Ich habe hier etwa einen Liter verbrauchter Ätzlösung stehen. Laut
http://www.progforum.com/showthread.php?p=62050#post62050 kann man diese
nicht mehr regenerieren und ich muss sie entsorgen.
Ich habe mir überlegt, dass man diese verbrauchte Ätzlösung noch zum
verdicken der Kupferschicht von Platinen verwenden kann. Ich brauche das
als Kühlfläche für leds, für mosfets als Stromschienen usw.
Dazu ein paar Fragen:
- schadet das galvanisieren von Platinen meinem Ätzbad? Es ist noch
nicht total gesättigt, das ätzen dauert nur sehr lange.
- Tut es meinem Ätzbad gut, d.h. wird es sich eher verbessern?
- Kann man es vielleicht doch regenerieren? Z.B. mit H2O2?
- Welchen Strom sollte ich verwenden? Ich möchte eine möglichst
gleichmäßige Schicht. Reichen ~200mA/Europlatine für 24h?
Hi
Vergiss es. Handelsübliche saure Kupferbäder haben einen Kupfergehalt
von 20-30 g/l. Ausserdem müsstest du ca. 200-250 g/l Schwefelsäure
zugeben.
Du schaffst dir also nur zusätzliche Probleme.
MfG Spess
avion23 schrieb:
> Ich habe mir überlegt, dass man diese verbrauchte Ätzlösung noch zum> verdicken der Kupferschicht von Platinen verwenden kann. Ich brauche das> als Kühlfläche für leds, für mosfets als Stromschienen usw.
Dann nimm dickeres Material oder einen Kühlkörper.
Das Einzige, was du mit dem Kupfer in der Ätzlösung machen kannst
ist Ausfällen. Wenn du das dann genügend wäschst, kannst du es
vielleicht noch als Kupferschrott verkaufen.
Ich zweifle aber, ob der Aufwand für die geringen anfallenden Mengen
im Bastelstübchen auch nur ansatzweise lohnt. Ich würd's einfach
nur zur Chemikalienentsorgung geben, ordentlich beschriftet natürlich.
In einem Galvanisierbad steckt übrigens einiges an Knoffhoff drin,
damit die Schicht gleichmäßig, haltbar usw. aufgetragen wird.
Das Rauselektrolysieren wird wohl schon gehen. Das Problem dürfte das
gleichmäßige Wachsen der Schicht sein. Aber vielleicht einfach mal
ausprobieren und die Ergebnisse berichten. Es gibt immer Leute, die von
vornherein sagen, geht niemals, weil viel zu "kompliziertes Verfahren".
Die Industrie schreit immer gleich geht nicht- geh kaufen. Beispiel
Tonerverfahren zum Platinenätzen. Inzwischen benutze ich nur noch dieses
Verfahren.
Mich würde in diesem Zusammenhang auch interessieren, ob es möglich ist,
galvanisch zu ätzen. D.h man hat eine Elektrolytlösung HCl oder H2SO4,
in die man seine tonerbeschichtete Platine hängt, die gleichzeitig die
Kathode darstellt. Dann braucht man eine Anode, die Edler sein muss als
Kupfer, das wird ein Problem sein. Vielleicht verSilberert oder
verGoldet oder geht vielleicht auch Graphit?
Aus der Lösung holt man das Kupfer wieder durch Galvanisierung (Spannung
umpolen) wieder heraus.
Wäre doch auch ein nettes Antipisa-Experimentierfeld für die Schule in
der bislang der Leerplan von der Industrie vorgegeben wird, was
offensichtlich zur Verbödung führt.
min schrieb:
> Mich würde in diesem Zusammenhang auch interessieren, ob es möglich ist,> galvanisch zu ätzen.
Da wäre die Frage, wie du die Gegenelektrode bilden willst. Solange
das noch eine Fläche ist, kannst du das ja machen, aber sowie sich
Inseln bilden, fließt an einigen Stellen kein Strom mehr. Spätestens
dann müsstest du mit normaler Ätzbrühe zu Ende ätzen. Gemessen an
den paar Minuten ist dann die Frage, ob es den Aufwand für zwei Bäder
lohnt. Kontaktieren musst du die Fläche ja auch noch, und zwar so,
dass der Kontakt selbst dir nicht die Lösung versaut (also einfach
Anlöten geht nicht).
Vorsicht bei Experimenten mit H2SO4. Außer den üblichen Säure-
Vorsichtsmaßregeln dran denken, dass mit H2SO4 angesäuertes Wasser
sich elektrochemisch ganz prima zu Knallgas zersetzt...
@Jörg Wunsch: genau das sind die Probleme, die mir zwischenzeitlich auch
durch den Kopf gegangen sind.
Knallgas: Das ganze verhält sich wie ein Bleiakku beim Laden.
