Angenommen eine Scheibe mit bekannter Masse dreht sich mit einer
bekannten Geschwindigkeit. Jetzt wird der Antrieb abgeschaltet
(weggenommen) und die Scheibe wird durch die Lagerreibung abgebremst.
Wie verhält sich dann die Drehgeschwindigkeit über die Zeit?
Ich würde spontan annehmen, dass die Lagerreibung ein konstantes der
Drehbewegung entgegengesetztes Drehmoment darstellt, damit würde die
Drehgeschwindigkeit über die Zeit linear bis auf 0 abnehmen.
Stutzig macht mich allerdings, dass dann die Energie am Anfang schneller
"vernichtet" würde, als am Ende. Klingt spontan also nicht plausibel.
Wie könnte man das realistisch modellieren?
Umgekehrter Fall: Motor beschleunigt eine Scheibe mit konstantem
Drehmoment. Auch hier würde die Drehgeschwindigkeit mit der Zeit linear
zunehmen, die in der Scheibe gespeicherte Energie aber quadratisch.
Wo ist mein Denkfehler?
Joe F. schrieb:> hier würde die Drehgeschwindigkeit mit der Zeit linear> zunehmen, die in der Scheibe gespeicherte Energie aber quadratisch.> Wo ist mein Denkfehler?
Eine linear steigende Drehzahl ist eine Beschleunigung und die ist
wiederum quadratisch. Das erkennt man auch an den Einheiten (m/s²).
OK, das mit dem Beschleunigen ist mir nun klar. Der Motor (E-Motor)
liefert das konstante Drehmoment nur bis zu einer gewissen Drehzahl, und
ab dem Punkt an dem die Maximmalleistung erreicht ist bleibt die
Leistung konstant und das Drehmoment nimmt entsprechend ab.
Aber nochmal zum ersten Fall: Die Lagerreibung bremst die Scheibe.
Was wird da linear abgebaut, Drehzahl oder Energie?
Update: sorry, Nachdenken hilft.
Die Brems-*Kraft* des Lagers ist ja konstant. Also verrichtet die Bremse
eine konstante Arbeit -> die Energie nimmt linear ab.
Deckt sich auch mit der Erfahrung im Auto -> gleiche Bremskraft hat auf
der Autobahn eine wesentlich geringere "Wirkung" in Bezug auf
Geschwindigkeitsabbau als bei 30 km/h...
Schönen Abend noch.
Die Rotationsenergie der rotierenden Scheibe ist proportional zum
Quadrat der Winkelgeschwindigkeit. Wenn die Winkelgeschwindigkeit
halbiert wird, so wird die Rotationsenergie um den Faktor 4 kleiner.
Rotationsenergie = 1/2 J Omega²
J = Trägheitsmoment
Omega = Winkelgeschwindigkeit
Die Rotationsenergie wird nicht linear abnehmen. Stell dir vor du bremst
ein langsames Rad und dann ein ganz schnelles. Das schnelle wird die
Bremse schnell zum Glühen bringen --> Hohe Bremsleistung --> schnelle
Energieabnahme.
Hoffe ich habe keinen Fehler in meinem Gedankengang. Ansonsten bitte
melden.
Nachtrag:
Arbeit = Kraft * Weg.
Leistung = Kraft * Weg/Zeit = Kraft * Geschwindigkeit
Die Leistung beschreibt die Geschwindigkeit mit der Energie umgesetzt
wird. In diesem Fall also die Geschwindigkeit mit der Rotationsenergie
abgebaut wird. Je höher die Drehzahl ist, desto schneller wird auch
Rotationsenergie abgebaut (bei konstanter Reibungskraft).
Jonny O. schrieb:> Das schnelle wird die> Bremse schnell zum Glühen bringen
Hm, richtig, denn die Arbeit ist Kraft*Weg, und der Weg (pro
Zeiteinheit) proportional zur Drehzahl.
Also nimmt doch die Drehzahl linear ab...?
Du könntest ja mal die Formel der Drehzahl in Abhängigkeit der Zeit
hinschreiben (bei angenommener konstanter Kraft).
