Hallo liebe Community.
Kann mir zufällig einer von euch Experten erzählen, um was für ein
historisches Bauteil es sich auf dem Bild handelt? Wozu wurde es
gebraucht? Wie alt könnte es sein? Es stammt aus einer ehemaligen
Schreinerei und soll nur noch zur Ausstellung dienen. Das Gehäuse
besitzt noch einen Deckel, was auf dem Foto nicht zu erkennen ist.
Vielen Dank schonmal für jeden Hinweis.
MfG Olli.
Olli schrieb:> Kann mir zufällig einer von euch Experten erzählen, um was für ein> historisches Bauteil es sich auf dem Bild handelt?
Also du meinst wohl den Zweck der BauGRUPPE oder des Geräts. Bauteile
sind nämlich mehrere zu sehen...
Die beiden in der Mitte sind leicht zu identifizieren, das sind
einstellbare Widerstände. Offensichtlich in Potentiometer-Schaltung und
zur Erhöhung der möglichen Verlustleistung parallel geschaltet.
Das dicke lange Teil rechts dürfte ein Zugmagnet sein.
Rest: keine Ahnung. Das ist Mechanik. Müßte man sich aus der Nähe und
verschiedenen Winkeln ansehen, dann könnte man vielleicht dahinter
kommen, was das mal gemacht hat oder machen sollte.
Der Fundort "Schreinerei" könnte auf einen Sanftanlauf (für einen
Gleichstromnebenschlußmotor?) hinweisen.
Aufbau wie eine Waage:
Das "Nagelbett" oben rechts scheint in einer Flüssigkeit gestanden zu
haben (waagerechte Linie = Kalkspur?)
Nägel (= Elektroden) tauchen mehr oder weniger ein = veränderlicher
Widerstand
Der große Zylinder scheint keine Anschlüsse zu haben = pneumatischer
Dämpfer?
Der kleine Zylinder könnte mit dem Motor in Reihe geschaltet das
bewegende Magnetfeld erzeugen
Über die Widerstände könnte die Anlaufzeit/Trägheit einstellbar sein?
Habs etwas bearbeitet und eine Rückwärtsbildersuche spuckt ein
Schnellregler einer anderen Firma aus.
Vmtl. Motor oder Generator - in einem Kraftwerk ähnliches gesehen.
Lass raten, die Schreinerei ist in Wassernähe und die Maschinen wurden
von kleinem Wasserkraftwerk mit Turbinengenerator betrieben - also
Tirillregler?
https://de.wikipedia.org/wiki/Tirillregler
hier ist ein großer Vielfachregler zu stolzem Preis - vmtl. überzogen,
denn es gibt noch genügend, die rausfliegen weil sie modernisiert
werden.
https://www.ebay.de/itm/274185812609
Wer sowas sammelt fragt bei Turbinenbauer nach und darf sie selbst
abbauen.
Die Harfe rechts oben hinterm Schauglas ist eine Resonanzanzeige zum
eichen des Vibroreglers mittels des mittigen Rheostats in L-Schaltung.
Diese Bauart ist sehr interessant, denn diese Anzeigen sind
normalerweise äußerst langweilig:
https://de.wikipedia.org/wiki/Zungenfrequenzmesser
Kasperle schrieb:> Die Harfe rechts oben hinterm Schauglas ist eine Resonanzanzeige zum> eichen des Vibroreglers mittels des mittigen Rheostats in L-Schaltung.>> Diese Bauart ist sehr interessant, denn diese Anzeigen sind> normalerweise äußerst langweilig:>> https://de.wikipedia.org/wiki/Zungenfrequenzmesser
Das stimmt so nicht.
Die Stifte, die in den, normalerweise mit Quecksilber gefüllten
Glasbehälter eintauchen, sind mit Widerständen auf der Rückseite des
Tirrillreglers verbunden und ändern damit die Erregung des Generators.
Ich besitze so einen ähnlichen Regler aus einem kleinen Wasserkraftwerk
(siehe Bilder im Anhang). Die Beschreibung(pdf) stammt aus dem
AEG-Hilfsbuch Handbuch der Elektrotechnik 10.Auflage von 1967
Über die Schreibweise des Namens Tirrill sind sich die Experten nicht
einig. In Patentschriften wird der Name überwiegend mit einem "r"
geschrieben
Danke für die interessanten Bilder. Toll was man in diesem Forum alles
so findet.
Dieter J. schrieb:> stammt aus dem> AEG-Hilfsbuch Handbuch der Elektrotechnik 10.Auflage von 1967
Ich hätte nicht gedacht das ausser mir diese Bücher noch jemand kennt.
