Hallo Leute
Habe von einem Kunden den Auftrag bekommen, ein Mischpult zu bauen , das
ausschlieslich analog betrieben wird und (jetzt komms) mit
Germaniumtransistoren.
Nun sind die GE-Transen noch erhältlich, weisen aber eine große Streuung
bezüglich HFE und Leckstrom auf.
Ist es sinnvoll, ältere Ge-Transen zu nehmen, um ein Steigen des
Leckstroms während der Zeit zu verhindern?
Wenn das Altern eine Auswirkung hat, kann ich die Transistoren selbst
künstlich altern lassen?
Wenn ja , wie?
Dankeschön für eure Antworten im Vorhinein.
Bitte nur ernstgemeint Antworten, und nicht solche wie: "bei 90 Grad für
2 Stunden kochen, anschließend in kaltem Wasser abschrecken"
Wenn du davon ausgehen kannst, dass die Gehäuse deiner Transistoren
dicht sind, dann brauchst du da nichts künstlich zu altern -- zumal
sie ja bereits ganz natürlich ,,gut abgehangen'' sein werden. ;-)
Die künstliche Voralterung besteht normalerweise darin, daß das Gerät in
einem Wärmeschrank für 48 oder 72 Stunden bei erhöhter Temperatur
betrieben wird. Dies wird gemacht, um die Ausfälle in der ersten
Betriebszeit gezielt abzufangen. Es ist schon ärgerlich, wenn
Schaltgeräte in der Endkontrolle laufen und 2 Wochen später beim Kunden
ausfallen.
Mir stellt sich allerdings die Frage: Warum Germaniumtransistoren?
Neuware aus aktueller Produktion gibt es nicht, was man noch bekommt,
ist steinalt und mitunter mit Problemen behaftet, z.B.
Tinwhisker-Problem beim OC170. Hochwertige OpAmps wären meine Wahl,
damit sind Rauschabstände über 100 dB möglich. Sauber designtes Layout
vorausgesetzt. Aber das gilt auch für Transistorschaltungen.
> Nun sind die GE-Transen noch erhältlich, weisen aber eine große Streuung> bezüglich HFE und Leckstrom auf.
Du mußt selektieren, damit die Kanäle gleich sind. Eine leichte Drift in
der Stromverstärkung wird vom Emitterwiderstand abgefangen, verglichen
mit Röhren ist die Alterungs-Drift auch bei GE-Transistoren sehr gering.
Künstlich altern lassen kannst du sie in dem du sie in eine
Testbeschaltung laufen lässt bei der nach Möglichkeit immer nacheinander
alle Arbeitsbereich durchfahren werden und das lässt du dann ein paar
Tage oder Monate rund um di e Uhr laufen.
Der Kunde wünscht auschlieslich Ge-Transen.
AC128 werden hersgestellt von zb.: http://www.semelab.co.uk/magnatec/
Läuft sogar seit 2 Tagen wieder eine Produktion für ein paar Chargen.
Also bringt mior die künstliche Alterung nichts, oder?
> Also bringt mior die künstliche Alterung nichts, oder?
Doch, du kannst damit sogenannte Frühausfälle reduzieren. Aber für die
Daten der Transistoren macht es wenig Sinn. Falls die Schaltung nach
einer Woche stirbt, kannst du es ja auf die Ge-Trans. schieben...
Welchen Sinn kann das haben die Vorgabe zu machen ausschließlich
Germanium Transistoren zu benutzen?
Verstehe den Sinn dahinter nicht. Vorschnell würde ich diese Anforderung
als Kokolores ignorieren. Denn ich denke so ein Gerät ist für den Kunden
eine
Blackbox wo vorne was reinkommt und hinten was anderes rauskommt.
Das ganze muss bestimmten Parametern genügen. Der Preis spielt noch eine
Rolle. Ob ich das dann intern mit einem Quantencomputer, einem OP, einem
DSP oder einem Bratwürstchen mache interessiert doch eigentlich gar
nicht.