Edit: Ok für den nicht ganz so versierten Mathematiker ist das ev. nicht
so easy, aber es ist sicher auch kein Hexenwerk...
Jonny O. schrieb:> Ok für den nicht ganz so versierten Mathematiker ist das ev. nicht> so easy. :-)
Naja, es gab mal eine Zeit, da habe ich unbestimmte Gleichungssysteme
mit Infinitesimalrechnung auf dem Papier gelöst. Ist aber saumäßig lange
her, und mein Denkapparat hat sich in der Zwischenzeit auf ganz andere
Dinge umprogrammiert, so dass mir heute schon bei wesentlich einfacheren
mathematischen Problemchen den Kopf raucht, während Schüler in der 10.
Klasse nur müde lächeln. Tja, so ist das Leben.
Manchmal muss man aber auch gar keine Differenzialgleichungen
aufstellen, wenn nur der Knoten im Hirn platzt.
Da die Bremskraft konstant ist, ist das eigentlich genau der umgekehrte
Fall wie eine konstante Beschleunigungskraft. Und damit ist klar, dass
die Geschwindigkeit linear abnimmt, da v = a * t + v0, und a ist hier
einfach nur negativ. Bei Geschwindigkeit 0 gibt's im Falle einer Bremse
natürlich keine (negative) Beschleunigung mehr.
Joe F. schrieb:> Da die Bremskraft konstant ist, ist das eigentlich genau der umgekehrte> Fall wie eine konstante Beschleunigungskraft. Und damit ist klar, dass> die Geschwindigkeit linear abnimmt, da v = a * t + v0,
Na ja... Zunächst haben wir Momente und Winkelgeschwindigkeiten bzw.
Winkelbeschleunigungen. Korrekt sieht es so aus wie im Anhang.
>Stutzig macht mich allerdings, dass dann die Energie am Anfang schneller>"vernichtet" würde, als am Ende. Klingt spontan also nicht plausibel.>Wie könnte man das realistisch modellieren?
Doch - ist plausibel.
Ganz einfach: bei höherer Drehzahl wird die Energie viel schneller
"verrieben" (weil höhere Umfangsgeschwindigkeit im Lager bei
gleichbleibendem Reibmoment). Also höhere Verlustleistung, bzw.
verlustig gegangene Energie pro Zeit.
Ist wie Händereiben: nur wenn Du das schnell genug machst, wird es auch
recht warm (also hohe Wärmeleistung)
>Umgekehrter Fall: Motor beschleunigt eine Scheibe mit konstantem>Drehmoment. Auch hier würde die Drehgeschwindigkeit mit der Zeit linear>zunehmen, die in der Scheibe gespeicherte Energie aber quadratisch.>Wo ist mein Denkfehler?
Ist eigentlich genau so wie bei einem el. Kondensator.
Die Energie ist Leistung mal Zeit.
Zeit erhöht sich linear.
Bei gleichbleibendem Drehmoment (Strom) erhöht sich die Drehzal
(Spannung). Und bei steigender Drehzal (Spannung), zusammen mit
konstantem Drehmoment (Strom) haben wir steigende Leistung. D.h., die
Zeit erhöht sich, und die Leistung erhöht sich. Zweimal linear ist
nunmal quadratisch (dummerweise läßt sich die Zeit nicht wegoptimieren
...)
Der Motor, der die Scheibe antreiben soll, muß darunter leiden.
Ein E-Motor bei n=0 braucht eigentlich keine Spannung, nur Strom
(theoretisch), weil Strom macht Drehmoment. Wird die Drehzahl > 0, wird
auch die nötige Spannung > 0. Strom ist wie das Drehmoment konstant. Wir
haben hier also wieder die linear steigende el. Leistung, und zusammen
mit der steigenden Zeit einen quadr. steigenden Energie"verbrauch".
Joe G. schrieb:> Korrekt sieht es so aus wie im Anhang.
Wow!
Also im Prinzip "gleiches" Ergebnis: Drehzahl nimmt linear ab.
Die Grafik ist aber mit 1000 U/min Anfangsgeschwindigkeit gezeichnet,
oder?
