Forum: Analoge Elektronik und Schaltungstechnik Elko verträgt falsch gepolt wieviel Spannung / DC Blocker


von Uwe °. (ossabow)



Lesenswert?

Hi, hier http://hifiakademie.de/zubehoer/netzfilter/ wird ein Elko ca. 
0,7V verpoolt genutzt so wie auch viele beim Ali. Da bei sich bei 
Reihenschaltung der Platzbedarf und Preis verdoppelt würde ich es so 
nach bauen. Frage ist ob ich jeweils drei dioden in serie antiparallel 
schalten kann, wären ja dann ca 2V!?
Uwe Ups 2x gleiches Bild
: Bearbeitet durch User
von H. H. (hhinz)


Lesenswert?

TDK/Epcos:

3.1.6 Reverse voltage
Aluminum electrolytic capacitors are polar capacitors. Where necessary, 
voltages of opposite
polarity should be prevented by connecting a diode. The diode's 
conducting-state voltage of
approximately 0.8 V is permissible. Reverse voltages ≤1.5 V are 
tolerable for a duration of
less than 1 second, but not in continuous or repetitive operation.
von Ben B. (Firma: Funkenflug Industries) (stromkraft)


Lesenswert?

Dumme Frage... aber was erhoffst Du Dir von dem Ding?
von Bernhard (bernhard_123)


Lesenswert?

Bezogen auf Aluminium-Elkos mit flüssigem Elektrolyt:

Vishay Roederstein, 2016:
"A reverse polarity voltage with a peak value of > 1.5 V must not 
occur... A reverse polarity of up to 1.5 V is permissible."

Vishay, 2017:
"... allows for reverse bias up to 1 V. Above this value, oxidation of 
the cathode foil will take place, creating internal gas pressure and an 
irreversible drop in total capacitance."

Übersetzung:

Vishay Roederstein, 2016:
Eine Sperrspannung mit einem Spitzenwert von > 1,5 V darf nicht 
auftreten... Eine Sperrspannung bis zu 1,5 V ist zulässig.

Vishay, 2017:
... erlaubt eine Sperrspannung bis zu 1 V. Oberhalb dieses Wertes kommt 
es zur Oxidation der Kathodenfolie, wodurch ein interner Gasdruck 
entsteht und die Gesamtkapazität irreversibel abnimmt.


Üblicherweise gibt es eine Typprüfung: -1 V für 125 h bei hoher 
Temperatur. Danach darf sich die Kapazität nicht viel geändert haben. 
Details stehen in den spezifischen Datenblättern, die Prüfbedingungen in 
IEC 60384-4.

Bernhard
: Bearbeitet durch User
von Bernhard (bernhard_123)


Lesenswert?

KEMET liefert auch ein paar Infos mit Erklärungen Quelle: Katalog 
"Electrolytic Capacitors" von 2010

Polarity and reversed voltage

Aluminium Electrolytic capacitors manufactured for use in d.c. 
applications contain an anode foil and a cathode foil. As such they are 
polarised devices and must be connected with the +ve to the anode foil 
and the -ve to the cathode foil. If this were to be reversed then the 
electrolytic process that took place in forming the oxide layer on the 
anode would be recreated in trying to form an oxide layer on the 
cathode. In forming the cathode foil in this way heat would be generated 
and gas given off within the capacitor usually leading to catastrophic 
failure.

The cathode foil already possesses a thin stabilised oxide layer, this 
thin oxide layer is equivalent to a forming voltage of approximately 2V. 
As a result, the capacitor can withstand a voltage reversal of up to 2V 
for short periods. Above this voltage the formation process will 
commence.

Aluminium electrolytic capacitors can also be manufactured for use in 
intermittent a.c. applications by using two anode foils in place of one 
anode and one cathode.


Übersetzung:

Polarität und Verpolung

Aluminium-Elektrolytkondensatoren für Gleichstromanwendungen bestehen 
aus einer Anoden- und einer Kathodenfolie. Sie sind polarisiert und 
müssen mit dem Pluspol an die Anodenfolie und dem Minuspol an die 
Kathodenfolie angeschlossen werden. Bei Verpolung würde der 
elektrolytische Prozess, der zur Bildung der Oxidschicht an der Anode 
geführt hat, erneut ablaufen, um eine Oxidschicht an der Kathode zu 
bilden. Dabei würde Wärme erzeugt und Gas im Kondensator freigesetzt, 
was üblicherweise zu einem Totalausfall führt.

Die Kathodenfolie besitzt bereits eine dünne, stabilisierte Oxidschicht. 
Diese dünne Oxidschicht entspricht einer Formierungsspannung von ca. 2 
V. Daher kann der Kondensator kurzzeitig eine Verpolung von bis zu 2 V 
aushalten. Oberhalb dieser Spannung setzt der Formierungsprozess ein.

