Zu der obigen Diskussion ist doch noch einiges zu bemerken:
1.
Man kann kaum mehr Verständnislosigkeit erreichen als mit der Bemerkung,
ein Flipflop müsse immer ein Taktsignal haben. Die Bezeichnung Latch ist
im englischsprachigen Raum üblich für nichtgetaktete Varianten. Aber
ebenso ist die Verwendung von asynchronous (non-clocked) und synchronous
(clocked) möglich. Siehe auch unter Pkt.3.
2.
Dass bei R=S=1 (NOR) an Q ein undefinierter Zustand anliegt, ist die
gängige Lehrmeinung. Ich halte diese Aussage in dieser Form für falsch.
Das deutsche Wikipedia hat diese Meinung kürzlich korrigiert, aber dazu
unpassend immer noch ein Wippenbeispiel, dass die Lehrmeinung
unterstützt.
Mehr dazu ist zu finden unter http://www.rs-flip-flop.de
3.
Natürlich konnte sich der Begriff JK-Flipflop (FF) historisch gesehen
bis Anfang der 1980ger Jahre verständlicher Weise nur auf getaktete
Varianten beziehen. Nichtgetaktete Varianten des JK-Flipflops waren bis
dahin unbekannt.
Ein wesentliches Kriterium bei der Klassifizierung von FFs ist die
Unterscheidung in asynchron und synchron arbeitende FFs. Die synchronen
Typen benötigen ein separates Taktsignal, mit dem das gemäß
Wahrheitstabelle der Eingangsbelegung entsprechende Ausgangssignal
übernommen wird. Bei asynchronen Schaltungen erfolgt durch eine
Eingangssignal-Änderung die unmittelbare Reaktion am Ausgang. So sind
beim RS-FF die getaktete als auch ungetaktete Variante seit langem
bekannt. Hier war die asynchrone Variante die ursprüngliche und die
synchrone war trivial daraus herleitbar.
Bei einem JK-Flipflop soll gegenüber einem RS-Flipflop die
Eingangsbelegung J=K=1 (NOR) nicht dazu führen, dass beide Ausgänge (die
theoretisch eigentlich negiert zueinander sein sollten) 0-Signal
erhalten, sondern, dass die Ausgangsbelegung negiert wird (toggeln).
Für diese grundsätzliche Klassifizierung spielt das "Innenleben" der
Schaltungen keine Rolle. Entscheidend sind Ursache und Wirkung.
Betrachtet man nun die bereits 1980/81 entstandene oben verlinkte
Schaltung oder die hier angeführte aus dem Jahre 2001, dann wird man
feststellen, dass beide Schaltungen genau das tun, was man von einem
asynchron arbeitendem JK-FF erwarten muss (setzen, rücksetzen, toggeln
unmittelbar nach jeder beliebigen Eingangssignal-Änderung).
Damit wird klar, dass diese Schaltungen als asynchrones
(nichtgetaktetes) JK-Flipflop klassifiziert werden, völlig unabhängig
von irgendwelchen individuellen Ansichten, Neigungen etc.
Naiv ist zu glauben, dass etwas beibehalten werden müsse, nur weil man
es schon immer so getan oder behauptet hätte. Dann gäbe es kaum einen
Fortschritt.
4.
Ausgezeichnet ist die oben gezeigte Schaltung aus dem Jahr 2001, die die
Eigenschaften eines nichtgetakteten JK-Flipflops implementiert, ohne so
genannt zu werden. Diese hat gegenüber meiner aus den Jahren 1980/81
tatsächlich 2 Gatter weniger, deshalb werde ich auf meiner homepage auf
diese verbesserte Lösung auch konkret hinweisen.
Gruß Klaus-E.