Leider ist in den Zeiten von Internet und den ganzen
Läden, die ihr Zeug bis zum nächsten Tag versenden, auch
die Geduld der Kunden verloren gegangen.
Wir brauchen für einen Auftrag Wochen, manchmal Monate.
Nun muss ich natürlich immer öfter Kunden auf den Boden
der Tatsachen runterziehen.
Ausreden, wie: " Werkstatt abgebrannt", "Alle Mitarbeiter
vom Gerüst gefallen", " Material geklaut", usw.
habe ich durch.
Eine ehrliche Zeitangabe will niemand hören.
Was soll ich machen?
Gruß vom genervten Handwerker.
Bernd
P.S. " Die Welt ist erst wieder in Ordnung, wenn all die studierten,
beidseitigen Linkshänder, schreiend an der Tür stehen und auf
den Handwerker warten. "
Sag halt wie es ist:
Aufgrund der von uns gelieferten Qualität, des angemessenen Preises und
leider vorkommenden Notfälle liegt der erste verfügbare Termin am xxxxx.
Es steht ihnen frei den Auftrag an einen Mitbewerber zu vergeben desse
Teminkalender leer ist, sie sollten sich allerdings fragen warum dem so
ist.
Wir würden uns freuen blablabla.
Chr. Messener schrieb:> Sag halt wie es ist:> Aufgrund der von uns gelieferten Qualität, des angemessenen Preises und> leider vorkommenden Notfälle liegt der erste verfügbare Termin am xxxxx.> Es steht ihnen frei den Auftrag an einen Mitbewerber zu vergeben desse> Teminkalender leer ist, sie sollten sich allerdings fragen warum dem so> ist.> Wir würden uns freuen blablabla.
Im Prinzip hast du recht. Aber: Die anderen Betriebe
belügen ihre Kunden.
Wenn du sagst: "Wir können erst im August", ist der Kunde weg.
Bei dem Anderen kriegt er seine Sache dann im September.
Hier zahlt sich Ehrlichkeit nicht aus.
Grüße Bernd
Bernd Funk schrieb:> Hier zahlt sich Ehrlichkeit nicht aus.
Das hängt sehr davon ab, ob Du mit "Einmalkunden" zu tun hast, oder ob
Du mit den selben Kunden über mehrere Jahre hinweg viele Aufträge
durchziehst.
Ich hab so einige Lieferanten, bei denen weiß ich genau daß ich mich auf
die verlassen kann. Die nehme ich selbst dann, wenn deren Angebot nen
paar Euro teurer ist oder sie mir eine längere Lieferzeit nennen. Ich
weiß dafür aber daß die für die Termine und den Kram den sie liefern
hinterher geradestehen.
Wenn ich natürlich das Standardprodukt XY123 online bestellen will, dann
nehme ich den günstigsten Lieferanten der es auf Lager hat (nachdem ich
verifiziert habe, daß es wirklich auf Lager ist und nicht nur
irgendwelche Hoffnungswerte im Onlineshop angezeigt werden). Aber wenn
ich mir Deine Webseite anschaue, glaube ich nicht daß das Dein
Geschäftsfeld ist.
Gerd E. schrieb:> Bernd Funk schrieb:>> Hier zahlt sich Ehrlichkeit nicht aus.>> Das hängt sehr davon ab, ob Du mit "Einmalkunden" zu tun hast, oder ob> Du mit den selben Kunden über mehrere Jahre hinweg viele Aufträge> durchziehst.
Jein.
Die meisten Aufträge laufen über Architekten, mit denen ich
seit Jahrzehnten! zusammenarbeite.
Das Problem, das die genauso trifft, ist eine wachsende
Ungeduld.
Versuch heute mal einem Bauherrn eine Lieferzeit von mehr als
einem halben Jahr zu vermitteln.
Unmöglich.
Natürlich wird es darauf hinauslaufen, egal, wer es macht.
Aber sagen darfst du es nie.
Grüße Bernd
Das Hauptproblem sind ja Termine.
Da gibt es Pläne und einen Bauzeitenplan.
Die Sachen in die Produktion zu nehmen, wenn das da steht,
kannst du vergessen.
Das stimmt um Wochen bis Monate nicht.
Um eine halbwegs konstante Betriebsauslastung zu erreichen,
brauchst du einige Aufträge mehr.
Ganz dumm wird es, wenn es dann doch mal stimmt.
Jetzt muss einer warten. Natürlich der, der am wenigsten Geld kostet.
Blöd und unfair, aber so ist das.
Grüße Bernd
Ich würde genau damit werben.
Wenn Deine Architekten zuerst mit dem Endkunden kontakt haben, dann
sollte es möglich sein, bereits an der Stelle reinen Wein einzuschenken.
Meine Erfahrung mit Kunden und Zeitdruck ist:
Sag es ihm ehrlich wie es ist, und vor allen Dingen sag es ihm so früh
wie irgend möglich.
