Hallo,
wie verhält sich die Motordrehzahl (im lastfreien Betrieb) zum
PWM-Signal?
Kann ich davon ausgehen dass bei PWM 50% der Motor mit etwas halber
Drehzahl läuft?
Der Motor ist ein Gleichstrom-Motor.
Vielen Dank
Stefan schrieb:> Danke für die schnelle Antwort!!
Freu Dich nicht zu früh. Du brauchst eine halbe H-Brücke. Ein einzelner
Schalttransistor ergibt eine höhere Drehzahl.
>Warum das?
Stell Dir einfach einen EIN/AUS Schalter vor. Motor ist im Leerlauf. Mit
ner kleinen Schwungmasse.
1sec EIN: Motor dreht hoch bis zum Beispiel 3000rpm
1sec AUS: Motor läuft langsam aus. Nach 1sec hat er noch 2500rpm
Man sieht gleich: keine 1500rpm im Mittel.
> Freu Dich nicht zu früh. Du brauchst eine halbe H-Brücke.
Ein Transistor + Freilaufdiode tut's auch.
> 1sec EIN: Motor dreht hoch bis zum Beispiel 3000rpm> 1sec AUS: Motor läuft langsam aus. Nach 1sec hat er noch 2500rpm
PWM nutzt man doch oft in der Art, dass der Strom während einer
Taktperiode annähernd konstant bleibt, also mit deutlich höherer
Taktfrequenz ...
Elektrofan schrieb:>> Freu Dich nicht zu früh. Du brauchst eine halbe H-Brücke.> Ein Transistor + Freilaufdiode tut's auch.
Dazu muß der Motor von möglichst übler Qualität sein (quietschende
Lager, verklebtes Getriebe).
Wenn es darum geht, lastunabhängig eine proportionale Drehzahl zu
erhalten, bietet sich eine einfache Regelung an:
Beitrag "Drehzahlregler für DC-Motor, ATmega48-328"
Weiter unten (11.07.2015 18:56) sind Bilder, welche PWM sich einstellt
ohne und mit Belastung.
>> Warum das?> Stell Dir einfach einen EIN/AUS Schalter vor.
Wenn der Transistor abschaltet fließt der induzierte Strom durch die
Freilaufdiode.
Bei einer Halbbrücke würde der Strom durch den zweiten Transistor
fließen.
Ich sehe da keinen nennenswerten Unterschied. Ohne Freilaufdiode wäre
das sicher was anderes, aber ich kenne keine reale PWM Schaltung mit
induktiver Last ohne Freilaufdiode.
Stefan U. schrieb:> Ich sehe da keinen nennenswerten Unterschied. Ohne Freilaufdiode wäre> das sicher was anderes, aber ich kenne keine reale PWM Schaltung mit> induktiver Last ohne Freilaufdiode.
Wenn Du einen Motor allein als induktive Last betrachten willst, dann
mußt Du seine Achse festschweißen.
m.n. schrieb:> Wenn Du einen Motor allein als induktive Last betrachten willst, dann> mußt Du seine Achse festschweißen.
Wenn du ihn alleine als reale Last betrachten willst, dann ergäbe 50%
PWM halbe Leistung am ohmschen Widerstand, also eine effektive Spannung
von 0.707, und da die Drehzahl eines Motor von der effektiven Spannung
abhängt nicht die halbe Drehzahl sondern 70% der Drehzahl.
Man muss in dem Fall die PWM schon so schnell machen, daß der Motor sich
als Induktivität auswirkt.
MaWin schrieb:> Man muss in dem Fall die PWM schon so schnell machen, daß der Motor sich> als Induktivität auswirkt.
Klasse Idee! Man muß die PWM so zwischen 100 kHz - 5 MHz legen, damit
der Motor dann auf halbe Drehzahl herunterkommt.
