Hallo,
ich bin auf der Suche nach ICs für Set-Top Boxen àla STi7109 oder
NXP8329. Der Chip sollte ein HDMI Interface nach draussen haben und
zumindest zwei Videodatenströme verarbeiten können. USB, Ethernet und
ein SATA Interface wären auch ein Gag.
Weiss jemand, welche ICs es gibt und wo man die in Einzelstückzahlen
herbekommen kann? Zu den oben angegeben ICs sind Datenblätter und
Bezugsquellen scheinbar nicht aufzutreiben.
Gruß, Lars
>Zu den oben angegeben ICs sind Datenblätter und Bezugsquellen scheinbar>nicht aufzutreiben.
Das ist normal. Alles nur über NDA. Als Privatperson dürfte das SEHR
schwer werden.
Passt zwar nicht zur Frage, aber ich würde sowas mit einem embedded PC
realisieren. Man kann dann auch auf standardmässige Betriebssysteme wie
Windows oder ein Linux-Derivat zurückgreiffen und braucht sich im
Wesentlichen nur noch um die Applikation selber zu kümmern.
Lars Thalheim schrieb:
> ich bin auf der Suche nach ICs für Set-Top Boxen àla STi7109 oder> NXP8329. Der Chip sollte ein HDMI Interface nach draussen haben und> zumindest zwei Videodatenströme verarbeiten können. USB, Ethernet und> ein SATA Interface wären auch ein Gag.
Muss es unbedingt single-chip sein? Heutige SoCs für MID sind sehr
leistungsfähig und low-power (falls das ein Kriterium sein sollte).
Ich denke da z.B. and TI OMAP oder Frescale i.MX Prozessoren mit etwas
zusätzlicher HW. Siehe beispielsweise http://www.beagleboard.org/
Zwei Videodatenströme in welchem Frame Format und welcher Codierung?
Gruß
Marcus
http://www.doulos.com/arm/
Vielen Dank für die Anregungen.
Ich habe mir schon fast gedacht, dass diese Chips mal wieder nicht frei
zu bekommen sind. Da muss man offensichtlich mal wieder in die
Trickkiste greifen...
Nachdem ich mir erfolgreich ein ARM7 Developmentboard gebaut habe,
wollte ich mir jetzt ein Video Developmentboard selbst bauen. Und da ist
mir der STi7109 aufgefallen. Wäre ja zu schön, wenn man sowas bekommen
könnte.
Nun gut. Dann muss ich mal sehen, wie man das Ganze umschiffen kann.
> ...dass diese Chips mal wieder nicht frei zu bekommen sind.
Warum sollte man auch Unsummen in ein halbwegs sicheres Schloss
investieren und dann die Schlüsselrohlinge frei an potenzielle Diebe
verkaufen?
MfG
"ich bin auf der Suche nach ICs für Set-Top Boxen àla STi7109 oder
NXP8329" ....."Zu den oben angegeben ICs sind Datenblätter und
Bezugsquellen scheinbar nicht aufzutreiben."
Kann man so nicht nachvollziehen.
Mit Google hab ich zumindest eine pdf.File (Datasheet) zum STi7109 nach
ein paar Minuten gehabt.
Zum NXP8329 gibt es auch etliche Trefferanzeigen unter Google. Jedoch
weder Datasheet noch Bezugsquellen.
Ich will die Chips ja nicht klauen.
Und wenn das Kopierschutzgerümpel im Chip integriert ist, dann läßt sich
dieses auch kaum umgehen, wenn ich meine eigene Hardware drumherum baue.
Ganz im Gegenteil. Wenn es mein Ziel wäre einen Chip zum umgehen von
Kopierschutzmechanismen zu nutzen, dann würde ich den Chip mit einem
FPGA nachbauen, bzw. ein eigenen Chip in Software stricken.
Mit dieser Politik jedoch bleibt mir jetzt nur noch genau das übrig: die
Logik in einem FPGA zu implementieren. Das hat aber Nachteile für mich
UND für die Industrie.