Fintelwudelwix schrieb:> exzellenter Beitrag, Dieter. Vi!
Ich hätt aber eine kleine Kritik/Nachfrage anzubringen, das mit de
Standardfüllung Quecksilber im offen Behältnis mag ich nicht ganz
glauben und es finden sich auch Angaben zu einer Verwendung von Öl. Was
gleich die Frage aufbringt, was für leitfähiges Öl das wäre.
Skelettsortiere schrieb:> Standardfüllung Quecksilber im offen Behältnis
Lösungsvorschlag: das Quecksilberbehältnis mit einer Schicht Öl
abdichten. Dann verdunstet das Hg nicht und die Harfe taucht trotzdem
leitfähig ein.
Skelettsortiere schrieb:> das mit de> Standardfüllung Quecksilber im offen Behältnis mag ich nicht ganz> glauben und es finden sich auch Angaben zu einer Verwendung von Öl.
Ach das mit dem Quecksilber hat man früher nicht so eng gesehen. Habe
hier noch rein altes Relais, das in einer Alarmanlage verbaut war.
Kurz zur Funktion: Die zwei linken (senkrechten) Spulen lösen das Ding
aus. Dabei fällt der Hebel mit den 2 Stiften nach unten. Unterhalb der 2
Stifte sind kleine Becher, die etwa bis zur Hälfte mit Quecksilber
gefüllt waren. Die Becher werden dann über die Stifte elektrisch
verbunden. Mit den zwei rechten (waagerechten) läßt sich das Ganze
wieder zurück stellen.
Skelettsortiere schrieb:
> Lösungsvorschlag: das Quecksilberbehältnis mit einer Schicht Öl> abdichten. Dann verdunstet das Hg nicht und die Harfe taucht trotzdem> leitfähig ein.
ist vielleicht auch eine Frage des Alters der Anlage, 1976 wie oben
genannt sollten die Gefahren des Quecksilbers bekannt gewesen sein,
während 90 Jahre früher noch munter mit dem 'Teufelszeug' geplanscht
wurde:
https://www.heise.de/newsticker/meldung/Heinz-Nixdorf-Museumsforum-zeigt-Hollerithmaschine-177399.html
"
... originalgetreuen funktionsfähigen Nachbau einer Hollerithmaschine
aus dem Jahr 1890 zur öffentlichen Besichtigung in einer kleinen
Sonderschau zur Lochkartentechnik freigegeben.
...
Ganz originalgetreu ist der Nachbau übrigens nicht: Schutzbestimmungen
verbieten heute das Quecksilberbad, in das die unter Spannung stehenden
Stifte der Kontaktpresse eintauchten, wenn sie durch ein Loch der
Datenkarte fielen.
... Über der Quecksilberwanne sitzend inhalierten sie Dämpfe und
Papierstaub bei der harten Arbeit. ... Um Verschnaufpausen zu bekommen,
pusteten die Frauen mitunter Papierstaub in die Quecksilberschale, damit
der Strom gestört wurde. Dann musste der Maschineneinrichter kommen und
die Schale neu befüllen. Das verdreckte Quecksilber wurde häufig einfach
auf den Boden geschüttet "
Zeno schrieb:> hier noch rein altes Relais, das in einer Alarmanlage verbaut war.
Bunt wie Haribo -Toll und erst die gewebeisolierten Wicklungen - ja das
war noch Elektrik - danke fürs Foto !
Und da noch Zucker für den Nostalgiker: eine Korbspule:
http://www.jogis-roehrenbude.de/Spulen/P1030334.jpg
Rainer D. schrieb:> Dieter J. schrieb:>> stammt aus dem>> AEG-Hilfsbuch Handbuch der Elektrotechnik 10.Auflage von 1967> Ich hätte nicht gedacht das ausser mir diese Bücher noch jemand kennt.
Ich habe noch das AEG Hilfsbuch 7te Auflage von 1956 hier stehen, da ist
der Regler auch erklärt. Auf Seite 60.
Ralph Berres
Dieter J. schrieb:> Das stimmt so nicht.> Die Stifte, die in den, normalerweise mit Quecksilber gefüllten> Glasbehälter eintauchen, sind mit Widerständen auf der Rückseite des> Tirrillreglers verbunden und ändern damit die Erregung des Generators.
OK, auch dazu gelernt - danke.
So was ähnliches ohne Quecksilber habe ich mal als Batterie-Laderegler
in einem alten Auto gesehen. Über eine Kontakt-Harfe wurden Abgriffe
eines Widerstands per Zugmagnet geschaltet.