Hallo,
für folgendes Problem habe ich keine Antwort gefunden:
Wenn im C-Code folgende Zuweisung stattfindet:
int x,a;
[...]
x = a * 100 >> 10;
Darf dann der Compiler "kürzen", sprich x = a * 25 >> 8 daraus machen?
Ein Überlauf ist dann zwar immer noch möglich, das Ergebnis ist aber
dennoch "genauer" als das nicht optimierte...
Wenn das Programm keine undefinierten Operationen enthält, dann darf der
Compiler nur solche Optimierungen durchführen, die am Ergebnis nichts
ändern.
Was dabei gern übersehen wird: Wenn jedoch undefinierte Operationen
enthalten sind, dann darf etwas anderes herauskommen. Dazu zählt
beispielsweise die Abhängigkeit von Nebeneffekten (i = i++).
Da die vorzeichenbehaftete Multiplikation bei Überlauf undefiniert ist,
dürfte er in diesem Beispiel dann abkürzen, wenn ein Überlauf auftritt.
Aber nur dann.
IMHO darf er das.
Meine Argumentation:
Bei der Multiplikation könnte ein Überlauf entstehen, da es sich
aber um int Arithmetik handelt, ist undefiniert was in so einem
Fall zu geschehen hat. Daher würde ein 'kürzen' des Ausdrucks
nichts an dieser Undefiniertheit ändern. Auch ein korrektes
Ergebnis ist schliesslich im 'undefinierten Fall' ein gültiges
Ergebnis.
Anders wäre es bei unsigned Arithmetik, bei der ja vorgeschrieben
ist, wie sich Überläufe verhalten müssen.
Im Zweifelsfall würde ich im Ass-Listing nachsehen, oder besser, die
Operationen auf mehrere Zeilen verteilen. Heutige Compiler sind schlau
genug, damit umzugehen. Was soll sein?
Eine komplette Funktion in eine einzige Zeile zu packen, macht
vielleicht viel Eindruck, ist aber nicht gut wartbar.
Hallo nochmal,
vielen Dank für die Antworten.
Eins ist mir noch nicht ganz klar: Die Multiplikation hat doch höhere
Präzedenz. Darf der Compiler dennoch machen was er will?
Ein ähnlicher Fall tritt nun zutage bei:
int x,a;
const unsigned char b = 8;
[...]
x = (a >> 8) * b;
Hier propagiert der Compiler die Konstante 'b' und berechnet b >> 8, was
'0' ergibt. x ist also immer '0'! Ist das auch irgendwie mit "nicht
definiert" zu argumentieren? Erhöhe ich den Typ von 'b' auf 16 bit
(unsigned short) und mit Wert > 2^8, dann wird x auch mal > 0...
Kannst du letzteres Beispiel mal in übersetzbarem Testcode formulieren?
Nützlich wäre noch zu wissen, welcher der beiden einzig verfügbaren "32
Bit Controller" damit gemeint sein könnte.
Der Controller ist ein ARM7. Den vollständigen Testcode kann ich hier im
Forum nicht bringen. Mir ist aufgefallen, dass in [...] ziemlich viel
(geheimer!) Code stecken muss, der den Compiler zu dieser seltsamen
Optimierung bringt. Die Zuweisung alleine in einer Funktion funktioniert
wie gewünscht :-( Ebenso, wenn man 'b' nur als extern deklariert (aber
das ist ja klar, weil dann keine Propagierung mehr möglich ist).
Ich kann in diesem Schnipsel nichts erkennen, was es dem Compiler
erlaubt, daraus x=0 zu machen. Es sei denn es ergibt sich für den
Compiler aus dem Kontext, dass stets (a >> 8) == 0 gilt.
Wenn du vermutest, dass es ein Fehler im Compiler ist: Du kannst
natürlich darauf hoffen, dass er im Laufe der Jahre auch ohne dein Zutun
von allein verschwindet. Aber schneller geht es, wenn du die Entwickler
darauf stösst. Dies ist aber nur mit reproduzierbarem Testcode möglich.
Ich schaue mal am Montag im Büro, ob ich den Fehler weiter einkreisen
kann. Was das Ergebnis "=0" anbetrifft, hatte ich ja schon geschrieben:
"Erhöhe ich den Typ von 'b' auf 16 bit (unsigned short) und mit Wert >
2^8, dann wird x auch mal > 0...".
Mit
const unsigned short b = 1024;
wird die Multiplikation durchgeführt laut asm-code (dann ist aber das
Ergebnis möglicherweise nicht definiert wegen Überlauf).