Ich selbst ( als Kunde ) würde mich besonders darüber ärgern, wenn ich
merke dass mir einer Märchen erzählt, "nur" um den Auftrag zu bekommen.
Bernd Funk schrieb:> Wir brauchen für einen Auftrag Wochen, manchmal Monate.
Ja, das brauche ich auch für viele Aufträge, auch wenn unser Vertrieb
die Lieferung übermorgen zugesichert hat. Besonders lustig wird es dann,
wenn ein kurzfristiger Termin vereinbart wurde und der Einkäufer als LT
für ein Bauteil 28 Wochen genannt bekommt. Dann hilft auch keine
zusätzliche Man(n)-Power.
Letztlich habe ich meinem Chef schon ein paar Mal sagen müssen, dass ich
nicht zaubern kann und er den Auftrag gern an einen Kollegen geben soll.
Stefan M. schrieb:> Ich würde genau damit werben.> Wenn Deine Architekten zuerst mit dem Endkunden kontakt haben, dann> sollte es möglich sein, bereits an der Stelle reinen Wein einzuschenken.>> Meine Erfahrung mit Kunden und Zeitdruck ist:> Sag es ihm ehrlich wie es ist, und vor allen Dingen sag es ihm so früh> wie irgend möglich.>> Ich selbst ( als Kunde ) würde mich besonders darüber ärgern, wenn ich> merke dass mir einer Märchen erzählt, "nur" um den Auftrag zu bekommen.
Der Kunde will das aber nicht hören.
So ein Hausbauer hält sich für den größten Investor aller
Zeiten. ( Für ihn persönlich stimmt das ja auch ).
Für die gesamte Wirtschaft ist er eher unbedeutend.
Hier gibt es schon ein Spannungsfeld, dass wir Handwerker
zu spüren bekommen. :(
Grüße Bernd
Was ist jetzt eigentlich dein Problem?
Bei Verzögerungen belügst du teilweise bewußt deine Kunden.
Bei halbwegs serösem Geschäftsgebaren sagst du deinem Kuden dann auf
Nachfrage den realistischen Liefertermin, brauchst also pro Kunde nur
eine Ausrede.
Wenn du die Nummer pro Kunde mehrfach abziehen willst ...
Bernd Funk schrieb:> Wir brauchen für einen Auftrag Wochen, manchmal Monate.
Warum? So viele andere Aufträge? So lange Lieferzeiten der Rohstoffe? So
lange interne Durchlaufzeit?
> Ausreden, wie: " Werkstatt abgebrannt", "Alle Mitarbeiter> vom Gerüst gefallen", " Material geklaut", usw.> habe ich durch.
Hört sich ja nach einer sehr seriösen Bude an...
> P.S. " Die Welt ist erst wieder in Ordnung, wenn all die studierten,> beidseitigen Linkshänder, schreiend an der Tür stehen und auf> den Handwerker warten. "
Ja, auf den Handwerker der wie in dem anderen Thread hier kürzlich
vergaß den Schutzleiter anzuschließen. Das schafft der "Studiere" auch
selbst, nur deutlich günstiger.
Fatal Error schrieb:> Was ist jetzt eigentlich dein Problem?>> Bei Verzögerungen belügst du teilweise bewußt deine Kunden.>> Bei halbwegs serösem Geschäftsgebaren sagst du deinem Kuden dann auf> Nachfrage den realistischen Liefertermin, brauchst also pro Kunde nur> eine Ausrede.>> Wenn du die Nummer pro Kunde mehrfach abziehen willst ...
Der Kunde wird von allen Beteiligten belogen.
Wenn ich als einziger ehrlich bin, falle ich völlig aus
der Reihe und wirke unglaubwürdig.
Böse, aber wahr.
>Der Kunde wird von allen Beteiligten belogen.
Wir haben auch gebaut, bis auf einen Fall waren alle Terminabsprachen
bzw. Liefertermine seriös.
Vielleicht ist dein Arbeitsmanagement suboptimal.
Stell doch einen studierten Planer ein, vielleicht kann der mit seinen
zwei linekn Händen besser planen, daß du mit deienn beiden rechten
Händen besser "handwerken" kannst.
>Wenn ich als einziger ehrlich bin, falle ich völlig aus>der Reihe und wirke unglaubwürdig.
Noch einmal meine Frage. Was ist jetzt dein Problem?
Wozu Ausreden?
Schneller geht immer, aber dann wird es auch teurer - und richtig
schnell wird richtig teuer.
Wenn man das entsprechend vorrechnet, werden die meisten Leute ganz
still.
Bernd Funk schrieb:> Der Kunde wird von allen Beteiligten belogen.>> Wenn ich als einziger ehrlich bin, falle ich völlig aus> der Reihe und wirke unglaubwürdig.
Ok, also neben immer mehr China-Schrott nun auch Benimm-Regeln à la
chinois?
