Warum sollte man das nicht dürfen? Dass wir auf einer Basis mit rechten
Winkeln arbeiten, muss doch nicht heißen, dass das der Weisheit letzter
Schluss ist?
Ein gewisser optischer Aspekt spielt freilich eine Rolle. Aber wie sagt
man so schön: Form follows function!
Ich bin kein Profi, aber ich denke das daran nichts verkehrt ist.
Ohman schrieb:> Ich meine auch nicht verkehrt direkt, aber, wer macht sowas? Ich> mein, gerade diese Routen vom mittleren IC zu dem rechten?
Na ich sehe das Routing unten mittig rechts um den Pin (?) eher als
kurios an.
Ohman schrieb:> ? Das Routing sieht doch etwas sehr seltsam aus, oder?
Typisches Ergebnis, wenn man einen Autorouter benutzt. Dabei wird auf
Ästhetik kein Wert gelegt.
Eagle schrieb:> Ohman schrieb:>> ? Das Routing sieht doch etwas sehr seltsam aus, oder?>> Typisches Ergebnis, wenn man einen Autorouter benutzt. Dabei wird auf> Ästhetik kein Wert gelegt.
Das ist definitiv kein Autorouter! Wärst du wirklich ein Eagle, wüsstest
du wie es aussehen würde!
Ich kenne so ein Routing von Militär/Raumfahrtdesigns. Da wird aber zum
Pin hin die Leiterbahn dicker um das Risiko des Brechens durch mech.
Belastung zu reduzieren!
Marc H. schrieb:> Ich kenne so ein Routing von Militär/Raumfahrtdesigns. Da wird aber zum> Pin hin die Leiterbahn dicker um das Risiko des Brechens durch mech.> Belastung zu reduzieren!
Du meinst Teardrops als Art der Pad-Kontaktierung. Das hat aber mit der
Nichtverwendung diskreter Richtungen nichts zu tun.
https://en.wikipedia.org/wiki/Teardrop_(electronics)
>> Das Routing sieht doch etwas sehr seltsam aus, oder?>
Wohl noch nie Hauptplatinen von Sinclair ZX Spectrum und seinen älteren
Geschwister gesehen, wa?
Bin ich eigentlich der einzige, der unwillkürlich an diese unsäglichen
Layouts von einigen "Makern" mit einem Arduino denken muss, die mit
FRITZING erstellt wurden?
Sie Ergebnisse sehen teilweise ähnlich aus..
Aber gut, "verboten" ist es nur, wenn man viel Wert auf Ästhetik legt.
Georg schrieb:> Und wenn nicht ist ihnen die direkte Verbindung am liebsten.
Eben!
kurze Verbindung bedeutet weniger Induktivität bzw. weniger
Leiterbahnwiderstand...
Übrigens finde ich die Gesamtansicht des Boards interessant:
Das sieht aus, als ob es mit alter Klebetechnik nach alter Schule
erstellt wurde,
mit Ringerln, Pads und diversen selbstklebenden schwarzen Bahnen aus
selbstklebenden Stoff/Kunststoffbahnen, die man auch schön kurvig
legen konnte...
Damals (TM) haben sicher viele hier im Forum damit gearbeitet und ich
selbst habe hunderte Layouts so erstellt und je nach Lust und Laune mal
kurvig, mal in 45 Grad Winkeln gepickt, und wenn es wichtig war eben die
kürzeste Entfernung durchgezogen samt Vermeidung von parallel laufenden
Leitungen...
Stefan S. schrieb:> Aber gut, "verboten" ist es nur, wenn man viel Wert auf Ästhetik legt.
Naja, gerade da ist es ja erlaubt. Jeder hat einen anderen Geschmack.
Was fuer den Einen Aestaehtisch ist, muss es ja nicht fuer den Anderen
auch sein.
Ich finde es uebrigens toll das Layout. Warum sollte man allles immer in
45 Grad Winkeln verlegen, wenn es doch gar keinen Grund dafuer gibt?
Einen Bachlauf legt man nicht unbedingt in 45 und 90 Grad an, sondern
lässt in fließen...
Zu den Leiterbahnführungen:
Ein Gemisch aus geschwungenen und winkeligen Leiterbahnen finde ich
persönlich "unschön", obwohl es für die Funktion meist egal ist...
