Hallo,
ich habe hier einen Heizwiederstand (Heizspirale), dessen Stromaufnahme
nicht linear von der Spannung abhängig ist (siehe Anhang). Es scheint
so, als ob der Widerstandswert mit ansteigender Spannung kleiner wird.
Die Strom- und Spannungskennlinien wurde direkt am Widerstand gemessen,
es gab keine SSRs oder Relais auf der Leitung.
Hat jemand eine Erklärung für so ein nicht lineares Verhalten von
Widerständen?
Hans schrieb:> Heizwiederstand
Wieder mal: Widerstand!
> Hat jemand eine Erklärung für so ein nicht lineares Verhalten von> Widerständen?
Stichworte: PTC, NTC, VDR
Das, was du da hast, könnte auch eine Gleichrichterbrücke mit Last
sein...
Oder ein Messfehler...
Wie wurde der Strom gemessen?
Wenn Du eine Gleichspannung anlegen würdest, wäre die von der
Heizspirale abgegebene Leistung nach einer kurzen Aufheizzeit identisch
mit der elektrisch aufgenommenen Leistung.
Jetzt hast Du aber eine Wechselspannung und damit Leistungs-Nullstellen.
Im Bereich des Nulldurchgangs hast Du nur eine vernachlässigbar kleine
elektrische Leistung. Der Heizdraht hat eine gewisse thermische Trägheit
und gibt im Nulldurchgangsbereich mehr Leistung an die Umgebung ab, als
er elektrisch aufnimmt. D.h. seine Temperatur sinkt.
Dieser Bereich ist in Deinem Oszillogramm sehr schön an der sich
ändernden Stromsteilheit kurz vor bzw. kurz nach dem Nulldurchgang zu
sehen.
Eine Temperaturänderung eines Metalls hat eine Widerstandsänderung zur
Folge (wegen Gitterschwingungen, die mit steigender Temp. zunehmen).
Daniel
Der Widerstand hat die charakteristik eines PTCs, hoher Einschaltstrom
für die ersten paar Sekunden, dann konstante Stromaufnahme. Dennoch kann
ich mir das Verhalten des Widerstandes damit nicht erklären.
Gemessen habe ich den Strom über einen 0,1 Ohm Shunt. Habe solche
Messungen schon oft gemacht, daher ist ein Messfehler ausgeschlossen.
Auch eine Gleichrichterbrücke kommt nicht in Frage, da es in dem Heizer
keine Halbleiter gibt, nur eine Heizspirale.
Das ist der Knackpunkt:
Daniel R. schrieb:> Der Heizdraht hat eine gewisse thermische Trägheit
Der Draht ist beim/im Nulldurchgang am heißesten und hinkt mit seinem
PTC-Verhalten der Spannung hinterher. Lass dein Oszi mal rechnen: U/I.
Mit der Mathefunktion sollte das locker gehen...
@Daniel R.
Soweit richtig, im Nulldurchgang kühlt sich der Widerstand ab, aber
damit müsste der gegenteilige Effekt eintreten, dass der Widerstandswert
kleiner wird und der Strom überproportional zur Spannung steigt.
Genau das Gegenteil ist aber der Fall.
Hans schrieb:> Soweit richtig, im Nulldurchgang kühlt sich der Widerstand ab
Nein, dort ist er fast schon am heißesten, so wie es im Jahresverlauf am
21.Ausgust deutlich wärmer ist als am 21.April. Und das obwohl die
Sonnenscheindauer gleich ist...
Die Temperatur (und damit der Widerstand) hat eine Phasenverschiebung
gegenüber der Leistung. Das muss ja so sein, denn erst mal brauchst du
eine Leistung, dann wird der Draht warm...
Lothar Miller schrieb:> hinkt mit seinem PTC-Verhalten der Spannung hinterher
Da hinkt aber gar nichts - das Signal ist völlig symmetrisch. Das kann
es nicht sein :-(
Also kann es auch kein induktives Verhalten sein...
Vielleicht koppelt da doch was von der Spannung in die Strommessung ein
- oder umgekehrt?
Gruß Dietrich
@ lkmiller
Wenn es ein verzögerter Nachwärmen-Effekt wäre, gebe es eine
Phasenschiebung (Wie bei Nacht- Tag-Verhältnis und Temperatur). Diese
konnte ich jedoch in der Messung nicht feststellen.
Hans schrieb:> Soweit richtig, im Nulldurchgang kühlt sich der Widerstand ab, aber> damit müsste der gegenteilige Effekt eintreten, dass der Widerstandswert> kleiner wird und der Strom überproportional zur Spannung steigt.>> Genau das Gegenteil ist aber der Fall.
Tatsächlich ;)
Da hab ich danebengeschaut.
Hans schrieb:> Heizspirale
Du hast also quasi ne Luftspule, damit kann man schonmal induktives
Verhalten annehmen. Da das Ganze ja heizen soll kann man weiter
vermuten, dass die Verschiebung durch die wahrscheinlich sehr kleine
Induktivität sieht man vielleicht nur, wenn man weiter rein zoomt. Eine
Verschiebung von 10 µs würde man bei der gewählten Auflösung nicht
erkennen und es ist durchaus denkbar, dass die Verschiebung noch
geringer ist als 10 µs ;)
Dann kommen noch die Temperatureffekte dazu...ich find das Verhalten
jetzt nicht sooo merkwürdig.
