Zum Thema THD:
Ich habe gute Ohren. Ich habe hier einen 2x30W Class-D Verstärker liegen, wo du bei 4W kein Messgerät brauchst, um die Verzerrungen zu messen, die hört man.
Frage zum TDA7388:
Die Kondensatoren 100nF C1 - C4 liegen im Audiopfad. Wofür sie gut sind
ist mir klar. Muss ich beim Kondensator kaufen auf was achten?
(Qualität, Folie, Keramik, etc.)
Die Kondensatoren liegen im Signalweg. Also ist Keramik raus.
Nimm Folie.
Muss ich beim Kondensator kaufen auf was achten? (Qualität, Folie,
Keramik, etc.)
Da X7R und Z5U Keramik Mikrophonieeffekte haben, würde ich PE Folie MKS nehmen, die sind nun nicht unerschwingleich teuer.
Ja, da der Verstärker wohl im Raum der Lautsprecher steht, ware ein Geräusch dass sich aufs Signal auswirkt wohl schon so laut dass es egal ist weil man den Lautsprecher sowieso nicht mehr hört, aber aus Prinzip.
Der ist jetzt deutlich leistungsfähiger als TDA7375, offenbar willst du mehr Leistung als 4W, sorge also für angepassten Trafo, Betriebsspannung, Kühlkörper.
Den Chip bekomm ich von einem Freund. Darum.
Ab 4W steigt der THD wieder. Meine Lausprecher vertragen nur max 5W. Die sind laut genug, wenn man 4 Stück nimmt. Will ja nicht taub werden.
Danke für den Tip der Kondensatoren.
Schaltungen mit Ostzonenhalbleitern will niemand
mehr bauen.
Woher willst du das wissen, daß das niemand mehr will?
Die Schaltungen funktionieren auch mit Westzonenhalbleiter.
Oft gibt es equivalente bei ICs und Transistoren in
Ost und West. Und diese ganzen Grundschaltungen und
Schaltungen wurden in der damaligen Zeit international
benutzt. Und wenn man solche alten Teile, egal ob
Ost- oder Westteile, noch in seinen Bastelvorrat hat, spricht
nichts dagegen sie auch noch zu benutzen.
Ein Vorteil dieses ICs ist, das es einen grossen Betriebsspannungs-
bereich von 8 bis 18V hat und das im Datenblatt von ST eine gute
Beschreibung steht.
Die alte Frucke von Elektor hat gute Daten.
Von 1985
Klirrfaktor 0,1%.
Bandbreite 10Hz-30Khz. -3db
Betriebspannung 6-15V .
Bei +-15V aber nicht Kurzschlussfest.
1W Sinus an 8 Ohm.....
RMS 3W....naja, kann man sich schönrechnen.
Hast Du nichts Älteres? Schaltungen mit Ostzonenhalbleitern will niemand
mehr bauen.
Ich hab das Teil mal nachgebaut, allerdings auf 5V (stabil aus 7905) damit der Ruhestrom, der ja durch den Lautsprecher fließt, nicht zu hoch ist.
Vorstufe 2x AC151 und einen GD241 als Endstufe (damit das Thema DDR, welches in keinem Thread fehlen darf nicht zu kurz kommt). Funktioniert erstaunlich gut!
Auf seinem Youtube-Kanal wird übrigens die genaue Berechnung eines Verstärkers erklärt, drei Teile a 20min: Vorstufe/ Treiber/ Endstufen A, B, AB und D.
Sehenswert!
Der Ruhestrom fließt im Allgemeinen durch die zwei Endtransistoren,
nicht durch den Lautsprecher!
Damit ist die Class-A Endstufe aus der ersten Antwort Beitrag "Re: Kleiner NF Verstärker DIY" gemeint (Ein NF-Verstärker mit Germaniumtransistoren).
Hier fließt der Arbeitspunktstrom der Endstufe tatsächlich durch die Lautsprecherschwingspule. Ich sehe dort allerdings keine Stabilisierung des Arbeitspunktes, so dass hier ein "weiches" Netzteil empfehlenswert wäre, um zu vermeiden, dass die Sache thermisch "hochläuft".
Das ist aber schon lange her. Heutzutage gibt es 100nF auch als C0G:
Bekanntermaßen ganz schlecht. Grund: Kapazität ändert sich mit der Spannung, dadurch ergeben sich Verzerrungen des Signals. Und bei Filtern ist das Material wegen der erheblichen Abhängigkeit der Kapzität von der Spannung eh ungeeignet.
Das ist aber schon lange her. Heutzutage gibt es 100nF auch als C0G:
Bekanntermaßen ganz schlecht. Grund: Kapazität ändert sich mit der
Spannung, dadurch ergeben sich Verzerrungen des Signals. Und bei Filtern
ist das Material wegen der erheblichen Abhängigkeit der Kapzität von der
Spannung eh ungeeignet.
sorry, du hast natürlich Recht! Habe nur kurz das Datenblatt des verlinkten Kondensators überflogen und die ersten Diagramme angeschaut. Leider sind die mit "Example X7R..." überschrieben.
Ich vermute mal, er hat diesen xxxx aufgebaut, siehe Screenshot.
Hallo Manfred,
ja, ich hab das Ding mal schnell zusammengebraten um zu sehen obs funktioniert.
Tut es erstaunlich gut.
Das sollte kein Wettbewerb sein, wer den besten Verstärker aller Zeiten aufbaut ;)
Die Schaltung hat viele Mängel, Klasse A baut heute eh keiner mehr,
also keine Sorge ;) Außer in der Röhrentechnik vielleicht.
Ich baue selber AB-Endstufen, wobei ordentliche Endtransistoren preislich bald mit Röhren mithalten können (MJ15024 / 15025) locker 10€ das Stück, wenn man keine Fakes möchte.
wobei ordentliche Endtransistoren preislich bald mit Röhren mithalten
können (MJ15024 / 15025)
Wer baut noch mit dem alten Schrott,
Es gibt inzwischen NJL/MJL3281A/1302A=2SC3281A/2SA1302A=2SC5200/2SA1943 , die dramatisch besser sind, hohe Verstärkung, gleichmässig über den Strom, und leichter montierbar.
Ich baue selber AB-Endstufen, wobei ordentliche Endtransistoren
preislich bald mit Röhren mithalten können (MJ15024 / 15025) locker 10€
das Stück, wenn man keine Fakes möchte.
Ein Transistorverstärker ist auch mit Standardtransistoren aufgebaut
ziemlich störfrei, wenn er richtig dimensioniert ist. Und gute Ver-
stärker-ICs kosten auch weniger als 10€. Nan muss da ja nicht unbedingt
den ziemlich veralteten, billigen TDA2030 nehmen.
Es gibt inzwischen NJL/MJL3281A/1302A=2SC3281A/2SA1302A=2SC5200/2SA1943
, die dramatisch besser sind, hohe Verstärkung, gleichmässig über den
Strom, und leichter montierbar.
Hallo Michael,
ja die Päärchen kenne ich, sind aber oft nicht lieferbar. Aber Danke!
Ja stimmt, die begegnen mit in PA-Endstufen immer wieder ;)
Warum ich an dem alten Design festhalte ist einfach dass ich TO-3 mag und ordentliche passende Kühlkörper dafür habe (die Entransis sind an der Rückseite befestigt, so hab ich im Gerät mehr Platz).