Hallo,
wenn ich richtig informiert bin, verringert man das Rauschen eines
Verstärkers, wenn man zwei Verstärkereinheiten (z.B. OpAmps) parallel
schaltet. Und zwar um den Faktor Wurzel2.
Welches physikalische Gesetz steht dahinter, hat es einen konkreten
Namen?
Es ist die Mathematik.
Das Rauschsignal beider Teile ist zufällig und unkorreliert während das
Nutzsignal das selbe ist.
Addiert man das parallel verstärkte Signal, so ist das für das
Nutzsignal eine lineare Addition, es ergibt sich also 2*u_Nutz.
Das unkorrelierte Rauschsignal addiert sich geometrisch, es ergibt dann
sqrt(u_R+u_R) = u_R*sqrt(2).
Eher einzelne, identische Transistor (eintakt-)verstärkerstufen, um
Querströme von OP-Ausgang zu OP-Ausgang zu vermeiden (DC-Offset,
Ausgänge können "sink" und "source").
Aber stimmt schon. Die Überlegung dahinter: Der einzelne Transistor
rauscht als aktives Bauteil am meisten, dieses Rauschen erzeugt er
selbst und es ist ein rein statistisches Signal.
Der zweite, dritte, vierte parallel arbeitende erzeugt jeweils wieder
seinen jeweils ureigensten, also unterschiedlichen Rauschbeitrag.
Alle gemeinsam werden aber vom gleichen Eingangssignal=Nutzsignal
angesteuert, verstärken dieses gemeinsam, gleichphasig, gleichviel und
liefern dadurch (entkoppelt durch Widerstände) auch einen jeweils in
jedem Augenblick gleichphasigen, gleichhohen Anteil an Ausgangsleistung.
In Phase.
Die völlig statistischen, zufällig auch gegenphasig auftretenden
Rauschanteile summieren sich manchmal, manchmal löschen sie sich aber
auch gegenseitig aus.
Die Nutzsignale addieren sich also immer "maximal" am Sammelausgang, die
stets unterschiedlichen Rauschsignale nicht "maximal".
Bezogen auf 2 Einzelverstärker dürfte es so sein, dass sich die beiden
Nutzsignalleistungen am Ausgang direkt addieren, oder arithmetisch, die
(verschiedenen Amplituden der zwei Rauschsignale jedoch geometrisch), da
aber Vorsicht, wissen tu ichs nicht (mehr)
Rauscharme Verstärkung mit parallelen aktiven Elementen, so in etwa
würde ich mal anfangen zu suchen, wie das Prinzip heisst.
Historisch, erinnerlich:
Zeitschrift Elektor, 1978, Bauanleitung für einen Moving-Coil Preamp
nach diesem Prinzip mit ungefähr acht parallelen, diskret aufgebauten
Verstärkerstufen.
Wie immer mit kleinen Fehlern, die erst in späteren Heften korrigiert
werden, Rubrik "Nachlese"
und noch irgendwie:
reducing noise figure by paralleling single stage amps
Wie willst Du zwei Verstärker dazu bringen dass sie würglich genau den
gleichen Verstärkungsfaktor haben?
Sonst sind die sich nämlich uneins mit ihrem Ausgangssignal und erzeugen
richtig viel Schmutz oder sogar Wärme.
Das Prinzip wird nur bei Eingangsstufen verwendet, also bei MovingCoil
Verstärkern.
Magnetische Abtastsysteme von Plattenspielern liefern für
- MM-Systeme nominal 2,5 mV
- MC-Systeme nominal 0,1mV 100 Mikrovolt !
Bei letzteren wird das Prinzip angewendet.
Mit "Leistung verbraten", "Wärme" und würgen hat das nichts zu tun.
Das Frontend, der allererste Verstärkertransistor, da werden identische
Stufen parallelgeschalten, nur da.
Die Verstärkerstufen werden auch nicht "hart" parallelgeschaltet,
sondern über gleich grosse Widerstände.
Erst dadurch können sich an der Last die identischen, verstärkten
Nutzsignale
"nützlich" aufaddieren, während sich die differenten Rauschanteile über
die Entkoppelwiderstände teilweise aufheben/auslöschen können.
> mit ungefähr acht parallelen
Ich kann mich eher an sechzehn erinnern. Aber kann sein,
dass ich das nicht in der Elektor gesehen habe.
