Hallo,
ich habe eine eher theoretische Frage zu Beschleunigungssensoren. Ich
möchte mit einem Beschleunigungssensor die Beschleunigung eines
Schlittens in Fahrtrichtung messen, der eine schiefe Ebene
hinunterfährt. Durch die Neigung des Sensors beeinflusst nun aber die
Erdbeschleunigung das Messergebnis. Gibt es eine Möglichkeit, wie ich
aus der gemessenen Beschleunigung die Beschleunigung in Fahrtrichtung
ermitteln kann?
Viele Grüße
Stefan
2-Achsen Beschleunigungssensor? Die eine Achse senkrecht zum Untergrund,
die andere Achse parallel zur Bewegungsrichtung... der Rest müsste klar
sein ;)
Hoffentlich habe ich jetzt nach dem ersten Weißbier keinen Denkfehler
drin
;o)
Wenn die Erdbeschleunigung und die Neigung bekannt oder fix sind, kann
man das mit trigonometrischen Funktionen korrigieren.
Ansonsten siehe meinen Vorposter.
Wenn's um einen richtigen Schlitten im Schnee geht, warum dann nicht
gleich einen Drei-Achsen-Sensor? Auf 'ner Bob-Bahn könnte sich das gut
machen.
Angenommen, ich habe einen 2-Achsen Beschleunigungssensor mit einer
Achse senkrecht zum Untergrund und einer Achse parallel zur
Bewegungsrichtung. Ist dann die Beschleunigung in Fahrtrichtung die
Beschleunigung von der Achse parallel zur Bewegungsrichtung + oder - die
Beschleunigung von der Achse senkrecht zum Untergrund?
Wie genau funktioniert denn die Korrektur über trigonometrische
Funktionen bei einem Sensor?
Übrigens geht es tatsächlich um einen Rodelschlitten auf einer Bob-Bahn.
Der Sensor in Vorwärtsrichtung mißt schon die Beschleunigung in
Fahrtrichtung. Nue setzt sich diese Beschelunigung zusammen aus einem
Anteil der Erdbeschleunigung und der Änderung der Geschwindigkeit.
Solange man wirklich nur eine schiefe ebene hat, könnte man wohl noch
etwas korrigieren, aber wenn die Bahn gebogen ist, kann man so ohne
weiteres die Beschleunigungen nicht mehr auseinander halten. Da brüchte
man dann schon eine komplette Trägheitsnavigation mit 3 Achen
Beschleunigungssensoren und Gyroskopen um die sich ändernde Richtung mit
zu bekommen.
Die vermutlich einfachere Lösung wäre eine direkte Wegmesssung, z.B.
Optisch wie bei einer optischen Maus.
Vielen Dank für die Tipps! Mir fehlen leider noch Grundlagen, wie man
aus den Outputdaten mehrerer Sensoren die tatsächliche Beschleunigung in
Fahrtrichtung berechnet, oder machen das die
2/3-Achsen-Beschleunigungssensoren schon automatisch?
Habt ihr dazu Internetlinks mit Erläuterungen oder Buchempfehlungen?
>Habt ihr dazu Internetlinks mit Erläuterungen oder Buchempfehlungen?
Aber klar doch, für dich haben wir alles:
http://de.wikipedia.org/wiki/Mathematik
Wie gut, dass du uns hast.
Ja gut, ich denke, darüber bin ich schon hinaus.
Mir ist nur nicht klar, was so ein Beschleunigungssensor tatsächlich
misst. Wenn ich z.B. einen Beschleunigungssensor festhalte und er nach
unten zeigt, dann bekomme ich die Erdbeschleunigung. Wenn ich ihn
loslasse, dann zeigt er 0 m/s² an, weil die Kraft die außen und innen am
Sensor wirkt, gleich ist.
Wenn der Sensor nun auf einem Schlitten eine schiefe Ebene
hinunterfährt, ist mir nicht klar, welche Kräfte außen und innen am
Sensor wirken, d.h. wie ich die gemessene Beschleunigung interpretieren
muss.
Ok, ich erklär vielleicht einfach mal genauer was ich mir überlegt
hatte.