1) Der Chiphersteller könnte ganz lässig mit jedem verkauften Chip auch
die Lizenzgebühren für MPEG En-/Decoder, HDMI, etc. kassieren. Baue ich
mir einen eigenen Chip, gehen dem Konsortium diese Lizenzgebühren
flöten. Und diese sind von mir als Privatperson auch kaum einklagbar.
Wenn der Chip 150€ kosten würde, dann würden mich auch die 15€
Lizenzkosten nicht abhalten.
2) Angenommen 100000 begeisterte Hobby-Elektroniker können nun NICHT mit
dem Chip experimentieren, dann wird auch keiner dieser 100000
Hobby-Elektroniker diesen Chip jemals professionell einsetzen.
3) Ich muss mich jetzt mit einer Technik beschäftigen, mit der ich mich
nicht beschäftigen wollte; nämlich mit FPGAs. Vielleicht komme ich dabei
aber auf den Geschmack. Und vielleicht fallen mir Wege auf, mit denen
ich gleich den Kopierschutz umgehen kann. Hätte ich den fertigen Chip
kaufen können, dann müsste ich mich nicht mit den Details beschäftigen
und dann würde ich vielleicht nicht auf die Idee kommen. Wer weiss...
Na ja. Mal sehen was ich jetzt mache...
Momentan bin ich dabei eine fertige Set-Top Box auszusuchen, die den
entsprechenden Chip enthält. Dann muss ich vielleicht mal wieder meinen
Debugger und Disassembler aktivieren.
Franz schrieb:
> Kann man so nicht nachvollziehen.> Mit Google hab ich zumindest eine pdf.File (Datasheet) zum STi7109 nach> ein paar Minuten gehabt.
Du meinst aber nicht das Werbegeplänkel von der ST-Website, oder? Das
ist die Zusammenfassung. Ich brauche mehr als nur das Blockschaltbild
und Infos über die verfügbaren Packages.
Vielleicht hast Du was interessanteres gefunden?
Franz schrieb:
> Mit Google hab ich zumindest eine pdf.File (Datasheet) zum STi7109 nach> ein paar Minuten gehabt.
Na ja. Ob man auf neun Seiten die Information bekommt, die nötig ist,
um ein komplettes System hochzuziehen...
Troll Blaubär schrieb:
> Warum sollte man auch Unsummen in ein halbwegs sicheres Schloss> investieren und dann die Schlüsselrohlinge frei an potenzielle Diebe> verkaufen?
Das wird nicht der Grund sein. Eine Box kann man auch hacken, ohne die
SoC einzeln zu bekommen.
Die Organisationen, die in signifikanter Stückzahl STB Plagiate
herstellen, holen sich die Chips nicht beim Händler und vor allem nicht
einzeln. Oft macht man sich gar nicht die Mühe Plagiate herzustellen
(zumindest was die PCBs angeht), sondern zweigt gleich beim Hersteller
ab.
Es ist meines Wissens eher so, dass die Lizenzabkommen mit den
Rechteverwaltern die Hersteller dieser SoC für Missbrauch durch deren
Kunden verantwortlich machen, und die wiederum die PCB Hersteller, usw.
Daraus ergibt sich eine Vertragskette, die auch ohne Bastelkunden schon
umständlich genug ist.
Gruß
Marcus
http://www.doulos.com/arm/
> die Lizenzgebühren für MPEG En-/Decoder
Nö, da gibt es keine, du darfst dir davon soviel entwerfen und
programmieren, wie du willst. Du musst aber pro Ein- oder Ausgang eines
Programm- oder Transportstromes eine mäßige Gebühr abdrücken.
> 2) Angenommen 100000 begeisterte Hobby-Elektroniker können nun NICHT mit> dem Chip experimentieren, dann wird auch keiner dieser 100000> Hobby-Elektroniker diesen Chip jemals professionell einsetzen
Es fällt bereits Profis (zu denen ich mich jetzt mal zähle) nicht ganz
leicht, so einen bereits fertigen Schaltkreis zum Funktionieren zu
bewegen.