Praktisch koennte es aber sein, dass es besser ist, aus
diesen sechzehn den rauschaermsten herauszumessen und
nur diesen zu verwenden.
Nichtverzweifelter schrieb:> Zu lange "rhabarber, rhabarber) ;-)
Dafür habe ich einen Fehler drin 🙄.
HildeK schrieb:> es ergibt dann sqrt(u_R+u_R) = u_R*sqrt(2).
Muss heißen: sqrt(u_R²+u_R²) = u_R*sqrt(2)
Jan_T schrieb:> wenn ich richtig informiert bin, verringert man das Rauschen eines> Verstärkers, wenn man zwei Verstärkereinheiten (z.B. OpAmps) parallel> schaltet. Und zwar um den Faktor Wurzel2.
Pah, nur 2 OPV parallel, lächerlich. Früher hat man das gleich richtig
gemacht (32 Stück):
Beitrag "Re: Elektor Vorschau 15 W verstärker nur aus OPV´s"
Gruss und moin
Bz. Elektor Erwähnung.
In der Elektor lief das unter
dem Begriff Supra.
Erst mit (2 mal) 8 Transistoren, wohl später mit OPAmps.
Ein Gyrator war da auch noch angedacht.
Die konventionelle Version aus Japan, zeitgemäßer weise, war recht
teuer.
Wünsche einen schönen Sonntag.
Dirk St
Mit der Parallelschaltung verringert sich allerdings nur das
Spannungsrauschen. Das Stromrauschen vergrößert sich entsprechend weil
sich die Ströme am Eingang addieren. Das trifft vor allem für BJT
basierte OPs zu, wo dass Stromrauschen ggf. schon wichtig ist. Bei FET
basieren Verstärkern lohnt es ggf. noch etwas eher.
Die parallele Schaltung ist entsprechend vor allem etwas für sehr
niederohmige Quellen, wo man keinen passenden Verstärker findet der das
alleine kann. Die Rauscharmen OPs wie LT1028, AD797 und ähnliche sind
bereits passend für etwa 100-1000 Ohm bei höheren Frequenzen und 30-300
Ohm bei 10 Hz.
Nichtverzweifelter schrieb:> Eher einzelne, identische Transistor (eintakt-)verstärkerstufen, um> Querströme von OP-Ausgang zu OP-Ausgang zu vermeiden
Ich habe das mal vor XX Jahren für den Eingang eines MM-Vorverstärkers
gemacht. Ein Doppel-OpAmp, (J-Fet-Eingänge), Ausgänge über 2 x kleine Rs
zusammengeschaltet, gemeinsame Gegenkopplung vom Verbindungspunkt der
beiden Ausgangs-Rs aus.
Es ergab sich eine recht deutlich hörbare Rauschverminderung gegenüber
einem Einzel-OpAmp. Diese war allerdings gegenüber dem Plattenrauschen
völlig bedeutungslos - eine rein sportliche Übung also.
Peter B. schrieb:> Es ergab sich eine recht deutlich hörbare Rauschverminderung gegenüber> einem Einzel-OpAmp.
'Deutlich' wundert mich. Theoretisch ergibt sich ein um 3dB besserer
Rauschabstand. Das ist in etwa die Wahrnehmungsgrenze.
Ich denke, mit einem auf sehr niedriges Rauschen optimierten OPA kann
man mehr erreichen ...
Olaf schrieb:> Die frage ist nur ob heute ein moderner rauscharme OP nicht besser ist> wie das ganze Gebastel von vor 20 Jahren....>> Olaf
Der LT1028 ist nach fast 30 Jahren immer noch der Maßstab, bitte nenne
mir einen besseren im Bereich unter 100Hz.
Arno
Lurchi schrieb:> Mit der Parallelschaltung verringert sich allerdings nur das> Spannungsrauschen. Das Stromrauschen vergrößert sich entsprechend weil> sich die Ströme am Eingang addieren.
Nein, die Ströme verursachen an der Quelle je eine Spannung, und diese
Spannungen addieren sich genau so unkorrelliert, wie die des
Spannungsrauschens des OPVs.
Lurchi schrieb:> Die parallele Schaltung ist entsprechend vor allem etwas für sehr> niederohmige Quellen, wo man keinen passenden Verstärker findet der das> alleine kann.
