Wir alle haben gelernt, wie rot, gruen, blau usw. auszusehen hat.
Wie die Farbe in unseren Koepfen aussieht wissen wir aber nur selbst.
Koennte es sein, dass, wenn man die von mir gedachte gruene Wiese in ein
anderes Gehirn übertragen koennte, derjenige dann sagen wuerde, deine
Wiese ist ja rot!
Oder gibt es irgendwelche Beweise, dass sich jeder die Farben gleich
vorstellt.
(Ist eine ernst gemeine Frage)
Peter
Farbsehender wrote:
> Oder gibt es irgendwelche Beweise, dass sich jeder die Farben gleich> vorstellt.
Bei gewissen Farbinformationen: Ja.
Weil gewisse Farben nur durch gewisse Rezeptoren wahrgenommen werden.
> Oder gibt es irgendwelche Beweise, dass sich jeder die Farben gleich> vorstellt.
Zumindest solange dein Augenlicht funktioniert lässt sich leicht
nachweisen ob du bestimmte Farben erkennen kannst. Das macht der
Augenarzt beim Sehtest.
(farbige Ziffer als unregelmäßige Punkte innerhalb vieler anders
farbiger Punkte erkennen)
Stellt sich die Frage, wie ein Blinder (von Geburt an) sich Farben
vorstellt. Da kommt man schon ins Grübeln ..
>> Oder gibt es irgendwelche Beweise, dass sich jeder die Farben gleich
vorstellt.
Das hab ich mich auch schon mal gefragt. Einen Beweis kann es aber
eigentlich nicht geben. Jegliche Beschreibung oder Äußerung die man über
ein bestimmtes Farbempfinden äußern kann, basiert letztenendes auf einem
Vergleich zu einer anderen Farbe, die wir irgendwann mal gelernt haben.
Da diese Referenz aber über den gleichen Signalweg ins Gehirn gelangt
(ist), kann es keine absolute Referenz geben, die für mehrere Personen
Gültigkeit besitzt.
Sicherlich kann nachvollzogen werden welche Rezeptoren von welchen
Wellenlängen angeregt werden, welche Farbeindruck dieser Wellenlänge in
deinem Gehirn zugeordnet wird bleibt offen.
> wie wir diese Rezeptorreize interpretieren ist aber antrainiert.> Farbe, die ich gerade sehe (Rezeptor x) ist rot (sagt mir die Mama)
Nein nur der Begriff (die Sprachliche Umschreibung) ist antrainiert.
Hätte Mami beigebracht die Farbe heißt r34, dann würde Kind dennoch rot
sehen, weil seine (gesunden Augen) nun mal diese Wellenlänge korrekt an
das Gehirn weitermelden. Betrachte Farben unter speziellem Licht, z.B.
Natriumdampflampen, dann siehst du eine völlig andere Farbe
(Wellenlänge), aber das Gehirn interpretiert dennoch korrekt.
Farbenblindheit ist kein Defekt des Gehirns sondern der Augen.
Genauso gut könntest du dein Beispiel auf akustische Ereignisse
übertragen und behaupten, woher weiß Kind das wenn es Tisch hört nicht
Stuhl versteht? Akustische Informationen werden schließlich auch
interpretiert.
Gast wrote:
>> wie wir diese Rezeptorreize interpretieren ist aber antrainiert.>> Farbe, die ich gerade sehe (Rezeptor x) ist rot (sagt mir die Mama)>> Nein nur der Begriff (die Sprachliche Umschreibung) ist antrainiert.> Hätte Mami beigebracht die Farbe heißt r34, dann würde Kind dennoch rot> sehen, weil seine (gesunden Augen) nun mal diese Wellenlänge korrekt an> das Gehirn weitermelden.
Ich denke, darum ging es dem OP weniger.
Es geht darum, ob der Seheindruck "Grün", der in meinem Gehirn
gespeichert ist, auch das Grün ist, das andere sehen.
Vielleicht hast Du z.B. den Grüneindruck ganz anders abgelegt als ich
und empfindest z.B. ein grünes Blatt als (bei mir) rotes Blatt ... für
Dich ist der Eindruck "Rot" aber eben "Grün" ;-)
Das, was von den Rezeptoren kommt, ist erstmal nur ein elektrischer
Impuls. Das, was das Gehirn daraus als Seheindruck macht, ist etwas
völlig anderes.
Chris
> Das, was von den Rezeptoren kommt, ist erstmal nur ein elektrischer> Impuls. Das, was das Gehirn daraus als Seheindruck macht, ist etwas> völlig anderes.
