Mein U_d ist lauf Datenblatt 0.815V. (Oder?)
Aber wie bestimme ich den differentiellen Widerstand r_D mit den Angaben
aus dem Datenblatt?
Die Ströme sind mir bekannt.
Danke
Thorben M. schrieb:> Mein U_d ist lauf Datenblatt 0.815V. (Oder?)
Ud ist natürlich auch vom Strom abhängig. Im Datenblatt ist der typische
Wert bei 1A angegeben.
Hast du dir schon mal den Wikipedaartikel zur Diode angeschaut?
https://de.wikipedia.org/wiki/Diode
Die Formel gilt für die Knickgeradenapproximation. Dazu zeichnest du in
die Diodenkennlinie deinen Arbeitspunkt (AP) ein und legst durch den AP
eine Gerade. Die Nullstelle der Geraden ist U_d. Die Steigung der
Geraden ist rD. Beachte, dass sich die Werte der Flussspannung und des
Widerstands damit abhängig vom Arbeitspunkt unterscheiden.
Für den DC Fall ist das trivial und für den AC Fall ist die obige
Gleichung wenig hilfreich, da du den effektiven rd kaum ermitteln
kannst. Eine Simulation, die den Betriebsbedingungen nahe kommt, ist
viel einfacher, schneller und genauer.
Also, ist die Diode in einem Schaltregler eingesetzt? Wenn ja mit
welcher Schaltfrequenz welchem Spannungshub an der Diode und mit welcher
Strombelastung?
Der Term rd*I*I impliziert einen konstanten sinusförmigen Strom durch
die Diode. Den mußt Du mir mal zeigen.
Christian K. schrieb:> Der Term rd*I*I impliziert einen konstanten sinusförmigen Strom durch> die Diode. Den mußt Du mir mal zeigen.
Ich kann auch von Dreiecken, Trapezen und Rechtecken Effektivwerte
bilden.
Christian K. schrieb:> Für den DC Fall ist das trivial und für den AC Fall ist die obige> Gleichung wenig hilfreich, da du den effektiven rd kaum ermitteln> kannst. Eine Simulation, die den Betriebsbedingungen nahe kommt, ist> viel einfacher, schneller und genauer.
Sorry für den Doppelpost aber hier muss ich korrigieren. Im DC Fall gibt
es die obige Gleichung so natürlich gar nicht. Im DC sind Mittel- und
Effektivwerte alle gleich und die Formel vereinfacht sich zu P =
Udc*Idc.
Einen effektiven rd braucht es natürlich auch nicht. Das Ganze ist
immerhin nur eine Näherung. Fun Fact: Das einfache Spice Modell für die
Diode ist letztlich auch nichts anderes als eine Knickgerade die
quadratisch gefittet wird.
Schneller ist das auch nicht unbedingt, wenn du ggbf. erstmal
minutenlang bis in den steady state simulieren musst. Die analytische
Berechnung geht da deutlich fixer. Und solange du dein Simulationsmodell
nicht mit eigenen Messungen und dem Datenblatt aufwendig validiert hast,
würde ich auf deine Simulationsergebnisse auch keinen Pfifferling
setzen. Im Zweifel komme ich mit meiner grafischen Näherung für einen
bestimmten Arbeitspunkt der Wahrheit näher als du mit deiner Simulation.
Bestimmter Arbeitspunkt bei einer Diode? Mit sinusförmiger
Kleinsignal-HF um diesen vieleicht? Die meisten Dioden werden zu
Schaltzwecken eingesetzt. Da kannst Du graphische Näherungen vergessen,
da die Ströme extrem zeitabhängig und von Sperrverzugszeiten abhängen.
Gerade bei Siliziumdioden übersteigen die AC Verluste die DC Verluste
bei aktuellen Schaltfrequenzen bei weitem.
Niemand muß den ganzen Schaltregler dazu mitsimulieren. Ein Schalter mit
Festfrequenz und halbwegs passendem Dutycycle reicht für die
Diodenverluste völlig. Das ist in unter 1 Minute simuliert.
KleineDiode schrieb:> Christian K. schrieb:
...
