Ich habe eine Layout, was unten komplett Masse ist. Jetzt dachte ich es
ist sinnvoll auf der Seite mit den meisten Leiterbahnen auch komplett
mit Masse zu umgeben. Soll ich die zwei Masseflächen mit möglichst
vielen Durchkontaktierungen verbinden?
Fragender schrieb:> Soll ich die zwei Masseflächen mit möglichst vielen Durchkontaktierungen> verbinden?
Ob das sinnvoll ist, hängt davon ab, was außer Masseflächen noch auf
deine Platine kommt.
@ Fragender (Gast)
>Ich habe eine Layout, was unten komplett Masse ist.
Schön.
> Jetzt dachte ich es>ist sinnvoll auf der Seite mit den meisten Leiterbahnen auch komplett>mit Masse zu umgeben. Soll ich die zwei Masseflächen mit möglichst>vielen Durchkontaktierungen verbinden?
Wenn man paranoid ist, ja. In 99% aller Fälle ist das Unsinn, wenn
gleich man es des öfteren sieht.
Falk Brunner schrieb:> Wenn man paranoid ist
Hallo,
du reitest mal wieder dein Steckenpferd (bzw. Obsession): alles
HF-Design ist Blödsinn. Wenn es nicht Leute gäbe die es besser wissen
würde kaum ein Motherboard oder Handy funktionieren. Es hat schon seinen
Grund, z.B. am Rand der LP entlang GND-Vias zu setzen - bei manchen
HF-Designs sind die Entwickler sogar so paranoid, dass sie die GND-Lagen
per Kantenmetallisierung verbinden! Wahrscheinlich findest du das zum
Totlachen.
Gruss Reinhard
@ Reinhard Kern (Firma: RK elektronik GmbH) (rk-elektronik)
>du reitest mal wieder dein Steckenpferd (bzw. Obsession): alles>HF-Design ist Blödsinn.
Keine Sekunde.
> Wenn es nicht Leute gäbe die es besser wissen>würde kaum ein Motherboard oder Handy funktionieren. Es hat schon seinen>Grund, z.B. am Rand der LP entlang GND-Vias zu setzen - bei manchen>HF-Designs sind die Entwickler sogar so paranoid, dass sie die GND-Lagen>per Kantenmetallisierung verbinden! Wahrscheinlich findest du das zum>Totlachen.
Dito.
Ich sehe aber immer wieder Platinen, wo aus purer Panik tonnenweise VIAs
gesetzt sind, die schlicht und ergreifend Blödsinn sind. Und als
Begründung kommen dann diffuse Erklärungen. Ist genauso wie der
Masseflächenfetischismus hier im Forum. Die Masse der einfachen
Schaltungen braucht sie nicht, bzw. in vielen Fällen sind sie einfach
viel zu zerstückelt und sinnvoll zu sein.
@Falk
Ja da hast du sicher recht. Grund ist Halbwissen ("Hab mal gehoert,
Masseflaechen sind gut, aber wozu nochmal genau ?" / "Das macht MAN halt
so").
Das Bloede ist, dasz ich mich davon (noch) nicht ganz ausnehmen kann.
Das kotzt mich selber an, dasz ich da kein umfassendes, geschloszenes
Wissen habe.
@ Dieter G. (dieter_g)
>Das kotzt mich selber an, dasz ich da kein umfassendes, geschloszenes>Wissen habe.
Das ist nicht das Problem. Das Problem sind die Leute mit Halbwissen,
die glauben zu wissen.
Wer glaubt zu wissen, muss wissen er glaubt. Laotse.
Solange man sich über seine Wissenslücken im Klaren ist und diese auch
sich selbst eingesteht, solange man bestrebt ist, diese zu schließen,
und solange man auch mit viel Erfahrung und Wissen sich ein gewisses
Mass an Bescheidenheit und Erfuhrcht bewahrt und sich bewußt macht, dass
man auch dann noch lange nicht alles weiß und jede Frage beantworten
kann, dann ist alles OK.
Falk Brunner schrieb:> Ich sehe aber immer wieder Platinen, wo aus purer Panik tonnenweise VIAs> gesetzt sind, die schlicht und ergreifend Blödsinn sind.
Welche belegbaren Nachteile verursachen denn "zu viele" Vias?
Nachdem sich nicht einmal (mehr) die Platinenfertiger darüber aufregen
und beim Kunden beschweren - weder aufrund der Bohrungen noch dem
Metallisieren...
Die verursachen bei normalen Anwendungen gar keine Nachteile (ganz im
Gegenteil) - naja solange man es nicht übertreibt - irgendwann wird die
Platine instabil ;-)
Ich versuche auf allen 2 Layer Platinen an so vielen Stellen wie möglich
TOP+Bottom GND zu verbinden, aber ich übertreibe es nicht. 1 Via pro
10mm^2 reicht meist schon aus, an kritischen Stellen mach ich auch mal 4
pro 10mm^2. Hat bislang immer sehr gut geklappt (<=50MHz Kram, für alles
andere wirds eh Multilayer) und hatte bislang noch nie Probleme damit,
alle Signale sehen 1A aus, ohne Überschwinger oder sonstige Probleme.
