Hallo.
Ich habe einen sogenannten analogen Summiermischer (16:2) im 19"
Rackformat (2HE), in dem zur Steuerung diverser Signale sechs
Potentiometer direkt auf der (ziemlich großen) Hauptplatine eingelötet
sind.
Es handelt sich um unterschiedliche teilweise spezielle (keine
Standardpotis) ALPS-Potentiometer.
Es sind verschiedene Typen von Potis verbaut (alle wohl 10K Ohm):
a) 1x3 (linear zur digitalen Erkennung der Position), 2x3 (L und R
Lautstärke) und 1x2 (Button).
b) 1x3 (linear zur digitalen Erkennung der Position), 1x3 (mono
Lautstärke), 1x2 (Button)
c) 1x3 (linear zur digitalen Erkennung der Position), 2x3 (L und R
Lautstärke)
Leider ist durch den doch relativ fragilen Bau der Potis auf der
Hauptplatine ein Einsatz des Mixers auf Tour momentan nicht wirklich
möglich, ohne dass man Angst haben muss, dass die Potis von der Platine
brechen. Zudem haben zwei der Potis schon Probleme mit "kratzen", also
Oxidation oder Staubablagerungen.
Ich möchte deshalb die Potis auslöten und mit Stiftleisten ersetzen, so
kann ich dann bessere Potis auf eine robuste externe Platine löten und
diese verbinden. Am liebsten würde ich die 6 Potis in ein direkt über
dem Mixer stehendes 19" Gehäuse einbauen, da diese Potis im Livebetrieb
andauernd benutzt werden.
Leider bin ich (noch) ein Anfänger auf dem Gebiet der Elektronik. Ist
mein Vorhaben überhaupt möglich, worauf muss ich achten?
Vielen Dank im Voraus an die Profis.
Die Signal-Leitungen zu den Poties sollten geschirmt sein (sonst fängst
Du dir möglicherweise Brumm und anderes ein. Und auf Brummschleifen
achten (also z.B. Schirmung nur an einer Seite auf Masse schalten).
Also *ALPS*-Poties sind schon mit die (qualitativ) besten Poties, die
man bekommen kann. Üblicherweise haben sie auch alle Leitplastik als
Bahnwiderstand und keine Kohleschicht (allerdings bin ich mir bei
ominösen OEM-Serien nicht ganz sicher, ob es da nicht auch mal
Kohleschicht sein könnte), womit also eine 'durchgekratzte' Bahn eher
unwahrscheinlich ist. Staub und/oder Schmutzablagerungen wäre denkbar,
aber bei Nicht-OEM-Ware von ALPS sind die Poties, die ich kenne,
eigentlich immer gekapselt gewesen, womit auch diese Störquelle mehr
oder weniger ausgeschlossen sein sollte. Aber bei Sonderanfertigungen
mit den von Dir erwähnten Eigenschaften hat der Auftraggeber vmtl. den
Rotstift angesetzt und möglicherweise Kapselung und/oder Leitplastik
weggelassen.
Ein Reinigen wäre auf jeden Fall angebracht - aber bitte nicht die Potis
selbst zerpflücken sondern während der Betätigung mit Druckluft leicht
auspusten (aber auch hier nur mit etwa 1-2 Bar und nicht 'volles Rohr'
mit 16 Bar!).
Es gibt/gab Potis von ALPS, die man tatsächlich gefahrlos
auseinandernehmen und auch wieder zusammenbauen konnte - aber nicht
jedem sind 'Gynäkologenfinger' gegeben. ;-)
Wenn ich mich recht erinnere gibt's auch von Kontakt-Chemie einen
entsprechenden Reiniger - über den Sinn oder Unsinn des Einsatzes
solcher Reiniger haben sich allerdings schon viele (auch in Foren) in
die Wolle gekriegt - es gibt halt Befürworter und Gegner. Möge hier
jeder seine eigenen Erfahrungen sammeln.
Resumée:
Meine Empfehlung wäre nur die Potis zu reinigen und nicht versuchen
andere Potis einzusetzen.
Es stellt sich außerdem die Frage, ob das NF-Signal direkt von den Potis
'verarbeitet' wird, oder ob mit einer durch die Potis eingestellte
DC-Steuerspannung VCAs (möglicherweise irgendwelche SSM...-ICs)
gesteuert werden. Ein möglicherweise vorhandener Schaltplan könnte
darüber Auskunft geben (oder halt mit 'nem Oszi/Multimeter nachmessen).