Dinem gesamten ganzen Text stimme ich voll und ganz zu. Ich habe einen
Wechselrichter bis 3kW bestehend aus IGBTs und Dioden mit den linearen
Näherungen berechnet und anschließend einen Laboraufbaut (thermisch)
vermessen.
Meine berechneten Werte der Gehäusetemperatur der Leistungshalbleiter
lagen innerhalb der Messtoleranzen des verwendeten Systems
(Thermokoppler mit Datenlogger), die bei +-2°C lagen.
Die Gleichungen sind eine Näherung, keine Frage, aber die Ergebnisse
sind dennoch brauchbar.
Vor allem in Optimierungsaufgaben (Schaltfrequenz vs. Verlustleitung vs.
Leistungsdichte vs. Last etc.) hätte ich keine Lust, für jeden
Betriebspunkt Simulationen laufen zu lassen.
Gruß,
EDIT:
Ich stimme KleineDiode zu, da ist wohl ein Zitat zu viel drinnen
gewesen.
Alexander schrieb:> KleineDiode schrieb:> ...>> Dinem gesamten ganzen Text stimme ich voll und ganz zu. Ich habe einen> Wechselrichter bis 3kW bestehend aus IGBTs und Dioden mit den linearen> Näherungen berechnet und anschließend einen Laboraufbaut (thermisch)> vermessen.>> Meine berechneten Werte der Gehäusetemperatur der Leistungshalbleiter> lagen innerhalb der Messtoleranzen des verwendeten Systems> (Thermokoppler mit Datenlogger), die bei +-2°C lagen.>> Die Gleichungen sind eine Näherung, keine Frage, aber die Ergebnisse> sind dennoch brauchbar.>> Vor allem in Optimierungsaufgaben (Schaltfrequenz vs. Verlustleitung vs.> Leistungsdichte vs. Last etc.) hätte ich keine Lust, für jeden> Betriebspunkt Simulationen laufen zu lassen.>> Gruß,
Christian K. schrieb:> Bestimmter Arbeitspunkt bei einer Diode? Mit sinusförmiger> Kleinsignal-HF um diesen vieleicht? Die meisten Dioden werden zu> Schaltzwecken eingesetzt. Da kannst Du graphische Näherungen vergessen,> da die Ströme extrem zeitabhängig und von Sperrverzugszeiten abhängen.> Gerade bei Siliziumdioden übersteigen die AC Verluste die DC Verluste> bei aktuellen Schaltfrequenzen bei weitem.>> Niemand muß den ganzen Schaltregler dazu mitsimulieren. Ein Schalter mit> Festfrequenz und halbwegs passendem Dutycycle reicht für die> Diodenverluste völlig. Das ist in unter 1 Minute simuliert.
Als Arbeitspunkt würde man den Strommittelwert wählen und darum
linearisieren. Sollte brauchbare Ergebnisse liefern. Da ist die
eigentliche Kurvenform egal. P=Ieff²R gilt für jede Kurvenform, das muss
kein Sinus sein. Der Fehler hält sich dabei in Grenzen, das ist keine
Kleinsignalnäherung in dem Sinne, sondern man approximiert die gesamte
Kennlinie durch eine Knickgerade. Der Fehler wird üblicherweise dadurch
bei kleinen Strömen größer, aber dort sind die Verluste eben auch klein.
Was genau soll der Unterschied zwischen AC und DC Verlusten sein? Meinst
du Reverse Recovery? Die können genausowenig zuverlässig simuliert
werden, weil es dafür keine vernünftigen Simulationsmodelle gibt. Wie
gesagt führt Spice dieselbe Näherung durch, nur wird in die Knickgerade
eine Parabel gefittet. Inwiefern das genauer sein soll, erschließt sich
mir nicht.
Die transiente Simulation kann je nach Schaltfrequenz und Modellen für
diverse Arbeitspunkte ewig dauern, sofern das überhaupt konvergiert.
Nicht den gesamten Schaltregler zu simulieren hilft natürlich, aber
damit vereinfachst du auch wieder, sodass das keinen wirklichen Mehrwert
liefert.