Xiaomi Mi 4K Laser 150 Kurzdistanz-Beamer JJGTYDS03FM bootet normal, aber kein Licht.Bisherige Diag.

OP #8104162
Lesenswert?
• ▲
▼

Kurzdistanzbeamer Xiaomi Mi 4K Laser 150" (MJJGTYDS03FM / MiProjLAS2): bootet normal, aber kein Licht. Bisherige Diagnose, bitte um Rat

Fehlerbild: Der Projektor startet normal (Android läuft, Netzwerk geht, Menütöne über die Fernbedienung), aber es kommt überhaupt kein Licht. Der Kühlkörper der Laserlichtquelle bleibt auf Raumtemperatur. Das Gerät war stark verstaubt und ist plötzlich ausgefallen.

Was ich bisher geprüft habe:

DLP-Seite: UART-Logs mit einem Bus Pirate 5 (115200 8N1)

J_UART_M (DLPC6540 Master) und J_UART_S (Slave) booten sauber: EEPROM gültig, DMD validiert, XPR in Ordnung, Videoquelle eingerastet, Farbrad rastet ein (pre-cw-lock nach etwa 5 s). Am Ende kommt: Setting SSI Currents on Primary/Secondary Ports → Enabling SSI Illuminators → Enabling SSI Driver. Keine Fehlermeldungen. Der Slave meldet PWM Driver initialization FAILED. Das halte ich für normal beim Slave-ASIC. J13 ist ein I²C-Bus: EEPROM der Lichtquelle auf 0x54 (enthält „APPO“, U16U, die Seriennummer passt zum Aufkleber der Lichtquelle), DLPC auf 0x1A, außerdem ein Baustein auf 0x48. Alle quittieren (ACK). J_UART_MCU (neben U560, der LD_SPOKE / SPOKE_EN / RED_LED_EN / GRN_LED_EN ansteuert) gibt kein lesbares Log aus.

Netzteil MPL360-FM (SSC3S910):

An CN2: V12 = 11,7 V, V24 = 24,7 V, STB = 5 V, PS-ON = 3,03 V. Alles in Ordnung. An CN4 im Betrieb: LD1+ und LD2+ liegen bei 24,6 V gegen Masse, aber über LD1+/LD1− und LD2+/LD2− nur 0,04–0,09 V. Durch die Laserdioden fließt also kein Strom. Netzteil gegen ein nagelneues MPL360-FM getauscht: gleiches Verhalten, weiterhin 0,04 V über beiden Kanälen. Das Netzteil bzw. den Lasertreiber schließe ich daher als Ursache aus.

Lichtquelle (Appotronics U16U, PN B92009000111):

16-poliger Stecker: 6 Pins LD1, 6 Pins LD2, 4 Pins gehen zu J_MCP_TEMP auf dem Mainboard. An J_MCP_TEMP: Paar A–B = 46 kΩ (NTC, wirkt in Ordnung). Paar C–D = offen (OL, auch im Diodentest, keine Verbindung zu irgendetwas). Im Betrieb: A = 3,061 V (vom NTC belastet), C = 3,297 V (offen). Zweiten NTC mit 47 kΩ zwischen C–D simuliert (C zeigt dann 3,078 V) und kalt gestartet: trotzdem kein Licht. Seit heute neu nachdem tausch des Netzteils: ein schleifendes bzw. ratschendes Geräusch aus der Mitte des Gehäuses der Lichtquelle. Etwa 3 Sekunden nach dem Einschalten, kurze Pause, dann dauerhaft. Ich vermute Lager oder Motor des Phosphorrads.

Meine Fragen:

Weiß jemand, ob ein defektes Phosphorrad (Lager oder Drehzahlsignal) dazu führt, dass der MCU (U560/STM32) den Laser sperrt, während der DLPC trotzdem „Enabling SSI Driver“ meldet? Ist C–D an J_MCP_TEMP ein zweiter NTC, also müsste dort ein Widerstand messbar sein? Welcher Wert ist normal? Hat schon jemand eine U16U-Lichtquelle geöffnet und das Phosphorrad bzw. sein Lager getauscht? Oder gibt es gebrauchte U16U-Module, und funktionieren die ohne Kalibrierung (Kopplung über EEPROM bzw. Seriennummer)? Gibt es eine Möglichkeit, ein Fehler- oder Statuslog vom STM32/U560 auszulesen?

Oder weiß jemand, was der Fehler sein könnte? Ich bin über jede Hilfe froh.

Danke!