Aluminium-Elektrolytkondensatoren können auch für den Einsatz in 
intermittierendem Wechselstrom hergestellt werden. Anwendungen durch 
Verwendung von zwei Anodenfolien anstelle einer Anode und einer Kathode.
von Ben B. (Firma: Funkenflug Industries) (stromkraft)


Lesenswert?

Also maximal eine Diode über den Elko, mit zweien ist man schon über 1V.

Meiner Meinung nach einfach bleiben lassen, der Kram bringt sowieso 
nichts, da Gleichstrom nicht durch den Netztrafo geht und sich 
Schaltnetzteile mal überhaupt nicht dafür interessieren.
von Bernhard (bernhard_123)


Lesenswert?

Ben B. schrieb:

> Meiner Meinung nach einfach bleiben lassen, der Kram bringt sowieso
> nichts, da Gleichstrom nicht durch den Netztrafo geht ...

Bei einer (geringen) Gleichspannung fließt Gleichstrom  durch die 
Primärwicklung und treibt den Kern für eine Halbwelle in Richtung 
Sättigung.
von Dieter D. (Firma: Hobbytheoretiker) (dieter_1234)


Angehängte Dateien:

Lesenswert?

Das sind alles billige Bauteile. Da kann auch etwas oversized 
dimensioniert werden.

https://falstad.com/circuit/circuitjs.html?
von Ben B. (Firma: Funkenflug Industries) (stromkraft)


Lesenswert?

> Bei einer (geringen) Gleichspannung fließt Gleichstrom
> durch die Primärwicklung und treibt den Kern für eine
> Halbwelle in Richtung Sättigung.
Stimmt, aber ich zweifle extrem daran, daß das zu einer hörbaren 
Verschlechterung des Klangs eines Verstärkers führt oder so. Dieser 
Effekt tritt nämlich an allen Transformatoren auf, einschließlich den 
sehr niederohmigen des Mittel- und Hochspannungsnetzes, wodurch so eine 
Gleichspannung - wo auch immer die überhaupt herkommen sollte - sehr 
schnell abgebaut werden würde.
von Hans W. (hanswieland)


Lesenswert?

Bernhard schrieb:
> Bei einer (geringen) Gleichspannung fließt Gleichstrom  durch die
> Primärwicklung und treibt den Kern für eine Halbwelle in Richtung
> Sättigung.

Man kann sich auch um Geister und ungelegte Eier kümmern, wenn man sonst 
keine echten Probleme hat.
von Dieter D. (Firma: Hobbytheoretiker) (dieter_1234)


Lesenswert?

Ben B. schrieb:
> Stimmt, aber ich zweifle extrem daran, daß das zu einer hörbaren
> Verschlechterung des Klangs eines Verstärkers führt oder so.

Bei sehr leisen Musikpassagen kann es möglich sein, den deutlich 
stärkeren Trafo-Brumm ganz leise herauszuhören. Entweder über 
Mikrofonieeffekte im Gerät oder über die Seitenbleche wird der Schall an 
die Raumluft weitergegeben.
: Bearbeitet durch User
von Bernhard (bernhard_123)


Lesenswert?

Ben B. schrieb:
> ... wodurch so eine Gleichspannung - wo auch immer
> die überhaupt herkommen sollte ...

Es gibt z. B. Haarföns, bei denen die Heizleistung über eine Diode 
(1N4007) reduziert wird. Dann fließt Gleichstrom im Netz.

Da viele Trafos mit Gleichstromkopplung am Netz angeschlossen sind, 
inkl. des großen Trafos des Energieversorgers, bezweifle ich aber, dass 
der Gleichspannungsanteil 100 mV überschreiten wird. Sonst wären schon 
viele andere Geräte ausgefallen.

Eine Si-Diodenschwelle wird also völlig ausreichen, um Gleichstrom durch 
den Trafo zu vermeiden.

(Bei meinen Geräten habe ich das nirgends eingebaut.)

Bernhard
: Bearbeitet durch User
von Holger R. (holgerr)


Lesenswert?

Das ist ein Netzfilter für Audiophile.
Da kann man bei Musik hören wie lang die Haare des Schlagzeugers sind 
und welche Haar- und Augenfarbe er hat.
HolgerR
: Bearbeitet durch User
Bitte melde dich an um einen Beitrag zu schreiben. Anmeldung ist kostenlos und dauert nur eine Minute.
Bestehender Account
Schon ein Account bei Google/GoogleMail? Keine Anmeldung erforderlich!
Mit Google-Account einloggen
Noch kein Account? Hier anmelden.