Auch dem widerspreche ich. Auch hochohmige Eingänge können ggf. ein
geringes Eingangsrauschen erfordern, z. B. bei Geräten, die an
verschieden Quellen betrieben werden sollen.
Olaf schrieb:> Die frage ist nur ob heute ein moderner rauscharme OP nicht besser ist> wie das ganze Gebastel von vor 20 Jahren....
Sicherlich. Ich vermute mal, die haben am Eingang mehrere parallel
geschaltete Transistoren. :-)
Aufgemerkt: Direktes Parallelschalten von Transistoren bringt nichts
(letzter, süffisant gemeinter Beitrag)
Richtig: Bei niederohmigen Quellen wirds interessant. Mc-Systeme haben
wenige Ohm (Nennwert ca.10) und werden mit etwa 100 Ohm reell
abgeschlossen.
Dynamische Mikrofone Z=200 Ohm, Drahtwiderstand geringer.
Gerade hier zeigt sich unangenehm der oft extreme Anstieg des
OP-Rauschens am unteren Ende des Audiofrequenzbereichs.
Der Elektor Preamp von 1978 hiess eher MC-MM-Preamp, denn er sorgte nur
für die rauscharme Anhebung von MC-Pegel auf MM-Pegel, musste also einem
MM-RIAA Entzerrer vorangeschalten werden. Letzterer sorgte dann erst für
die RIAA-Frequenzgangentzerrung.
Ihr habt anscheinend nur white Noise im Focus. Es gibt aber auch das
1/f-Rauschen. Und bei FETs ist die Eckfrequenz 1/f-white aber oft
erstaunlich hoch. Manche sogar deutlich über 1kHz. Die haben dann unter
50Hz merkliches
Tiefton-Rumpeln.
Für die Praxis würde ich auch sagen, dass der ganze Zirkus mit parallel
schalten sich heute überhaupt nicht mehr lohnt. Wie vorgeschlagen,
LT1028 verwenden und gut ist. Ein einziger Widerstand von nur 1KOhm hat
schon 4nV/rt-Hz! Bedenke das mal für deine Sonstwie-Schaltung.
Es stimmt schon, dass sich in den letzten Jahrzehnten viel getan hat,
aber, der Einwand möge von Olaf "gestattet" werden, es ist ja nicht 20
Jahre her, sondern man schrieb 1978.
Da gab es noch keinen LT10..
In den 90ern gabs dann die SSM2016 oder 2216 so den Dreh herum, Fertig
ICs für kleine Eingangsspannungen und sehr rauscharm, ideal für dyn.
Mikrofone.
Die SSM Baureihe erregte Aufsehen, verschwand leider wieder vom Markt.
Das 1/f Rauschen der älteren OPs gerade am unteren Ende des
Übertragungsbereichs war seeehr unangenehm, weil es im "Subsonic" =
Infraschallbereich = "Rumpeln"(Plattenspieler) noch unerwünschter ist.
Da baut man extra grosse Boxen und die wummern da so vor sich hin?!?
HildeK schrieb:> Peter B. schrieb:>> Es ergab sich eine recht deutlich hörbare Rauschverminderung gegenüber>> einem Einzel-OpAmp.>> 'Deutlich' wundert mich. Theoretisch ergibt sich ein um 3dB besserer> Rauschabstand. Das ist in etwa die Wahrnehmungsgrenze.> Ich denke, mit einem auf sehr niedriges Rauschen optimierten OPA kann> man mehr erreichen ...
Richtig, es sind 3dB. Genau deswegen sollte die größte Verstärkung
haupsächlich in der ersten Stufe der Verstärkerkette erfolgen. Und zwar
so groß wie möglich bzw. wie es die Bandbreite eben zulässt.
Bei der Parallelschaltung hat man ein anderes Problem. Die beiden
Schaltungsteile "exakt" hinzukriegen. Bauteilestreuung,
Leiterplattenlayout usw. Zeigt sich dann in erhöhten Oberwellenanteilen
(THD bzw. Klirrfaktor).
Arno H. schrieb:> Der LT1028 ist nach fast 30 Jahren immer noch der Maßstab, bitte nenne> mir einen besseren im Bereich unter 100Hz.>> Arno
Bin gerade am überlegen ob ich noch eine Ladung von LT1028 nachkaufe.
