Helmut war mal wieder schneller und hat die richtige Erklärung gegeben.
Ich habe die Sache unabhängig davon von einer etwas anderen Seite
betrachtet und poste meine Erklärungen deswegen ergänzend zu Helmuts:
Die Spannungsverstärkung des Differenzverstärkers ist umso größer, je
größer die Kollektorwiderstände gewählt werden. Mit der Vergrößerung der
Widerstände verliert man aber an Gleichtaktaussteuerbarkeit: Bei zu
großen Widerständen geraten die Transistoren schon bei geringen
(Gleichtakt-)Eingangsspannungen in die Sättigung, selbst dann, wenn die
Differenzspannung 0 ist, da der Strom I0 der Konstantstromquelle an den
Emittern auch durch die Widerstände fließen muss und dort einen hohen
Spannungsabfall verursacht.
Ersetzt man die beiden Widerstände jeweils durch eine Konstantstrom-
quelle mit I0/2, fließt bei Differenzspannung 0 kein Strom "seitlich"
aus dem Differenzverstärker heraus oder in diesen hinein, der Nullpunkt
der Ausgangsspannung kann also durch die externe Beschaltung (bspw.
einen Lastwiderstand gegen die positive Versorgungsspannung) fast
beliebig festgelegt werden. Liegt dieser Nullpunkt oberhalb der maximal
auftretenden Gleichtakteingangsspannung, gehen die Transistoren nicht in
die Sättigung. Da aber der Innenwiderstand der Stromquellen theoretisch
unendlich ist, erreicht man (ebenfalls theoretisch) eine beliebig hohe
Spannungsverstärkung, die nur von der Belastung der Ausgänge begrenzt
wird. In die Sättigung gehen die Transistoren dabei nur dann, wenn die
Differenzspannung an den Eingängen einen gewissen Wert überschreitet.
Dieser Fall tritt aber in der Praxis nicht auf, weil die Differenz-
spannung bei typischen Anwendungen, wo hohe Verstärkungen gefordert sind
(bspw. bei Operationsverstärkern), ausreichend klein ist.
Das Problem bei den beiden kollektorseitigen Konstantstromquellen liegt
darin, dass sie jeweils sehr genau auf I0/2 eingestellt werden müssen.
Benötigt man nur einen der beiden Ausgänge des Differenzverstärkers
(asymmetrischer Betrieb), kann man die beiden Stromquellen durch einen
Stromspiegel ersetzen, der den Strom des nicht als Ausgang benutzten
Kollektors auf die andere Seite spiegelt, so dass bei einer Differenz-
spannung von 0 in beiden Zweigen des Differenzverstärkers automatisch
der gleiche Strom, nämlich I0/2 fließt. Bei der Differenzspannung 0 ist
damit der Ausgangsstrom auch ohne Abgleicharbeiten ebenfalls 0.
Bei Operationsverstärkern wird der Differenzverstärkerausgang aber meist
nicht hoch- sondern niederohmig abgegriffen und damit der Differenz-
verstärker mit Stromspiegel als Differenzspannungs-Strom-Wandler
genutzt. Dadurch erreicht man eine maximale Gleichtaktaussteuerbarkeit.
Der Ausgangsstrom des Differenzverstärkers wird durch nachfolgende
Verstärkerstufen wieder in eine Spannung umgewandelt, wobei die
Gesamtspannungsverstärkung weiter erhöht wird.