Das Problem für den Hobby-Elektoniker dürfte die fehlende Messtechnik
sein.
Wenn der Hobbytroniker diese Technik hat, dann hat er sein Hobby ohnehin
schon längst zum Beruf gemacht.
PS: Als Firma bekommt man über seinen Disti üblicherweise problemlos
Zugang zu dem Schaltkreisen und Dokumentationen (teilweise über NDA).
Die fertige STB sieht zwar primitiv und einfach aus. Daraus allerdings
zu schlussfolgern, dass man das als Hobbytroniker auch in den Griff
bekommt,
dürfte eine grandiose Überschätzung der eigenen Fähigkeiten sein!
Meine Empfehlung: erst mal an "einfachen" Objekten üben: digitaler
Farbbalken- und Mustergenerator für SDTV/HDTV (brauchst du dann
sowieso), dann einen MPEG-Encoder (brauchst du auch) und ann
weitermachen.
Zunächst einmal das negative... leider...
Das mit dem Lizenz-Geprassel ist viel schwieriger als man denkt, denn
auch die Hersteller dieser Chips sind an Lizenzen gebunden. Diese
lizenzen fordern gerne, dass der Verwender des Chips bereits im Besitz
von entsprechenden Lizenzen sein muss. So kann man Dobly-Decoder nicht
kaufen, wenn man keine Dolby-Entwickler Lizenz hat.
Ist eine Weile her, aber ich habe über ein Jahr lang regen Mailverkehr
mit Dolby gehabt, um eine Entwickler-Lizenz zu bekommen, weil ich mir
einen eigenen Dolby-Decoder / Receiver bauen wollte. Ohne die Lizenz
habe ich von keinem der namhaften Hersteller einen Decoder Chip
bekommen.
Nach einem Jahr bekam ich dann vom damaligen Dolby CEO die freundliche
Mitteilung, dass man niemals eine Entwickler-Lizenz an eine Privatperson
herausgeben wird.
Letztendlich habe ich durch berufliche und Messekontakte dann doch ein
paar Muster abstauben können...
Dann noch ein weiteres:
Später habe ich dann beruflich mit diversen A/V Lizenzen gearbeitet und
natürlich auch die entsprechenden Berechtigungen/Lizenzen erhalten. Wenn
man sich die NDAs dafür durchliest, fühlt man eine schwere Bleikugel am
Fußgelenk. Jedoch sollen diese NDAs vor allem dafür sorgen, dass einem
der Arbeitgeber entsprechende Sicherungsmöglichkeiten für Schlüssel und
Code zur Verfügung stellt. D.h. PGP-Laufwerke u.s.w. Es ist also eher
als Firmenhaftung und nicht als persönliche Haftung zu verstehen.
Wenn man jetzt als Privatperson diese NDA unterzeichnet, dann sitzt man
mit voller Haftung drinn. Da braucht es nur einen pfiffigen Hacker, der
etwas zu viel veröffentlicht und man wird direkt zuerst mal bei den
ganzen Privaten nachsehen, wer da geplaudert hat.
Ich würde mir diesen Schuh nicht anziehen wollen. Die jüngere
Vergangenheit zeigt ausführlich, dass die ganzen medialen Konzerne
sinnlos aber mit voller Kraft zuschlagen. Und selbst wenn der nachweis
erbracht wurde, dass die Geheimnisse nicht von beklagter Privatperson
veröffentlicht wurden, ist sie nach den ganzen Anwaltskosten
privatinsolvent.
Selbst wenn alles reibungslos verläuft muss man sich immer die
Lizenzmodelle vor Augen halten:
1) Lizenzgebühr für die Entwicklungsberechtigung
2) Lizenzgebühr für die Verwendung eines Chips, der eine bestimmte
Fähigkeit hat, selbst wenn man sie nicht nutzt
3) Lizenzgebühr für die Nutzung der Fähigkeit
4) Gebür für Zulassung (Logo-Zertifizierung)
4) Lizenzgebühr für das Logo auf dem Gerät
Das ganze gibt es dann noch in unterschiedlichen Geschmacksrichtungen,
also Lizenz pro Gerätetyp oder pro gefertigtem Gerät oder pro verkauftem
Gerät und Lizenzpflicht desjenigen, der eine Entwicklung zu einem Gerät
vervollständigt...