Naja, also der Sinnesreiz bzw. die Weiterleitung ist erst mal vorhanden
und warum sollte Gehirn 1 etwas anderes aus dieser Information machen
als Gehrin 2? Das widerspricht aller Erfahrung, aber letztlich sind wie
hier nicht kompetent um diese Frage eindeutig zu klären. Welchen Beweis
würdest du akzeptieren? Genau so gut kannst du sagen, ob das was wir mit
unseren Sinnen erfahren das ist was wirklich vorhanden ist, ist
überhaupt nicht sicher. Beweise mir das du denkst! Vielleicht bist du
manipuliert und eine höhere Intelligenz spielt dir eine Scheinwelt vor.
Wir wissen doch, alles besteht aus wabernden Strings. Wieso sollten
diese Strings überhaupt eine Ordnung bilden wie wir sie kennen? Nur was
bringen solche Überlegungen anders als Zweifel an allem ..
Gast wrote:
>> Das, was von den Rezeptoren kommt, ist erstmal nur ein elektrischer>> Impuls. Das, was das Gehirn daraus als Seheindruck macht, ist etwas>> völlig anderes.>> Naja, also der Sinnesreiz bzw. die Weiterleitung ist erst mal vorhanden> und warum sollte Gehirn 1 etwas anderes aus dieser Information machen> als Gehrin 2?
Weil alle Gehirne unterschiedlich sind und die Verknüpfungen anfangs
nicht festliegen. Ebenso ändern sich später ständig Verbindungen und
Signalwege.
> Das widerspricht aller Erfahrung,
Nein, das genau ist die Erfahrung. Das Gehirn geht bei der optischen
Informationsverarbeitung teilweise äußerst pfiffig vor. Z.B. ist das
waagerechte Sehen gar nicht festgelegt. Trägt man eine Umkehrbrille, so
dreht sich das Gehirn das Bild nach einiger Zeit wieder so, dass es
passt - ganz unabhängig vom Auge. Warum also sollten wir Farben
unbedingt gleich empfinden?
> Welchen Beweis> würdest du akzeptieren? Genau so gut kannst du sagen, ob das was wir mit> unseren Sinnen erfahren das ist was wirklich vorhanden ist, ist> überhaupt nicht sicher.
Ist ist ja sogar so - wir nehmen von der Wirklichkeit nur einen sehr
kleinen Bruchteil wahr. Das vermeintlich Wichtige setzt sich unser
Gehirn so zusammen, dass es ihm nützt. Der Rest wird weggeschmissen. Und
viele Informationen kommen gar nicht erst zum Gehirn - da filtert schon
die Retina einiges raus und betreibt Vorverarbeitung.
> Beweise mir das du denkst! Vielleicht bist du> manipuliert und eine höhere Intelligenz spielt dir eine Scheinwelt vor.> Wir wissen doch, alles besteht aus wabernden Strings. Wieso sollten> diese Strings überhaupt eine Ordnung bilden wie wir sie kennen? Nur was> bringen solche Überlegungen anders als Zweifel an allem ..
Interessante philosophische Abhandlungen - z.B. von René Descartes, der
sich schon vor ein paar hundert Jahren ganz ähnliche Gedanken wie Du
machte. ("Ich denke, also bin ich")
Chris
Die Frage ist nicht zu beantworten. Der Kern des Problems ist nicht
irgendeine objektive Eigenschaft der Wiese, also Wellenlänge, Rezeptoren
etc., sondern die subjektive, an die eigenen Nervenzellen gekoppelte
"innere" Wahrnehmung. Die Tatsache dass sie subjektiv ist, macht sie
nicht übertragbar und daher ist die Frage sinnlos. In etwa so sinnlos
wie die Frage, ob wenn man ein Auto auf ein Konto überweist, es immer
noch 6 l/100km verbraucht.
Ich glaube auch, dass das meiste antrainiert ist. Unsere Sinnesorgane
wurden "in der Produktion" ja nicht kalibriert und bei so
unterschiedlichen Elternteilen und Äusseren Einflüssen ist die Streuung
bei den Kindern sicher nicht unerheblich. Aber unser Gehirn kann ja dann
alles gemäss Instinkten und Gelerntem korrigieren (manchmal auch falsch;
Täuschungen).
Hab mich auch mal gefragt, wie für eine Katze wohl ein MP3 klingt, denn
da wird ja jegliche Information weggenommen, welche das menschliche
Gehör nicht wahrnemen kann um Daten zu sparen. Aber für eine Katze wären
vielleicht gerade diese relevant.
Nicht vor der Hand zu weisen ist noch die Tatsache, dass gewisse
Menschen die Projektion eines DLP-Projektors nicht ansehen können, da
das Bild/Farbmischung nicht homogen scheint. Das zeigt schon, dass die
"Streuung" bei den Menschen nicht unerheblich ist.
>Warum also sollten wir Farben unbedingt gleich empfinden?