Kleiner Nachteil: wenn man ihn dann belastet, bleibt er stehen :-(
Noch einmal: man braucht eine halbe H-Brücke, wenn man den eingangs
erfragten Effekt erhalten möchte. Damit funktioniert dann auch 'klupps'
Beispiel von oben. Eine Sekunde dreht der Motor mit 2500 Upm und eine
Sekunde steht er still. Mittelwert: 1250 Upm - wie gewünscht.
m.n. schrieb:> Noch einmal: man braucht eine halbe H-Brücke, wenn man den eingangs> erfragten Effekt erhalten möchte.
Hatte letztens schon eine Simulation für das Prinzip eines L293
vorbereitet - war dann aber nicht mehr notwendig. Also schnell mal die
zweite Seite entfernt.
Eine Halbbrücke unterscheidet sich in genau Nix von einem
Transistor+Freilaufdiode. Oder wolltest du D1 als Freilaufdiode sehen?
Wenn es eine Brücke mit MOSFET ist, kann man während der Aus-Zeit Q2
zusätzlich ansteuern, aber nur um damit die Verluste zu minimieren. An
der Funktion ändert sicht nichts.
> Klasse Idee! Man muß die PWM so zwischen 100 kHz - 5 MHz legen, damit> der Motor dann auf halbe Drehzahl herunterkommt.> Kleiner Nachteil: wenn man ihn dann belastet, bleibt er stehen :-(
Bei DC-Motoren mit ein paar kW wird z.B. im kHz-Bereich getaktet.
Dann ist die Welligkeit der Motorstroms schon einigermassen "glatt".
Würde man viel langsamer takten, hätte man entsprechend stärkere
Welligkeit.
Genau das wäre aber für den Motor ungünstig (weil das Motormoment vom
arithmetischen Mittelwert des Stromes abhängt, die Wicklungserwärmung
aber vom Effektivwert).
> Eine Halbbrücke unterscheidet sich in genau Nix von einem> Transistor+Freilaufdiode.
Hat man einen fremd- bzw. permanenterregten DC-Motor und will auch
bremsen, geht das direkt (d.h. ohne Umschalten) nur mit der Halbbrücke.
m.n. schrieb:> Wie hast Du denn die kinetische Energie simuliert?
Das ändert am Prinzip/Beispiel nichts.
Wenn es dich wirklich interessiert, versuche es einmal mit den Modellen
von Dave Wilson (TI). Ich hoffe, dass die nichts dagegen haben, wenn ich
die originalen zip-Dateien direkt anhänge und nicht erst den Link suche.
Ich habe hier seine Version des 2-Q DC-Motors auf eine einfache PWM
geändert, indem der Schalter VCS mit Vser=0.6 nur in eine Richtung
durchlässig gemacht, eine "echte" Diode eingesetzt und die anderen Teile
der Brücke entfernt wurden. An der PWM-Erzeugung wollte ich nicht
drehen, daher wird High-Side getaktet.
> Bei DC-Motoren mit ein paar kW wird z.B. im kHz-Bereich getaktet.> Dann ist die Welligkeit der Motorstroms schon einigermassen "glatt".
Die PWM-Frequenz ist tatsächlich nicht ganz unrelevant. Hab das an einem
200W-Motor auch mal durchprobiert. Zu langsame PWM (<100Hz) führt zu
merklichen mechanischem Vibrationen, man kann das Ruckeln auch so
spüren. Über ein paar kHz raus nimmt die Antriebskraft bei kleinen
Tastverhältnissen stark ab. So bei 1-2kHz ist das Verhältnis Vibration
vs. Linearität am Besten. Erstaunlicherweise hat der Motor beim Anfahren
dann genauso gequietscht wie die dicken 1MW-Motoren der ET423 oder der
neueren Siemens-U-Bahnen. Fand ich jedenfalls sehr amüsant ;)
Habe gerade bemerkt (irgendwie kam mir der Verlauf der Back-Emf seltsam
vor), dass im Original der Motor angetrieben wird (-200 -> 100 ->
300rpm).