Sternförmig gerade und gekurvte Bahnen wie auf dem Photo dagegen haben
ihren Reiz...
Mani W. schrieb:> Georg schrieb:> kurze Verbindung bedeutet weniger Induktivität bzw. weniger> Leiterbahnwiderstand...
Falls kurze Leiterbahnen das Ziel sind, hilft direkte Verbindung bei der
Bauteilplazierung auch nur bedingt.
Hier mal meine Weltanschauung, warum Leiterbahnen nur gerade oder in 45°
Winkeln verlaufen "dürfen":
- Optik; viele Menschen setzen Ordnung mit Qualität und Professionalität
gleich. Da gewinnt halt die 45°/90° Version. Die elektrischen Nachteile
von längeren Leiterbahnen bleiben da auf der Strecke.
- die meisten Bauteile sind rechteckig. Um dort vorbeizukommen, müssen
eben auch rechtwinklige Bahnen gezogen werden.
- Leiterbahnen in schrägem Winkel direkt von ICs wegzuführen ist teils
schwierig, insbesondere bei geringem Beinchenpitch. Der schräge Winkel
vermindert den Abstand Track<->Pin, den man bei geringen Pitches nicht
hat.
Das "dürfen" verflüchtigt sich demnach in ein "können". Es gibt letzten
Ende keinen Grund gegen schräge Bahnen.
Den Artikel zu TopoR sollte man aber doch mal gelesen haben. Danke
dafür.
Ansonsten: Leiterbahnen, die mit Winkeln !=45° verbunden und nicht im
90°-Winkelraster liegen sehen auch für meine Augen erstmal merkwürdig
aus.
Andererseits: Ich habe mal die Platine eines Nachrichtentechnikers bei
uns in der Hochschule im Fertigungslabor bewundert und mich sehr über
die schön runden Kreisbögen gewundert, die anstelle der üblichen
45°-Winkel an den Knickstellen verwendet wurden.
Auf Nachfrage meinte er, auf Winkel habe er verzichtet um Reflexionen zu
unterdrücken, 45°-Winkel haben da anscheinend nicht mehr gereicht.
(Irgendwelcher FPGA-Kram...)
Das Board selber ist unkonventionell-allerdings finde ich es nicht
"häßlich". Und wenn man den o.g. Artikel mal genauer liest (und weiß
wie so etwa 20 Jahre alte Leiterkarten oft aussehen) bekommt das eh
einen ganz anderen Kontext...
@Wühlhase (Gast)
>Ansonsten: Leiterbahnen, die mit Winkeln !=45° verbunden und nicht im>90°-Winkelraster liegen sehen auch für meine Augen erstmal merkwürdig>aus.
Ist halt Gewohnheitssache.
>Andererseits: Ich habe mal die Platine eines Nachrichtentechnikers bei>uns in der Hochschule im Fertigungslabor bewundert und mich sehr über>die schön runden Kreisbögen gewundert, die anstelle der üblichen>45°-Winkel an den Knickstellen verwendet wurden.
Nett, aber funktional nicht wirklich nötig.
>Auf Nachfrage meinte er, auf Winkel habe er verzichtet um Reflexionen zu>unterdrücken, 45°-Winkel haben da anscheinend nicht mehr gereicht.>(Irgendwelcher FPGA-Kram...)
urban legend
https://www.mikrocontroller.net/articles/Wellenwiderstand#90.C2.B0_Ecken_in_Leiterbahnen
Mani W. schrieb:> mit Ringerln, Pads und diversen selbstklebenden schwarzen Bahnen aus> selbstklebenden Stoff/Kunststoffbahnen, die man auch schön kurvig> legen konnte...>> Damals (TM) haben sicher viele hier im Forum damit gearbeitet
Ich habe damals die Leiterbahnen meiner selbstzuätztenden Platinen
freihand mit Edding gemalt. Ging auch.
M.A. S. schrieb:> Ich habe damals die Leiterbahnen meiner selbstzuätztenden Platinen> freihand mit Edding gemalt
Es gab Techniken vor den Klebesymbolen: wir haben ganze Serien
gefertigt, die mit Tuschefüller und Kurvenlineal(!) auf Zeichenkarton
gezeichnet waren.
