Hallo alle zusammen.
Ich muss demnächst ein kleines Referat über einen Sägezahngenerator der
durch OPs realisiert wird halten.
Nach einiger Recherche habe ich herausgefunden, dass man so ein
Verhalten durch einen Integrator, welcher von einer rechteckigen
Wechselspannung gespeist wird erreichen kann.
Rein mathematisch betrachtet ist das Verhalten des Integrators für mich
logisch und nachvollziehbar. Bei der elektrotechnischen Betrachtung wird
das etwas schwieriger. Ich verstehe nicht, wieso sich die
Ausgangsspannung linear hebt, wenn eine Spannung > 0V am Eingang anliegt
und umgekehrt.
Irgendwie passen nach meinem Verständnis lineare Verläufe und
Kondensatoren nicht so recht zusammen ;)
Vielleicht ist hier ja jemand im Board der mir die Verhaltensweise
anschaulich erläutern kann.
Mit freundlichem Gruß,
Jakob
Der OV hat das Bestreben, die Eingangsspannungsdifferenz an seinen
beiden Eingängen minimal zu machen (sofern man ihn mit der dafür
geeigneten Rückkopplung beschaltet ;-).
Du hast nun an einem Eingang eine konstante Spannung, am anderen
einen Widerstand gegen Masse. Dieses Bestreben sollte also dazu
führen, dass durch den Widerstand ein konstanter Strom fließt. Da
der Strom nicht in den oder aus dem Eingang selbst fließen kann,
muss er über den Kondensator fließen. Konstantstrom an einem
Kondensator wiederum ist aber eine schöne lineare Angelegenheit...
(Das ist eine rein bildliche Erklärung, die mathematische kannst du
dir ja bei Bedarf selbst herleiten. Diese würde dann auch nachweisen,
dass die Rückkopplung mit dem Kondensator und dem Widerstand auch
tatsächlich geeignet ist, die Eingangsspannungsdifferenz zu minimieren.)
Hmm, also wenn ich mir diese Schaltung anschaue, sehe ich keinen
Widerstand gegen Masse:
http://de.wikipedia.org/wiki/Operationsverst%C3%A4rker#Integrator
Der positive Eingang ist auf Masse gezogen und der Negative bekommt
seine Eingangsspannung über einen Widerstand.
Wieso fließt dann ein linearer Strom durch den Kondensator?
Ergänzung:
1. Die Ausgangsspannung des OP hat die invertierte Polarität zur
Eingangsspannung.
2. Für einen Sägezahn ist die (periodische)schlagartige Entladung des
Integrationskondansators notwendig. Die Eingangsspannung kann dauernd
auf x-Volt liegen. Würdest du nur die Eingangsspannung auf 0V setzen,
hättest du einen Rechteck-zu-Dreieckwandler.
Ich verstehe zwar nicht so recht was du mir sagen willst, aber um von
einem Dreieck auf Sägezahn zu kommen muss man ja im Prinzip nur die
Ladezeiten in eine Richtung verändern, also das RC-Glied mit Dioden
Ausstatten. Dann kann man die Außenabgriffe eines Potis jeweils über
eine Diode an den C führen und den Schleiferabgriff an den
ursprünglichen Anfang des RC-Gliedes.
Aber darum geht es mir ja jetzt gar nicht. Ich muss irgendwie erstmal
diesen Integrator verstehen, ich finde absolut keine Erklärung für das
Verhalten.
Hm, du musst ein Referat über ein Sägezahngenerator halten, und ich habe
dir was über die Erzeugung des Sägezahns gechrieben.
Schade dass ich dich nicht verstanden habe.
Das Problem vor dem ich stehe ist, dass ich die Funktionswiese des
Integrators nicht nachvollziehen kann. Ich verstehe den
elektrotechnischen Zusammenhang nicht. Also wieso zb der Ausgang linear
verläuft.
>Hmm, also wenn ich mir diese Schaltung anschaue, sehe ich keinen>Widerstand gegen Masse
Physikalisch nicht.
Aber da der OP seinen Ausgang so regelt, dass zwischen den Eingängen
immer 0V liegen und der +E an GND ist, ist dies gleichzusetzten wie wenn
der R an GND hinge. Es fließt damit ein konstanter Strom Ue/R durch den
R und der muss über den C kommen.
Wie oben schon gesagt: Der OPA-Eingang kann den nicht aufnehmen, also
regelt er seinen Ausgang so nach, dass über den C derselbe konstante
Strom fließt.
Ein konstanter Strom über einen C hat eine lineare Spannungsänderung zur
Folge.
Ich weiß, es war eine Wiederholung der Aussage von Jörg Wunsch -
vielleicht hilft dem OP die andere Wortwahl ...