Trotzdem gekoppelte Recyklingprozesse sind die einzig sinnvolle Zukunft
in jeder Hinsicht- auch wenn die Industrie immer wieder predigt, so zu
konsumieren, das wir Muell produzieren, der ganz siecher irgendwo
endgelagert werden kann. Es geht dabei ja auch noch um Profite und
Steuern.
min schrieb:
> Trotzdem gekoppelte Recyklingprozesse sind die einzig sinnvolle Zukunft> in jeder Hinsicht-
Man muss die Chemie aber auch beherrschen, und das wird in aller Regel
nicht mit einer ad-hoc-Lösung in der Bastelstube sofort vernünftig
losgehen.
Man kann die Prozesse doch aber prima entkoppeln, da es ja offenbar
kein großes Problem ist, das Kupfer aus dem verbrauchten Ätzbad zu
fällen und dann zu recyclen. Ich bin mir da ziemlich sicher, dass
genau das am Ende auch mit der Brühe passiert, die man zur Entsorgung
gibt: die Kupferionen will niemand im Grundwasser haben, also schon
daher sollte das Cu erstmal raus.
Ich will ja nicht behaupten, dass man sowas nimmer nicht auch zu
Hause hin bekommen könnte, aber die Zeit, die man fürs Einrichten
der Prozessparameter investieren darf, dürfte sich da halt kaum
lohnen. Ich habe als Student neben den Chemikern eines Chemielabors
an der Uni gearbeitet (die waren im gleichen Zimmer wie ich): allein
die Beherrschung eines ,Standard'-Platinen-Galvanisierprozesses war
für jemanden, der diesen Prozess nur alle paar Wochen durchgeführt
hat, immer ein Wackelspiel. Ob die Palladiumaktivierung heute auch
funktioniert? Ob die Grundverkupferung dann klappt, ohne dass da
irgendwo Blasen in einem Loch bleiben?
Seither habe ich ein wenig mehr Respekt für die vielen kleinen Details,
die sich hinter derartigen Prozessen verstecken. Bereits ein paar
Krümel Verunreinigung können dir ein Galvanikbad nachhaltig versauen.
Mit Strohm ätzen, das geht problemlos, zahlt sich aber nur bei
entsprechender
Menge aus, und man braucht die 2cm Umrandung, sonst geht es nicht.
Sprich es geht gut, wenn man z.B. selbst durchkontaktiert, aber da hat
man
dann andere Möglichkeiten. Im Endeffekt braucht man ein entsprechendes
Layout,
damit das gut geht, aber es gibt auch SW, die entsprechend Atzlösung
spart.
Die letzten 2-4um muß man wegätzen, also bekommt man dann eine 28-30uM
Kupferschicht. Im Vergleich zur SW, welche Atzfläche optimiert, zahlt
sich das aber nicht aus.
Mit Sicherheit werden die Kupferionen oder andere Schwermetallionen
alkalisch ausgefällt. Das Problem ist halt, dass vor dem Recyceln alles
zusammengekippt wird, um dann später wieder getrennt zu werden. Vom
Aufwand ist das auch ein Verlustgeschäft, hat mir einmal der Herr vom
Recyclinghof erklärt. Leiterbahnen galvanisisieren ist sicherlich nichts
für den Hobbybereich, es fängt schon dort an, dass die Epoxyplatine
leitfähig beschichtet werden muss. Aber Platinen ätzen mit Strom, werde
ich vielleicht mal probieren.
min schrieb:
> Das Problem ist halt, dass vor dem Recyceln alles> zusammengekippt wird, um dann später wieder getrennt zu werden.
Würde mich ziemlich wundern, der Herr im Recyclinghof war mir letztens
sehr dankbar, dass ich meine Flaschen alle beschriftet habe. Ich hatte
zumindest den Eindruck, dass sie für die schwermetallhaltige Brühe
irgendwas separates haben.
Alles an Schwermetallionen wird zusammengekippt, war bei uns an der Uni
genauso. Schwermetalle und organische Lösungsmittel wurden jeweils in
einem Kanister gesammelt. Die TA hat dann irgendwann mal den ganzen
Kanister mit Phenol und Chloroform in den Abguss geleert. War eine
Riesensauerei, aber in einem Labor, wo mit gentechnisch veränderten
Organismen gearbeitet wird, kann sowas schonmal passieren. Die
Überstände von GVO-Kulturen werden auch
unsteriliert mitsamt den Antibiotika-Resistenzgenen in den Abguss
geleert.
> Wäre doch auch ein nettes Antipisa-Experimentierfeld für die Schule in> der bislang der Leerplan von der Industrie vorgegeben wird, was> offensichtlich zur Verbödung führt.
geführt hat: deine Vorschläge sind totaler Mist, aber du weisst ja alles
besser als "die Industrie" oder erfahrene Galvaniker. Du bist dir ja
noch nicht einmal über die Polung galvanischer Bäder im klaren, da
erübrigt sich jede Diskussion mangels gemeinsamer Grundlage.
Reinhard Kern