Hallo!
Ich soll eine Schaltung entwickeln, die die Augenstellung erfassen kann.
Dazu gibt es ein Verfahren, das ein Elektrodenpaar pro Auge vorsieht (um
die Horizontalbewegung zu erfassen). Das Auge arbeitet dabei wie ein
Dipol, so dass über den Elektroden eine Gleichspannung abhängig von der
momentanen Augenstellung abgegriffen werden kann.
Die Spannung an den Elektroden ist allerdings sehr klein und befindet
sich im Bereich von 0 V bis wenigen hundert µV. Selbstverständlich darf
das Signal so gut wie gar nicht belastet werden.
Aus diesem Grund will ich einen hochwertigen Instrumentenverstärker
benutzen, einen aktiven Filter, um hochfrequente Störungen
herauszufiltern und 1-2 weitere Verstärkerstufen, um das Signal in den
Volt-Bereich zu verstärken. Das gleiche Prinzip wird auch bei EEG- und
EKG-Signalen angewendet und von daher glaube ich, dass ich eine ähnliche
Schaltung auch für meinen Fall verwenden kann. Hier auf dieser Seite
gibt es einen Schaltungsentwurf für ein EEG-System:
http://openeeg.sourceforge.net/doc/modeeg/modEEGamp-v1.0.png
Nach der Verstärkung soll die Spannung mit einem externen 16-Bit-ADC
digitalisiert und einem Mikrocontroller zur Verfügung gestellt werden.
Nun zum eigentlichen Problem:
Mir stehen nur 2 Spannungen für meine Schaltung zur Verfügung: 3,3 V und
12 V (asymmetrisch)
Jetzt könnte ich natürlich meinen Instrumentenverstärker mit 3,3 V
betreiben und den Referenzpunkt auf 1,65 V legen, so dass ich nach der
Stufe einen maximalen Signalhub von 1,65 V um 1,65 V nach oben und nach
unten habe. Die EEG-Schaltung arbeitet ja genau so, nur mit einer
höheren Spannung.
Jetzt dachte ich mir nur, dass es evtl. wegen Störungen vorteilhafter
wäre, wenn ich eine größere Spannung für den Instrumentenverstärker und
die darauf folgenden Stufen verwenden würde. Immerhin reden wir hier ja
von Spannungen im unteren µV-Bereich.
Ist die Überlegung erstmal so weit korrekt, oder haben gute
Instrumentenverstärker bzw. Opamps dieselben Eigenschaften bei kleinen
und bei großen Spannungen?
Ich wollte jedenfalls die Spannung dann auf 12 V erhöhen, so dass ich
einen Signalhub von 6 V statt 1,65 V habe. Aber problematisch wird es
dann bei der AD-Wandlung. Die meisten (alle?) ADCs wollen maximal mit 5
V betrieben werden. Dementsprechend wird natürlich auch die
Eingangsspannung auf 5 V begrenzt. In meinem Fall wohl auch eher auf 3,3
V, da ich 5 V gar nicht habe. Ich kann ja nun wohl schlecht mit einem
Opamp-Ausgang, der im schlimmsten Fall 12 V haben kann, auf den ADC
gehen, der nur mit 3,3 V betrieben wird. Das würde er wohl nicht lange
überleben. ;)
Ich könnte die Spannung natürlich mit einem Spannungsteiler
herunterteilen, aber das erscheint mir nicht sauber.
Ich würde eigentlich lieber mit nur einer Spannung arbeiten.
Nur frage ich mich eben, ob die 3,3 V reichen, um das verdammt winzige
Signal ausreichend zu verstärken.
Im Prinzip könnte ich natürlich mit einem DC/DC-Wandler mir eine weitere
Spannung generieren, aber optimal wäre es, wenn ich mit den Spannungen
auskäme.
Ich bedanke mich schon mal für Lesen und hoffe auf Antworten/Ideen.
Grüße,
André
Dein Ja bezieht sich auf meine Frage, ob ich die Schaltung komplett mit
3,3 V versorgen kann?
D.h. eine Spannungserhöhung auf 12 V würde mir nichts bringen?
Mir ist schon klar, dass das SNR eine große Rolle spielt. Bei idealen
Bauteilen würde die Versorgungsspannung ja auch keine Rolle spielen.
Nur dachte ich evtl. dass die (realen) Opamps/Instrumentenverstärker bei
höheren Spannungen evtl. besser arbeiten.
Hallo,
> Die Spannung an den Elektroden ist allerdings sehr klein und befindet> sich im Bereich von 0 V bis wenigen hundert µV. Selbstverständlich darf> das Signal so gut wie gar nicht belastet werden.
bist Du Dir sicher, daß ein normaler OPV nicht ausreicht? Oder müssen es
wirklich die 10^15 Ohm des INA116 sein? Schließlich sind die Elektroden
ja parallel zu Deiner Schaltung über das Gewebe miteinander elektrisch
verbunden.
> Aus diesem Grund will ich einen hochwertigen Instrumentenverstärker> benutzen, einen aktiven Filter, um hochfrequente Störungen> herauszufiltern und 1-2 weitere Verstärkerstufen, um das Signal in den> Volt-Bereich zu verstärken.
Hier ist zu beachten, dass die Instrumentenverstärker wie der INA116
gewöhnlich nicht Rail-to-Rail arbeiten, so daß es besser wäre, eine
symmetrische Versorgung des Verstärkers vorzunehmen; zumindest für einen
ersten Versuch.