Georg
Georg schrieb:> Es gab Techniken vor den Klebesymbolen: wir haben ganze Serien> gefertigt, die mit Tuschefüller und Kurvenlineal(!) auf Zeichenkarton> gezeichnet waren.
Ich habe damals noch die Leiterbahnen mit Hammer und Meissel gefertigt.
Bei Abständen von 0.5 mm und weniger aber heutzutage viel zu aufwändig.
Gar nicht so abwegig.
Außer der Ritztechnik gab es noch die Kratztechnik.
Die Platine mit dem Spirituslack beschichtet und dann das was weggeätzt
werden sollte, freigekratzt.
Das waren noch Zeiten!
Georg schrieb:> Es gab Techniken vor den Klebesymbolen: wir haben ganze Serien> gefertigt, die mit Tuschefüller und Kurvenlineal(!) auf Zeichenkarton> gezeichnet waren.>> Georg
Habe ich ganz vergessen:
In den Urzeiten (TM) haben wir mit Tuschestiften (schwarze Tinte)
und verschiedensten Röhrchendurchmessern (Rotring) viele Layouts auf
Pergamentpapier gezeichnet und Fehler mit einer Rasierklinge
beseitigt...
Vorher war Edding angesagt, spiegelverkehrt direkt auf die
mit ATA oder irgend einem anderen Scheuermittel gereinigte oder
geschliffene Kupferseite aufgetragen...
Keine Serienproduktion, später malten wir mit Edding auf Folien, um
Kleinserien herzustellen...
Mann, bin ich alt!
Sebastian K. schrieb:> - Leiterbahnen in schrägem Winkel direkt von ICs wegzuführen ist teils> schwierig, insbesondere bei geringem Beinchenpitch. Der schräge Winkel> vermindert den Abstand Track<->Pin, den man bei geringen Pitches nicht> hat.>> Das "dürfen" verflüchtigt sich demnach in ein "können". Es gibt letzten> Ende keinen Grund gegen schräge Bahnen.
Genau!
45 Grad sind bei dichten Leiterbahnführungen gut geeignet, um Platz
zu sparen...
Am Beginn meines Daseins in der Elektronik war geschwungen noch "In",
dann gerade und kürzeste Leiterbahnen...
Oft war es aber so, wie in einem Malbuch (etwas zu weit gemalt, ist
dann etwas geschwungenes heraus gekommen)...
Heute zeichne ich meine Layouts mit "Sprint-Layout", und ich bevorzuge
immer einseitige Prints, im schlimmsten (kleinsten) Fall dann maximal
doppelseitig...
Mani W. schrieb:> Bei Rundungen spart man Platz bei bestmöglicher Leiterbahnbreite,> wird aber sicher nur mehr selten benötigt...
Auch bei Rundungen liegen in dem Teil, wo die Kurve unter 45° verläuft,
die Leiterbahnen unter 45° und benötigen den selben Abstand.
Der Unterschied im Platzbedarf beträgt marginale 5.5 Prozent
(Kreisfläche Inkreis gegen Achteck-Eck).
Mani W. schrieb:> Bei Rundungen spart man Platz bei bestmöglicher Leiterbahnbreite,> wird aber sicher nur mehr selten benötigt...
Man handelt sich aber, speziell bei dichtgepackten Bus-Leitungen andere
Probleme ein. Da alle Layoutsysteme intern mit einem Raster arbeiten und
dieses ggf. auch noch eine zöllige Grundlage hat kommt es bei der
Verwendung von Kreisbögen zu Rundungsfehlern. Das passiert speziell
dann, wenn der Kreisbogen keinen Winkel ausfüllt der durch 90° teilbar
ist. Die Folge ist: Man muss die Kreisbahnen weiter auseinander schieben
als eigentlich nötig wäre um ohne Designrulecheck Fehler durch die Kurve
zu kommen was am Ende den theoretisch gewonnen Platz wieder auffrisst
und sogar ins negative umschlagen kann in der Gesamtbilanz. Ich verwende
Kreisbögen nur der Optik halber auf runden Platinen oder wenn ich
Starrflex Platinen designe im Flex Teil wenn dort Kurven benötigt
werden, zum Glück ist beides aber sehr selten in meinem Arbeitsbereich.
Eagle schrieb:> Typisches Ergebnis, wenn man einen Autorouter benutzt. Dabei wird auf> Ästhetik kein Wert gelegt.