Na ganz simple. Der OP setzt seine Spannung an den Eingängen (+, -) zu
Null. Folglich ist der Knoten an dem OP, Widerstand und Kondensator
hängen auf Masse (nennt man virtuelle Masse). Über dem Widerstand liegt
nun eine konstante Spannung, damit fließt ein konstanter Strom. Eine
weiter Eigenschaft des OPS hilft nun weiter: Es fließen keine Ströme in
den (idealen) OP. Der konsante Strom, der durch die Eingangsspannung und
dem Widerstand erzeugt wird kann also nur zum Kondensator fließen. Und
wenn man den Kondensator mit einem konstanten Strom läd/entläd dann
ändert sich seine Spannung linear. Die Spannung über dem Kondensator ist
aber die Ausgangsspannung wegen der virtuellen Masse.
Hoffe man versteht was ich meine ;)
Wie Jörg und andere dir schon erklaert haben fliest ueber den Widerstand
ein Konstantstrom. Warum fliest das jetzt ein Konstantstrom ?
Der OP ist durch seine aussen beschaltung bestrebt die Differenzspannung
zwischen seinen beiden Eingaengen gegen 0V gehen zu lassen. Da aber der
(+) Eingang bei dieser Schaltung auf GND liegt ist die Spannung am (-)
Eingang auch fast 0V (einige mV) . Dadurch ergibt sich ein sogenannter
virtueller Nullpunkt am (-) Eingang des OPs. Wenn jetzt am Widerstand
eine Konstante Spannung ansteht ergibt sich ein konstanter Strom. Der
kann abe rnur durch den Kondenstator zum Ausgang des OPs fliessen weil
der Strom in den Eingang des Ops fast gegen Null geht (hochohmige
Eingaenge). Und einkonstanter Strom durch einen Kondensator ergibt eine
linear mit der Zeit ansteigende (abfallende) Spannung.
Gruss Helmi
Hmm. Also fließt der Eingangsseitige Strom über den C, weil er nicht in
den Eingang des OPs fließen kann?
Ich versuche das nachzuvollziehen.
Ich stelle mir das jetzt so vor:
Eigentlich müsste der Strom Ue/R fließen. Da der OP aber versucht die
beiden Eingänge auf gleichem Pegel zu halten, muss er diesen
"eliminieren".
Deswegen fließt ein aus dem Ausgang über den C ein Strom, der -Ue/R
beträgt, oder?
Das bedeutet dann das Ie=0 also auch keine Spannung??
Habe ich das nun richtig interpretiert?
NIcht ganz oder ich missverstehe dich. Der STrom der bei Ue reinfließt
ist UE/R, der bei Ua reinfließt ist -UE/R (d.h. er fließt da raus). Ist
Ie=0 dann liegt auch keine Spannung an, d.h. Ue=0.
Danke für die Zahlreichen erklärungen
Ich denke, dass ich das soweit verstanden habe.
Der Strom fließt über C weil er nicht in den Eingang fließen kann.
Aber dann ist ja im Prinzip, wenn man den ohmschen Widerstand des Cs
betrachtet eine Reihenschaltung aus dem R und dem C gegeben. Wenn nun
der C lädt, ändert sich sein Widerstand.
Wieso ändert sich der Strom dann nicht?
>Irgendwie passen nach meinem Verständnis lineare Verläufe und>Kondensatoren nicht so recht zusammen ;)
Das klingt so, als ob du bei Kondensator+Laden immer auf diese
e-Funktionen hoffst..
Das ist aber nur Sonderfall der allgemeinen Beschreibung des
Kondensators. Und zwas der, wenn der KOndesator mit konstanterSpannung mithilfe eine Widerstandes geladen wird.
Bekommt der Kondensator allerdings einen konstanten Strom (wo der
herkommt wurde auch schon erklärt), dann entsteht eine linear
ansteigende Kondensatorspannung.
Wenn du jetzt das Verhalten von (Eingangs)strom in den Kondensator zu
(Ausgangs)Spannung des Kondensators betrachtest, ist es integrierendes
Verhalten.
(Beim ersten Fall, konstante Spannung, ist es ein verzögerndess
Verhalten)
EDIT:
>Der Strom fließt über C weil er nicht in den Eingang fließen kann.>Aber dann ist ja im Prinzip, wenn man den ohmschen Widerstand des Cs>betrachtet eine Reihenschaltung aus dem R und dem C gegeben. Wenn nun>der C lädt, ändert sich sein Widerstand.>Wieso ändert sich der Strom dann nicht?
Weil das mit der Reihenschaltung nicht ganz korrekt ist. Zumindest
entscheidet nicht die Gesamtwiderstand der Reihenschaltung über die
Größe des Stromes, sondern nur die EIngangsspannung und der
Widerstand.
Denn: Der widerstand liegt einseitig an der Eingangsspannung, und auf
der anderen Seite auf der virtuellen Masse, also an kosntanten NULL
Volt.
