Hallo,
für ein ornithologisches Forschungsprojekt würde ich gern
Flugaktivitäten von Vögeln (größere Arten wie Bussard, Habicht) erfassen
und aufzeichnen. Es kommt dabei nicht auf besonders große Genauigkeit
von Position und Höhe an. Bislang wurde das durch einfaches beobachten
und einzeichnen der geschätzten Flugroute auf einer Karte gemacht. Ich
überlege nun, ob man das nicht mittels Radar machen könnte.
Kann mir jemand einen Tipp geben, wo man nach entsprechenden
Radarsensoren bzw. -modulen recherchieren kann? Es muss nicht im
absoluten low cost Bereich sein, aber sollte auch keine 100k EU kosten.
Evtl. könnte man einen Radar aus dem Sportboot Bereich verwenden. Ich
weiß nur nicht, ob ich da so einfach an „Rohdaten“ komme. Bei den
einschlägigen Marine Shops werden natürlich nur komplette Systeme
angeboten. Ich brauche aber Rohdaten die ich in einer selbst zu
schreibenden Software weiter verarbeiten kann. Ich könnte mir z.B.
vorstellen neben Entfernung, Höhe und Peilung (also in welchen Winkel
sich das Objekt befindet) anhand der Radarsignatur durch ein neuronales
Netz auch die Vogelart zu bestimmen (zumindest eine Wahrscheinlichkeit).
Das System sollte mindestens 1000m (besser 1,5-2km) erfassen können.
Danke und MfG
Rol
Rufus Τ. F. schrieb:> Warum Radar und nicht Optik?
Ich vermute mal, Optik ist sehr schwierig zu verarbeiten. Radar eher
nicht.
Wie gesagt, bloss eine Vermutung.
Grüsse,
René
Du möchstest also auf rund eine sm ein fliegendes Ziel mit einer
Radarrückstrahlfläche kleiner als die eines anfliegenden FK's erfassen?
Das wird m.M.n. mit Hobbymitteln nichts. Auch nicht mit
Sportboot-Radars.
Grüße
Michael
Ich glaube das kannst Du als Heimprojekt vergessen.
Die Radar-Rückstrahlfläche eines Vogels ist abhängig von seiner Fluglage
verdammt gering. Ein Mensch auf 1,5km ist ja schon ein verdammt kleines
Ziel, und der hat keine gute Aerodynamik.
Sprich damit man sowas kleines erkennt, muß man mit einer hohen
Pulsleistung arbeiten, damit genug zum Empfänger zurückkommt.
Militärische Radar-Anlagen verwenden Pulsleistungen von einigen 100kW
bis in den Megawatt-Bereich. Ich weiß nicht, ob Du an deren
Empfindlichkeit herankommst und die meisten dieser Geräte sind in der
Entferungsbestimmung auch nicht soooo sonderlich präzise (vielleicht
100m, um ein Flugzeug anzugreifen reicht das bzw. eine radargelenkte
Rakete braucht zur Annäherung an das beleuchtete Ziel nicht mal die
Entfernung, die Richtung reicht).
Zu guter Letzt bliebe auch noch die Genehmigung zum Betrieb eines so
starken Pulssenders. Viel Glück!
Noch etwas Literatur: http://www.radartutorial.eu/
Rol schrieb:> anhand der Radarsignatur durch ein neuronales> Netz auch die Vogelart zu bestimmen
Um Vögel in der Entfernung zu erfassen müsstest du sie sowieso mit
Transponderchips versehen. Dann kannst du auch gleich Art, Geschlecht
und Alter mitcodieren.
Georg
Michael W. schrieb:> Du möchstest also auf rund eine sm ein fliegendes Ziel mit einer> Radarrückstrahlfläche kleiner als die eines anfliegenden FK's erfassen?
Eingangs genannte Greifvögel können bekanntlich mühelos schwere
Beute wegtragen. Da kann man ihnen auch einen kleinen Radarreflektor
an die Füsse hängen:
https://www.amazon.com/NAUTOS-27015-REFLECTOR-OCTAHEDRAL-PLASTIMO/dp/B017DKL59Y/ref=sr_1_11?ie=UTF8&qid=1549551876&sr=8-11&keywords=radar+reflector> Das wird m.M.n. mit Hobbymitteln nichts. Auch nicht mit> Sportboot-Radars.
Mit einem (militärischen) Gefechtsfeldradar könnte es sicherlich
funktionieren. Denn Preis hierfür will der TO aber nicht wirklich
wissen. :-D
Ich habe mal eine optisch Lösung überschlagen:
Nehmen wir eine 4k-Kamera an. Außerdem: Das Objekt soll in 1000 m
Entfernung mind. 4 Pixel groß sein. 50 cm = 4 Pixel -> 4000 Pixel = 1000
* 50 cm = 500 m Sichtbereich. Das ist schon eher ein Weitwinkelobjektiv.
Eine Plausibilitätsüberprüfung, ob der kleine Fleck, den man da sieht,
ein Insekt in der Nähe oder ein großer Vogel in der Entfernung sein
könnte, dürfte nicht schwer sein. Und mit zwei Kameras das ganze
stereoskopisch zum machen, dürfte schnell und billig zu präzisen und
zuverlässigen Ergebnissen führen. Wenn das Wetter mitspielt... (und Tag
ist)
DZDZ
René H. schrieb:> Ich vermute mal, Optik ist sehr schwierig zu verarbeiten. Radar eher> nicht.
Ich würde das Gegenteil behaupten. Bildverarbeitung a la OpenCV ist
meiner Meinung nach sogar sehr einsteigerfreundlich.
Die Vogelschwarm-Erkennung dürfte auf Dopplerradar beruhen, da muss man
nur Bewegungen erfassen.
Die meisten Radarbeobachtungen erfolgen sicher mit am Tier angebrachten
Reflektoren. Es gibt sogar Bienenradar, da hat man der Biene eine kleine
Antenne und ein Halbleiterbauteil aufgeklebt. Diese Diode (vermutlich)
erzeugt aus dem eintreffenden Radarsignal harmonische Verzerrungen, die
man leichter erfassen kann als die reflektierte Grundschwingung, wenn
ich noch recht weiß. Ich meine dazu gab es hier einen Thread.
Beitrag "Bienen tracken? Unmöglich, oder?"Beitrag "Re: Wie funktionieren Peilsender für Vögel"
"Der Transponder besteht aus einem Silberdraht, welcher in
der Mitte zu einer Drosselspule gebogen ist, in welche
ei-ne Schottky Low Barrier Diodegel ̈otet wird. Die Länge
der beiden Silberstäbchen des Dipols beträgt jeweils 10mm.[B.
Fischer, W. Haaß 2007] Das Primärsignal wird mit der Frequenz f1=
9,4GHz ausgesandt, vom Transponder als 2. harmonischen Frequenz f2=
18,8GHz zurückgeworfen und von der Sekundärantenne empfangen."
http://www.inf.fu-berlin.de/inst/ag-ki/rojas_home/documents/Betreute_Arbeiten/Bachelorarbeit-Reiter.pdf
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