1. Jede Kombination aus einem Widerstand und einem Kondensator (die
mindestens einen gemeinsamen Knoten hat) ist ein RC-Glied.
Dir schwebt wahrscheinlich sowas klassisches vor bei dem neben der Masse
nur noch Ein- und Ausgang vorhanden sind, wie etwa ein schulmässiger
Hoch- oder Tiefpass.
Tatsächlich ist das aber nur eine Frage des Standpunktes.
Konzentriert man sich auf "langsame" Signale im Bereich von Tau so
scheinen Lade- und Entladevorgänge vorzuherrschen.
Sieht man hingegen schnelle Signale im Bereich von Bruchteilen von Tau
an, so scheinen Spannungsteiler aus einem Blindwiderstand und einem
reellen Widerstand die Hauptrolle zu spielen.
In Wirklichkeit aber besteht zwischen den beiden Sichtweisen kein
prinzipieller Unterschied. Man kann beide wechselweise auch aus der
anderen Perspektive betrachten. Es ist nur jeweils ein wenig
umständlicher.
2. Der Satz "Die Notwendigkeit des ..." soll von Dir anscheinend
entweder als wahr oder als falsch beurteilt werden.
Überlegen wir uns das mal genau (da stellen wir uns mal ganz dumm...).
Da ist ein Widerstand der als Pull-Down funktioniert. D.h. wenn er am
anderen Ende keine Spannungsquelle hat, so wird er den Ausgang auf Masse
ziehen.
Dumm gestellt haben wir schonmal den R zu einem möglichen RC-Glied.
Was hindert uns jetzt daran (Deinem Bild entsprechend) einen Kondensator
zusätzlich einzubringen? Nichts. Voila: Ein RC-Glied.
Nicht nur weil ich es mit den Betrachtungsweisen habe, ist es sinnvoll
hier das Prinzip nocheinmal anzuwenden:
1. Der Pull-Down wirkt als Pull-Down. Es gibt hier einfach nur zwei
Spannungsquellen anstelle einer. Vcc über den Taster falls er
geschlossen ist und den Kondensator falls er geladen ist.
Wann wird er geladen? Wenn der Taster geöffnet wird. Wann wird er
entladen? Wenn der Taster geschlossen wird.
2. Die Kombination aus Kondensator und Widerstand wirkt als RC-Glied.
Wenn nämlich der Taster, nachdem er geschlossen wurde, wieder geöffnet
wird fängt er an sich zu entladen. Bis aber die Schaltschwelle der
nachgeordneten Schaltung erreicht wird, sie also Low erkennt, vergeht
einige Zeit. Falls der Schalter, bevor das geschieht nocheinmal
geschlossen wird, wird der Kondensator wieder entladen. Am Ausgang aber
steht noch ein High. Öffnet man den Schalter wieder, so geht das
Entladen wieder los, die Schaltung sieht immer noch High.
Was soll das aber? Schliessen, Öffnen, Schliessen usw.? Das ist genau
was "Prellen" ist. Ein, über einen gewissen Zeitraum anhaltendes,
Schliessen und Öffnen und Schliessen usw.
Man sieht: Ein RC-Glied funktioniert hier sowohl zur Entprellung als
auch, bezüglich des Widerstandes als Pull-Down.
Und um das ganze abzurunden kann diese Sequenz von Schliessen und Öffnen
auch als Signal mit einem gewissen Frequenzspektrum betrachtet werden,
für das dieses RC-Glied als Tiefpass wirkt.
Also: Der Satz ist falsch!
Gruss