Seltsames Routing

Gast #5095071
Darf man das, so wie in dem Bild für den Studiengang Elektro- und 
Informationstechnik?

http://www.bristol.ac.uk/study/undergraduate/2018/electrical-electronic-eng/beng-computer-science-and-electronics/

? Das Routing sieht doch etwas sehr seltsam aus, oder?

Oke, wa alles.
Gast #5095074
Warum sollte man das nicht dürfen? Dass wir auf einer Basis mit rechten 
Winkeln arbeiten, muss doch nicht heißen, dass das der Weisheit letzter 
Schluss ist?
#5095096
@ Ohman (Gast)

>Darf man das, so wie in dem Bild für den Studiengang Elektro- und
>Informationstechnik?

>http://www.bristol.ac.uk/study/undergraduate/2018/...

Das darf man. Warum auch nicht?

>? Das Routing sieht doch etwas sehr seltsam aus, oder?

Halt direkt Punkt zu Punkt. Spielt hier keine Rolle, weder elektrisch 
noch optisch noch ätztechnisch. Das Board ist ja fast leer.

Es gibt auch sog. organische Router, die machen sowas noch viel schöner 
und sogar mit richtig hoher Packungsdichte!

http://yed.yworks.com/support/manual/router_organic.html

https://twitter.com/hashtag/autorouter?src=hash

http://eda.eremex.com/products/topor/

https://www.mikrocontroller.net/attachment/81538/topor.jpg
Gast #5095119
>
> Das Routing sieht doch etwas sehr seltsam aus, oder?
>
Wohl noch nie Hauptplatinen von Sinclair ZX Spectrum und seinen älteren 
Geschwister gesehen, wa?
#5095132
Bin ich eigentlich der einzige, der unwillkürlich an diese unsäglichen 
Layouts von einigen "Makern" mit einem Arduino denken muss, die mit 
FRITZING erstellt wurden?

Sie Ergebnisse sehen teilweise ähnlich aus..

Aber gut, "verboten" ist es nur, wenn man viel Wert auf Ästhetik legt.
#5095571
Georg schrieb:
> Und wenn nicht ist ihnen die direkte Verbindung am liebsten.

Eben!

kurze Verbindung bedeutet weniger Induktivität bzw. weniger
Leiterbahnwiderstand...

Übrigens finde ich die Gesamtansicht des Boards interessant:

Das sieht aus, als ob es mit alter Klebetechnik nach alter Schule
erstellt wurde,
mit Ringerln, Pads und diversen selbstklebenden schwarzen Bahnen aus
selbstklebenden Stoff/Kunststoffbahnen, die man auch schön kurvig
legen konnte...

Damals (TM) haben sicher viele hier im Forum damit gearbeitet und ich
selbst habe hunderte Layouts so erstellt und je nach Lust und Laune mal
kurvig, mal in 45 Grad Winkeln gepickt, und wenn es wichtig war eben die
kürzeste Entfernung durchgezogen samt Vermeidung von parallel laufenden
Leitungen...
Persönliche Seite #5095582
Stefan S. schrieb:

> Aber gut, "verboten" ist es nur, wenn man viel Wert auf Ästhetik legt.

Naja, gerade da ist es ja erlaubt. Jeder hat einen anderen Geschmack. 
Was fuer den Einen Aestaehtisch ist, muss es ja nicht fuer den Anderen 
auch sein.
Ich finde es uebrigens toll das Layout. Warum sollte man allles immer in 
45 Grad Winkeln verlegen, wenn es doch gar keinen Grund dafuer gibt?
#5095583
Einen Bachlauf legt man nicht unbedingt in 45 und 90 Grad an, sondern
lässt in fließen...


Zu den Leiterbahnführungen:

Ein Gemisch aus geschwungenen und winkeligen Leiterbahnen finde ich
persönlich "unschön", obwohl es für die Funktion meist egal ist...

Sternförmig gerade und gekurvte Bahnen wie auf dem Photo dagegen haben
ihren Reiz...
Gast #5095588
Mani W. schrieb:
> Georg schrieb:
> kurze Verbindung bedeutet weniger Induktivität bzw. weniger
> Leiterbahnwiderstand...