Ich glaube, daß die DC-Offsetspannungen am Eingang des Verstärkers Dir
für Deine Anwendung möglicherweise mehr Probleme bereiten könnten als
der Eingangswiderstand. In diesem Zusammenhang könnte es sinnvoll sein,
nach sogenannten Zero-Drift-Amplifiern Ausschau zu halten bzw. direkt
den Eingang eines symmetrisch betriebenen Sigma-Delta-Wandlers zu nutzen
(sofern hochohmig genug).
> Nach der Verstärkung soll die Spannung mit einem externen 16-Bit-ADC> digitalisiert und einem Mikrocontroller zur Verfügung gestellt werden.
Du brauchst das Signal maximal einmal zu verstärken/puffern und kannst
es dann in einen rauscharmen Sigma-Delta-Wandler wie beispielsweise
ADS1232 einlesen. Derartige Wandler unterdrücken sowohl die
50Hz/60Hz-Netzstörungen, was vorteilhaft sein sollte.
> Mir stehen nur 2 Spannungen für meine Schaltung zur Verfügung: 3,3 V und> 12 V (asymmetrisch)
Das sind doch im jetzigen Stadium Deines Wissens nachrangige Fragen.
Nimm erstmal ein ordentliches stabilisiertes +/-Netzteil sowie lineare
Spannungsregler auf dem Board und finde heraus, welche Verstärker Du für
Deine Signale brauchst.
Gruß,
Michael
Naja, also der Eingangswiderstand dürfte in der Tat nicht das größte
Problem sein, wohl aber die Gleichtaktstörungen, die von den Elektroden
bzw. den Zuleitungen ausgehen. Integrierte Instrumentenverstärker haben
normalerweise ein wesentlich besseres CMRR, geringere Offset-Spannungen
und ein besseres Rauschverhalten, so dass eine integrierte Variante
sicherlich besser ist.
Als Instrumentenverstärker wollte ich eigentlich auch gar nicht den
INA114 nehmen wie in dem EEG-Beispiel, sondern ich dachte da eher an den
AD627B oder an den AD8220. Das sind auch Rail-To-Rail-Typen.
Nach Zero-Drift-Verstärkern halte ich mal Ausschau. Spontan habe ich den
OPA333 gefunden, der sich für die Weiterverarbeitung des Signals
(Filterung, weitere Verstärkung) sicherlich gut eignet.
Aber mal grundsätzlich:
Der von dir vorgeschlagene ADC wird ja auch nur mit einer relativ
geringen Versorgungsspannung von max. 5,3 V betrieben. Also wäre es doch
sinnlos, von vornherein die Verstärkerstufen mit 12 V zu betreiben, da
ich wegen des ADCs ja gar nicht in den Spannungsbereich kommen darf.
D.h. wenn ich den ADC mit 5 V betreiben sollte, kann ich die
Verstärkerstufen davor auch max. mit 5 V betreiben, oder? Alles andere
wäre meines Erachtens sinnlos.
Grüße,
André
Hallo André,
> Aber mal grundsätzlich:> Der von dir vorgeschlagene ADC wird ja auch nur mit einer relativ> geringen Versorgungsspannung von max. 5,3 V betrieben. Also wäre es doch> sinnlos, von vornherein die Verstärkerstufen mit 12 V zu betreiben, da> ich wegen des ADCs ja gar nicht in den Spannungsbereich kommen darf.> D.h. wenn ich den ADC mit 5 V betreiben sollte, kann ich die> Verstärkerstufen davor auch max. mit 5 V betreiben, oder? Alles andere> wäre meines Erachtens sinnlos.
der ADS1232 hat beispielsweise einen Vorverstärker v=128 integriert.
und erreicht sehr große Meßgenauigkeiten.
Das Eigenrauschen liegt beispielsweise bei 250nVpp bei der maximalen
Abtastung von 80 Samples pro Sekunde.
Ich denke, er könnte alleine schon zur Detektion reichen; das kannst Du
aber besser abschätzen anhand von:
- Eingangsstrom (unterer nA-Bereich)
- Common Mode Rejection (was hier ja auch nicht schlecht ist)
- Nichtlinearität
- Rauschen
Das Ding dabei ist jedoch: Der Wandler arbeitet nur ordentlich, wenn
beide Eingangsspannungen sich etwa im Bereich (VCC-VDD)/2 bewegen. Also
wäre die Überlegung, daß Du diesen Wandler mit +/-2.5V betreibst.
Zu Deiner ganz allgemeinen Frage: Nein, ein OPV rauscht nicht
grundsätzlich weniger, wenn Du ihn mit 12 V statt mit 3.3V betreibst.
Das ist relativ egal. Die Frage der Aussteuerung an Ein- und Ausgang ist
wichtiger.
In Deinem Fall ist die wichtigste Frage: Arbeitet der Verstärker noch
ordentlich, wenn Du die Differenz aus U1=10µV und U2=0 detektieren
willst, Du als unterste Versorgungsspannung aber 0V hast.
Wenn Du so extrem nah an den Rails bist und nur sehr kleine Signale
hast, kann die Frage schon entscheidend werden. Ich würde dem Verstärker
in einem solchen Fall im ersten Anlauf +/-2.5V geben.
Gruß,
Michael