LG :)

OP #8104534
Lesenswert?
• ▲
▼

Merrick O. schrieb:

Zu dem schleifenden Geräusch nach dem Netzteilwechsel: Das klingt stark nach dem Lager des Phosphorrads, was auch erklären würde, warum der MCU den Lasertreiber sperrt. Hast du mal versucht, den Motor des Farbrads manuell zu drehen, um zu sehen, ob er mechanisch blockiert ist?

Update, Danke an Merrick für die Antwort!

@Merrick: Ja, ich habe die Lichtquelle geöffnet und das Phosphor-/Farbrad von Hand gedreht. Es läuft sofort leicht, kein Schleifen, kein Spiel, innen sauber. Das Geräusch ist inzwischen von selbst verschwunden. Im UART-Log rastet das Farbrad weiterhin nach ca. 5 s ein (pre-cw-lock). Das Rad halte ich daher nicht mehr für die Ursache.

Korrekturen zu meinem ersten Beitrag:

Die 0,04–0,09 V „über LD+/LD−“ waren ein Messfehler. Ich habe vermutlich zwischen zwei Pins derselben Leitung gemessen (der Stecker hat mehrere Pins pro LD-Anschluss). C–D an J_MCP_TEMP ist auf Seite der Lichtquelle gar nicht belegt, also ungenutzt. Beim Abziehen der Lichtquelle schaltet das Gerät nach ca. 10 s ab (A–B offen). C–D ist immer offen, ohne Folgen.

Neue Messungen an CN4 (Netzteil), alles gegen GND:

LD1+ / LD2+: Beim Einschalten steigt die Spannung auf ca. 43 V und sinkt dann langsam auf 24,35 V (bleibt dort). LD1− / LD2−: Beim Einschalten kurz ca. 1,8 V, dann sofort 0,002 V (bleibt so).

Interpretation:

Der Boost (24 V → LD) startet. Freigabe und Sollwert vom DLP-Board kommen also an. LD− ist sofort nach Masse durchgeschaltet, die Ansteuerung arbeitet. Obwohl über 40 V an der Kette anliegen (7 Chips in Reihe brauchen ca. 28–32 V), fließt kein Strom. Sonst würde die Spannung bei ca. 30 V einbrechen und über dem Shunt an LD− einiges an mV stehen. Stattdessen läuft der Regler in die Überspannungsabschaltung, und die Ausgangskondensatoren entladen sich langsam. Der Laserstromkreis ist offen, und zwar bei beiden Reihen.

Was ich ausgeschlossen bzw. geprüft habe:

Netzteil: gegen ein nagelneues MPL360-FM getauscht, identisches Verhalten Kabel CN4 → Lichtquelle: durchgeklingelt, in Ordnung Laserplatine U16H_MCP: Lötstellen der 4 Laserbeinchen niederohmig. Schutzdioden D1/D2 (Aufdruck 36A, vermutlich TVS 36 V) 0,67 V / OL, beide gleich Laserbeinchen im Diodentest: Durchlassrichtung OL bei beiden Reihen. Mir ist klar, dass das bei 7 Chips in Reihe nichts aussagt, weil das Multimeter dafür zu wenig Spannung liefert. CW-Indexsensor (U16H_CW_SENSOR) sauber, NTCs 46–47 kΩ 0x48 auf J13 ist ein TI ADS7830 (8-Kanal-ADC, liest die Temperaturen) Bootlogs beider DLPC6540 weiterhin fehlerfrei bis „Enabling SSI Driver“

Aktueller Verdacht: Das Laserpaket selbst ist defekt (2 × 7 Chips, 4 Beinchen, beide Reihen offen). Vermutlich durch Überhitzung, das Gerät war stark verstaubt. Ein zweiter Helfer in einem anderen Forum sieht das ähnlich: Elektronik in Ordnung, LD möglicherweise am Ende ihrer Lebensdauer. Laut einem Händler-Angebot für „Fengmi U16U“ könnte es sich um einen Nichia NUBM35 (14 LDs, 455 nm) handeln. Die Beschriftung auf dem Paket habe ich noch nicht geprüft.

Fragen:

Seht ihr einen Fehler in meiner Schlussfolgerung?

Hat jemand Erfahrung mit dem Tausch des Laserpakets auf der U16H_MCP (NUBM35?) oder einer kompletten U16U-Lichtquelle? Muss danach etwas kalibriert werden?