Falls kurze Leiterbahnen das Ziel sind, hilft direkte Verbindung bei der 
Bauteilplazierung auch nur bedingt.
#5095605
Hier mal meine Weltanschauung, warum Leiterbahnen nur gerade oder in 45° 
Winkeln verlaufen "dürfen":

- Optik; viele Menschen setzen Ordnung mit Qualität und Professionalität 
gleich. Da gewinnt halt die 45°/90° Version. Die elektrischen Nachteile 
von längeren Leiterbahnen bleiben da auf der Strecke.
- die meisten Bauteile sind rechteckig. Um dort vorbeizukommen, müssen 
eben auch rechtwinklige Bahnen gezogen werden.
- Leiterbahnen in schrägem Winkel direkt von ICs wegzuführen ist teils 
schwierig, insbesondere bei geringem Beinchenpitch. Der schräge Winkel 
vermindert den Abstand Track<->Pin, den man bei geringen Pitches nicht 
hat.

Das "dürfen" verflüchtigt sich demnach in ein "können". Es gibt letzten 
Ende keinen Grund gegen schräge Bahnen.
Gast #5095613
Den Artikel zu TopoR sollte man aber doch mal gelesen haben. Danke 
dafür.

Ansonsten: Leiterbahnen, die mit Winkeln !=45° verbunden und nicht im 
90°-Winkelraster liegen sehen auch für meine Augen erstmal merkwürdig 
aus.

Andererseits: Ich habe mal die Platine eines Nachrichtentechnikers bei 
uns in der Hochschule im Fertigungslabor bewundert und mich sehr über 
die schön runden Kreisbögen gewundert, die anstelle der üblichen 
45°-Winkel an den Knickstellen verwendet wurden.

Auf Nachfrage meinte er, auf Winkel habe er verzichtet um Reflexionen zu 
unterdrücken, 45°-Winkel haben da anscheinend nicht mehr gereicht. 
(Irgendwelcher FPGA-Kram...)

Das Board selber ist unkonventionell-allerdings finde ich es nicht 
"häßlich".  Und wenn man den o.g. Artikel mal genauer liest (und weiß 
wie so etwa 20 Jahre alte Leiterkarten oft aussehen) bekommt das eh 
einen ganz anderen Kontext...
#5095700
@Wühlhase (Gast)

>Ansonsten: Leiterbahnen, die mit Winkeln !=45° verbunden und nicht im
>90°-Winkelraster liegen sehen auch für meine Augen erstmal merkwürdig
>aus.

Ist halt Gewohnheitssache.

>Andererseits: Ich habe mal die Platine eines Nachrichtentechnikers bei
>uns in der Hochschule im Fertigungslabor bewundert und mich sehr über
>die schön runden Kreisbögen gewundert, die anstelle der üblichen
>45°-Winkel an den Knickstellen verwendet wurden.

Nett, aber funktional nicht wirklich nötig.

>Auf Nachfrage meinte er, auf Winkel habe er verzichtet um Reflexionen zu
>unterdrücken, 45°-Winkel haben da anscheinend nicht mehr gereicht.
>(Irgendwelcher FPGA-Kram...)

urban legend

https://www.mikrocontroller.net/articles/Wellenwiderstand#90.C2.B0_Ecken_in_Leiterbahnen
#5096486
Mani W. schrieb:
> mit Ringerln, Pads und diversen selbstklebenden schwarzen Bahnen aus
> selbstklebenden Stoff/Kunststoffbahnen, die man auch schön kurvig
> legen konnte...
>
> Damals (TM) haben sicher viele hier im Forum damit gearbeitet

Ich habe damals die Leiterbahnen meiner selbstzuätztenden Platinen 
freihand mit Edding gemalt. Ging auch.
Gast #5096493
M.A. S. schrieb:
> Ich habe damals die Leiterbahnen meiner selbstzuätztenden Platinen
> freihand mit Edding gemalt

Es gab Techniken vor den Klebesymbolen: wir haben ganze Serien 
gefertigt, die mit Tuschefüller und Kurvenlineal(!) auf Zeichenkarton 
gezeichnet waren.

Georg
Gast #5096502
Georg schrieb:
> Es gab Techniken vor den Klebesymbolen: wir haben ganze Serien
> gefertigt, die mit Tuschefüller und Kurvenlineal(!) auf Zeichenkarton
> gezeichnet waren.