Der Preis ist mittlerweile über 10 Euro pro Stück.
Anfang 2020 habe ich noch 2 Stück von Conrad nachgekauft.
Von der Optik und Beschriftung sah das eigentlich gut aus.
Kann man irgenwie Messen oder prüfen ob die Original sind?
Was meint Ihr, sollte man noch was auf Vorrat kaufen?
Oder gibt es eine Alternative?
Es gibt mittlerweile einige OPs mit rauschen im Bereich um 1
nV/sqrt(Hz). Der LT1028 und AD797 sind da nicht mehr alleine. Die
Datenblattwerte für das Stromrauschen beim LT1028 sind verdächtig
optimistisch im Vergleich zum Bias.
Das Stromrauschen hat korrelierte und nicht korrelierte Anteile, ist mit
einer Zahl also gar nicht vollständig beschrieben ,da fehlt ggf. ein
Teil.
Das Stromrauschen von 2 OPs parallel addiert sich unkorreliert, d.h. es
wird um den Faktor 1.4 höher, aber es wird höher.
Auch bei höherohmigen quellen kann die Parallel-schaltung lohnen, dann
aber vor allem mit FET input OPs kaum mit BJT basierten typen.
Bei mehr als etwa 1 K Quellimpedanz dürften 2 x LT1028 parallel mehr
Rauschen als einer alleine.
Nichtverzweifelter schrieb:> - MC-Systeme nominal 0,1mV 100 Mikrovolt !
Für niederohmige Quellen kann man aber auch einfach einen Transistor in
Basisschaltung nehmen. Das Signal wird am Emitter zugführt und am
Kollektor ausgekoppelt. Die Basis liegt signalmäßig an GND.
Lurchi schrieb:> Es gibt mittlerweile einige OPs mit rauschen im Bereich um 1> nV/sqrt(Hz).
Auch bei 10 Hertz?
> Bei mehr als etwa 1 K Quellimpedanz dürften 2 x LT1028 parallel mehr> Rauschen als einer alleine.
Tabelle 1 auf Seite 11 des LT1028-Datenblatts zeigt die empfohlenen
Quellwiderstände diverser OPV. Demnach ist der LT1028 nur unter 400Hz
besser.
Schade, dass AD nicht die AN940 um die zugekauften OPV erweitert hat.
Arno
Andy D. schrieb:> Wenn das so wirksam wäre, warum baut dann kein Hersteller tausend> Opamps> parallel auf einen Die und verkauft das ganze? :)
Viele der Präzisions OPs haben bereits am Eingang mehr Transistoren
parallel. Das ist zwar hauptsächlich wegen der Temperaturgradienten,
hilft aber auch beim Spannungsrauschen.
Man braucht eine Balance zwischen dem Spannungsrauschen und
Stromrauschen. Mehr Transistoren parallel oder auch einfach ein größerer
Transistor mit mehr Strom gibt weniger Spannungsrauschen, aber auch mehr
Stromrauschen. Für weniger Spannungsrauschen reicht es wenn die
Eingangstufe entsprechend angepaßt ist. Ganze OP parallel macht man nur
gelegentlich weil man die Eingangstufen nicht getrennt ändern kann. Es
ist ggf. einfacher als Diskrete aufgebaut mit gepaarten Transistoren für
geringe Drift.
Je nach Quellimpedanz passt ein anderer Verstärker. Verstärker mit
kleinem Stromrauschen aber dafür höheren Spannungsrauschen für hohe
Impedanzen und Verstärker mit hohem Stromrauschen und kleinem
Stromrauschen für kleine Impedanzen. Zum Ende mit den kleine Impedanzen
kann man ggf. Parallelschalten, etwa weil es da keine passenden mehr
gibt.
Es macht einen gewissen Sinn das der alte LT1028 ggf. immer noch die 1.
Wahl für niedrige Frequenzen ist, denn der Weg zu wenig 1/f rauschen
führt oft über größere Transistoren und damit einen größeren Die. Neue
OPs vermeiden zusätzliche Fläche aus Kostengründen. Der Bereich ist halt
auch ein Randbereich mit eher kleinen Stückzahlen. Für den DC Teil gibt
es dann Chopperstabilisierte Verstärker wie ADA4523.