Heute war ich im Wald Pilze suchen. Zwar fand ich keine Schwammerl aber
dieses merkwürdige Gerät. Zunächst hielt ich es für illegal entsorgten
Styropormüll, aber dann entdeckte mein scharfes Elektronikerauge zwei
heraushängende Drähte, die zu einer Batterie aus 11 AAA-Zellen führten.
Durch das Loch unten links blitzte eine professionell wirkende
Epoxy-Platine mit diversen SMD-IC's hervor. Also nahm ich das Teil mit,
um es zu Hause genauer zu inspizieren. Das Ding liess sich mittels eines
kleinen gelben Drehknopfes auf der Rückseite aufschrauben. Nachdem ich
modriges Laub und diverse Krabbeltiere mit Wasser ausgespült hatte,
konnte ich die Elektronik etwas genauer begutachten. Es handelt sich um
ein Mikroprozessorsystem mit 80C31 und einem EPROM 87C257. Typische
Technik der 80-90er Jahre. Es sieht so aus, als ob das Teil schon einige
Jahre im Wald gelegen hat. In der Mitte des Bilds befindet sich
irgendein grosses 4-beiniges Teil (Sensor,Antenne?), das über 2 Kabel
mit der Platine verbunden ist. Hinter der Platine ist ein rostiges
massives Metallgehäuse, aus dem ein dickes schwarzes Kabel nach unten
herausragt- ein Sender? Das Styroporgehäuse hat oben eine Schnur, mit
der es vielleicht in einem Baum aufgehängt war. Was könnte das sein?
Irgendetwas Militärisches? Einerseits sieht die Elektronik sehr solide
aus, andererseits macht das Styroporgehäuse kaum einen sehr dauerhaften
Eindruck. Weiss jemand, worum es sich hier handelt?
Grüße
Mike
Negerfaust schrieb im Beitrag #2375507:
> Und bei nem Wetterballon würde garantiert was draufstehen!
Bild schonmal angeschaut? Die Hälfte vom Styropor ist schon
weggebrochen.
Danke, das war aber schnell,
dank Eurer Hinweise habe ich das Teil identifizieren können. War nicht
darauf gekommen, dass es eine Radiosonde sein könnte, denn auf dem
Gehäuse steht leider nichts mehr, und vom Ballon habe ich auch nichts
gefunden. Aber die Platine ist oben mit Dr. Graw beschriftet, unten
steht - mit Mühe noch lesbar- DFM90. Es handelt sich damit also wohl um
die DFM-90 der Firma Graw aus Nürnberg:
http://www.radiosondes.com/home/company/history/
Kann ich das Ding eigentlich behalten, oder muss es zurückgegeben
werden, da Eigentum der Wetterstation?
Gruss
Mike
Werden ja sowieso keine Daten mehr erhalten sein, höchstwahrscheinlich
liegen die im RAM.
ABER
11 Zellen @ 1.2V = 13.2V, könnte sogar sein, dass die Daten ins EPROM
gebrannt wurden, für solch einen Fall.
Würde EPROM auslesen, da melden und wenn sie es wiederhaben wollen,
abholen lassen.
Hallo Zusammen,
es gehört also dem ehrlichen Finder. Die Standardsonden sind als
Einweggeräte bzw. als "Fire and Forget" Lösung konzipiert. Deine
gefundene Sonde würde ich ebenfalls mit dazu zählen. Einige "besondere"
Sonden werden mit einem Finderlohn "zurückgebeten" Auf Bald und bis zum
nächsten Fund, ggf mit GPS-RX und aufgesetztem Antennenhelix!
SD
PS: Würde mich arg wundern, wenn jemand das verschrömmelte Ding
wiederhaben wollte.
PPS: Was mich wundert, ist die Spannungsversorgung der Sonde.
Normalerweise werden die automatisiert mit Nasszellen in Betrieb gesetzt
und nicht mit einem Satz an AA-Zellen.
Was mich daran nur wundert: Ist die Platine verbrannt?! Die rotbraunen
ablagerungen können natürlich rost sein, aber auf dem ersten Blick sah
mir das sehr nach Feuerbestattung aus - der eine PLCC-IC scheint ja auch
von seinem Platz gerutscht zu sein. Oder kam das von meachanischen
Einwirkungen? Vom Aufschlag?
Hätte es da gebrannt, wäre ja das Styroporgehäuse zuerst weg gewesen.
Ich tippe auf 10 Jahre im Wald gelegen, das setzt allen Metallen extrem
zu ;)
Wenn du das EPROM runtermachen solltest, sei sehr vorsichtig, dass die
Pins nicht abbrechen. Dann in einen Sockel setzen und nie wieder
rausnehmen.
Saubermachen der Pins nicht mit einer Bürste von Links nach Rechts,
sondern mit Kontaktspray und einem Teppichmesser vorsichtig von oben
nach unten die Rückstände abkratzen.
Sascha W. schrieb:> Was mich daran nur wundert: Ist die Platine verbrannt?! Die rotbraunen> ablagerungen können natürlich rost sein, aber auf dem ersten Blick sah> mir das sehr nach Feuerbestattung aus
Flussmittel welche jahrelang mit Unterstützung der Umwelt auf die
Platine einwirken können schon so einiges verursachen.
Das GPS ist leider nur eine abgemagerte Version ohne NMEA-Ausgang. Die
messen damit nur die Relativgeschwindigkeit zur Bodenstation. Ich habe
eine Vaisala-Sonde auf dem Flohmarkt gekauft und mich später geärgert,
dass das GPS nicht brauchbar ist.
Also falls es ein Knetkästchen verbaut hat, in das zwei Drähte hinein
ragen, dann könnte es auch die Sauerlandgruppe beim letzten Wandertag
liegen gelassen haben.
Da wäre dann ein wenig obacht geboten.
:-)