Mit meiner Vereinfachung wäre v dann die Winkelgeschwindigkeit, und a
ist Reibmoment/Massenträgheitsmoment. Da kommt dann das gleiche heraus.
Und die konstante Bremskraft kaeme von ? Nicht von Reibung, denn die
Reibung waere geschwindigkeits proportional. Dh der Reibungs Koeffizient
ist konstant. Auslaufenlassen mit Reibung ergibt eine
Exponentialfunktion
Zwölf M. schrieb:> Nicht von Reibung, denn die> Reibung waere geschwindigkeits proportional
Hm, also ich gehe davon aus, Bremskraft = Anpresskraft *
Reibungskoeffizient.
Und die Anpresskraft habe ich im Falle eines Lagers mal als konstant
angenommen.
@Zwölf Mal Acht (hacky)
>Und die konstante Bremskraft kaeme von ? Nicht von Reibung, denn die>Reibung waere geschwindigkeits proportional. Dh der Reibungs Koeffizient>ist konstant. Auslaufenlassen mit Reibung ergibt eine>Exponentialfunktion
Wo hast Du denn das gelernt?
Man kann das auch in LTspice simulieren, wenn man die mechanischen
Objekte und Größen geeignet durch elektrische ersetzt:
1
mechanisch elektrisch
2
————————————————————————————————————
3
Schwungscheibe Spule
4
Trägheitsmoment Induktivität
5
Winkelgeschwindigkeit Strom
6
Drehmoment Spannung
7
Schmierfilm Widerstand
8
————————————————————————————————————
Im Diagramm ist der zeitliche Verlauf der Winkelgeschwindigkeit der
auslaufenden Schwungscheibe für ein trockenes (easylife) und ein
perfekt geschmiertes Lager (hacky)dargestellt.
Yalu X. schrieb:> Man kann das auch in LTspice simulieren, wenn man die mechanischen> Objekte und Größen geeignet durch elektrische ersetzt
:-) :-) :-)
Yalu, the brain. Ich frage mich ja immer, wo du dieses unendliche Wissen
her hast. Chapeau.
Mein Problem wäre jetzt natürlich die Algorithmen von Spice in meiner
Simulation nachzuimplementieren, um auf die Kurven zu kommen... aber
darum geht es nicht.
Danke an alle, ich habe wieder mal viel gelernt!
Yalu X. schrieb:> Man kann das auch in LTspice simulieren, wenn man die mechanischen> Objekte und Größen geeignet durch elektrische ersetzt:
Die Analogie ergibt zweifelsohne das richtige Ergebnis, ist jedoch aus
unterschiedlichen Gründen unweckmäßig.
Die Winkelgeschwindigkeit ist eine Differenzgröße, d.h. sie wird immer
zwischen zwei Punkten oder zu einem Bezugspunkt gemessen. Der Strom ist
jedoch eine Flussgröße welcher genau in einem Punkt gemessen wird. Beim
Drehmoment ist es genau umgekehrt. Das Drehmoment ist gerade keine
Differenzgröße (Spannung) da es die Ableitung des Drehimpulses ist und
damit eine Flussgröße. Also günstiger:
mechanisch elektrisch
________________________________
Drehmoment Strom
Winkelgeschwindigkeit Spannung
Trägkeitsmoment Kapazität
Reibung Leitwert
________________________________
Die richtige Zuordnung ist in sofern von Bedeutung wenn ich zwei
unterschiedliche Systeme miteinander kopple. Also z.B. einen
Gleichstrommotor mit einem elektrischen System. Im Falle der ersten
Analogie Drehmoment/Spannung würde sich eine gyratorische Kopplung
einstellen. Die Art der Kopplung (tatsächlich eine transformatorische
Kopplung) wird jedoch durch die Onsager-Relation bestimmt. Die erste
Analogie würde also der Onsager-Relation widersprechen.
Joe F. schrieb:> Yalu X. schrieb:>> Man kann das auch in LTspice simulieren, wenn man die mechanischen>> Objekte und Größen geeignet durch elektrische ersetzt>> :-) :-) :-)>> Yalu, the brain. Ich frage mich ja immer, wo du dieses unendliche Wissen> her hast. Chapeau.