Ich habe nur einen Beschleunigungssensor, der auf dem Schlitten
angebracht ist. Vom Beschleunigungssensor wird die gemessene
Beschleunigung während der gesamten Fahrt die schiefe Ebene herunter
aufgezeichnet. Ich benutze dann die (verfälschte) gemessene
Beschleunigung, um die Geschwindigkeit und den Weg durch Integration zu
berechnen. Aufgrund der Differenz von berechnetem und tatsächlich
zurückgelegtem Weg berechne ich dann ein Korrekturbeschleunigungsoffset,
d.h. dieses Offset wird zu jedem gemessenen Beschleunigungswert addiert.
Erhalte ich dadurch einigermaßen vernünftige Werte für Beschleunigung
und Geschwindigkeit?
Stefan schrieb:
> aufgezeichnet. Ich benutze dann die (verfälschte) gemessene> Beschleunigung, um die Geschwindigkeit und den Weg durch Integration zu> berechnen.
Das Thema kommt hier so oft auf, dass man es nicht für möglich halten
sollte. Und die Antwort ist immer die Gleiche:
Es geht nicht.
> Erhalte ich dadurch einigermaßen vernünftige Werte für Beschleunigung> und Geschwindigkeit?
Nein.
Zuallererst musst du deine Lage im Raum kennen. Erst dann kannst du die
Erdbeschleunigung heruasrechnen. Aber selbst dann hast du noch ein
Problem. Durch die doppelte Integration geht jeder Messfehler, den du
unweigerlich hast, quadratisch in die errechnete Position ein, sodass
dir dein Aufbau nach 3 Minuten meldet, du wärst in Grönland.
Stefan schrieb:
> Mir ist nur nicht klar, was so ein Beschleunigungssensor tatsächlich> misst.
Im Grunde misst er die Kraft, die auf eine Probemasse einwirkt.
Stell dir ein Gewicht an einer Spiralfeder aufgehängt vor. Die
Auslenkung der Feder ist ein Mass für die Kraft.
Stefan schrieb:
> Wie genau funktioniert denn die Korrektur über trigonometrische> Funktionen bei einem Sensor?
Simple Mathematik. Rechtwinkliges Dreieck, Sinus, Cosinus.
In deinem Fall hast du die Resultierende aus einer Vektoraddition, und
willst die erzeugenden Vektoren ermitteln.
Das ist der leichte Teil. Der schwierige Teil ist die Ermittlung der
Lotrechten.
Magnus Müller schrieb:
> Hoffentlich habe ich jetzt nach dem ersten Weißbier keinen Denkfehler> drin
Du hast während des Weißbiertrinkens schon einen Fehler gemacht ;)
SCNR
Gut, stimmt dann die Formel: sin alpha = a_h / a_ges ?
Dabei ist alpha der Steigungswinkel, a_ges die gemessene
Gesamtbeschleunigung und a_h die tatsächliche Beschleunigung?
Habe das in
www.fh-bielefeld.de/filemanager/download/6829/MST_2008_1b.pdf Seite 2
gefunden.
Ich weiß nicht, warum genau Du diese Messungen machen möchtest, aber
vermutlich möchtest Du einfach mehr oder weniger beeindruckende und/oder
nützliche Daten über die Kräfte und Bewegungen des Bobs während seiner
Fahrt erfassen, entweder zur reinen Darstellung, oder zur Vermessung
einer Bahn, als Hilfe zum Design eines besseren Bobs, aus medizinischen
Gründen o.ä. Vermutlich kommt es dabei auf eine höchstpräzise,
ultrawissenschaftliche Kalibrierung gar nicht so an.
Ich würde Dir daher vorschlagen, Dir einfach mal so einen
3-Achsen-Beschleunigungssensor zu besorgen, den an einen Datenlogger mit
AVR anzuschließen, in einen Bob so einzubauen, dass die 3 Achsen mit den
Hauptachsen des Bobs ausgerichtet sind, und mal zu messen, was Du da für
Daten erhältst. Dann würde ich die Daten der drei Achsen als drei simple
Kurven über die Zeit auftragen, und ich bin sicher, dass Du damit dann
schon irgendwie weiterkommst. Entweder gibt es Dir schon die
Informationen, die Du suchst, oder Du wirst wahrscheinlich sehen, was Du
daran noch verbessern musst, oder vielleicht siehst Du, dass es für das,
was Du eigentlich willst, in der Form sowieso nicht geeignet ist, hast
daran aber einiges gelernt.