Vielen Dank für Eure Antworten. Schön, dass man hier nicht allein
gelassen wird. :-)
Bilder vom Poti (habe einen Ersatz-Poti) kann ich heute oder morgen
nachliefern. Vom Board im Mixer gestaltet sich das etwas schwierig, mal
sehen, was ich da machen kann.
> Ein Reinigen wäre auf jeden Fall angebracht - aber bitte nicht die Potis> selbst zerpflücken sondern während der Betätigung mit Druckluft leicht> auspusten (aber auch hier nur mit etwa 1-2 Bar und nicht 'volles Rohr'> mit 16 Bar!).
Das habe ich versucht, leider ohne Erfolg. Nach wie vor "kratzt" der
rechte Kanal beim Verändern der Lautstärke. Besonders bei Test-Tönen
unterhalb der 200hz zu hören.
> Meine Empfehlung wäre nur die Potis zu reinigen und nicht versuchen> andere Potis einzusetzen.
Es geht mir nicht nur um das Kratzen, das bei zweien der Potis vorhanden
ist, sondern auch darum, dass die Konstruktion mit den kleinen fragilen
Potis auf der Hauptplatine einfach nicht für den Live-Betrieb geeignet
ist.
Ich möchte die 6 Potis gerne eine "Etage" im 19" Rack über dem Mixer
haben.
Das wäre perfekt.
> Es stellt sich außerdem die Frage, ob das NF-Signal direkt von den Potis> 'verarbeitet' wird, oder ob mit einer durch die Potis eingestellte> DC-Steuerspannung VCAs (möglicherweise irgendwelche SSM...-ICs)> gesteuert werden. Ein möglicherweise vorhandener Schaltplan könnte> darüber Auskunft geben (oder halt mit 'nem Oszi/Multimeter nachmessen).
Ich schätze, dass das NF-Signal direkt verarbeitet wird.
Da ich aber in Sachen Elektronik wahrlich kein Profi bin, kann ich das
nicht beurteilen.
Hier ist ein Dokument, das auch einen Schaltplan enthält (Seite 36):
http://www.ams-neve.com/Sites/8/Files/Documents/Outboard/8816_User_Manual_Issue6.pdf
Ich habe auf dem Schaltplan die Bezeichnungen der Potentiometer
herausgesucht, um die es hier geht:
(dahinter steht die Anzahl der Pins und die von mir vermutete Belegung)
Leider zeigt das User Manual nur einen Übersichtsplan und nicht den
eigentlichen Schaltplan. Womit mal wieder nicht ganz klar ist, um was
für Potis es sich tatsächlich handelt (Standard/Sonderausf./OEM).
So wie es aber scheint gibt es eine Front-Platine, wo alle Bedienknöpfe
und -potis angebracht sind und dann über Pfostenleisten o.ä. mit der
Hauptplatine verbunden sind. Im Idealfall sind keine aktive Komponenten
auf der Frontplatine und sämtliche Verbindungen zu den Bedienelementen
laufen über diese Stecker/Buchsen. In diesem Fall wäre ein abtrennen der
Bedienelemente und ein 'umlagern' auf ein separates 19"-Rack,
meinetwegen auch mit der Ersetzung der Dreh- durch Schiebepotis,
durchaus möglich. Problematisch dürfte dann aber die hohe Anzahl von
Verbindungen sein sowie die unschönen längeren Verbindungen, die
sicherlich die Signalqualität negativ beeinträchtigen werden, inklusive
der üblichen Probleme mit Abschirmung, Masseschleifen u.a. 'negativen'
Effekten.
Meine Befürchtung ist, das der zu treibende Aufwand in keiner
(vernünftigen) Relation zum Ergebnis steht.
Als Empfehlung würde ich hier eher den Neukauf einer anderen
Mixer-Einheit nennen, die Deinen/Euren Ansprüchen/Erfordernissen
gerechter wird.
> So wie es aber scheint gibt es eine Front-Platine, wo alle Bedienknöpfe> und -potis angebracht sind und dann über Pfostenleisten o.ä. mit der> Hauptplatine verbunden sind. Im Idealfall sind keine aktive Komponenten> auf der Frontplatine und sämtliche Verbindungen zu den Bedienelementen> laufen über diese Stecker/Buchsen.
Das ist auch der Fall, bis auf die sechs genannten Potis (in der
Abbildung der Platine rechts unten).
> Meine Befürchtung ist, das der zu treibende Aufwand in keiner> (vernünftigen) Relation zum Ergebnis steht.
Da ich dabei auch etwas über Elektronik, Löten etc lernen möchte, würde
ich die "Operation" trotzdem gern durchführen. :-)
> Als Empfehlung würde ich hier eher den Neukauf einer anderen> Mixer-Einheit nennen, die Deinen/Euren Ansprüchen/Erfordernissen> gerechter wird.