Ein induktives Verhalten würde keine Nichtlinearität ergeben, und
thermische Effekte, die bei einer Frequenz von 400 Hz noch so deutlich
sind, würden mich wundern.
@Hans: was für eine Spannungsquelle nutzt du eigentlich? (123 V effektiv
bei 400 Hz). Ich weiß das Ohmsche Gesetz sollte unabhängig von der
Spannungsquelle gelten, aber vielleicht hilft ein genauerer Blick auf
den Messaufbau doch weiter...
schöne Grüße
Achim S.
Achim S. schrieb:> @Hans: was für eine Spannungsquelle nutzt du eigentlich? (123 V effektiv> bei 400 Hz).
Nennspannung wahrscheinlich 115 V mit 400 Hz, wie in vielen Bordnetzen.
Wahrscheinlich wird hier mit den wildesten
Spekulationen ein unspektakulärer Stromverlauf
besprochen, der von einem nicht-linearen
Stromwandler falsch wiedergegeben wurde...
Nächstes Kapitel: Tischerücken. ;-)
Gemessen wird über einen 0.1 Ohm Shunt, daher ist der Stromverlauf
ziemlich authentisch.
Wie zoggl schon richtig erkannt hat, ist die dritte Oberwelle stark
ausgeprägt (z.a. 15% der Hauptwelle). Bei 50 Hz hat man das gleiche
Ergebnis. Die Kurvenform ist frequenzunabhängig, womit Induktive-,
Kapazitiv-e und Nachheiz-Efekte ausgeschlossen werden können.
Bei niedrigerer Betriebsspannung wird die dritte Oberwelle kleiner
(prozentual zur Hauptwelle), was mich in der Behauptung bestärkt, dass
der Widerstand Spannungsabhängig ist. Nur warum kann ich mir nicht
erklären.
> Wahrscheinlich wird hier mit den wildesten> Spekulationen ein unspektakulärer Stromverlauf> besprochen, der von einem nicht-linearen> Stromwandler falsch wiedergegeben wurde...
Mich hat der Stromverlauf auch zuerst an einen nichtlinearen Übertrager
erinnert. Das passt aber nicht so richtig gut zu der Angabe von Hans:
> Gemessen habe ich den Strom über einen 0,1 Ohm Shunt. Habe solche> Messungen schon oft gemacht, daher ist ein Messfehler ausgeschlossen.
Es wäre interessant, den tatsächlichen Messaufbau kennen zu lernen...
Hans schrieb:
> Gemessen wird über einen 0.1 Ohm Shunt, daher ist der Stromverlauf> ziemlich authentisch.
Tja, was bleibt dann noch als Erklärung? Ein weichmagnetischer
Heizdraht, der beim Nulldurchgang ummagnetisiert wird? Irgendein
nichtlineares Schutzelement in der Heizspirale, das man von außen nicht
sieht? (Aber was/wie sollte man an einer Heizspirale schützen wollen...)
Ist das wirklich eine Heizspirale mit einem metallischen Leiter oder
vielleicht z.B. ein keramisches SiC Heizelement? Bei einem solchen würde
ich mich über einen spannungsabhängigen Widerstand nicht wundern.
Hans schrieb:> @ lkmiller> Wenn es ein verzögerter Nachwärmen-Effekt wäre, gebe es eine> Phasenschiebung (Wie bei Nacht- Tag-Verhältnis und Temperatur).> Diese konnte ich jedoch in der Messung nicht feststellen.
Ich habe da mal kurz was zusammengeclickt. Und ich meine zu erkennen,
dass der Widerstand (=Temperatur) der Leistung um 90° versetzt folgt
(wobei eine Simulation nur so gut ist, wie das zugehörige Modell). Im
Screenshot:
rot=Spannung / grün=Strom / cyan=Leistung / blau=Widerstand
(Nicht auf die Einheiten sehen, mir geht es nur um eine qualitative
Aussage)
Mich wundert aber, dass es solche schnellen thermischen Effekte geben
kann...
:-o
Kannst du an die Heizung mal 50Hz anlegen und sehen, wie sich Spannung
und Stromm dort verhalten?
Lothar Miller schrieb:> Ich habe da mal kurz was zusammengeclickt. Und ich meine zu erkennen,> dass der Widerstand (=Temperatur) der Leistung um 90° versetzt folgt
Jeglicher thermische Effekt würde eine Phasenverschiebung bewirken.
Ausser das Heizelement wäre thermisch so gut gekoppelt, daß fast
beliebig große Energien abgeführt werden könnten, aber dann würde es
sich auch nicht erwärmen und so einen Effekt verursachen :-)
Ich tippe eher auf einen systematischen Fehler (Messung) oder
tatsächlich auf sowas wie eine Diodenbrücke.
