Künstliche Alterung von Bauteilen -> hat das Sinn

Gast #1181908
Hallo Leute

Habe von einem Kunden den Auftrag bekommen, ein Mischpult zu bauen , das 
ausschlieslich analog betrieben wird und (jetzt komms) mit 
Germaniumtransistoren.
Nun sind die GE-Transen noch erhältlich, weisen aber eine große Streuung 
bezüglich HFE und Leckstrom auf.

Ist es sinnvoll, ältere Ge-Transen zu nehmen, um ein Steigen des 
Leckstroms während der Zeit zu verhindern?

Wenn das Altern eine Auswirkung hat, kann ich die Transistoren selbst 
künstlich altern lassen?

Wenn ja , wie?

Dankeschön für eure Antworten im Vorhinein.

Bitte nur ernstgemeint Antworten, und nicht solche wie: "bei 90 Grad für 
2 Stunden kochen, anschließend in kaltem Wasser abschrecken"
#1181936
Die künstliche Voralterung besteht normalerweise darin, daß das Gerät in 
einem Wärmeschrank für 48 oder 72 Stunden bei erhöhter Temperatur 
betrieben wird. Dies wird gemacht, um die Ausfälle in der ersten 
Betriebszeit gezielt abzufangen. Es ist schon ärgerlich, wenn 
Schaltgeräte in der Endkontrolle laufen und 2 Wochen später beim Kunden 
ausfallen.

Mir stellt sich allerdings die Frage: Warum Germaniumtransistoren?
Neuware aus aktueller Produktion gibt es nicht, was man noch bekommt, 
ist steinalt und mitunter mit Problemen behaftet, z.B. 
Tinwhisker-Problem beim OC170. Hochwertige OpAmps wären meine Wahl, 
damit sind Rauschabstände über 100 dB möglich. Sauber designtes Layout 
vorausgesetzt. Aber das gilt auch für Transistorschaltungen.

> Nun sind die GE-Transen noch erhältlich, weisen aber eine große Streuung
> bezüglich HFE und Leckstrom auf.
Du mußt selektieren, damit die Kanäle gleich sind. Eine leichte Drift in 
der Stromverstärkung wird vom Emitterwiderstand abgefangen, verglichen 
mit Röhren ist die Alterungs-Drift auch bei GE-Transistoren sehr gering.
Gast #1181940
Künstlich altern lassen kannst du sie in dem du sie in eine 
Testbeschaltung laufen lässt bei der nach Möglichkeit immer nacheinander 
alle Arbeitsbereich durchfahren werden und das lässt du dann ein paar 
Tage oder Monate rund um di e Uhr laufen.
Gast #1181983
> Also bringt mior die künstliche Alterung nichts, oder?

Doch, du kannst damit sogenannte Frühausfälle reduzieren. Aber für die 
Daten der Transistoren macht es wenig Sinn. Falls die Schaltung nach 
einer Woche stirbt, kannst du es ja auf die Ge-Trans. schieben...
Gast #1182014
Welchen Sinn kann das haben die Vorgabe zu machen ausschließlich 
Germanium Transistoren zu benutzen?

Verstehe den Sinn dahinter nicht. Vorschnell würde ich diese Anforderung 
als Kokolores ignorieren. Denn ich denke so ein Gerät ist für den Kunden 
eine
Blackbox wo vorne was reinkommt und hinten was anderes rauskommt.
Das ganze muss bestimmten Parametern genügen. Der Preis spielt noch eine 
Rolle. Ob ich das dann intern mit einem Quantencomputer, einem OP, einem 
DSP oder einem Bratwürstchen mache interessiert doch eigentlich gar 
nicht.

Vermutlich hat der Kunde selber keine Ahnung was er für Anforderung 
stellen muss um ein bestimmtes Ergebnis zu erzielen.
Aus meiner Erfahrung kann ich nur sagen, nochmal nachhaken und nach dem 
Grund für diese Germaniumanforderung fragen. Wenn dann nur irgendwelche 
schwammigen Argumente rüberkommen, würde ich dem Kunden empfehlen sich 
jemand anderes zu suchen. Aus eigener schmerzlicher Erfahrung weiß ich, 
dass man mit solchen Leuten nur Ärger hat weil die immer was zu meckern 
haben, aber weder ein Lastenheft schreiben noch ein Pflichtenheft lesen 
können.

Gruß

Mandrake
#1182079
Wenn natürlich eine Firma tatsächlich diese Dinger noch produziert, dann 
ist das Fertigungsverfahren natürlich modern und Probleme früherer Art 
kein Thema mehr.

Mandrake schrieb:
> Welchen Sinn kann das haben die Vorgabe zu machen ausschließlich
> Germanium Transistoren zu benutzen?
Das einzige, was ich mir vorstellen kann, daß der Kunde ein ganz 
bestimmtes Klangbild erzielen möchte. Es gibt da z.B. recht einfache, 
aber sehr wirkungsvolle Gitarrenverzerrer, da sind 2, 3 
Germaniumtransistoren drin, diese Schaltungen erzielen einen sehr 
typischen weichen Verzerrungseinsatz, wie er mit Siliziumtransistoren 
nicht erreichbar ist.

Auch in normalen Audiostufen verhalten sich Germaniumtransistoren durch 
die flachere Kennlinie anders, der Klang ist dann auch anders. In so 
einem Fall erübrigt sich natürlich jeder Hinweis auf moderne Bauteile, 
da muß dann einfach Germanium rein.

Gruß
Jadeclaw.
Gast #1182080
Künstliche Alterung im Wärmeschrank ist ja wissenschaftlich gesehen 
durchaus interessant, hat aber wenig mit der Realität gemeinsam.

Mein kuriosester Fall war ein kleiner Ge-Transistor mit Loch im 
Glasboden. Er fiel durch besonders schönes Rauschen und stark 
schwankenden Reststrom auf.

In frühen Jahren der Raumforschung machte die Putzfrau "den 
Alterungstest" mit einem Sieb im heißen Wasser. Dann wurden nach einigen 
Tagen/Wochen diese Transistoren nochmals gründlich gemessen und die 
Nieten aussortiert.

Es lohnt sich Reststrom und Stromverstärkung im hohen Alter nochmals zu 
messen. Oft wird h21e weniger. Nur die Diodenstrecken zu prüfen ist 
zwecklos!
Gast #1184561
Also funktioniert das mit dem Transistor "kochen" wirklich ???
Wielange müsste ich sie bei einer gewissen Temperatur "weich" werden 
lassen??
Gibt es irgendwelche Formeln / Erfahrungen zu diesem Thema ??

Ich messe den HFE händisch um den Leckstrom auszuklammern. Wirkt ja der 
Verstärkung entgegen.
Gast #1188265
Ich habe meine Bauteile früher immer bei 80 Grad für ca. 8 Stunden 
geköchelt.
Dabei wird die Sperrschicht von Ge-Transistoren erheblich beansprucht.
Ausfälle war ab und zu mal dabei.
#1188342
@Jadeclaw Dinosaur (jadeclaw)

>Auch in normalen Audiostufen verhalten sich Germaniumtransistoren durch
>die flachere Kennlinie anders, der Klang ist dann auch anders. In so
>einem Fall erübrigt sich natürlich jeder Hinweis auf moderne Bauteile,
>da muß dann einfach Germanium rein.

Naja, durch ne entsprechende Gegenkopplung kann man auch bei Silizium 
die Kennlinie verschleifen und damit einenähnlichen, bzw.praktisch 
gleichen Effekt erzielen.

MFG
Falk

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