Danke! LG

OP #8104786
Lesenswert?
• ▲
▼

Was ich geprüft habe:

  1. DLP-Board / Software

UART-Bootlogs beider DLPC6540 (Master und Slave) mit einem Bus Pirate mitgeschnitten. Alles fehlerfrei bis „Setting SSI Currents → Enabling SSI Illuminators → Enabling SSI Driver“. Farbrad-Lock nach ca. 5 s. I²C: Das EEPROM der Lichtquelle (0x54) wird gelesen (APPO, U16U, Seriennummer passt), der ADC ADS7830 (0x48) für die Temperaturen antwortet.

  1. Netzteil MPL360-FM

Ausgänge in Ordnung: 12 V, 24 V, 5 V Standby, PS-ON vorhanden Gegen ein nagelneues Netzteil getauscht: identisches Fehlerbild. Das Netzteil ist also nicht die Ursache.

  1. Laser-Ansteuerung im Betrieb (CN4, gegen GND)

LD+: Beim Einschalten steigt die Spannung auf ca. 43 V (Boost läuft hoch) und sinkt dann langsam auf 24 V. LD−: kurz ca. 1,8 V, dann 0,002 V Obwohl über 40 V an der Kette aus 7 Chips anliegen, fließt kein Strom. Der Regler geht in die Überspannungsabschaltung.

  1. Lichtquelle

Phosphor-/Farbrad: läuft von Hand frei, Kammer sauber CW-Indexsensor: sauber, funktioniert (CW-Lock im Log) NTCs: 46–47 kΩ Kabel Netzteil → Lichtquelle: durchgängig Lötstellen der 4 Laserbeinchen: niederohmig Schutzdioden D1/D2 (TVS 36 V): 0,67 V / OL, beide gleich

  1. Sonstiges

Augenschutz-/Näherungssensoren (Body Sensor neben dem Objektiv): geprüft, keine Änderung Alle 4 Lüfter am Labornetzteil (12 V) gemessen: alle unter dem Nennstrom (0,04 A statt 0,07 A bzw. 0,15 A statt 0,18 A), ruhiger Lauf DMD-Flexkabel gereinigt

Entscheidender Test: Laserreihen direkt mit dem Labornetzteil (Lichtquelle ausgebaut, Projektor vom Netz)

Labornetzteil → 15 kΩ Vorwiderstand → LD+, Minus an LD− (max. ca. 2 mA) Durchlassrichtung: Bei 31 V am Labornetzteil liegen auch am Laser fast 31 V an. Es fließt kein Strom, bei beiden Reihen. Sperrrichtung: konstant 0,6 V (Schutzdiode leitet). Die Pins stimmen, der Weg bis zum Laserpaket ist in Ordnung.

Eine intakte Reihe aus 7 Laserchips sollte bei etwa 21–25 V schon etwas Strom ziehen.

Mein Fazit: Die Elektronik ist in Ordnung, das Laserpaket ist defekt, beide Reihen (2 × 7 Chips) sind offen. Vermutlich durch Überhitzung wegen Staub.

Meine Fragen:

Seht ihr das auch so, oder habe ich etwas übersehen? Falls es nicht die Laser sind: Was könnte es sonst noch sein, und was sollte ich noch prüfen? Weiß jemand, welches Laserpaket genau verbaut ist (vermutlich Nichia NUBM35, 14 Chips, 4 Beinchen)? Wo bekommt man ein passendes Laserpaket oder eine komplette U16U-Lichtquelle zuverlässig und zu einem fairen Preis? Hat jemand Erfahrung mit dem Tausch? Muss danach etwas kalibriert werden?

Fotos und Bootlogs kann ich gerne nachreichen.

Danke im Voraus!

Antwort schreiben

Formatierung
  • [c]C-Code[/c]
  • [code]Code in anderen Sprachen, ASCII-Zeichnungen[/code]
  • [math]Formel in LaTeX-Syntax[/math]
  • [[Titel]] – Link zu einem Artikel
  • Verweis auf einen anderen Beitrag: Rechtsklick auf dessen Beitrags-ID (#8078628), „Adresse kopieren“, in den Text einfügen

Mehr zur Formatierung

Längeren Sourcecode als Anhang, nicht in den Text. JPG nur für Fotos und Scans; Zeichnungen und Screenshots als PNG oder GIF. Siehe Bildformate.

Schon registriert? Anmelden

Wird nicht angezeigt. Wir schicken dir einen Link; sobald du damit bestätigst, erscheint dein Beitrag.

Mit dem Abschicken legst du einen kostenlosen Account an und erkennst die Nutzungsbedingungen und die Datenschutzerklärung an.