Billige Elektroprodukte - Wie geht das denn überhaupt?

#1206407
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Hallo zusammen,

gerade werden ja bei diversen Baumärkten und anderen Geschäften 
Solarleuchten 4 Stück für 10 Mäuse. Also nach Adam Riese 2.50 Euro. 
Jetzt vernachlässigen wir mal die Margen von Händlern und 
Zwischenhändlern und gehen davon aus dass der Produzent 2,50 Euro pro 
Lampe verdient.

Jetzt habe ich mal ein bischem im Kopf überschlagen
2x Mignionzelle: 40ct (also Stück 20 ct)
1x Solarpanel 1 Euro
1x Gehäuse 1 Euro

das heißt ja also das für Platine, Leutdiode und Co. 10 ct übrig 
bleiben. Geht das überhaupt? Mir ist klar, dass es die Menge macht und 
primitivste Fertigung angewandt wird; aber irgendwie scheint mir das 
nicht möglich?

Ist jemand von euch bei den Massenproduktion tätig und kann mir verraten 
wie die das schaffen; denn ich sehe da kaum Margen.

Was ich auch nicht verstehe: Ein Atmel kostet bei Arrow und Co in großen 
Stückzahlen (ohne MwSt) mehr als ein Atmel bei Reichelt (mit MwSt). Gibt 
es dort die Rabatte nur auf Anfrage; oder wie schaffen das die Konzerne?

Hoffe ihr könnt ein bisschen Licht in die Sache bringen

Michael
Gast #1206489
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Man darf nicht davon ausgehen das 100% gute Bauteile verbaut werden. 
Deine Vergleiche schlagen somit fehl.

Ueblicherweise werden fuer solche "Produkte" Ausschusschargen 3. Wahl 
aufgekauft die die Hersteller anderweilig nicht mehr loswerden.

Leider geht es zunehmend nur noch darum den Eindruck eines 
funktionierenden Produkts zu erzeugen. Was nach 3 Wochen damit ist ist 
meist selbst dem Kaeufer egal.

Damit waeren wir bei:

2x Mignionzelle (innere Passivierung wurde vergessen, die Teile lecken 
nach 6 Monaten. Leider wurde dies erst durch die Stichprobenkontrolle am 
Ende der Produktionswoche festgestellt. Inzw. wurden 2.5 Millionen 
dieser Zellen gefertigt. Ware ist an die ueblichen Abnehmer nicht mehr 
verkaeuflich - man will ja gute Kunden nicht verlieren...): 2x 0.05 Euro 
(besser als Sondermuellgebuehren)

1x Solarpanel (durch einen Stablerfahrer wurden mehrere Paletten 
Prime-Yield Solarwafer aus dem Hochregallager gestossen. Ergebnis: 
Scherben. Zum Glueck zahlt die Versicherung. Der findige Controller 
verkauft den Container Solarscherben danach noch bei Alibaba. Der 
Kaeufer weiss wie er haendisch die Scherben zu kleinen Panels 
aufarbeiten kann): 0.20 Euro

1x Gehäuse (Kunststoff laesst sich mit beliebigen Fuellstoffen strecken. 
Wie es das Glueck will muessen gerade 10 Container Altreifen "entsorgt" 
werden. Da das Abmass des Gehaeuses Toleranzen von +/- 1mm vertraegt 
kann die Spritzgussform auch aus billigem Alu gemacht werden): 0.20 Euro

1x LED (Durch eine oefters vorkommende Verunreinigung des 
Halbleitermaterials sind mal wieder LED Chips produziert worden die von 
der  Wellenlaenge, Leuchtstaerke und Stromaufnahme ausserhalb der 
Spezifikation liegen. Nur durch Erhoehung des Stromflusses lassen sich 
akzeptable Leuchtstaerken erzielen, dies reduziert die Lebensdauer auf 
unter 100 Stunden. Der Hersteller hat aber bereits dankbare Abnehmer 
fuer diese "Randchargen" gefunden): 0.05 Euro

usw....

In Summe mit Verpackung und Produktion kommen wir auf einen 
Herstellungspreis von 1.20 - 1.50 Euro. Transport und 30% Haendlermarge 
machen den Rest.

Hoffe ich habe jetzt keinen desillusioniert :-)
(Firma: vyuxc) #1207309
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Michael H. wrote:
> Was ich auch nicht verstehe: Ein Atmel kostet bei Arrow und Co in großen
> Stückzahlen (ohne MwSt) mehr als ein Atmel bei Reichelt (mit MwSt). Gibt
> es dort die Rabatte nur auf Anfrage; oder wie schaffen das die Konzerne?

Der Einkäufer setzt einen Target-Preis und der Distri kann darauf 
einsteigen oder diesen unterbieten. Die Preise die sonst kursieren sind 
nichts wert, allenthalber die der Asien Distris, da dort die Preise 
gemacht werden.
Gast #1207684
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1. Billige Ware (2. / 3. Wahl)
2. Niedrigere Qualität ("Panelbruch" - so wie "Keksbruch")
3. Riesige Einkaufsmengen

Der dritte Punkt ist m.E. nach nicht zu unterschätzen. Habe bei 
Kunststoffgehäusen und Steckern selbst Bauklötze gestaunt, wie groß der 
preisliche Unterschied zwischen Abnahmemenge 10.000 und 1.000.000 ist...

Grüße,
TommyS

P.S.: Mein letzter USB-Hub (4 Port, passiv, USB 1.1, vollkommen 
ausreichend für Tastatur, Maus, etc.) hat mich 35 Cent gekostet. So viel 
zum Thema Massenproduktion (allerdings besser nicht nach RoHS etc. 
fragen).
#1207967
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Krass, ich hätte nie gedacht, dass man bei der Elektronik so stark 
pfuschen kann! Ich wusste garnicht dass es B- geschweige denn C-Ware 
gibt. Woran erkenn ich jetzt so ein Pfuschprodukt? (Und kommt mir nicht 
dem Preis, denn ich kann so eine Leuchte auch für 30 Euro bei gleicher 
Qualität verkaufen.)

Nur mal so aus Interesse: Gehen wir mal von nem Mega8 aus.
Spoerle will für den EXOBITANTE *3.58* , das überbietet ja noch 
Conradpreise.
Rein theoretisch, man nehme 1000 Stück ab, was würde man dann dafür 
zahlen? Kann jemand mal ein Beispiel machen wie bei Stückzahlen die 
Preise purzeln?
#1208040
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Hi!

Man hat mir beim Distri in Shanghai folgendes genannt:

ATMEGA 8, Dual Inline Package
1.000 Stück: 7,90 RMB (also rund 86 Cent)
10.000 Stück: 6,50 RMB (rund 71 Cent)
50.000 Stück: 5,90 RMB (rund 65 Cent)

Wenn man dann Transport, Handling, Steuern und evtl. anfallenden Zoll 
draufrechnet, halte ich den Preis von Reichelt, RS etc. für realistisch.

> Woran erkenn ich jetzt so ein Pfuschprodukt?

An der Kennzeichnung bei einem ehrlichen Händler...

Grüße,
TommyS

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