Danke für die Blumen :)
Aber viel Wissen braucht des dazu nicht: Um mir die Funktionsweise von
einigen elektrischen/elektronischen Bauteilen bildlich besser vorstellen
zu können (Ströme, Spannungen, Felder und dergleichen kann man leider
nicht sehen), denke ich oft an bewegliche Elemente aus der Mechanik.
Ein gutes Abbild einer Spule ist für mich eben ein Schwungrad. Genauso
wie das rotierende Rad seine aktuelle Drehzahl nur ungern ändert,
widersetzt sich eine Spule Stromänderungen. Wenn man den Strom in einer
großen Spule plötzlich unterbricht, gibt's einen lauten Knall und/oder
Zerstörung. Dasselbe geschieht, wenn man eine Eisenstange in die
Speichen eines schnell rotierenden massiven Schwungrads steckt ;-)
Spice eignet sich übrigens auch sehr gut für thermische Simulationen.
Wie hier an einem Beispiel demonstriert, kann man auch dort die
thermischen Größen leicht durch elektrische ersetzen:
Beitrag "Re: Warum werden Dinge nachgekuehlt?"
Aber zurück zur Reibung: Hier sind die verschiedenen Reibungszustände
beschrieben
https://de.wikipedia.org/wiki/Reibung#Reibungszust.C3.A4nde_in_der_Schmierungstechnik
und als Diagramm dargestellt:
https://de.wikipedia.org/wiki/Stribeck-Kurve
Ein (näherungsweise) drehzahlunabhängiges Reibmoment tritt nur bei der
Festkörperreibung auf, also bei einem un- oder trockengeschmierten
Lager. In meinem letzten Beitrag habe ich der Einfachheit halber nur die
Festkörper- (linkes Bild) und die Fluidreibung (rechtes Bild) simuliert,
wobei ich bei letzterer von einem drehzahlproportionalen Reibmoment
ausgegangen bin.
Bei einem geschmierten Lager müsste man auch die Mischreibung und die
Übergänge zwischen den drei Zuständen berücksichtigen. Außerdem ist nach
dem von Lothar verlinkten SKF-Dokument die Reibmoment(Drehzahl)-Kurve
bei der Fluidreibung nicht ganz linear, sondern flacht bei höheren
Drehzahlen etwas ab. Das macht die ganze Sache zwar genauer, aber auch
wesentlich komplizierter.
Vielleicht liest ja jemand das SKF-Dokument komplett durch und erstellt
nach den dort angegebenen Formeln ein parametrierbares Spice-Modell für
beliebige (nicht nur idealisierte) Lager :)
Joe G. schrieb:> Yalu X. schrieb:>> Man kann das auch in LTspice simulieren, wenn man die mechanischen>> Objekte und Größen geeignet durch elektrische ersetzt:>> Die Analogie ergibt zweifelsohne das richtige Ergebnis, ist jedoch aus> unterschiedlichen Gründen unweckmäßig.> Die Winkelgeschwindigkeit ist eine Differenzgröße, d.h. sie wird immer> zwischen zwei Punkten oder zu einem Bezugspunkt gemessen. Der Strom ist> jedoch eine Flussgröße welcher genau in einem Punkt gemessen wird. Beim> Drehmoment ist es genau umgekehrt. Das Drehmoment ist gerade keine> Differenzgröße (Spannung) da es die Ableitung des Drehimpulses ist und> damit eine Flussgröße. Also günstiger:
Klar man kann die Ersetzung auch so herum machen. Du hast praktisch
Spannung und Strom vertauscht und die restlichen Größen entsprechend
angepasst. Mir persönlich fällt es aber leichter, die Flussgröße Strom
einer Bewegung (also Geschwindigkeit, Drehzahl o.ä.) und die Spannung
einer Kraft, einem Moment oder einem Druck gleichzusetzen. Da muss aber
jeder für sich selber die für ihn intuitivste Zuordnung finden.
