Ok, du willst also die Bordcomputerfunktion "Momentanverbrauch"
nachbilden bzw. eine gescheite Tankuhr bauen.
Zuerst wird da wohl mal ein kleiner Exkurs Gasanlagentechnik
erforderlich sein:
Eine Gasanlage besteht prinzipiell immer aus einem (oder mehreren)
Tank(s), einer Einheit um das Gas mit Betriebsdruck und Gasförmig zur
Verfügung zu stellen, einer Beimischung zum angesaugten Luftstrom sowie
einer Regelungseinheit.
Der Tank besteht aus Stahl (Flüssiggas/Erdgas) oder
Alu/Glasfaser/Epoxid-Verbundmaterial (Erdgas). Flüssiggas (Propan/Butan)
wird flüssig durch eine kunststoffummantelte Kupferleitung (!) mit
Betriebsdrücken zwsichen 8 und 12 bar zum Verdampfer transportiert.
Dieser wird mit Kühlwasser aus dem kleinen Kühlkreislauf beheizt und
gibt das verdampfte Flüssiggas (Siedetemperatur zwischen -42 und 0 Grad
Celsius) mit einem definierten Ausgangsdruck ab. Der Ausgangsdruck liegt
in der Regel bei etwa 1 bar Überdruck ggü. Athmosphäre, kann je nach
Last und entnommener Gasmenge aber natürlich etwas schwanken.
Bei Erdgasanlagen wird vom Tank eine Hochdruckleitung aus nahtfreiem
Edelstahl zum Druckminderer verlegt. Das Gas hat Betriebsdrücke zwischen
100 und 250 bar, und da bei einer Druckminderung der Umgebung Wärme
entzogen wird, wird auch der Druckminderer mittels Kühlwasser beheizt.
Das ist eigentlich schon der ganze Unterschied zwischen beiden
Gassorten, denn der Niederdruckteil hinter dem Verdampfer bzw.
Druckminderer ist identisch. Dabei sind eigentlich 3 Methoden üblich:
Venturi (geregelt): Die Gasmenge wird über einen Stellmotor geregelt und
mittels Vergasertechnik (Venturi-Düse) zentral hinter der Drosselklappe
der angesaugten Luft beigemischt. Die Regelung erfolgt dabei unabhängig
von der Motorsteuerung nach Lambda-Sonde.
Multipoint: Ähnlich wie die Venturi-Technik wird die Gasmenge zentral
geregelt, die Venturi-Düse wird allerdings durch einen Verteiler ersetzt
der das Gas mit einzelnen Schläuchen möglichst dicht vor die
Einlassventile einbläst. Die Regelung erfolgt wiederum mittels
Auswertung der Lambda-Sonde(n). Im Gegensatz zur Venturi-Technik
befindet sich aber kein brennfähiges Gemisch im Großteil des
Ansaugtraktes, so kann es nicht so schnell zu Rückzündungen kommen. Die
Dosierung kann ebenfalls etwas feiner erfolgen.
Seit dem Jahr 2000 ist OBD Pflicht, die Gasanlagen können die
Steuergeräte also nicht mehr einfach ignorieren. Daher wurden die
sequentiellen Anlagen entwickelt:
Die zentrale Mengenregelung entfällt, dafür werden Gaseinblasdüsen
gesetzt. Wiederum möglichst nah an den Benzininjektoren um einen
möglichst originalen Motorlauf zu erhalten.
Diese Anlagen sind im Kern eigentlich simpler geworden. Anstelle der
eigenen Lambda-Regelung greifen sie ein (teilsequentiell) oder alle
(vollsequentiell) Einspritzsignale der Benzineinspritzdüsen ab, belegen
diese mit einem Korrekturfaktor nach einem Kennfeld und steuern damit
dann die Gaseinblasdüsen an. Die Benzindüsen sind in der Zeit
abgeschaltet. Das Ergebnis der Lambda-Korrektur wird vom
Benzinsteuergerät verarbeitet und als modifizierte Einspritzzeiten an
die Benzindüsen angelegt wo es wiederum von der Gasanlage abgegriffen
wird, usw...
Dadurch bekommt das Benzinsteuergerät nichteinmal mit daß da eine
Gasanlage drin steckt, wenn diese allerdings verkorkst konfiguriert
wurde und das Gemisch nicht stimmt kann ein Fehler aufgenommen und
abgelegt werden.
Die einzigen Ausnahmen sind Flüssigeinspritzende Anlagen, aber auch
diese arbeiten grundsätzlich sequentiell und mit einem konstanten
Betriebsdruck aufgrund einer Pumpe im Tank.
Bordcomputer berechnen den Momentanverbrauch aus den Öffnungszeiten der
Einspritzdüsen sowie der bekannten Durchflussmenge der
Benzineinspritzdüsen.
Sofern du also eine sequentielle Gasanlage in einem Fahrzeug hast dürfte
es ausreichen die Einblaszeiten mittels eines µC auszuwerten. Trotz der
Druckschwankungen dürfte die Auswertung dabei genauer erfolgen als die
Messung des Flüssiggasdurchfluss, denn das flüssige Gas hat ein um den
Faktor 260 geringeres Volumen. Die Durchflussmessung müsste daher
deutlich präziser sein als die Verbrauchsermittlung im "Dampf-Teil".
Einspritzzeiten für PKW-Motoren bewegen sich in der Regel zwischen 2 und
25ms, abhängig von Last und Drehzahl - eine Genauigkeit von 0,1ms sollte
ausreichen, man kann noch den Gasdruck einbeziehen mittels eines
Drucksensors.
Das erscheint mit für einen handelsüblichen µC durchaus machbar.
Das schwierigste dürfte werden die Durchflussmenge der Düsen
herauszubekommen, aber je nach Düsentyp gibt es dafür Datenblätter.
Alternativ bleiben noch empirische Versuche.
Insofern kann ich auch die übliche Warnung dazu schreiben: Finger weg
vom Gas, kein Doityourself an Gasanlagen. Bei der Elektronik kannst du
halt im worst case die Steuerung schrotten, aber das ist dann dein
Problem.
Gruß, Deneriel
seit 2003 mit Gas unterwegs