Vermutlich hat der Kunde selber keine Ahnung was er für Anforderung
stellen muss um ein bestimmtes Ergebnis zu erzielen.
Aus meiner Erfahrung kann ich nur sagen, nochmal nachhaken und nach dem
Grund für diese Germaniumanforderung fragen. Wenn dann nur irgendwelche
schwammigen Argumente rüberkommen, würde ich dem Kunden empfehlen sich
jemand anderes zu suchen. Aus eigener schmerzlicher Erfahrung weiß ich,
dass man mit solchen Leuten nur Ärger hat weil die immer was zu meckern
haben, aber weder ein Lastenheft schreiben noch ein Pflichtenheft lesen
können.
Gruß
Mandrake
Wenn natürlich eine Firma tatsächlich diese Dinger noch produziert, dann
ist das Fertigungsverfahren natürlich modern und Probleme früherer Art
kein Thema mehr.
Mandrake schrieb:
> Welchen Sinn kann das haben die Vorgabe zu machen ausschließlich> Germanium Transistoren zu benutzen?
Das einzige, was ich mir vorstellen kann, daß der Kunde ein ganz
bestimmtes Klangbild erzielen möchte. Es gibt da z.B. recht einfache,
aber sehr wirkungsvolle Gitarrenverzerrer, da sind 2, 3
Germaniumtransistoren drin, diese Schaltungen erzielen einen sehr
typischen weichen Verzerrungseinsatz, wie er mit Siliziumtransistoren
nicht erreichbar ist.
Auch in normalen Audiostufen verhalten sich Germaniumtransistoren durch
die flachere Kennlinie anders, der Klang ist dann auch anders. In so
einem Fall erübrigt sich natürlich jeder Hinweis auf moderne Bauteile,
da muß dann einfach Germanium rein.
Gruß
Jadeclaw.
Künstliche Alterung im Wärmeschrank ist ja wissenschaftlich gesehen
durchaus interessant, hat aber wenig mit der Realität gemeinsam.
Mein kuriosester Fall war ein kleiner Ge-Transistor mit Loch im
Glasboden. Er fiel durch besonders schönes Rauschen und stark
schwankenden Reststrom auf.
In frühen Jahren der Raumforschung machte die Putzfrau "den
Alterungstest" mit einem Sieb im heißen Wasser. Dann wurden nach einigen
Tagen/Wochen diese Transistoren nochmals gründlich gemessen und die
Nieten aussortiert.
Es lohnt sich Reststrom und Stromverstärkung im hohen Alter nochmals zu
messen. Oft wird h21e weniger. Nur die Diodenstrecken zu prüfen ist
zwecklos!
Also funktioniert das mit dem Transistor "kochen" wirklich ???
Wielange müsste ich sie bei einer gewissen Temperatur "weich" werden
lassen??
Gibt es irgendwelche Formeln / Erfahrungen zu diesem Thema ??
Ich messe den HFE händisch um den Leckstrom auszuklammern. Wirkt ja der
Verstärkung entgegen.
Ich habe meine Bauteile früher immer bei 80 Grad für ca. 8 Stunden
geköchelt.
Dabei wird die Sperrschicht von Ge-Transistoren erheblich beansprucht.
Ausfälle war ab und zu mal dabei.
@Jadeclaw Dinosaur (jadeclaw)
>Auch in normalen Audiostufen verhalten sich Germaniumtransistoren durch>die flachere Kennlinie anders, der Klang ist dann auch anders. In so>einem Fall erübrigt sich natürlich jeder Hinweis auf moderne Bauteile,>da muß dann einfach Germanium rein.
Naja, durch ne entsprechende Gegenkopplung kann man auch bei Silizium
die Kennlinie verschleifen und damit einenähnlichen, bzw.praktisch
gleichen Effekt erzielen.
MFG
Falk