> Die richtige Zuordnung ist in sofern von Bedeutung wenn ich zwei> unterschiedliche Systeme miteinander kopple. Also z.B. einen> Gleichstrommotor mit einem elektrischen System.
Ja, bei einem Elektromotor passt natürlich Spannung besser zur Drehzahl
und Strom besser zum Drehmoment. Das ist aber nur deswegen so, weil ein
gewöhnlicher Elektromotor Magnetfelder zur Bewegungsgenerierung nutzt.
Bei einem Motor, der auf elektrischen Feldern basiert, wäre es
umgekehrt.
Joe G. schrieb:> Yalu X. schrieb:>> Man kann das auch in LTspice simulieren, wenn man die mechanischen>> Objekte und Größen geeignet durch elektrische ersetzt:>> Die Analogie ergibt zweifelsohne das richtige Ergebnis, ist jedoch aus> unterschiedlichen Gründen unweckmäßig.> Die Winkelgeschwindigkeit ist eine Differenzgröße, d.h. sie wird immer> zwischen zwei Punkten oder zu einem Bezugspunkt gemessen.
Dann assoziiere Winkelgeschwindigkeit mit Spannung, welche ja eine
Potentialdifferent ist.
> mechanisch elektrisch> __________________________________> Drehmoment Strom> Winkelgeschwindigkeit Spannung> Trägkeitsmoment Kapazität> Reibung Leitwert
Ersezte dazu Strom durch Spannung, Spannung durch Strom, Induktivitäten
durch Kapazitäten, Kapazitäten durch Induktivitäten, und die Schaltung
durch ihr Dual.
https://en.wikipedia.org/wiki/Dual_graph
Die Schaltugen sind ja einfach genug und daher plättbar. Ob es eine
entsprechende Dualität für nicht-plättbare Schaltungen gibt, und wie
diese gegebenenfalls aussieht, weiß ich nicht. Wär aber interessant,
mehr darüber zu erfahren.
> ... Flussgröße ...> ... Differenzgröße ...
Man kann hier doch jede Größe als Differenzial oder Integral einer
anderen betrachten. Von daher erscheint mit die Einteilung in
"Differenz" und "Fluss" ziemlich unnatürlich und technokratisch und
bestenfalls dazu geeignet, den Weg zu tieferen Zusammenhängen (z.B. wie
die von Yalu aufgezeigten) zu verstellen.
@ Lothar Miller (lkmiller)
>Joe F. schrieb:>> Die Brems-Kraft des Lagers ist ja konstant.>Nur, wenn du sie so annimmst. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass das>Lager bei höherer Drehzahl mehr bremst. Denn da sind offenbar bestimmte>Komponenten abhängig von der Drehzahl:>http://medias.schaeffler.de/medias/de!hp.tg.cat/tg...>http://www.boie.de/ftp/pub/skf/6000_I_DE/6000-I_DE...
Nicht, weil man das annimmt. Mag sein, daß da eine kleine
drehzahlabhängige Komponente gibt, aber die kann man (sofern dies
überhaupt so wäre) weitgehend vernachlässigen.
Deutlich drehzahlabhängig wird es erst, wenn wir es mit Schmiermitteln
zu tun haben, wei Deine Links ja zeigen. Davon war aber hier nicht die
Rede.
Yalu X. schrieb:> Da muss aber jeder für sich selber die für ihn intuitivste Zuordnung> finden.Johann L. schrieb:> Von daher erscheint mit die Einteilung in> "Differenz" und "Fluss" ziemlich unnatürlich und technokratisch und> bestenfalls dazu geeignet, den Weg zu tieferen Zusammenhängen (z.B. wie> die von Yalu aufgezeigten) zu verstellen.
Bleiben wir zunächst auf dem Wege zu den tieferen Zusammenhängen. Ich
habe mal ein einfaches Getriebe mit 3 Wellen und zwei 1:1
Riemenübersetzungen skizziert. Vernachlässigen wir aus Gründen der
Übersichtlichkeit mal die Massenträgheitsmomente und konzentrieren uns
nur auf die Verluste im Getriebe durch Schlupf. Der Drehmomentenfluss
(rote durchgehende Linie) zeigt, dass das Drehmoment an jeder Stelle des
Getriebes gleich groß ist. Unterschiedlich sind nur die Drehzahlen.
