Wer arbeitet noch im Bereich "Defence"?

Gast #7674043
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Hallo inzwischen habe ich die 50 knapp hinter mir gelassen und nachdem es in meiner alten Branche Automation immer mehr den Bach runter ging doch mal in der Branche beworben, die derzeit boomt. Direkt genommen worden in der Entwicklung bei einem namhaften Hersteller von Luftabwehr Systemen. Super Arbeitsklima, richtig spannende Technik und hätte ich das vorher gewusst wäre ich schon viel eher weg gewesen. Vor allem die Doktorendichte ist höher als in jedem Krankenhaus. Satt nur im Büro vor dem Computer auch öfter raus ins Gelände auf die Versuchsstellen (WTDs) mit der Bundeswehr.

Vielleicht noch jemand hier aus der Branche?

Gruss, Thorsten

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Die Anforderung an brauchbare Produkte ist sehr hoch. Denn bei einem absehbar naechten Konflikt, zB Taiwan, geht's nicht gegen Lowtech Einkaeufer. Bedeutet ohne eine stehend grosse Ingenieurabteilung wird nichts sein. Da wird dann nicht mehr auf 10 Jahre hinaus geplant. Bisher war erst die Entwicklung, die dauerte Jahre, dann Zertifizierungen, Aufgleisen der Bestellungen, und Auslieferungen nochmals 10 Jahre spaeter. Die Zertifizierungen werden wegfallen, die Anforderungen kommen im Wochentakt, und die Auslieferung startet quasi naechste Woche. Dynamisch vom Entwickler Prototyp in die Fertigung.

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Wenn Krieg so geil ist wie im Kino ..

Eine Frage des Betrachtungsstandpunktes. Mir bekannte Ukrainer haben sich stundenlang die Drohnenclips reingezogen, um davon abzulenken, dass ihre Infrastruktur kaputtgeht, eigene Leute verwundet und verstuemmelt werden, sterben.

Und ja, als Entwickler sollte man nah am Geschehen sein um Fehler zu finden, resp Problem zu loesen, Vorgehensweisen zu optimieren.

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Purzel H. schrieb:

Die Branche boomt aber nur weil grad etwa los ist. Nachher kommt die grosse Ernuechterung, weil man's nicht mehr braucht.

Eine funktionierende Luftabwehr braucht man immer! Früher gab es einen ganzen Gürtel von Nike, Lance und Hawk, heute würde jede verirrte Drohne oder Cruise Missile ohne jede Gegenwehr hier ein Desaster anrichten. Es geht aber um die Technik und die ist wirklich sehr spannend, auch wenn man gewissen Einschränkungen unterworfen ist, wie z.b. sehr starken Reisebeschränkungen.

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Purzel H. schrieb:

Und ja, als Entwickler sollte man nah am Geschehen sein um Fehler zu finden, resp Problem zu loesen, Vorgehensweisen zu optimieren.

Vor allem muss man als Rüstungsentwickler völlig psycho sein, denn schließlich geht es darum ein hinterhältiges Produkt zu bauen, das besser tötet als das des ausländischen Kollegen. Und billiger und einfacher zu bauen muss es auch sein.

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Jens M. schrieb:

Vor allem muss man als Rüstungsentwickler völlig psycho sein

Sag das mal den Ukrainern, die sich verzweifelt gegen die Russen wehren. Mehr sag ich dazu besser nicht, sonst wird es deftig.

Man braucht nur eine Partei um einen Krieg zu beginnen. Was mit Menschen und ganzen Volksstämmen passiert die sich nicht wehren können sieht man sehr deutlich wenn man auch nur ansatzweise seine Augen aufmacht:

Uiguren in China Annexion von Tibet durch China Ruanda 1994 Ex Jugoslawien in den 90ger Die Armenier 1915 und nicht zuletzt die Juden durch die Nazis. ...

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Jens M. schrieb:

Vor allem muss man als Rüstungsentwickler völlig psycho sein

Nicht die autonomen Waffensysteme töten die meisten Menschen.

"Der durch Kleinwaffen geforderte Blutzoll stellt den aller anderen Waffensysteme in den Schatten. Hinsichtlich des Blutbads das sie anrichten, können Kleinwaffen sehr wohl als Massenvernichtungsmittel beschrieben werden."

https://de.wikipedia.org/wiki/Kleinwaffe

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Man muss weder Psycho noch dumm sein um Teil eines Systems zu werden, ganz im Gegenteil es sind gesellschaftlich gut integrierte Menschen die nun mal am besten ins System passen. Das System macht aus uns allen irgendwie Mitläufer, und für gewisse Themen ist man schon lange desensibilisiert. Wenn man ehrlich ist bedingen die meisten Berufe dass man sich die Tätigkeit moralisch schön redet. Damit meine ich für das Forum typische Berufe, Krankenpfleger haben für dieses Forum gar keine Zeit.

