Entladung Kondensator und Körperdurchströmung

OP #7466943
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Hallo zusammen,

ich habe eine Frage zum Verständnis: "Warum spricht man von einer Körperdurchströmung bei Kontakt mit einem aufgeladenem Kondensator (Elko)?" Die Frage wurde in ähnlicher Weise hier und da schon diskutiert. Seid mir bitte nicht nachtragend, wenn ich es nochmal aufgreife. Mit hier und da meine ich diese Beiträge:

Beitrag "Gefahr Kondensator" Beitrag "Re: Gefährlichkeit eines geladenen Kondensators aus physikalischer Sicht" Beitrag "Lebensgefahr bei Hochspannungskondensator?"

Annahme: A: Ich fasse an einem Pol des Kondensators. B: ich überbrücke die beiden Kontakte durch Extremitäten (Finger, Hand)

Oft wird die Strom-Zeitkennlinie (DIN VDE 0140-479-1) herangeführt um über das Ausmaß des Schadens beurteilen zu können (Herzkammerflimmern, Atemnot usw.) Hierzu liest man dann auch noch von Werten für den Körperwiderstand von ca. 1kOhm. (z.B. Hand zu beiden Füßen 750 Ohm) Aber wie soll sich der Kondensator über den Körper entladen? Selbst wenn der Boden auf dem man steht ein anderes Potential hat - als die Ladung des Kondensator - so wird doch kein Strom fließen können, oder?

Fall B: ist nachvollziehbar, da wird es wohl je nach Höhe der Ladung kurzzeitig weh tun und eventuell bleibt eine Strommarke als Erinnerung.

Unter welcher Annahme (A/B) spricht man also von einer Körperdurchströmung?

Bedanke mich bereits im Voraus für Eure Beiträge.

#7466979
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Ich glaube er meint mit Annahme A, dass er nur einen Pol des Elkos berührt. Ähnlich wie ein Vogel auf der Stromleitung.

Wenn Du den anderen Pol nicht berührst und der auch nur einfach so in der Luft hängt ohne irgendwo angeschlossen zu sein, passiert auch nichts. Wir erinnern uns, ein Stromkreis muss geschlossen sein damit Strom fließen kann...

Doof, wenn Du einen Pol berührst und der andere Pol Erdkontakt hat. Dann spührst Du es logischer Weise, und dann hast Du auch Deine Körperdurchströmung. Es gab mal das 1-Mega-Ohm-Modell für jede Extremität, ob das noch aktuell ist? keine Ahnung! Unangenehm wird es eben ab 30mA.

Wenn Du mit dem selben Finger beide Pole berührst, schließt Deine Haut die Kontakte Kurz, dann kannst Du (auf die kurze Entfernung) auch nicht mehr mit dem Körpermodell rechnen. Das sind dann (je nach Hautfeuchte) weniger als 100ohm - das tut dann richtig weh...

OP #7467024
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Jeffrey L. schrieb:

Ich glaube er meint mit Annahme A, dass er nur einen Pol des Elkos berührt. Ähnlich wie ein Vogel auf der Stromleitung.

Genau, man fasst versehentlich sekundärseitig an einem Pol des Elkos (z.B. 56µF @325V) in einem Schaltnetzteil (primärseitig vorher getrennt natürlich!).

Falk B. schrieb

Na dann brücke mal einen HV-Kondensator mit der linken und rechten Hand

. . . das wäre tatsächlich Leichtsinn, wobei man an dieser Stelle mit einem Stromfaktor von 0,4 rechnet. Von linker Hand zu Füßen wäre anscheinend noch schlimmer (vorausgesetzt es kann tatsächlich Strom fließen).

Also die alte Ausbilderregel besagt: "lass die eine Hand schön in der Hosentasche!" 😊

#7467117
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Zwei Erfahrungen mit geladenen Kondensatoren, die ich schon von vor ca. 50 J., wie folgt, machte:

  1. Einen auf Netzspannungs-Scheitelwert geladenen 1 µF-Folienkondensator spürt man "gut" (Energie ca. 0,05 Ws).

  2. Einen erst auf 311 V (heute wären's 325 V) aufgeladenen, dann satt kurzgeschlossenen(!), dann einige Zeit offen gelassenen Elektrolyt-Kondensator mit 100 µF spürt man noch "besser". Bei einem solchen Kondensator (aus Röhrenradio) stieg durch diesen Nachladeeffekt (Relaxation) die Spannung auf 50 V an (Energie also ca. 0,13 Ws).

    https://de.wikipedia.org/wiki/Dielektrische_Absorption

#7467140
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Jeffrey L. schrieb:

Ich glaube er meint mit Annahme A, dass er nur einen Pol des Elkos berührt. Ähnlich wie ein Vogel auf der Stromleitung.

Ich hab vor ein paar Wochen den Test B mit einer Hand gemacht. In einem Gerät war ein Verdrahtungsfehler, dadurch war ein 3300uF Elko noch auf irgendwas um die 300V aufgeladen. Netzstecker raus, aufschrauben, ein Kabel abziehen. AAAAAAAUHHHHH, wer beißt mich denn da? Nochmal alle Kabel geprüft, alles abgezogen, nochmal am Kabel (SMB-Stecker) angefaßt, ahhhhh, wieder gebissen. Das was "nur" ein Kurzschluß zwischen zwei Fingern, aber der ganze Unterarm hat gezuckt!

(Firma: Funkenflug Industries) #7467388
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Vögel sitzen auch auf spannungsführenden Drähten, solange die nicht zu heiß sind.

Allerdings fangen sie ab etwa 110kV aufwärts an, die parasitären (kapazitiven) Ströme zu spüren und setzen sich daher nicht auf die Leiterseile von Höchstspannungsanlagen, auch wenn sie davon nicht getötet werden. Im 380kV Höchstspannungsnetz werden oft auch wirklich hohe Temperaturen der Leiterseile in Kauf genommen (gibt extra Hochtemperaturseile dafür, sie sich weniger stark ausdehnen als ältere normale Leiterseile) und das mögen sie natürlich auch nicht.

Wusstet ihr eigentlich, daß Raben weiß geboren werden? Erst wenn sie sich zum ersten Mal auf eine Hochspannungsleitung gesetzt haben, macht's puff und sie werden schwarz.

#7467440
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Ingolf G. schrieb:

Ben B. schrieb:

Wusstet ihr eigentlich, daß Raben weiß geboren werden? Erst wenn sie sich zum ersten Mal auf eine Hochspannungsleitung gesetzt haben, macht's puff und sie werden schwarz.

Uaaaahhhh, DER ist gut! :D

Doch, fand ich auch. Spaß muss sein. +1

Bei diesem Thread-Thema "Entladung Kondensator und Körperdurchströmung" muss ich unwillkürlich an den fetten Kondi von Mikrowellen mit Magnetron denken.

Rund 1µF und 2.000 Volt. Lebensgefahr.

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