Ich habe damals noch die Leiterbahnen mit Hammer und Meissel gefertigt. 
Bei Abständen von 0.5 mm und weniger aber heutzutage viel zu aufwändig.
Gast #5096742
Gar nicht so abwegig.
Außer der Ritztechnik gab es noch die Kratztechnik.
Die Platine mit dem Spirituslack beschichtet und dann das was weggeätzt 
werden sollte, freigekratzt.
Das waren noch Zeiten!
#5096768
Georg schrieb:
> Es gab Techniken vor den Klebesymbolen: wir haben ganze Serien
> gefertigt, die mit Tuschefüller und Kurvenlineal(!) auf Zeichenkarton
> gezeichnet waren.
>
> Georg

Habe ich ganz vergessen:

In den Urzeiten (TM) haben wir mit Tuschestiften (schwarze Tinte)
und verschiedensten Röhrchendurchmessern (Rotring) viele Layouts auf
Pergamentpapier gezeichnet und Fehler mit einer Rasierklinge 
beseitigt...

Vorher war Edding angesagt, spiegelverkehrt direkt auf die
mit ATA oder irgend einem anderen Scheuermittel gereinigte oder
geschliffene Kupferseite aufgetragen...


Keine Serienproduktion, später malten wir mit Edding auf Folien, um
Kleinserien herzustellen...

Mann, bin ich alt!
#5101346
Sebastian K. schrieb:
> - Leiterbahnen in schrägem Winkel direkt von ICs wegzuführen ist teils
> schwierig, insbesondere bei geringem Beinchenpitch. Der schräge Winkel
> vermindert den Abstand Track<->Pin, den man bei geringen Pitches nicht
> hat.
>
> Das "dürfen" verflüchtigt sich demnach in ein "können". Es gibt letzten
> Ende keinen Grund gegen schräge Bahnen.


Genau!

45 Grad sind bei dichten Leiterbahnführungen gut geeignet, um Platz
zu sparen...

Am Beginn meines Daseins in der Elektronik war geschwungen noch "In",
dann gerade und kürzeste Leiterbahnen...

Oft war es aber so, wie in einem Malbuch (etwas zu weit gemalt, ist
dann etwas geschwungenes heraus gekommen)...

Heute zeichne ich meine Layouts mit "Sprint-Layout", und ich bevorzuge
immer einseitige Prints, im schlimmsten (kleinsten) Fall dann maximal
doppelseitig...
Gast #5101541
Mani W. schrieb:
> Bei Rundungen spart man Platz bei bestmöglicher Leiterbahnbreite,
> wird aber sicher nur mehr selten benötigt...

Auch bei Rundungen liegen in dem Teil, wo die Kurve unter 45° verläuft, 
die Leiterbahnen unter 45° und benötigen den selben Abstand.
Der Unterschied im Platzbedarf beträgt marginale 5.5 Prozent 
(Kreisfläche Inkreis gegen Achteck-Eck).
#5103100
Mani W. schrieb:
> Bei Rundungen spart man Platz bei bestmöglicher Leiterbahnbreite,
> wird aber sicher nur mehr selten benötigt...

Man handelt sich aber, speziell bei dichtgepackten Bus-Leitungen andere 
Probleme ein. Da alle Layoutsysteme intern mit einem Raster arbeiten und 
dieses ggf. auch noch eine zöllige Grundlage hat kommt es bei der 
Verwendung von Kreisbögen zu Rundungsfehlern. Das passiert speziell 
dann, wenn der Kreisbogen keinen Winkel ausfüllt der durch 90° teilbar 
ist. Die Folge ist: Man muss die Kreisbahnen weiter auseinander schieben 
als eigentlich nötig wäre um ohne Designrulecheck Fehler durch die Kurve 
zu kommen was am Ende den theoretisch gewonnen Platz wieder auffrisst 
und sogar ins negative umschlagen kann in der Gesamtbilanz. Ich verwende 
Kreisbögen nur der Optik halber auf runden Platinen oder wenn ich 
Starrflex Platinen designe im Flex Teil wenn dort Kurven benötigt 
werden, zum Glück ist beides aber sehr selten in meinem Arbeitsbereich.
Gast #5103109
Eagle schrieb:
> Typisches Ergebnis, wenn man einen Autorouter benutzt. Dabei wird auf
> Ästhetik kein Wert gelegt.

