Hi,
frohe Weihnachten erstmal.
Ich schreibe gerade eine Facharbeit über komplexe Zahlen (12 Klasse) und
komm mit der Ableitung von z^n nicht klar. Wenn man es wie bei reellen
zahlen macht, also (z^n)' = lim (z+h)^n - z^n kommt n*z^(n-1) raus,
h->0 -------------
h
wenn man aber in der Polarform ableitet, also z.b.
(z^2)' = (r^2 * e^(2i*phi))' kommt ja 2ri*e^(2i*phi) raus, was nicht 2z
ist. Von einer Webseite weiss ich, dass das erste, also n*z^(n-1)
richtig ist, aber ich kann kein Gegenargument für die 2te Variante
finden. Und die Cauchy-Riemannsche Differentialgleichungen verschtehe
ich auch nicht. Kann mir jemand auf die Sprünge helfen, bitte? Bin voll
am verzweifeln...
>(z^2)' = (r^2 * e^(2i*phi))' kommt ja 2ri*e^(2i*phi)
Ich kenne mich mit komplexen Funktionen nicht wirklich aus, aber musst
du hier nicht die Produktregel nehmen?
also
(z^2)' = 2r * e^(2i*phi) + r^2 * 2i*e^(2i*phi)
Mach dir erstmal klar, nach welcher Größe du ableitest. Wenn du sagst,
dass (z^n)'=nz^(n-1) ist, dann leistest du nach z ab.
In dem Schritt
(z^2)' = (r^2 * e^(2i*phi))' = 2ri*e^(2i*phi)
machst du aber was anderes, da leitest du teils nach r und teils nach
phi ab, aber sicher nicht nach z. Da liegt der Fehler.
Ich führ es mal etwas genauer aus. Wenn du (...)' schreibst, dann meinst
du die Ableitung nach z, also formal d(...)/dz. In Polarkoordinaten
kannst du das (...) wie gehabt umschreiben, aber das dz musst du eben
auch in Polarkoordinaten umrechnen. Dann kommen noch ein paar
Rechenregeln dazu was die d's betrifft und fertig. Letztendlich ist das
aber nur eine Kurzschreibweise für alles was du mit dem Limes machst.
> Eure Formeln sind unlesbar.
Für uns nicht, aber scheinbar für dich. Geh bitte auf die Schule, da
lernst du auch lesen.
> Bitte benutzt LaTeX.
Nein.
> Unser Forum unterstützt das nicht umsonst.
Doch. Ich habe es schon mehrfach benutzt und musste noch nie etwas
zahlen.
Eine komplexe Zahl kann als Vektor mit 2 Größen verstanden werden.
Wie schon geschrieben wurde, muss man vorher festlegen, nach welcher
Größe man ableiten will.
> Eine komplexe Zahl kann als Vektor mit 2 Größen verstanden werden.> Wie schon geschrieben wurde, muss man vorher festlegen, nach welcher> Größe man ableiten will.
Man kann aber auch nach "der komplexen Zahl" an sich ableiten, entweder
per Limes oder per d-Gefrickel (letzteres geht nur unter bestimmten
Voraussetzungen, die aber für viele Funktionen aus dem täglichen
Gebrauch gegeben sind).
z.B. mit Real- und Imaginärteil:
z = a + ib
f(z) = ...
f' = df/dz = df / (da + idb)
rumrechnen und am Ende dz -> 0 bzw da -> 0 und db -> 0. Entsprechend für
Polarkoordinaten. Interessant ist dabei, das für die Ableitung nach z
dann wieder die (meisten der) bekannten Rechenregeln aus den reellen
Zahlen gelten, wie z.B. (z^n)' = nz^(n-1).
>In Polarkoordinaten kannst du das (...) wie gehabt umschreiben, aber das dz >musst du eben auch in Polarkoordinaten umrechnen. Dann kommen noch ein paar >Rechenregeln dazu was die d's betrifft und fertig.
In Polarkoordinaten kann man aber nicht addieren/subtrahieren...
>Eine komplexe Zahl kann als Vektor mit 2 Größen verstanden werden.>Wie schon geschrieben wurde, muss man vorher festlegen, nach welcher>Größe man ableiten will.
Es muss aber nach beiden größen gleichzeitig abgeleitet werden, das ist
das Problem.
@Morin,
es gilt zwar die Transformation
a = cos(phi) * r
b = sin(phi) * r
aber es gilt nicht
da = cos(phi) * dr
db = sin(phi) * dr
Setze z.B. für das Differential da die Differenz delta_a = a_1-a_0.
ist phi_0,r_0 zu a_0 gehörend, dann ist für a_1 != a_0 nicht nur
r1 != r0, sondern auch phi_1 != phi_0 und somit per Limesrechnung
da != cos(phi)*dr, sondern da ~= cos(d_phi)*dr, wobei d_phi und dr
sich über eine Transformation aus da und db gleichzeitig ergeben.
Wird aber ein wenig komplizierter (komplexer?).
