Hallo,
also zuerst mal ein paar INfos von mir.
Ingenieur E-Technik
16 Jahre in der Entwicklung
in 4 verschiedenen Firmen gearbeitet, viele kennengelernt.
alle Firmen im Bereich 20....200 Mitarbeiter, also Mittelstand.
Probleme auf die ich immer wieder komme:
---------------------------------------------
- keine oder fast keine Projektpläne,
- kein Tracking und Info System zu Projekten
- überhaupt keine Planung in der embedded Software
- kein vernünftiges Informationssystem für Entwicklungskosten/ Zeiten
- keine sauberen definierten Prozesse und Milestones
Ich finde gerade im kleinen bis mittleren Mittelstand gibt es in
den o.g. Bereichen große Lücken.
Im Großunternehmen, oder im großen Mittelstand dagegen habe ich
gerade in den organisatorischen Bereichen und im Prozess klare
Pluspunkte gefunden. Gut, die haben natürlich auch Geld um sich
entsprechende Tools und auch Schulungen zu leisten.
Aus meiner Sicht und meinen Recherchen wäre hier auf jeden Fall
Potential für eine entsprechendes Softwarepaket, natürlich bezahlbar
für kleine Unternehmen. Es gibt unendlich viele Ingenieurbüros!!!
bitte das ganze Thema nicht verwechseln mit
- Bugtracking (z.B. Redmine)
- Versionserwaltung
- und ERP Systemen, da gibt es genügend und auch gute Sachen.
Ich sehe das Tool in Bereich Prozessmanagement und die Vernetzung
verschiedener Standardlösungen.
Wie seht Ihr das ganze Thema?
Gibt es Interessenten / mögliche Partner umso ein Thema anzugehen.
Im ersten Schritt in einer Community/Forum oder Verein. Was sich
vielleicht daraus ergibt wird man sehen.
Gruss
Karl-Heinz
"Im Großunternehmen, oder im großen Mittelstand dagegen habe ich
gerade in den organisatorischen Bereichen und im Prozess klare
Pluspunkte gefunden."
So kann man es auch ausdrücken.
Tatsächlich dürfte die Wahrheit schon irgendwo in der Mitte liegen. Wenn
man vor lauter Planung keine Änderungen mehr machen kann, weil das die
Planung über den Haufen werfen würde, hat man nichts gewonnen.
Das Leben ist nun mal chaotisch.
Gruss
Axel
Ich kann das nur so bestaetigen...
Die letzten zwei Firmen (ca. 50 Leute) hatten all das nicht... Hardware
ist durch Zuruf am Telefon erstellt worden... kein Pflichtenheft...
Software genauso... obwohl der Proframmierer ein guter ist und wusste
was gefragt und zu tun ist... dann noch eine PC Software mit
Datenbankinterface, GUI und Grafik... keine Doku vorhanden... auch alles
auf Zuruf...
Oh, Gott, was ich schon alles bei Entwicklern gesehen habe.
*Überhaupt keine Systemdokumente obwohl umfangreiche Projekte (ganz zu
schweigen von übersichtlicher Plannung bzw. Milestones etc.)
*Nur ein ausgedruckter Bestückungsplan mit markierten Bauteilen, das ist
schon alles an Dokumentation
*Wenn irgendwo Widerstand getausch wird, weiß keiner zwei Wochen später
warum
*Da werden Bauteile im Schaltplan ausgetauscht weil billige Alternative
da ist, keiner prüft die Kompabilität genau: weitere Probleme die Zeit
kosten
*Ein Oszilloskop für 20 Entwickler
*Keine Dokumentierung der Fehler: die haben alles irgendwie im
Kopf...lol
*Keine Meetings: keiner weiß was der Andere macht oder beide machen das
Gleiche
Unsere moderne Raubtieirtschaft bietet da eine ganze Bandbreite an
Perversitäten an
Hallo,
ich arbeite auch in einer Fa. < 50 Mitarbeiter und muss sagen dass es
bei uns sehr strukturiert zu geht. Wir entwicklen hauptsächlich für die
Automobilindustrie. Evtl. steigert das Anwendungsgebiet der SW/HW auch
die Ansprüche. Könnte mir vorstellen, dass es in der Medizintechnik und
Luftfahrt noch strenger zu geht.
Aus welchen Branchen stammen deine Erkenntnisse?
@Axel: Muss dir recht geben. Zu viel Dokumentation und nur Meetings sind
auch nicht optimal!
@Helmut Lenzen: Manchmal stimmt das. Ein gut kommentierter Quellcode ist
manchmal aufschlussreicher als eine Doku. Aber gerade bei großen
Projekten und zum schnellen Einstieg kann die Doku sehr hilfreich sein.
Kleine Firmen haben die Tools nicht weil sie kein Geld dafür haben,
sondern weil die Leute dort unstrukturiert arbeiten wollen.