Es ist bereits wissenschaftlich erwiesen, dass die Farbwahrnehmung
individuell ist. Das heisst der eine empfindet ein Grün heller, dunkler,
gleichmässiger usw. als der jeweils andere.
aha wrote:
> Die Frage ist nicht zu beantworten. Der Kern des Problems ist nicht> irgendeine objektive Eigenschaft der Wiese, also Wellenlänge, Rezeptoren> etc., sondern die subjektive, an die eigenen Nervenzellen gekoppelte> "innere" Wahrnehmung. Die Tatsache dass sie subjektiv ist, macht sie> nicht übertragbar und daher ist die Frage sinnlos. In etwa so sinnlos> wie die Frage, ob wenn man ein Auto auf ein Konto überweist, es immer> noch 6 l/100km verbraucht.
Das Beispiel ist natürlich falsch.
Selbst, wenn die Frage nicht beantwortbar wäre, wäre sie noch lange
nicht sinnlos (so wie Dein Konstrukt).
Die Frage zielt ja genau auf die subjektive Wahrnehmung ab und nur, weil
wir sie heute noch nicht beantworten können, heisst das nicht, dass es
keine Antwort gibt.
> Es geht darum, ob der Seheindruck "Grün", der in meinem Gehirn> gespeichert ist, auch das Grün ist, das andere sehen.
Hab ich mich auch schon gefragt. Was für mich eher für eine gleichartige
Farbwahrnehmung spricht: Es herrscht einigermassen Konsens darüber,
welche Farben zusammenpassen und welche nicht. Selbiges gilt auch für
Helligkeit und Auffälligkeit von Farben. Das bedeutet zumindest, dass es
über die Menschen hinweg einige Konstanten in der bewussten
Farbwahrnehmung gibt.
Man kann die Frage aber auch ausdehnen: Wie nehmen wir unterschiedliche
Geräusche wahr? Interessant ist da die sogenannte Synästhesie:
Sinneseindrücke eines Sinnes lösen im Bewusstsein auch Reize anderer
Sinne aus: Gewisse Menschen sehen beispielsweise zu Tönen oder Wörtern
ganz explizit auch Farben oder Formen. Somit ist immerhin bewiesen, dass
gleiche Sinnesreize bei verschiedenen Personen zu einer
unterschiedlichen Wahrnehmung führen können.
mr.chip wrote:
> Hab ich mich auch schon gefragt. Was für mich eher für eine gleichartige> Farbwahrnehmung spricht: Es herrscht einigermassen Konsens darüber,> welche Farben zusammenpassen und welche nicht.
Das dürfte aber auch mehr ein kulturelles Phänomen sein.
In meiner Jugend war einhelliger Konsens: blau und grün zusammen geht
gar nicht (in der Mode). Heute ist das kein Problem.
Was für mich auch immer interessant ist: Wie das Gehirn die fehlende
Information mitten in unserem Blickfeld ergänzt (Stichwort: Blinder
Fleck). Das funktioniert anscheinend bei allen Menschen zumindest
ähnlich (wenn nicht sogar gleich). Es gibt eine Unmenge an optischen
Täuschungen die darauf beruhen. Wer das mal probieren will: Nachts, wenn
die Sternlein leuchten, mal rausgehen. Einen nicht zu hellen Stern
aussuchen und direkt anschauen. Er ist sofort weg. Das Gehirn
entscheidet anscheinend, dass es wahrscheinlicher ist, dass an dieser
Stelle im Bild der dunkle Nachthimmel sein müsste als der schwache Punkt
vom Stern. Sieht man dann ein bischen am Stern vorbei, ist er plötzlich
wieder da. Ist für angehende Amateurastronomen gar nicht so einfach
dieses 'indirekte Sehen' zu lernen, weil man automatisch einen
Gegenstand auf den man sich konzentriert in die Mitte des Blickfelds
rückt.
> Oder gibt es irgendwelche Beweise, dass sich jeder die Farben gleich> vorstellt.
Nein. Google mal nach dem Begriff "Qualia". Das von dir formulierte
Problem ist ein uraltes philosophisches Problem und kann aus
prinzipiellen Gründen nicht gelöst werden.
Sag ich doch! Auch die Hoffnung auf noch nicht bekanntes Wissen wird
nicht helfen bei Fragen auf die noch nichtmal die Art der Antwort zu
skizzieren ist. Die Antwort ist transzendent und daher ist die Frage
Käse.
> Die Antwort ist transzendent und daher ist die Frage Käse.
Gäbe es nur Leute mit dieser Einstellung, völlig ohne Entdeckergeist,
Forschungsdrang und Motivation, befänden wir uns noch vor der Steinzeit.
Na, ob Farbesehen immer mit Rezeptoren und Wellenlängen erklärbar ist,
ist zu bezweifeln. Ich denke schon, daß jeder Mensch z. B. die Farbe rot
anders wahrnimmt, der Begriff "rot" dazu aber durch die Eltern gelehrt
wird.
Beispiele gegen gleiches Farbsehen bei allen Menschen sind
Synästhetiker. Die sehen Farben, wenn sie Klänge hören. Wie will man das
durch Wellenlängen und Rezeptoren im Auge erklären?