Ersetze ich die Verluste durch die entsprechenden Widerstände, so ergibt
sich das darunter skizzierte Ersatzschaltbild. Gern bin ich nun bereit,
den Verlust dieses tiefen Verständnisses der Dualität M=I und U=omega zu
diskutieren. Die von Yalu skizierte Dualität würde im Ersatzschaltbild
beide Widerstände parallel verschalten U=M, I=omega. Damit stellen sich
die Fragen.
Was ist M0 und M1?
Warum ist die Drehzahl vor dem Getriebe genauso groß wie nach dem
Getriebe?
Welche Punkt am Getriebe ordne ich den Drehzahlknoten (Stromknoten) zu?
Ich wage zu behaupten, das tiefe Verständnis geht mit dieser Dualität
verloren.
Betrachten wir mal das Problem aus rein physikalischer Sicht. Die
Verallgemeinerung des thermodynamischen Potentials zum Begriff der
Massieu-Gibbs-Funktionen sagt aus, dass sich die Energie eines Systems
immer durch die Funktion seiner unabhängigen extensiven Variablen
darstellen lässt. Der zugehörige Proportionalitätsfaktor ist eine
intensive Größe. Das Paar aus extensiver und intensiver Größe wird auch
als kanonisch konjugiert bezeichnet. In einem kanonisch konjugierten
Paar unterscheiden sich beide Größen durch ihre Messbarkeit. Benötige
ich nur einen Punkt zum Messen dieser Größe (elektrischer Strom,
Drehmoment, Massestrom, usw.) oder mindestens zwei Punkte (Temperatur,
Druck, Spannung, Drehzahl, usw.) (Anmerkung)
Wollen wir nun z.B. die Rotationsenergie berechnen benötigen wir dieses
kanonisch konjugierte Paar. Eine Größe ist das Massenträgheitsmoment
(extensiv, messbar in einem Punkt). Nun wird noch die zweite Größe
benötigt (intensiv, messbar in zwei Punkten). Nehme ich nach der U=M
Dualität also das Drehmoment, wird keine Energie daraus. Warum nicht?
Das Drehmoment ist zwar eine intensive Zustandsgröße, jedoch nur in
einem Punkt messbar (im Gegensatz zur als dual gesetzen Spannung). Also
muss ich die zweite intensive Zustandsgröße verwenden, die
Winkelgeschwindigkeit 8intensiv, messbar in zwei Punkten). Somit wird
aus energetische Sicht nur eine sinnvolle Dualität übrig bleiben
U=omega).
Anmerkung: Die Intensitätsgrößen mit zwei notwendigen Messpunkten hatte
ich Differenzgröße und die mit einem Messpunkt Flussgröße genannt.
Joe F. schrieb:> Aber nochmal zum ersten Fall: Die Lagerreibung bremst die Scheibe.> Was wird da linear abgebaut, Drehzahl oder Energie?
Keine von beiden. Die Reibung ist bei hohen Geschwindigkeiten relativ
geringer. Das hat mit Hafteffekten der Atomschichten, Lufteinschlüssen
und Schwingungen zu tun. Es wird also zunehmend mehr infolge der
Gleitreibung abgebaut, vor allem gegen Ende hin. Die Energie verhält
sich entsprechend.
Allerdings haben solche Aufbauten auch noch andere Widerstände, vor
allem Luftwirbel und die sind meisten irgendwas zwischen quadratisch und
kubisch, je nach Verwirbelung, Luftabführung, Vorverwirbelung bei der
Anströmung und Gestaltung des Umfeldes.
Im mittleren Drehzahlbereich kommen dann die Schwingungen durch
Resonanzen hinzu, Wellentorsion durch Beschleunigung und Hafteffekt und
vor allem partielle Schwingungen, die die Lager belasten und zu
ungleichmäßigem Bremsen führen.