Daher umgebaut, so dass mit einfachem Verschieben der beiden Pads
"umgeschaltet" werden kann (V10 Last: 1V=1Nm, V11 Drehzahl: 1V=1rpm).
Auch dem Schalter etwas realistischere Werte gegeben, damit die
Strom-Spikes die Ausgabe nicht komplett ruinieren.
Als Anhang das Beispiel der PWM mit Anlauf im Leerlauf, nach 100ms wird
eine Last von 0.5Nm zugeschaltet.
Stefan schrieb:> Hallo,>> wie verhält sich die Motordrehzahl (im lastfreien Betrieb) zum> PWM-Signal?> Kann ich davon ausgehen dass bei PWM 50% der Motor mit etwas halber> Drehzahl läuft?> Der Motor ist ein Gleichstrom-Motor.>> Vielen Dank
Vereinfacht betrachtet: Ja.
Schaut man genauer hin stellt man fest, dass es u.a. auch auf den Motor
ankommt. Hier mal was interessantes dazu:
www.olliw.eu/uploads/pwm-elektromotor-manuscript.pdf
> www.olliw.eu/uploads/pwm-elektromotor-manuscript.pdf
So weit ich das übersehen habe, wird dort genau berechnet, welche
Verhältnisse bei beliebiger Stromwelligkeit vorliegen.
Quintessenz:
Ist die Welligkeit zu vernachlässigen, verhält sich der Motor genau wie
an einer gleich grossen konstanten Gleichspannung (ideale Schalter
vorausgesetzt). Insbesondere ist die Drehzahlabhängigkeit vom Lastmoment
dieselbe.
Ist die Stromwelligkeit grösser, kann man munter drauflos rechnen...
Z.B. wird der Motor bei gleicher Drehzahl und Abgabeleistung wärmer, als
an Gleichspannung (Formfaktor des Stromes) u.v.m.
Demnach kann die zu wählende Taktfrequenz aus Sicht des Motors gerne
hoch sein, solange die Verluste im Steller noch akzeptiert werden
können.
Stefan schrieb:> wie verhält sich die Motordrehzahl (im lastfreien Betrieb) zum> PWM-Signal?> Kann ich davon ausgehen dass bei PWM 50% der Motor mit etwas halber> Drehzahl läuft?> Der Motor ist ein Gleichstrom-Motor.
Das waren jetzt x verschiedene Antworten basierend auf x Szenarien...
Unter lastfrei verstehe ich jetzt mal "idealer Motor", also auch (fast)
keine Reibung / Verluste. (Ganz ohne Verluste wirds blöd, weil alle
Wirkwiderstände unendlich / 0 werden)
Real wird die Drehzahl mit reduzierter Spannung (oder PWM) dann
niedriger sein.
Hilfreich ist dabei die Betrachtung 50% PWM = DC@50% Versorgungsspannung
+ AC(Rechteck)@50% Versorgungsspannung.
Szenario #1
Strom lückt nicht (relativ egal ob mit Freilaufdiode oder Halbbrücke).
Die PWM muss dafür ausreichend schnell sein gegenüber der
Motorinduktivität.
Dann liegt die Drehzahl bei 50%.
Der AC-Teil wird durch die Induktivität komplett weggefiltert. Es bleibt
eine Betriebsspannung von 50% DC.
Szenario #2
Langsame PWM mit Freilaufdiode. Strom lückt.
Drehzahl liegt über 50% (bis 100%).
Während PWM-An wird der Motor evtl. bis auf 100% der Drehzahl @100%PWM
beschleunigt. Reibung ist kaum vorhanden, damit geht in der
Freilaufphase keine/kaum Drehzahl verloren. In der Stromlücke geht
ebenfalls kaum Drehzahl verloren.
Szenario #3
Langsame PWM mit Halbbrücke. Motor geht zeitweise in Generator-Betrieb
über.
Drehzahl bei 50% mit deutlichen Schwankungen/Oszillationen. (glaub ich
zumindest, genaue Betrachtung ist mir grad zu kompliziert)
Stephan