Das Problem mit der Erdbeschleunigung würde ich einfach mal ignorieren.
Solange die Masse z.B. am Startpunkt feststeht, wird sie ja auch nicht
beschleunigt. Natürlich wirkt die Erdbeschleunigung insofern, als die
Masse (z.B. wir Menschen auf der Erde) sich nicht tangential von der
Erde in den Weltraum hinein wegbewegt. Aber in erster Näherung wird Dein
Sensor bei einer feststehenden Masse als Beschleunigung wahrscheinlich
einfach Null anzeigen. Wenn sie fällt, dann wird sie mit der
Erdbeschleunigung beschleunigt, und dann siehst Du diese in den Daten.
Also mein Tipp, zergrübel Dir nicht allzusehr der Kopf, sondern bau das
einfach mal auf, dann siehst Du ja, was das bringt. Irgendwelche
interessanten Ausschläge auf den Kurven wirst Du schon entdecken und die
Fahrt daran nachvollziehen können.
Du kannst die Werte auch ruhig mal integrieren, um die Geschwindigkeit
und sogar den Weg abzuschätzen. Bei der Programmierung kostet sowas ja
nicht viel Zeit, man kann es mehr oder weniger "mal eben einbauen". Bei
einer Bob-Bahn ist der Weg ja sogar bekannt, womit Du das Integrat --
;-) das Ergebnis der Integration -- nämlich kalibrieren könntest, und
die Fahrt dauert ja auch meist nur sehr kurz, so dass die Auswirkungen
von Messfehlern eh überschaubar sind, aber die so erhalten Ergebnisse
eben doch nützlich sein können. Du willst damit ja schließlich nicht wie
Columbus über den Atlantik steuern.
Ich denke, das ist eine interessante Anwendung für so einen Sensor,
praktisch wie dafür geschaffen.
Du könntest außerdem noch ein GPS-Modul einbauen, wenn Du Daten für
Position und Geschwindkeit haben möchtest, z.B. wenn der gefahrene Weg
nicht immer derselbe ist (freie Strecke, verschiedenen Bob-Bahnen o.ä.)
oder Du gleichzeitig die Strecke selbst mit vermessen möchtest.
Die Genauigkeit bei heutigen Sensoren liegt so bei 3 Metern, wobei des
GPS-Modul aber den Himmel sehen können muss (was bei einer Bob-"Röhre"
evtl. nicht immer ausreichend gegeben ist, aber auch da würde ich sagen,
das muss man ausprobieren).
PJ schrieb:
> Aber in erster Näherung wird Dein> Sensor bei einer feststehenden Masse als Beschleunigung wahrscheinlich> einfach Null anzeigen. Wenn sie fällt, dann wird sie mit der> Erdbeschleunigung beschleunigt, und dann siehst Du diese in den Daten.
Es müsste eher andersherum sein. Steht das Objekt, wird der Sensor eine
Beschleunigung von 1g (bzw. -1g) anzeigen. Wenn es im freien Fall ist,
dann zeigt es 0g an.
Zumindest bei einem MEMS Beschleunigungssensor. Vergleichbar der Feder
mit Probemasse (wie schon genannt wurde).
Meinetwegen :-)
Dann könnte man so ein Dingens also kalibrieren, indem man es hin und
her wendet.
Aber dennoch würde ich bei so einem Projekt einfach mal loslegen. Die
Werte kann man dann hinterher immer noch korrigieren, sofern das
überhaupt erforderlich ist.
Man kann viele interessante Versuche nämlich auch zerreden,
totdiskutieren und verschrecktheoretisieren.
Lieber mal mit der ersten Iteration eines Aufbaus anfangen.
Oh, nicht das das jetzt in die falsche Kehle gekommen ist.
Klar kann man einfach loslegen und aufbauen.
Auch ein Experiment, bei dem sich hinterher herausstellt, dass es so
nicht funktioniert, ist ein wertvolles Experiment.
Kommt immer drauf an, ob man etwas ausprobieren möchte, oder ob
letztendlich das Experiment nur ein Mosaikstein auf dem Weg zu einer
echten Problemlösung ist.
wenn die schiefe Ebene gleichmäßig "schief" ist, könnte man ja auch den
Sensor so anbringen, dass er nicht geneigt ist, sich also in der Waage
befindet... Gruß Strabe