Immer diese Laien mit ihrrm abstrusen Weltverständnis.
Gerade das Layout stammt garantiert nicht von einem Autorouter, sondern 
wurde von Hand gemacht.
Gast #5103309
Christian B. schrieb:
> Da alle Layoutsysteme intern mit einem Raster arbeiten

Das stimmt nur begrenzt. Beim Nebeneinanderverlegen von mehreren 
Leiterbahnen wird das Raster nicht unbedingt beachtet, jedenfalls nicht 
bei jedem CAD-System. Speziell gilt das für Differential-Leitungspaare, 
die wären unbrauchbar wenn sie im Raster verlegt würden, da hat der 
definierte Abstand Vorrang. Ein System das das nicht beachtet ist für 
Hispeed ungeeignet.

Ok, streng genommen arbeitet jedes Programm in einem Raster, weil 
digital, aber soweit ich weiss liegt das bei meinem System im 
nm-Bereich.

Was Rundungen angeht: ein Nachteil beim Aneinanderrouten ist, dass der 
Radius dabei immer kleiner wird, streng genommen haben die Leiterbahnen 
nicht mehr die gleichen Eigenschaften.

Georg
#5103369
Georg schrieb:
> Was Rundungen angeht: ein Nachteil beim Aneinanderrouten ist, dass der
> Radius dabei immer kleiner wird, streng genommen haben die Leiterbahnen
> nicht mehr die gleichen Eigenschaften.

inwiefern? Ich hab z.B. schon einen Bus mit 26 Leiterbahnen parallel um 
2 Ecken geroutet. Laufzeitunterschiede gab's keine an den 
Anschlussstellen, da sich beides ausglich. Dennoch wurde jeder Radius 
ein kleines bisschen größer, als eigentlich notwendig gewesen wäre. Da 
es am Ende eine S-Kurve wurde war das egal, da der Längste Radius mit 
dem Kürzesten zusammen in einer Leiterbahn war. Dennoch ist das 
ungünstig. Verwendetes System damals war Pads. Mit Eagle brauch man 
sowas gar nicht erst probieren, da sind, meiner Erfahrung nach, selbst 
die 45° schon nicht mehr im gleichen Abstand wie 90° Leitungen. Bei 
Altium hab ich sowas noch nicht probiert, könnte aber mit dem Busrouting 
Feature besser funktionieren, wenn der auch Rundungen (in diesem Modus) 
unterstützt... Das muss ich mal ausprobieren.

p.s.: Da Leiterbahnen im CAD System mit definiertem Start und Endpunkt 
ausgerüstet sind müssen sie auch auf einem Raster gründen. Wie fein das 
ist, ist eine Frage des Systems. nm halte ich indeß für 
unwahrscheinlich. das kleinstmögliche Raster im Altium ist 0,025mm. Das 
ist so fein, daß es "quasi" Rasterlos wirkt. Wenn du aber ganz Nah an 
einen Leiterzug zoomst und diesen verschiebst siehst du, wie er von 
einem Punkt zum nächsten springt.
#5103539
@Georg (Gast)

>> Da alle Layoutsysteme intern mit einem Raster arbeiten

>Das stimmt nur begrenzt. Beim Nebeneinanderverlegen von mehreren
>Leiterbahnen wird das Raster nicht unbedingt beachtet, jedenfalls nicht
>bei jedem CAD-System. Speziell gilt das für Differential-Leitungspaare,
>die wären unbrauchbar wenn sie im Raster verlegt würden, da hat der
>definierte Abstand Vorrang. Ein System das das nicht beachtet ist für
>Hispeed ungeeignet.

Er meint wohl eher das Raster der internen Berechnung, nicht das 
eingestellt Raster im Layout. Eagle arbeitet intern AFAIK mit 1um 
Auflösung. Aber dadurch bekommt man keine riesigen Rundungsprobleme beim 
Verlegen von Kurven.

>Ok, streng genommen arbeitet jedes Programm in einem Raster, weil
>digital, aber soweit ich weiss liegt das bei meinem System im
>nm-Bereich.

Was ist DEIN System?

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