Immer diese Laien mit ihrrm abstrusen Weltverständnis.
Gerade das Layout stammt garantiert nicht von einem Autorouter, sondern
wurde von Hand gemacht.
Christian B. schrieb:> Da alle Layoutsysteme intern mit einem Raster arbeiten
Das stimmt nur begrenzt. Beim Nebeneinanderverlegen von mehreren
Leiterbahnen wird das Raster nicht unbedingt beachtet, jedenfalls nicht
bei jedem CAD-System. Speziell gilt das für Differential-Leitungspaare,
die wären unbrauchbar wenn sie im Raster verlegt würden, da hat der
definierte Abstand Vorrang. Ein System das das nicht beachtet ist für
Hispeed ungeeignet.
Ok, streng genommen arbeitet jedes Programm in einem Raster, weil
digital, aber soweit ich weiss liegt das bei meinem System im
nm-Bereich.
Was Rundungen angeht: ein Nachteil beim Aneinanderrouten ist, dass der
Radius dabei immer kleiner wird, streng genommen haben die Leiterbahnen
nicht mehr die gleichen Eigenschaften.
Georg
Georg schrieb:> Was Rundungen angeht: ein Nachteil beim Aneinanderrouten ist, dass der> Radius dabei immer kleiner wird, streng genommen haben die Leiterbahnen> nicht mehr die gleichen Eigenschaften.
inwiefern? Ich hab z.B. schon einen Bus mit 26 Leiterbahnen parallel um
2 Ecken geroutet. Laufzeitunterschiede gab's keine an den
Anschlussstellen, da sich beides ausglich. Dennoch wurde jeder Radius
ein kleines bisschen größer, als eigentlich notwendig gewesen wäre. Da
es am Ende eine S-Kurve wurde war das egal, da der Längste Radius mit
dem Kürzesten zusammen in einer Leiterbahn war. Dennoch ist das
ungünstig. Verwendetes System damals war Pads. Mit Eagle brauch man
sowas gar nicht erst probieren, da sind, meiner Erfahrung nach, selbst
die 45° schon nicht mehr im gleichen Abstand wie 90° Leitungen. Bei
Altium hab ich sowas noch nicht probiert, könnte aber mit dem Busrouting
Feature besser funktionieren, wenn der auch Rundungen (in diesem Modus)
unterstützt... Das muss ich mal ausprobieren.
p.s.: Da Leiterbahnen im CAD System mit definiertem Start und Endpunkt
ausgerüstet sind müssen sie auch auf einem Raster gründen. Wie fein das
ist, ist eine Frage des Systems. nm halte ich indeß für
unwahrscheinlich. das kleinstmögliche Raster im Altium ist 0,025mm. Das
ist so fein, daß es "quasi" Rasterlos wirkt. Wenn du aber ganz Nah an
einen Leiterzug zoomst und diesen verschiebst siehst du, wie er von
einem Punkt zum nächsten springt.
Georg schrieb:> Was Rundungen angeht: ein Nachteil beim Aneinanderrouten ist, dass der> Radius dabei immer kleiner wird, streng genommen haben die Leiterbahnen> nicht mehr die gleichen Eigenschaften.>
Rundungen treten ja meisstens paarweise auf. Das ist auch im normalen
Leben so. :-)
@Georg (Gast)
>> Da alle Layoutsysteme intern mit einem Raster arbeiten>Das stimmt nur begrenzt. Beim Nebeneinanderverlegen von mehreren>Leiterbahnen wird das Raster nicht unbedingt beachtet, jedenfalls nicht>bei jedem CAD-System. Speziell gilt das für Differential-Leitungspaare,>die wären unbrauchbar wenn sie im Raster verlegt würden, da hat der>definierte Abstand Vorrang. Ein System das das nicht beachtet ist für>Hispeed ungeeignet.
Er meint wohl eher das Raster der internen Berechnung, nicht das
eingestellt Raster im Layout. Eagle arbeitet intern AFAIK mit 1um
Auflösung. Aber dadurch bekommt man keine riesigen Rundungsprobleme beim
Verlegen von Kurven.
>Ok, streng genommen arbeitet jedes Programm in einem Raster, weil>digital, aber soweit ich weiss liegt das bei meinem System im>nm-Bereich.
Was ist DEIN System?