Wenn man in so einer Firma solche tools einführen will, bricht sofort
ein Aufstand los. Egal wie gut das ist.
Und wenn man mal Struktur hineingebracht hat wird so gearbeitet, daß
diese sofort wieder Makulatur ist.
Meine Erfahrung.
White
karl-heinz schrieb:
> Probleme auf die ich immer wieder komme:> ---------------------------------------------> - keine oder fast keine Projektpläne,> - kein Tracking und Info System zu Projekten> - überhaupt keine Planung in der embedded Software> - kein vernünftiges Informationssystem für Entwicklungskosten/ Zeiten> - keine sauberen definierten Prozesse und Milestones
Na sowas. Das kenn ich doch. Aber wir bei Fraunhofer dürfen das ja auch.
:-P Das kreative Chaos halt.
Bin in einem großen Konzern, habe aber auch das Gefühl, dass in den
vielen kleineren und mittleren Projekten vieles kreuz und quer und
ziemlich unorganisiert läuft. Weiter oben werden natürlich auf
Gemeinkosten bis ins kleinste Detail Standardprozesse kreiert, optimiert
etc. Bis das alte jedoch mal halbwegs in der Basisarbeit implementiert
ist, steht schon wieder was komplett neues auf dem Programm. Was unten
dann ankommt sind eine Hand voll zentraler Milestones, die dann in MS
Project schön ausgeschmückt werden, um die Führungskräfte
zufriedenzustellen.
Kann mal jemand der weiß wie man dokumentiert sagen wie man es denn
richtig bzw besser machen könnte?
Ein wenig erkenne ich mich selbst hier wieder(habe zwar noch nicht mit
vielen Leuten an einem Projekt gearbeitet) aber das leidige Thema
Dokumentation macht mir auch immer zu schaffen(Das eine gute Doku für
einen selbst wichtig sein kann habe ich auch schon gemerkt wenn man
Quellcode mal ne Weile liegen läßt und sich dann wieder reeinfuchsen
muss)
Gibts für sowas Standardsoftware? Oder bedeutet Doku einen Text in Word
zusammenzuhacken
"Oder bedeutet Doku einen Text in Word zusammenzuhacken"
Vorher (also bevor Code geschrieben wird) schon.
Danach finde ich aber, dass der Code sauber dokumentiert sein muss. Und
es gibt natürlich ein paar Grundregeln. Habe mich gerade wieder durch
zwei Dutzend Dateien VHDl schlagen dürfen, bei der die Signalnamen durch
die verschiedenen Module gewechselt haben und kein Signal beschrieben
war.
Darf der Lieferant jetzt nachbessern. Habe die Schnautze voll.
Gruss
Axel
Für die Dokumentation des Codes selbst gibt es Tools wie Doxygen und
Javadoc. Natürlich muss man seine Module und Funktionen auch mit
vernünftigen
/** Quelltext-Kommentaren */
versehen - dazu sind viele Programmierer bekanntlich zu faul ;-)
Dann gibt es da noch die schriftliche Doku (z.B. als PDF) über das, was
die Software macht und wie sie zum Beispiel mit Gegenstellen Daten
austauscht. Also u.a. Beschreibung der Datenformate, vielleicht ein
Sequenzdiagramm um Abläufe zu verdeutlichen (UML ist halt schon zu was
gut).
Wenn man sich fragt: "Welche Infos wollte ich haben, wenn ich selbst
mich neu in diese Software einarbeiten wollte?" - dann kommt man schon
dahinter, was da reingehört.
MaWin schrieb:
>> Für die Dokumentation des Codes selbst gibt es Tools wie Doxygen und> Javadoc.>> Und Zitronenfalter falten Zitronen.
"Natürlich muss man seine Module und Funktionen auch mit
vernünftigen
/** Quelltext-Kommentaren */
versehen - dazu sind viele Programmierer bekanntlich zu faul"
Was an dem Satz war nicht zu verstehen? ;-)
Bei Software meinte ich ja noch nicht mal runter bis zum Source Code...
Wir haben ein Benutzerinterface welches schon erklaerungbeduerftig ist.
Seit kurzem gibt es ein Handbuch welches oberflaechlich das Program
beschreibt. Jedoch gibt es zur Zeit noch keine Erklaerungen warum welche
Einstellung zu taetigen ist und welchen Effekt das hat.
Geschweige denn das es ein ordentliches Lastenheft gibt...
Jedoch muss ich sagen das das Chaos oft auch einfach Jobs hervorbringt.
Eigentlich koennte unsere Firma mit ca. 30% weniger Leute auskommen...
OOOOH JAAA!