Gruss
Jörg
Okay, ich weiß was du meinst... das müsste der Unterschied zwischen dem
partiellen und dem totalen Differential sein, der hier zuschlägt. Ich
bin jetzt von partiellen Ableitungen ausgegangen, habe aber denke ich
das falsche d dafür benutzt (also das normal-geschriebene d statt dem
komisch-geschriebenen d - diese Schreibweise konnte leider ein ganzes
Studium lang kein Prof mal sauber erklären).
Ich vermute aber, dass die d-Rechenregeln, die ich hier einfach benutzt
habe, nur für das totale Differential gelten - also muss der ganze
Rechenweg nochmal überarbeitet werden :(
> Wird aber ein wenig komplizierter (komplexer?).
Naja, man hat halt beide partiellen Anteile zusammen, die ich oben
fälschlicherweise getrennt verwendet habe, also z.B.
Sorry, habe oben geschrieben: d_a ~= cos(d_phi) * d_r,
es müsste heissen: d_a = cos(d_phi) * d_r (ohne das
"Ungefähr"-Zeichen). Es hat nichts mit partiellen oder mit totalen
Ableitungen zu tun. d_r und d_phi ergibt sich per
(d_r,d_phi)^T = M * (d_a,d_b),
M ist eine 2x2-Matrix (von a,b abh.). D.H. d_r,d_phi sind ja nicht
willkürlich, sondern von d_a UND d_b gleichzeitig abhängig 8d_a und
d_b sind willkührlich gewählt).
Du kannst aber auch d_r und d_phi willkürlich wählen und daraus
d_a,d_b per M^(-1) bestimmen und in der Ableitungsformel in die
Funktion f einsetzen.
Um die Korrektheit zu überprüfen: Schreibe einfach ein kleines
MonteCarlo-Programm, dass d_a,d_b zufällig wählt und deine/meine
Thesen auf Gleichheit überprüft. Habe ich hier zwar nicht gemacht,
mache ich aber immer wenn's ein wenig kompizierter wird. Die
Wahrscheinlichkeit bei 100000 Durchläufen bei kleiner Dimension
(für C: 2-Dim) für einen Fehler sind vernachlässigbar gering.
Gruss
Jörg
P.S.1: sorry, dass ich die math. Ausdrücke ohne Latex geschrieben
habe, aber ich kann a) kaum noch Latex und b) sind die Werbepause
zu klein.
P.S.2: habe mei Abi in BW gemacht, aber Ableitungen in Pol.Koord.
habe ich erst im Studium kennengelernt (Funktionentheorie).
> Es hat nichts mit partiellen oder mit totalen Ableitungen zu tun.
Bis auf diesen Satz gebe ich dir recht. Ganz im Gegenteil scheint mir
genau der Unterschied zwischen partieller und totaler Ableitung der Kern
des Problems (und meines anfänglichen Fehlers) zu sein.
Partiell ist:
und total ist:
was aber nichts anderes ist als die von dir genannte Matrixschreibweise:
Sorry, Teil 2: Du hast das ganze Problem von der Dr,Dphi-Seite
betrachtet, ich von der da,db-Seite. Beide Seiten sind natürlich
äquivalent (bin seit vielen Jahren aussser Übung).
Deine Matrix ist mein M^(-1), grob übersehen stimmt's dann.
Aber zu partiell/total: Partiell ist's trotzdem, total wär's
wenn phi und r von einem weiteren Parameter (z.B. h) abhängig wäre,
dann müsste erst partiell abgeleitet werden und dann mit den
Ableitungen nach h weitergerechnet werden. In der Ableitung
nach Z sind nun zwei (unabh.) Parameter, nach denen gleichzeitig
abgeleitet werden muss.
Gruss und MerryXmas,
Jörg
> Deine Matrix ist mein M^(-1), grob übersehen stimmt's dann.
Okay, das hatte ich auch so verstanden.
> Aber zu partiell/total: Partiell ist's trotzdem, total wär's> wenn phi und r von einem weiteren Parameter (z.B. h) abhängig wäre,> dann müsste erst partiell abgeleitet werden und dann mit den> Ableitungen nach h weitergerechnet werden. In der Ableitung> nach Z sind nun zwei (unabh.) Parameter, nach denen gleichzeitig> abgeleitet werden muss.
Aber ist das denn nicht genau das, was die untersten Zeilen ausdrücken?
Wenn ich z.B. schreibe
dann drückt das ja den Zusammenhang zwischen "winzigen" Änderungen da,
dr, dphi aus. Weil es eine Gleichung ist, wo alle betroffenen Variablen
bzw. deren Änderungen in Bezug gesetzt werden, ist es - nach meinem
Wissen - das totale Differenzial, was aber nur eine Kurzschreibweise für
eine partielle Ableitung nach einem weiteren "erfundenen" Parameter (dem
von dir genannten h) ist:
wobei in der letzten Gleichung a,r,phi als Funktionen von h zu verstehen
sind.
Ich muss aber zugeben, dass das auch bei mir veraltetes Wissen ist und
ich mich hier auch auf dünnem Eis bewege ;)