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Georg M. schrieb:

Nicht die autonomen Waffensysteme töten die meisten Menschen.

Tja. Dann muss der Entwickler eine billigere Wumme erfinden. Aus dem 3D-Drucker vielleicht. Ach moment, gibt's schon.

Pressblech-Widerstandsunterstützungs-Abwurfpistole, die man in die Zivilbevölkerung schmeißen kann, damit die meinen Feind von innen zerlegen? Ach scheiße hat auch schon wer gemacht.

Tja, jetzt kommt das Gehirnschmalz doch noch zum zug. Kostet nix, kann jeder Depp nachbauen, garantiert tödlich. Youtube ist voll davon, Schrotpatrone, Bambusrohr, Gummiband, Nagel. Fertig ist die Mine, Selbstverteidigungswaffe oder auch einfach nur Attentatsgerät.

Die Leute die diese Dinger erdacht haben, wollten alle was gutes tun. Oder Internetklicks/Follower/Likes haben. Man sollte aber nicht unbedingt alles machen was man kann nur weil es geht. Sonst könnte ich immer noch in die Apotheke oder den Chemieladen gehen und meinen Kosmos Chemie 2000 auffüllen, für die lustigen Experimente mit Salpetersäure, Schwefelsäure, Kaliumpermanganat, Chloraten und Nitraten. Ich bin in den 80ern als Teen einfach losgezogen und hab das Zeug gekauft. Und Bleilot. Und Nitromethan. Und noch hundert andere interessante Stoffe. Heute verfolgt dich das KSK, wenn du danach googlest. Weil Leute nicht nachgedacht haben ob man das was sie vorhaben machen sollte. Und damit mein ich Bombenbastler, Politiker, Volk und Gesetzgeber.

es geht eben nicht darum, wie man tötet. Der Waffeningenieur soll es einfach, billig und effizient machen. Am besten noch was mit Cloud und KI, das ist gerade top-of-the-bullshit-bingo. Achja, Blockchain nicht vergessen. Oder ist das schon wieder weg?

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Christian M. schrieb:

in der Branche beworben, die derzeit boomt. warte noch zwei Jahre...

Denkfehler! Es ist deutschen Firmen zwar verboten auf Halde zu produzieren, weil private Institutionen kein Kriegsmaterial besitzen dürfen, deswegen auch der irre lange Vorlauf bei Boris Initiative, dafür aber sind die Verträge auf viele Jahre angelegt mit gesicherter Abnahmemenge. Aktuell werden tausende Ingenieure gesucht in dem Bereich und das mit guten Aufstiegschancen.

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Thorsten M. schrieb:

Aktuell werden tausende Ingenieure gesucht in dem Bereich und das mit guten Aufstiegschancen.

Nicht nur Ingenieure und vor allem auch Ältere. Einem ehemaligen Kollegen wurde es in der Rente langweilig. Auf dem Papier hat er 'nur' einen Meister, aber eine erhebliche Erfahrung mit Tests und Dokumentation, die viele Ings blass aussehen lässt. Damals in der Schule hat er russisch lernen müssen, auch eine gefragte Fähigkeit.

Rheinmetall hat ihn vor ein paar Monaten direkt in Teilzeit angestellt und belästigt ihn inzwischen, auf Vollzeit zu gehen.

Was ich so von ihm höre, suchen die Mitarbeiter in allen erdenklichen Berufsfeldern und schauen nicht kleinlich auf Alter und Zeugnisse.

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Da das Thema nach /dev/null verschoben wurde steige ich hier auch aus. Und nicht nur Rheinmetall sucht, auch die anderen großen Player. Mit Ü50 hätte ich normalerweise keine Chance gehabt aber eben jahrelange Erfahrung als System Ingenieur im Bereich Spezifikation und Projektmanagement großer Projekte mit tausenden Requirements. Schwupp, zwei Gespräche online geführt und schon war alles im Kasten, Kündigung und Neuanfang. mein alter Chef, grad mal 31 Jahre jung ging mir sowieso auf den Zünder, für den waren Ältere nur Ballast, den er loswerden wollte.

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