Willst Du Dir das wirtklich antun?
Es ist bei keinem anderen kommeziellen CoDec so einfach wie der Kauf
eines VS10xx und MP3, wo die Lizenzgebühren über VLSI pro Chip abgedeckt
sind. Und selbst hier kommt es nicht von ungefähr, dass alle von
Zeitschriften veröffentlichten Projekte die WMA Fähigkeit des VS105x
stillschweigend übergehen, denn dann hat man das volle oben aufgeführte
Programm mit den Lizenzen am Bein.
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Nun noch etwas positives, äh, je nachdem, wie man es sieht :)
Die Hersteller verkaufen nicht nur einen Chip an ihre Kunden, sondern am
Anfang komplette Devel-Kits. Diese sind mit mehr oder weniger offenem
Quellcode ausgerüstet und tun schon einmal das, wofür der Chip gedacht
ist. Je nach Hersteller kann man nun viel oder wenig in der Software
verändern. Bei einem TI oder ST Chip lässt sich durch die Plattform
einiges machen und man erhält recht brauchbare SDKs. Bei Chips von ESS /
Mediatec kann man gerade mal zwischen ein paar VFD Displays wählen und
sein eigenes Hintergrundbild und die Farbgestaltung verändern. Das ist
alles. Es gibt keine Quellcodes von CoDecs oder System-Engine.
Erhält man Teile des Codes nach langem Kampf dann doch, so muss man
feststellen, dass er nahezu unlesbar ist, weil 100 Chinesen ohne
Coding-Rules oder Guidelines darin herum programmiert haben.
Tja, das war das Prositive... Was ebenfalls zu der Frage führt, ob man
sich das antun will. Ich habs gemacht und kann nur sagen, ich war jung
und brauchte das Geld :) Jetzt sind die Haare grau...
Gruß, Ulrich
Wunderbar. Erstmal vielen Dank für die Hinweise.
Das man eine STB nicht an einem Wochenende aufbaut ist mir schon klar.
Mir geht es eigentlich darum, eine Entwicklungsplatform zu haben auf der
alle möglichen (üblichen) Schnittstellen zur Verfügung stehen. Dann hat
man mal ein Projektchen, das den HDMI Ausgang benutzt. In einem anderen
Projekt versucht man sich mal an einem DVB-C Empfänger. Im nächsten
Projekt versucht man dann mal ein DVD-Laufwerk anzusteuern.
Ich möchte mit dieser Lösung nur vermeiden, dass ich für jedes einzelne
Projekt jeweils ein neues (eigenes) Developmentboard braucht, wenn es
auch mit einem einzigen geht.
Mit Set-Top-Chips rumzuspielen ist für einen Hobbyentwickler aussichts-
bzw. sinnlos, selbst mit perfekter Dokumentation und fertiger Hard- und
Software-Entwicklungsumgebung vom Hersteller. Besorg dir das schon
erwähnte BeagleBoard, und sag Bescheid wenn du dort alle Schnittstellen
durch hast :)
Ach so, habe ich vergessen zu sagen: Die Fujitsu-SmartMPEG-Scvhaltkreise
"include an ARC RISC CPU (@130.5MHz),".
Dafür darf man dann die Lizenzen, den Quellcode, irgendwelche weiteren
Softwareteile (Entwicklungsumgebung etc.) bei Drittanbietern einkaufen -
lag irgendwo weit über 5000 €. Ich ließ es sein.
@Ulrich:
Das war der Einblick, den ich brauchte, um von der Sinnlosigkeit des
Unterfangens überzeugt zu werden.
@Alle
Das Beagleboard sieht ganz gut aus. Vielleicht gebe ich dem mal einen
Versuch.
Vielen dank nochmal...