@Joseph H. (Gast)
>> Ich sehe aber immer wieder Platinen, wo aus purer Panik tonnenweise VIAs>> gesetzt sind, die schlicht und ergreifend Blödsinn sind.>Welche belegbaren Nachteile verursachen denn "zu viele" Vias?
1. Kosten
>Nachdem sich nicht einmal (mehr) die Platinenfertiger darüber aufregen>und beim Kunden beschweren - weder aufrund der Bohrungen noch dem>Metallisieren...
Warum auch? Die werden schlicht verrechnet. Dienstleistungsgesellschaft.
2. Blödsinn, der immer weiter getragen wird, siehe die urban legend mit
den Knicken in HF-Leitungen. Sowas geht mir prinzipell auf den Keks.
Schließlich bin ich Ingenieur und nicht Voodoo-Anhänger.
http://www.mikrocontroller.net/articles/Wellenwiderstand#90.C2.B0_Ecken_in_Leiterbahnen
Falk Brunner schrieb:> Ist genauso wie der> Masseflächenfetischismus hier im Forum. Die Masse der einfachen> Schaltungen braucht sie nicht, bzw. in vielen Fällen sind sie einfach> viel zu zerstückelt und sinnvoll zu sein.
Das spart deutlich Ätzmittel. Dafür ist die Stückelung egal.
Falk Brunner schrieb:> Blödsinn, der immer weiter getragen wird, siehe die urban legend mit> den Knicken in HF-Leitungen. Sowas geht mir prinzipell auf den Keks.
Es hat aber auch wirklich keinen Nachteil und ist daher egal. (Und sieht
auch noch schöner aus.)
Dussel schrieb:> Falk Brunner schrieb:>> Blödsinn, der immer weiter getragen wird, siehe die urban legend mit>> den Knicken in HF-Leitungen. Sowas geht mir prinzipell auf den Keks.> Es hat aber auch wirklich keinen Nachteil und ist daher egal. (Und sieht> auch noch schöner aus.)
... und mit 45° Winkeln vermeidet man 90° Ecken - das ist für Ätzen
besser, insbesondere wenn man sowieso schon dünne Leiterbahnen hat.
Falk Brunner schrieb:> Nomen est Omen.
Und was soll mir das sagen?
"Der Name Falk leitet sich ab von dem germanischen Männernamen Falko,
der seinem Träger die Eigenschaften dieses besonders für die Beizjagd
geschätzten Greifvogels zusprach." Von Wikipedia.
Daran kann ich jetzt nichts für die Diskussion Interessantes erkennen.
Wohnst oder wohntest du eigentlich mal in Rheinbach? Dein Name kommt in
Deutschland sicher nicht so oft vor.
Falk Brunner schrieb:> siehe die urban legend mit> den Knicken in HF-Leitungen.
Tut mir leid, dann hast du das Problem an einem 90Grad-Winkel in einer
Transmission Line schlicht nicht verstanden, dabei ist das ganz einfache
Geometrie. Wahrscheinlich bist du zur Aufnahme neuer Erkenntnisse
wirklich nicht mehr imstande, da hat es wohl auch keinen Zweck,
Grundlagen noch und noch mal zu erklären. Akzeptiere einfach, dass es
eine Welt mit HF-Effekten gibt, die völlig ausserhalb deiner Vorstellung
liegt.
Ist halt der Lauf der Dinge, man hätte Isaac Newton auch keine
Quanteneffekte erklären können.
Gruss Reinhard
Hallo Reinhard.
> Akzeptiere einfach, dass es> eine Welt mit HF-Effekten gibt, die völlig ausserhalb deiner Vorstellung
Nun, nicht jedes Design hat mit mit hohen Frequenzen oder
Flankensteilheiten zu tun, dass diese Effekte zum Tragen zu kommen.
Eigentlich sollte man so langsam und mit so wenig Flankensteilheit wie
möglich arbeiten, wie es nur möglich ist. Das EMV Verhalten wird
deutlich gutmütiger.
Und eine zerlappte Massefläche kann üble Resonanzen aufweisen. Darum
kann es sinnvoll sein, sie wegzulassen, wenn man sie nicht mit Vias auf
eine andere, "echte", Massefläche nageln kann.
Mal abgesehen davon, das eine Massefläche üble Brummschleifen
provozieren kann. Nicht unbedingt im eigenen System, sondern auch in
angeschlossenen Geräten, wo Du das Layout nicht selber in der Hand hast.
Die HF-Zäune aus Vias bilden mechanische "Sollbruchstellen" wie eine
Briefmarkenperforation. Ok, man kann sie versetzt anordnen, aber das
mindert das Problem nur, es beseitigt es nicht.
Es gibt keine ideale Lösung, nur Annäherungen. Die Kunst ist, an der
richtigen Stelle den Mut zur Lücke zu haben. ;O)
Mit freundlichem Gruß: Bernd Wiebus alias dl1eic
http://www.dl0dg.de
Bernd Wiebus schrieb:> Mal abgesehen davon, das eine Massefläche üble Brummschleifen> provozieren kann. Nicht unbedingt im eigenen System, sondern auch in> angeschlossenen Geräten, wo Du das Layout nicht selber in der Hand hast.