Somit kann sich der Strom nicht ändern. (Dafür sorgt der OPV)
Hmm, OK. Ich habe zwar verstanden, dass der lineare Strom eine lineare
Ladekurve erzeugt, doch stört mich etwas an dieser Erklärung.
Wieso ist der Strom konstant, wenn sich die Ladung und damit der ohmsche
Widerstand des Cs ändert. dieser bildet ja eine Reihenschaltung mit R.
Da müsste sich der Strom doch ändern, oder nicht?
>Wieso ist der Strom konstant, wenn sich die Ladung und damit der ohmsche
Siehe EDIT im letzten Post.
Noch ein Tip:
Wenn die Reihenschaltung entscheidend wäre, dann würde sich die
Spannung am Punkt zwischen dem R und dem C ändern. Und damit diese bei
konstanten NULL Volt bleibt, sorgt der OPV, indem er die
Ausgangsspannung so nachführt, das diese NULL Volt (virtuelle Masse)
immer erhalten bleibt
Achso..
D.h., dass der Knotenpunkt zw. Widerstand und OP-Eingang theoretisch auf
Masse liegt, der Strom aber "weg fließen" muss.
Deshalb fließt dieser über C.
Wohin fließt er dann? In den OP-Ausgang oder über den Verbraucher?
>D.h., dass der Knotenpunkt zw. Widerstand und OP-Eingang theoretisch auf>Masse liegt, der Strom aber "weg fließen" muss.
Korrekt.
>>Wohin fließt er dann? In den OP-Ausgang oder über den Verbraucher?>In den OP-Ausgang!
Auch Korrekt.
Falls du jetzt eine Last hinten am Ausgang des OPVs dran hast, dann
addieren/subtrahieren sich die Ströme am, oder besser im Ausgangspin.
OK, ich glaube ich habe es endlich verstanden. Danke für diese
kompetente Hilfe eurer Seite.
Ich mache die Erfahrung immer wieder, dass in diesem Board gestellt
Fragen grundsätzlich kompetent beantwortet und/oder diskutiert werden.
Wenn es okay wäre hätte ich noch eine weitere Frage.. ;)
Ich habe eine Schaltung gefunden, die eine Dreiecksfunktion erzeugt.
An und für sich verstehe ich den Zusammenhang der Schaltung, nur frage
ich mich, wieso diese anfängt zu schwingen?
http://homepages.internet.lu/absolute3/tronic/sz1.gifhttp://homepages.internet.lu/absolute3/tronic/sz.htm
Mit freundlichem Gruß,
Jakob
>wieso diese anfängt zu schwingen?
Der Komparator links hat als Ausgang entweder +Ua oder -Ua. Der
Integrator macht eine entsprechende negative oder positive Slope. Sein
Ausgang geht wieder auf den Komparatoreingang und wenn die
Dreieckspannung über den Teiler R1 und R2 die Schwelle (GND) über- bzw.
unterschreitet, schaltet der Komparator auf die andere Ausgangslage.
Das Spiel beginnt nun wieder von vorne - in die entgegengesetzte
Richtung.
>Aber besteht durch R2 nicht im Prinzip eine Rückkopplung?
Nein. Eine Rückkopplung, besser gesagt eine GEGENkopplung ist nur dann
erreicht, wenn der Ausgang über ein elektrisches Netzwerk (R,L,C) mit
den invertierenden Eingang verbunden ist.
Nur dann gilt die Aussage, dass die Spannung zwischen IN+ und IN-
immer identisch ist.
Fehlt diese Gegenkopplung, dann gilt:
Die Ausgangsspannung ist positiv UB, wenn die Differenz IN+ - IN- auch
positiv ist.
Und negativ UB, wenn die DIfferenz IN+ - IN- negativ ist.
Kurz:
Uout = +Ub, wenn IN+ > IN-
= -Ub, wenn IN+ < IN-
= 0, wenn IN+ = IN- (ohne Gegenkoppllung praktisch nicht
möglich)
mit UB ist der Spannungspegel an dem entsprechenden UB-Pin gemeint.
Diese Annahme hatte ich auch, deswegen konnte ich mir die Schaltung
nicht erklären. Im Einschaltmoment ist die Schaltung potentialfrei, dh.
IN+ = IN- = 0V, also auch Ub = 0V.. Oder sehe ich das falsch?
>Im Einschaltmoment ist die Schaltung potentialfrei, dh.>IN+ = IN- = 0V
Naja, das die Bedingung IN+ = IN- bis auf das Quadrillionstel ;-) Volt
stimmt, ist praktisch ausgeschlossen. Deshalb kippt der Komparator
(undefiniert) in eine der beiden Richtungen.
PS:
Wegen diesem "Anfangswertproblem" haben viele SImulationstools beim
Start Schwierigkeiten die (statischen) Arbeitspunkte richtig zu
berechnen.
Deshalb sollten dort kleine Unsymmetrien (oder toleranzbehaftete
Bauelemente) eingebaut werden.