Tom schrieb:> die gleiche Schirmwirkung erreicht wie ein Blechgehäuse
Natürlich nicht.
Außerdem wird es undurchsichtig.
Man könnte ein feinmaschiges Drahtgitter hineinlegen.
MaWin schrieb:> Außerdem wird es undurchsichtig.
Muss ja nicht bedeuten, das die Farbe stört, vielleicht verwendet er
sowieso blickdichtes Plexiglas. Aber ja, das rot-braune Zeug ist optisch
eine Katastrophe.
MaWin schrieb:> Man könnte ein feinmaschiges Drahtgitter hineinlegen.
Manche alten Oszillogucks haben ein solches (geschwärztes)
Abschirmgitter vor der CRT gehabt, damit nicht die Felder der bis zu
500MHz Ablenkung durch das grosse Loch hinauspfeifen.
Heutige LCD-Scopes stören schon auf wesentlich niedrigeren Frequenzen.
Tom schrieb:> Hat da vielleicht jemand Erfahrung?
Diverse Gehäuse aus Holz oder Kunststoff habe ich meist mit
Alufolie, schön zerknittert und ausgestreift, mit Kleber (Uhu,
Holzleim) an die Innenseiten geklebt, zerknitterte Folie hält besser,
streut auch sehr gut Licht (für Belichtungsgeräte)...
Alufolie hat eben den Vorteil, dass sie sehr anpassungsfähig ist...
Und es gibt die auch in fast jedem Haushalt, für Aluhüte und andere
Abschirmungen von außen und innen...
Prinzipiell kann man mit Schirmlack sehr brauchbare Schirmwirkungen
erreichen, die mit dünnem Blech auch vergleichbar sind. Aber: das
braucht Erfahrung. Wir haben regelmäßig Kunststoffformteile (was für ein
Wort) welche eine EMV Abschirmwirkung benötigen. Ich selbst habe schon
ein Gerät beim EMV Test betreut, welches zwar lackiert war, aber null
Schutzwirkung hatte. Ich habe die Haube dann von innen mit Kuperfolie
beklebt. Die nächste Charge funktionierte dann. Du musst aber darauf
achten, dass alle Nahtstellen mit EMV Schaum dicht gemacht sind,
andernfalls hast du Schlitzantennen gebastelt, deren
Abstrahlcharakteristik sich problemlos in einer EMV Kammer, auf dem
Drehtisch, nachweisen lässt. D.h. auch die Anbindung an den Schaum muss
mit EMV Lack behandelt sein. Das so hinzubekommen, dass man es am
fertigen Gerät nicht sieht und die Schirmwirkung auch nach einer Wartung
des Gerätes noch genausogut ist, ist auch nicht so einfach. Auf jeden
Fall ist die Dämpfung einer sauber ausgeführten EMV Lackschicht besser
als die eines Drahtgitters mit 1cm Maschenweite. Nachweislich.
MaWin schrieb:> Tom schrieb:>> die gleiche Schirmwirkung erreicht wie ein Blechgehäuse>> Natürlich nicht.
Vernünftig schirmende Gehäuse sind sowieso aus dem Vollen gefräst.
Die Gehäusewahl ist immer eine Frage der Frequenzen und der
erforderlichen Schirmwirkung.
Ich verwende gelegentlich selbklebende Kupferfolie in Plastikgehäusen.
Hat gegenüber der Alufolienmethode den Vorteil, dass sie sich mittels
Lötkolben kontaktieren lässt. Kurze Suche bei ali ergab etwa 7 EUR für
50mm x 5,5m, ist also nicht teuer.
Was ich auch gerne wüßte, ist wie gut im Vergleich zum Voll-Alu-Gehäuse
die Schirmwirkung ist.
Die Optik in Plexiglas ist natürlich bescheiden :-)
[An dieser Stelle ein Dank an die Mitschreibenden für den konstruktiven
Stil!]
Grundsätzlich bietet jede leitfähige Oberfläche eine "gute"
Schirmwirkung, außer vielleicht gegen niederfrequente magnetische
Felder. Aber egal ist die Dicke des Schirms deswegen noch lange nicht,
weil neben Reflexion auch - die mit der dicke des Schildes korrelierende
- Absorption eine Rolle spielt.
Von daher wird Abschirmlack normalerweise deutlich besser sein als
nichts, aber auch nicht so gut wie ein Blech. Wie groß der Unterschied
wirklich ist, hängt halt noch von ein paar mehr Parametern ab (Frequenz,
Nahfeld, Fernfeld, ... ).
Ist halt die Frage gegen was du schirmen willst. Da du von "kapazitiver
Kopplung" sprichst nehme ich an es geht um elektrische Felder im
Nahfeld, also vermutlich mehr um die Störabstrahlung als um die
Störempfindlichkeit deines Gerätes?
Für sinnvoller halte ich es, besonders störanfällige und besonders
störaussendende Stellen auf kleinem Raum richtig abzuschirmen. Das
bringt mehr als ein großes Gehäuse nur so halbwegs abzuschirmen.
Außerdem hilft es auch gegen geräteinterne Störungen.
Wir haben unsere Produkte die gestört haben mit Graphitlack und
Kupferfolie dort wo man nicht lackieren konnte( Leiterplatten )EMV
tauglich gemacht. Allerdings hatten wir eine EMV Messkammer für solche
Zwecke um den Erfolg der Arbeit zu sehen.
Im Küchenradar ist doch immer so ein Lochgitter in der Tür
eingearbeitet.
Das sollte alles unter etwa 4 Ghz abschirmen. Lediglich deutlich höhere
Frequenzen kommen da durch. Damit hätte man zumindest einen begrenzten
Einblick, was innerhalb passiert.