Hi,
test schrieb:
> ich bin gerade dabei ein Layout für einen PIC16F1827 zu erstellen und
> hätte da mal eine Frage.
Also zuerst einmal:
Die Oszillatorschaltung mit Quarz an einem "F" Pic vom "schwingen"
abzuhalten erfordert schon einiges an Aufwand. Die Zeiten in denen schon
kleine Probleme ein Zicken der Schaltung verursachten sind bei den PIC
schon lange vorbei. Und sicher dürfte das für die meisten anderen
modernen µC auch zutreffen.
Es ist nicht verkehrt sich Gedanken um das richtige Layout zu machen,
aber wenn ich sehe wie manche sich um den Anschluss eines 4MHz
Massenquarzes mit 50ppm Grundtoleranz und +/- 100ppm Temperaturdrift an
einem µC mehr Gedanken machen als manche professionelle Entwickler
hochwertiger Funktechnik beim Anschluss des PLL Mutterquarzes mit unter
10ppm Grundtoleranz (Abgleichbar mit TrimmC) und +/- 2ppm
Temperaturdrift, dann kann ich nur den Kopf schütteln...
Und was GANZ WICHTIG ist:
Gerade beim Layoutentwurf gibt es in ganz vielen Fragestellungen
überhaupt NICHT die EINE WAHRHEIT. Teilweise gehen die Meinungen sogar
sehr sehr weit auseinander ohne das man bei heutigen Kentnissstand
seriös sagen könnte wer von beiden recht hat.
Es ist sogar so das sich in der Vergangenheit mehrfach Designstrategien
die längere Zeit unumstritten waren später als grundfalsch
herausgestellt haben.
Daher: Wann immer jemand behauptet das ER ALLEINE die einzige Wahrheit
kennt, dann kannst du GENAU diese Person ganz sicher getrost
ignorieren...
Aber nun mal etwas mehr in Richtung Grundlagen:
test schrieb:
> Man sagt ja immer die Blockkondensatoren sollen so nah wie möglich an
> den Versorgungspin, der Quartz aber wohl leider auch.
Die Blockkondensatoren so dicht wie möglich an +Ub ist unbestritten.
Das die Anbindungen der Quartze an den µC so kurz wie möglich sein
sollten ebenfalls. Aber bereits bei der Beschaltung mit den
Lastkondensatoren gehen die Ansichten plötzlich weit auseinander.
Unbestritten ist das die Anbindung an die LastC und dieser an GND so
kurz wie möglich sein sollte. Aber ob die Anbindung nun besser direkt
auf die GND_Plane oder aber isoliert von dieser erst über den GND
Anschluss des µC auf Masse geht ist schon wieder rege Umstritten.
Generell sehe ich mir in solchen Fällen wie der Platzierung von
Abblockkondensatoren drei Punkte an und entscheide danach.
1. Wo habe ich die "höheren" Signalfrequenzen zu erwarten.
2. Wo richtet ein schlechte Platzierung mehr Schaden an.
3. Kann ich eines des konkurierenden Bauteile an eine ebenso geeignete
Stelle verschieben.
Die Ergebnisse dieser Betrachtung können variieren.
test schrieb:
>bei der Quarzschaltung will ich mich nach Lothar Miller richten.
> http://www.lothar-miller.de/s9y/categories/33-Quarz
In diesem Fall fragst du am besten Lothar Miller.
Um auch hier etwas vorweg zu nehmen. Diese Designstrategie gibt
durcfhaus ein hochwertiges Ergebniss - ISt aber nicht die einzige
geeignete Strategie. Und wenn man seinen Schaltungsvorschlag UND das von
ihm referenzierte Atmel Dokument vergleicht wird man feststellen das er
selbst auch einigen der DARIN enthaltenen Empfehlungen zuwidergehandelt
hat.
Beispielsweise:
• Reduce the parasitic capacitance between Xtalin and Xtalout pins by
routing them as far apart as possible.
• Connect the external capacitors needed for the crystal and the ceramic
resonator operation as well as the crystal housing to the ground plane.
(Freistellen und möglichst nahe am GND Pin des µC wird nur bei
Einlagigen Platinen empfohlen!• In case there is only one PCB layer, it
is recommended to place a guard ring around the
oscillator components and to connect it to the oscillator ground pin.