Du fragst nach dem Weg
--> Der Chinese Schickt dich IRGENDWO HIN (weil es ein Gesichtsverlust
wäre, zuzugeben, daß er den weg nicht kennt)
Du fragst an der Hotelrezeption, ob du ihren Kopierer benutzen kannst.
--> Morgen können sie gerne den Kopierer benutzen (Vergiss es, Langnase!
Unseren Kopierer benutzt du NICHT. Nicht heute, nicht morgen, und nicht
in 1000 Jahren!)
Bei einem Ticket-Service möchtest du Karten für ein Konzert
vorbestellen.
--> Wir tun unser bestes, um die Karten für sie zu besorgen. (Vergiss
es, Langnase! Die Karten sind seit Wochen ausverkauft, weiß doch echt
JEDER in der Stadt!)
et cetera et cetera
Dann doch lieber deutschen Tacheles :-)
Uhu Uhuhu schrieb im Beitrag #3627125:
> Bernd: Frag doch die Kundschaft, ob sie lieber belogen sein oder die> Wahrheit hören will.
Diese Kundschaft will - so gefragt - natürlich die Wahrheit wissen. Und
nimmt dann natürlich den, der überzeugender lügt.
Bernd Funk schrieb:> Wenn du sagst: "Wir können erst im August", ist der Kunde weg.> Bei dem Anderen kriegt er seine Sache dann im September.
"Wir könnten sie im August noch reinquetschen."
Die Wahrheit anders vermittelt funktioniert oft viel besser. Der Kunde
spürt, daß er wahrgenommen wird weil Du für ihn etwas möglich machst.
Und Du musst nicht lügen.
Frei nach dem Motto:
Wir reden nicht über Termine wann wir es machen wollen,
sondern wir machen Termine wo wir es tun.
:)
Zwar nicht bei Neukunden, aber doch bei Alteingesessenen erlaube ich mir
hin und wieder mal den Spruch:
Gut, schnell, billig. Zwei der Wörter dürfen Sie sich aussuchen.
Irgendwie weiß man hier wieder warum Handwerker so einen schlechten Ruf
haben. Die Arroganz ist ja gewaltig. Hetze gegen studierte. Arrogantes
herabsehen auf Häuslebauer (jaja unbedeutend, trotzdem muss Herr Funk
für die arbeiten, komisch).
Also dieser Habitus ist schon extrem unschön. Und Terminzusagen beim
Bauen von 6 Monate sind bestimmt nicht normal. Habe inzwischen genug
Bekannte die gebaut haben und sowas gibts bei guten Betrieben nicht.
gruß cyblord
cyblord ---- schrieb:> Irgendwie weiß man hier wieder warum Handwerker so einen schlechten Ruf> haben. Die Arroganz ist ja gewaltig.> Hetze gegen studierte.
Najaaaa - wirkliche Hetze sieht anders aus. Was Bernd meint, ist
vermutlich das immer mehr verlorengehende Gespür für Arbeitsaufwand und
Dauer einer Arbeit. Das ist ein Problem, von dem auch meiner Erfahrung
nach eher akademische Kreise (bin ja selbst einer :-) betroffen sind. Es
fehlt einfach die Erfahrung in handwerklichen Dingen.
Ich überlege gerade, wie wir das gehandhabt haben.
Vielleicht sollte Bernd die Hausbauer mal zu sich einladen und ihnen
zeigen, warum etwas so und so lange dauert. "Begreifen" kommt ja nicht
von "schriftliche Zusagen".
Er kennt ja sicherlich die Anschriften der Hausbauer. Warum nicht
einfach eine Karte schicken/anrufen/mailen und sie samstags auf eine
Besichtigung mit nem Gläschen Sekt/Tasse Kaffee/bißchen Kuchen einladen?
Da kann man dann viel besser argumentieren.
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man Kunden Auge in Auge und im
Labor/Halle viel einfacher klarmachen kann, warum etwas teuer ist und
warum es eben so und so lange dauert.
Außerdem fühlt sich so ein Kunde wertgeschätzt ("der hat mich extra
eingeladen und sich Zeit genommen.")
Das wäre eine Schiene, auf der Bernd fahren könnte.
> Arrogantes> herabsehen auf Häuslebauer (jaja unbedeutend, trotzdem muss Herr Funk> für die arbeiten, komisch).
Er möchte ja die Aufträge gerne haben, aber wenn eben alle anderen
lügen, und angeblich drei Monate früher fertig sind, dann steht er
ziemlich alleine da.
> Also dieser Habitus ist schon extrem unschön. Und Terminzusagen beim> Bauen von 6 Monate sind bestimmt nicht normal. Habe inzwischen genug> Bekannte die gebaut haben und sowas gibts bei guten Betrieben nicht.
Auch Häuslebauer lügen gerne mal: "Nein, also, bei uns klappt das
natürlich reibungslos!" ;-)