Hallo Max.
Max schrieb:
> Stellenangebot im Versuch. Folgende
> Aufgaben werde ich erfüllen sollen.
> Durchführen der Qualifizierungsprüfungen für Bedienmodule gemäß
> Erprobungspflichtenheft und von elektrischen Prüfungen,
> Umweltprüfungen, Lebensdauerprüfungen, klimatischen Tests und
> visuellen Prüfungen mit Hilfe spezieller Messtechnik und
> Prüfständen inkl. zugehöriger Software.
Ich bin Prüfingenieur. Schick mir eine PM und ich erzähle Dir was über
den Beruf. Ein kleiner Teil meiner Arbeit umfaßt sämtliche der von Dir
genannten Tätigkeiten, ein anderer kleiner Teil z.B. Hoch- und
Höchstspannungstechnik. Siehe hier:
Beitrag "Re: Tätigkeiten eines Ingenieurs abseits von Entwicklung"
(elekrische Prüfungen an Isolatoren mit unbekannten Nennwerten, hier
Tauglichkeitsfestellung für 200 kV Wechselspannung, Überschläge bei 240
kV und mehr, diese Isolatoren benutzen wir seit den von mir
durchgeführten Prüfungen im Prüffeld für Mittel- und
Hochspannungsprüfkreise, von den weiteren Prüfungen wie z.B.
Blitzstoßspannung, Wechselspannung mit nassem Isolator oder
Schaltstoßspannung haben ich leider keine Bilder gemacht)
Ein weiterer kleiner Teil ist die Welt der hohen und ultrahohen Ströme
und Kräfte (Kurzschlußfestigkeit). Die Lichtbogenerscheinungen sind
darin ein besonderes Feld. Die Schaltgerätetechnik ist ein weiterer
kleiner Teil. Die Antriebstechnik und Antriebsregelung. Die ruhenden und
rotierenden elektrischen Maschinen. Die Leistungselektronik. TET
verfolgt mich ständig und ist die Herausforderung überhaupt, denn
Prüfkreise sind ausgedehnte Objekte, d.h. physikalische Gebilde. Felder,
Wellen, Kräfte, induktive Schleifen, Streukapazitäten,
LC-Wechselwirkungen, Systemantworten und Übertragungsfunktionen. Und
inmitten des Infernos aus hohen Spannungen, Strömen, Kräften, die
Meßtechnik. Usw. usw. usw. usw. Ich will hier nicht ins Detail gehen.
Ich mach bspw. auch numerische Simulationen, wenn es notwendig ist.
Schreib mir und wir reden außerhalb des Forums weiter.
Mein Arbeitsalltag unterscheided sich jedenfalls erheblich von dem
ehemaliger Kommilitonen und Freunde. Am Anfang war alles neu und
spannend. Jetzt, nach Jahren, machen 90% noch immer dasselbe und
dasselbe und dasselbe und das gleiche und dassselbe und das gleiche und
dasselbe, spezialisieren sich ein wenig, vergessen im Gegenzug 90% vom
Uniwissen. Verantwortung wird, typisch deutsch, in kleinen Häppchen
dargereicht. Diejenigen, die in ERA-Unternehmen sitzen, machen bloß noch
Dienst nach Vorschrift.
Eine Einschränkung muß ich allerdings machen: Ich arbeite im Ausland, wo
Ansolventen mehr zugetraut wird, wo Absolventen möglichst vielseitig
gefördert werden, wo wesentlich besser bezahlt wird und wo man von
Anfang an signifikant mehr Verantwortung aufgebrummt bekommt. Daß ich
soviel Abwechslung und Spaß am Beruf habe, könnte deswegen erheblich
standortbeeinflußt sein und es ist denkbar, daß ich auf einer
vergleichbaren Stelle in der BRD am Rad drehen würde. Prüfingenieur ist
generall trotzdem die beste Tätigkeit. Man sieht Sachen (Fehler), die
gestandene Experten in der Praxis in 30 Jahren nie zu Gesicht bekamen
(Explosionen, Kraftwirkungen des Stromes usw.).