Lothar Miller schrieb:> Mich wundert aber, dass es solche schnellen thermischen Effekte geben> kann
Wenn die Oberfläche und die Temperaturdifferenz groß genug ist (und die
Wärmekapazität klein genug) sollte das möglich sein.
Udo Schmitt schrieb:> Jeglicher thermische Effekt würde eine Phasenverschiebung bewirken.
Ja, das ist doch das, was ich sagen will: der Heizdraht an sich wird mit
gepulster Leistung beaufschlagt. Und der Heizdraht an sich kann dieser
Leistungsänderung nur mit Verzögerung folgen und erwärmt sich dann "von
innen heraus", was sich dann an der verzögerten Widerstandsänderung
erkennbar macht...
Es geht mir also um den Draht und sein Verhalten, nicht um das
Bauelement "Heizung". Ich sehe noch nicht, wo ich mit meinen Vermutungen
falsch liegen könnte. Wobei ich davon ausgehe, dass das wirklich nur ein
Draht ist und keine Messfehler involviert sind...
> Klick doch mal was mit einem SiC Varistor zusammen.
Das hatte ich schon im meinem ersten Post geschrieben. Aber das wird von
Hans eindeutig ausgeschlossen. Man kann nur davon ausgehen, dass
1. das nur ein simpler Heizdraht mit PTC-Verhalten und
2. kein Messfehler
beteiligt ist.
Lothar Miller schrieb:>> Klick doch mal was mit einem SiC Varistor zusammen.> Das hatte ich schon im meinem ersten Post geschrieben. Aber das wird von> Hans eindeutig ausgeschlossen.
So eindeutig ist das vielleicht nicht.
Nach den Abbildungen hier
http://www.berghuetten-gmbh.de/Siliziumkarbid.html
kann ein Siliziumkarbid - Heizstab von aussen so aussehen als wäre da
ein Draht auf einen zylindrischen Grundkörper aufgewickelt
So, der Übersichtlichkeit wegen:
der Widerstand bildet immer diese signalform, egal ob bei 400 oder 50
Hz.
Gemessen wurde über einen 0,1 Ohm widerstand.
Der Widerstand ist ein PTC.
Der Messshunt ist nicht oxidiert.
ich bin der meinung, dass ein PTC halbleiter effekte zeigen kann und das
ebens hier schön demonstriert.
OK, zur Aufklärung, es ist in der tat ein Siliziumkarbid Heizstab.
Dachte auch erst, dass der Stab nur als Winkelkörper für den Heizdraht
dient.
Da Siliziumkarbid kein idealer Widerstand ist sondern
Halbleitereigenschaften aufweist, kann man denke ich damit die
Verzerrungen erklären.
Danke für die Antworten werde mich mal in das Thema einlesen.
Lothar Miller schrieb:> Woher weißt du das? Bist du bei Hans in der Nähe?
nein, wenn er es schreibt glaube ich ihm das. über den unterschied
zwischen glauben und wissen spreche ich nur mit meinem pfarrer.
Hans schrieb:> Bei 50 Hz hat man das gleiche> Ergebnis.Lothar Miller schrieb:>> Der Widerstand ist ein PTC.> Aber Hans schrieb:>> da es in dem Heizer keine Halbleiter gibt, nur eine Heizspirale.
scheinbar fehlte hans die verknüpfung dass ein PTC ein halbleiter ist
und dieses verhalten zeigt:
aber Hans schrieb auch im Beitrag #2547226:
> Der Widerstand hat die charakteristik eines PTCs, hoher Einschaltstrom> für die ersten paar Sekunden, dann konstante Stromaufnahme.
Clemens S. schrieb:> nein, wenn er es schreibt glaube ich ihm das.> Hans schrieb:>> Bei 50 Hz hat man das gleiche Ergebnis.
Das ist übel, den habe ich überlesen und übersucht, weil die Zahl und
die Dimension getrennt sind... :-/
> über den unterschied> zwischen glauben und wissen spreche ich nur mit meinem pfarrer.
Ja, das sollte man Profis überlassen... ;-)
Clemens S. schrieb:> aber Hans schrieb auch im Beitrag #2547226:>> Der Widerstand hat die charakteristik eines PTCs, hoher Einschaltstrom>> für die ersten paar Sekunden, dann konstante Stromaufnahme.
Gut, das ist ein PTC.
Und PTCs sind spannungsabhängig, das schreibt auch EPCOS...
Lothar Miller schrieb:> Gut, das ist ein PTC.> Und PTCs sind spannungsabhängig, das schreibt auch EPCOS...
Dann müssten sie ja eeigentlich VDR heissen. :-))
Gruss
Harald
Harald Wilhelms schrieb:>> Und PTCs sind spannungsabhängig, das schreibt auch EPCOS...> Dann müssten sie ja eeigentlich VDR heissen. :-))
Naja, die werden halt für das verkauft, was sie besser können.... :-/
So wie bei keramischen Kondensatoren (schon wieder Keramik): die
Kapazität nimmt (als unerwünschter Nebeneffekt) mit steigender Spannung
ab.