Das Thema kenne ich auch seit Jahren. Als Entwickler muss ich jedesmal
wieder fluchend feststellen, dass man einen Haufen Zeit und Ressourcen
sparen könnte, wenn man denn nur einmal anständig ein paar Tage in ein
Pflichtenheft oder eine Dokumentation stecken würde. Am Ende kostet der
Verzicht darauf oft viele Wochen an Zeit, die man sinnvoller verwenden
könnte und Nerven, die man mit unnötigem Krach belastet, weil am Ende
das nicht mehr gilt, was am Anfang so alles in den Raum geworfen wurde.
Da kann man sich ja dann auch viel einfacher vorwerfen lassen "..da
haben wir doch drüber gesprochen!", weil schriftlich nichts festgehalten
wurde!
Es geht hier nicht um Softwaretools, die man zur Projektverwaltung
nutzt, auch ist der Kostenfaktor seit Linux nicht mehr so das Problem,
ein SVN oder Apache usw. kann heute jede Fa. einsetzten.
Nöö, es geht einfach darum, dass Manager immer noch glauben, dass eine
anständige Projektplanung am Anfang eines jeden Projekts zu viel Zeit
und Geld kostet, die sie dann während und am Ende des Projekts
drauflegen müssen, weil man dann feststellt, dass es doch sinnvoller
gewesen wäre. Jedes Grundlagenkapitel über Software Engineering sagt
natürlich, dass eine gründliche Spezifikation und der Design Entwurf
mehr Zeit kostet als die Implementierung. Aber: WER WILL DAS DENN SCHON
HÖREN?
Ich kann nur sagen, dass ich in den letzten Jahren oft genug Krach mit
meinem Vorgesetzten hatte - GENAU DESWEGEN - und am Ende trotzdem
jedesmal recht hatte.
Ändert nix, als Entwickler ist man halt -sorry- der Arsch, oder "das
Kamel, auf dem die Kaufleute reiten"!
So,
genug gejammert, Hautpsache die eigentliche Entwicklerarbeit macht
Spass!
Deshalb mein Mitgefühl und mein Credo: "Wehrt euch! - anständig"
Gruss
Gunb
Daniel Duesentrieb schrieb:
> Jedoch muss ich sagen das das Chaos oft auch einfach Jobs hervorbringt.> Eigentlich koennte unsere Firma mit ca. 30% weniger Leute auskommen...
Na ich weiß nicht - sobald die Kaufleute mal anfangen, ihre "Prozesse"
einzuführen und zu pflegen, gehen diese 30% locker für den
Verwaltungs-Wasserkopf drauf. ;-)
funky schrieb:
> Kann mal jemand der weiß wie man dokumentiert sagen wie man es denn> richtig bzw besser machen könnte?
[...]
> Gibts für sowas Standardsoftware? Oder bedeutet Doku einen Text in Word> zusammenzuhacken
Software gibts für jeden Furz. Eine gute Entwicklerdoku erkennt man
daran daß sich ein projektfremder Entwickler kurz einlesen kann und das
ganze betreuen/weiterentwickeln kann.
Damian schrieb:
> vielfach wäre man ja schon froh, wenn am anfang eines projektes, der> umfange, oder das ziel halbwegs definiert wäre :-)
Kann ich nur zustimmen. Kein Pflichtenheft, was das Gerät können soll
wurde "mal eben telefonisch" geklärt, 5 Monate später kommt noch ne
größere Änderung, dazu Verwaltungschaos.
Unser Entwickler würde manchmal schon gerne in der Firmenzentrale etwas
aufräumen...
>Kann ich nur zustimmen. Kein Pflichtenheft, was das Gerät können soll>wurde "mal eben telefonisch" geklärt, 5 Monate später kommt noch ne>größere Änderung, dazu Verwaltungschaos.
Da gäbe es noch die Unterscheidung zwischen Lasten- und Pflichtenheft.
Normalerweise erstellt das Produktmanagement das Lastenheft. Im
Lastenheft stehen alle für's Produktmanagment wichtigen Eigenschaften
des Produktes.
Der Entwickler schreibt als Antwort auf das Lastenheft das Pflichtenheft
in dem er sich zur Umsetzung zu den aus dem Lastenheft gewünschten
Eigenschaften "verpflichtet", die technisch auch machbar sind.
Eselsbrücke:
- Das Lastenheft ist dem Entwickler eine Last.
- Er antwortet darauf mit dem Pflichtenheft ( wenn er schlau ist, mit
der kleinst möglichen Pflicht )
Wenn man mal von Produktion, Banken und Versicherungen absieht - viele
Software ist gar nicht lange genug im Einsatz, als daß man das Gefühl
bekäme, ein ordentliches Projekt hätte sich gelohnt.. Namche wird auch
nie fertig und wieder verworfen.. :-)
Wenn schon wenig Doku, dann macht ein gutes Design (best things are
always simple) - die Fehler am Projektanfang sind die teuersten in der
Behebung.