Ein sehr guter Artikel.
Ja, man entdeckt nun den "ehrbaren Kaufmann" wieder. Weil uns eben doch
nicht alle Elemente dieses Wesens ausgetrieben worden sind hält sich die
Krise bei uns im Gegensatz zu den angelsächsischen Ländern doch in
Grenzen.
Man erkennt so langsam die Absurdität des bisherigen Vorgehens: zum
einen verwendete man bei jedem Auftrag Unmengen an Geldern für Juristen,
um einen dicken Vertrag abzuschließen, wobei beide Seiten sich mit
Grundintention belauerten wie Tiger, die aneinander vorbeischleichen
wollten.
Die einen machen ein Angebot, von dem sie wissen daß sie es so nicht
erfüllen können und setzen auf Nachverhandlungen, die anderen denken an
ein Schnäppchen und Kostenoptimierung.
Von vornherein war man sich im innersten einig, daß am Ende ein
Rechtsstreit über die (Nicht)erfüllung stattfinden wird, der beide
Seiten wieder Unmengen an Kosten einbringen wird.
Verloren haben beide - der eine bekommt sein Geld nicht, der andere sein
Produkt nicht.
Nun entdeckt man, daß dies eigentlich ganz einfach zu umgehen ist: Indem
man einfach das liefert was verabredet war.
Diese Werte sind auch als Maßstab ganz nützlich, indem sie Blendwerke
erkennen lassen.
Ich bin dem Himmel dankbar, daß ich bei der 2000er-Blase von Anfang an
ein komisches Gefühl hatte - ich konnte mir einfach nicht erklären, was
die Substanz an diesen gewaltigen Kurssteigerungen sein sollte.
Einige meiner Kommilitonen erklärten mich für verrückt, als ich in
dieser Zeit lieber in ein Auto statt in Aktien investierte. Sie redeten
schon gar nicht mehr mit Normalsterblichen - die hätten den Kauderwelsch
des Blendwerks eh nicht mehr verstanden.
Am Ende standen sie als Studenten mit einigen hunderttausend Euro
Schulden da und waren froh, daß ich ihnen ein "Fluchtauto" zum Umzug in
eine andere Stadt anbieten konnte.