Das hatten wir uns auch schon überlegt, allerdings ist das aus
finanziellen Gründen momentan keine Option.
> [...] inklusive> der üblichen Probleme mit Abschirmung, Masseschleifen u.a. 'negativen'> Effekten.
Kannst Du mir mehr Informationen über diese negativen Effekte (und wie
man sie vermeiden kann) geben?
Das hatten wir teilweise schon:
--> Brummen: wenn deine Leitungen zu lang werden, kannst du dir das
einfangen. Dagegen hilft abgeschirmte Leitungen verwenden. Abschirmung
auf Masse. Trotzdem kann es sein, dass es hinterher schlechter klingt,
als vorher und du suchst ewig nach der Fehlerquelle. !Ich möchte
betonen: Das muss nicht sein, kann aber!
--> Brummschleifen: Über die Abschirmung kannst du dir auch wieder
Brummen einfangen. darauf achten, dass die Abschirmung nur an einer
Seite auf Masse verbunden wird.
--> Wackelkontakte: Wenn die Stift/Steckerleisten, die du verwendest,
nicht fest genug sind. Schau dir mal die Steckerleisten an, die der
Hersteller selbst verwendet hat: Die sind mit Kunststoffgehäusen
versehen, die ineinander fassen und eine gute Passgenauigkeit und sehr
hohe Mechanische Festigkeit erreichen. Vermutlich hast du vor, die
Stecker, die du verwenden willst, direkt in die Löcher der Platine zu
löten, in der vorher deine Potis drin waren. Ähnlich gut haltende
Verbindungen wirst du mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht finden. Damit
handelst du dir immer das Risiko ein, dass die Verbindungen locker sind
bzw. sich im rauhen Bühnenalltag langsam lockern. Für die Befestigung
deiner Potis gilt ähnliches.
Ich würde auf jeden Fall versuchen, die original-Potis aufzutreiben und
zu ersetzen. Wenn das nicht geht, würde ich versuchen, Erstaz-potis an
die selbe Stelle zu platzieren, wo sich die originalen jetzt befinden.
Beim Einbau würde ich dann lieber zweimal zuviel über die mechanische
Stabilität meines Aufbaus nachdenken, als einmal zu wenig.
Nun ja - generell vermeiden kann man solche 'negativen' Effekte nur,
wenn man nichts an der Original-Hardware verändert.
Grundsätzlich gilt: "In der Kürze liegt die Würze!"
Das bedeutet, wenn Du schon verlängern willst/mußt, dann tue dies nur im
absolut notwendigen Mass, d.h. versuche nicht den Mixer ganz unten im
Rack (kurz über'n Boden) zu positionieren und die Potis (nun in einem
neuen 19"-Gehäuse) über ein zwei Meter langes Kabel in Brust- oder
Augenhöhe zu bringen.
Technisch gesehen sind z.B. lange Leitungen Antennen, die, anhängig von
der Länge, mehr oder weniger HF 'einfangen' können. Darum ist eine
Abschirmung der Signalleitungen von essentieller Bedeutung.
Weiterhin haben parallel geführte Leitungen zueinander eine Kapazität,
sodaß Signale kapazitiv von einer zur anderen Leitung eingekoppelt
werden können - je höher die Kapazität (ergo je länger das Kabel) um so
besser (und breitbandiger) funktioniert das.
Induktive Komponenten möchte ich mal vernachlässigen - allein schon um
es hier nicht zu 'übertreiben'.
Aber kommen wir mal zu den 'akzeptablen' Lösungsmöglichkeiten.
Wenn es nur um die sechs Potis geht, die auf der Hauptplatine sind, so
sind die Signalleitungen am besten abgeschirmt zu den Potis zu führen
(wie bereits Jens G. verlautete).
Das was vmtl. sehr kritisch werden könnte ist die 'richtige'
Masseführung, wo dann auch die ganzen Abschirmungen der Signalleitungen
zu berücksichtigen sind. Einerseits ist der sternförmige Anschluß aller
GND-Leitungen an einen zentralen Masse-/GND-Punkt wichtig und
andererseits sollten sogenannte Masseschleifen vermieden werden, d.h.
miteinander verbundene Masse-/GND-Leitungen bilden eine Schleife, über
die induktiv z.B. ein Netzbrummen eingespeist werden kann. D.h.
Abschirmungen z.B. nur an einer Seite des Kabels auf
Masse-/GND-Potential legen.