Hmmm.
Ich könnte mir nur vorstellen, das Störungen aus der eigenen Schaltung
dann über eine der Verbindungen dahin geleitet werden?
Lässt man die Masse aber ganz weg, kann die eigene Schaltung ja viel
leichter von selbst abstrahlen und somit auch andere stören. Also doch
lieber eine zerstückelte Masse"fläche" als gar keine?
Hallo Albert G.
> Hmmm.> Ich könnte mir nur vorstellen, das Störungen aus der eigenen Schaltung> dann über eine der Verbindungen dahin geleitet werden?> Lässt man die Masse aber ganz weg, kann die eigene Schaltung ja viel> leichter von selbst abstrahlen und somit auch andere stören. Also doch> lieber eine zerstückelte Masse"fläche" als gar keine?
Wenn die andere Schaltung nach der Verbindung mit meiner die Probleme
mit der Brummschleife hat, wird man das meiner genauso Anlasten wie
Abstrahlungen. :-(
Im Zweifel müssen dann NF-Leitungen per Übertrager angeschlossen werden.
Aber das ist Aufwand, den ich eigentlich gerne vermeide.
Eine Massefläche kann auch das Gegengewicht einer strahlenden Antenne
sein.
Es gibt auch Möglichkeiten, die zerklüftete Masse zu bedämpfen, indem
ich irgendwelche Massehalbinseln an der Spitze mit z.B. 100R - 1k
Widerständen mit der Restmasse verbinde. Direkter Kurzschluss kann auch
Sinnvoll sein. Hängt halt etwas davon ab, was für Leitungen in dem
Bereich geführt werden.
Manchmal werden solche Massehalbinseln auch mit 100pF - 100nF und einem
Serienwiderstand angeschlossen, um einen Hochpass für die HF zu haben
und den Brumm wegzusperren. Komplette Masseinseln sind auch kompletter
Blödsinn. Sie sollten immer an mehreren Stellen mit Masse verbunden
werden, oder aber ganz weggelassen werden.
Das reine Ideal sagt eben, alle Masseverbindungen so induktivitätsarm
und widerstandsarm zu machen wie nur irgend möglich, und für den
fliessenden Strom immer einen kontrollierten Rückweg bereitzuhalten. Und
in dem "kontrollierten" liegt eben die Krux, wenn quer über mein Board
halt Ströme fliessen, die ihre Quelle und Senke ausserhalb meiner
Kontrollmöglichkeiten haben. In den Falle führt induktivitätsarm und
widerstandsarm zwar zu niedrigeren Spannungen, aber oft auch zu höheren
Strömen, die dann magnetisch Koppeln oder anderswo höhere
Längstspannungen verursachen.
Als "Faustregel" würde ich sagen:
2-Lagig:
Bei HF-Schaltungen Masseflächen, bei NF ein sternförmiges
Masseleitungsnetz. Das Problem sind dann die Fälle, wo beides
nebeneinander sitzt.....
Multilayer:
Durchgehende Massefläche, die ist bei Multilayer leichter unzerklüftet
hinzubekommen. Wenn ich noch Versorgungslayer habe, kann ich die HF
bezogen ebenfalls eng an die Massefläche koppeln, und habe sogar
zusätzliche "Massefläche". Das Problem sind dann die Brummschleifen bei
Verbindung mit der Restwelt, die, guter Aufbau vorausgesetzt, bei mir
unter Umständen auch keinen Ärger machen, aber halt anderswo.....
Vieleicht bin ich dann politisch in der Lage, dieses als PAL (Problem
anderer Leute) zu betrachten, oft aber auch nicht. Dann muss ich mir was
einfallen lassen
Oft wird das auf Übertrager hinauslaufen. Nicht ohne Grund gibt es bei
Schnittstellen so Sachen wie symmetrische Leitungspaare, für die häufig
sogar konfektionierte Übertrager angeboten werden. Sehr elegant können
auch Optokoppler oder Lichtwellenleiter sein. Ist natürlich wieder
Aufwand.
Das Masseflächen Ätzlösung sparen, gilt übrigens nur für den Selbstbau,
wo es üblich ist, aus der vollen dicken Kupferlage komplett wegzuätzen.
In der kommerziellen Leiterplattenfertigung gilt das so nicht, weil dort
die Kupferschichten galvanisch erst aufgebaut werden müssen.
Grober Vorgang: Erst eine komplette dünne Kupferauflage auf die Platine
aufbringen. Dann wird beschichtet, und die Kupferauflage an den
Leiterbahnen weiter verstärkt. Die durchgehende Schicht ist als Kathode
nötig. Anschliessend wird die Beschichtung entfernt, und alles soweit
wieder runtergeätzt, das nur noch die Leiterbahnen in der gewünschten
Dicke erhalten bleiben. Aber der Teufel steckt im Detail, und die
Prozesse können je nach Hersteller und Fertigunsstrasse noch deutlich
variieren.
Mit freundlichem Gruß: Bernd Wiebus alias dl1eic
http://www.dl0dg.de