)
Dies ist selbst bei strenger Auslegung nicht zwingend als Designfehler
zu betrachten sondern lediglich als Beispiel davon das fast jedes
Praktisch umgesetzte Design immer nur einen mehr oder weniger guten
Kompromiss darstellen wird.
Wenn man jetzt nicht das ATMEL Dokument heranzieht sondern andere
Dokumente wird man gar festellen das sich die Empfehlungen sogar in
einigen Punkten widersprechen! Je nach dem welches Dokument man liest
hat man dann ein Super Design oder aber mist verzapft.
Das sieht man auch schon daran das Lothar als "Negativbeispiel"
ausgerechnet ein TI Layout heranzieht wo gerade TI mit AD aus meiner
Sicht mit die fachlich besten Referenzen für "Analoge Layouts"
bereithält.
Auch Microchip setzt bei seinen eigenen Layouts (Dev-Boards) bei der
Platzierung der Quartze auf genau dassselbe Schema wie auch im
kritisierten TI Beispiel.
Der Witz an der Sache ght ja sogar so weit, das ein ZU GUTES
Quartzlayout der Sache sogar hinderlich sein kann da im Extremfall das
Problem auftauchen könnte das der Quartz gar nicht zuverlässig
anschwingt. Denn der Oszillator braucht ja einen ersten Schubs - der
durch Rauschen oder eigekoppelte Spikes usw. üblicherweise gegeben ist.
- und erst nach diesem ersten Schubs schaukelt sich die Schwingung hoch.
Gibt ja sogar genug Tipps die empfehlen den Oszillatorkreis künstlich zu
VERSCHLECHTERN um das anschwingen zu erleichtern...
test schrieb:
> Leider ist das bei den PICs aber so, dass neben den Quarzpins nicht der
> GND-Pin, sondern der Versorgungspin ist.
Damit scheidet ein Routing nach LM ja praktisch schon aus.
Also so kurz wie möglich auf die GND Plane und gut...
Die im Atmel Dokument enthaltene Empfehlung die Cs so nah wie möglich am
µC, insbesondere beim Xtal-in, ist bei Microchip und anderen nirgendwo
erwähnt und insbesondere von Microchip selbst auch nirgendwo auf den mir
bekannten Boards umgesetzt.
Ach JA:
Hier noch mal ein Beispiel zum Verhältniss Theorie und Praxis beim
Entwurf von Quarzlayouts. Mal an einem Punkt aus der Atmel AN:
Es ist so das in der Atmel AN Dinge enthalten sind die GANZ EINDEUTIG
gegen die gelehrte Theorie gehen!
Ironischerweise sind die aber dennoch in vielen Situationen sehr
sinnvoll.
So ist bei rein theoretischer Betrachtung das Legen einer Massefläche
unter dem Quarz ein Fehler. Der Quarz hat freigestellt zu sein.
(Parasitäre Kapazität)
Im praktischen Leben schafft man sich damit aber zwar eine tatsächlich
vorhandene parasitäre Kapazität, wird dafür aber mit einer über weite
Strecken konstante Betriebsbedingung für den Quarz belohnt. Die
Kapazität durch die GND-Plane ist konstant und kann bei Bedarf sogar
durch rechnen oder abgleichen eliminiert werden. Dinge wie
unterschiedliche Einbaulagen im Gehäuse oder andere Gehäusemateriealien
verändern aber durch die GND-Plane die Gesamtbilanz der parasitären
Kapazitäten kaum noch.
Ohne die GND Plane habe ich zwar einen wesentlich geringeren statischen
Effekt, aber jede Veränderung der äusseren Einflüsse schlägt viel
stärker auf den Quartz durch. Hier kann ich im Vorfeld also KAUM
gegensteuern...
(Aber auch hier noch einmal der Hinweis: Das sind Dinge über die ICH mir
beim Bau von stabilen Oszillatoren für Funkübertragungen im UHF Bereich
Gedanken mache und berücksichtige - bei vier oder acht Megahertz ist das
alles nur Theorie mit geringer Praxisrelevanz -> Da zählt nur Wege kurz
halten und möglichst weit weg von starken Wechselspannungssignalen aller
Art)
Gruß
Carsten