Zu den Rigols:
So schlecht, wie der Firmensitz (China) vermuten lässt, sind die Rigols
gar nicht. Das denken nur die Profis, weil sie noch nie damit gearbeitet
haben, sondern von ihren betuchten Arbeitgebern mit High-End-Teks,
-LeCroys und -Agilents verwöhnt werden, von denen du den Preis gar nicht
wissen willst.
Vergleicht man aber ein Rigol mit einem Tek derselben Klasse (TDS2xxx),
wird man feststellen, dass das Rigol günstiger ist, mehr Speicher und
ein besseres Display hat. Evtl. hat auch das Tek außer dem Namen ein
paar Vorteile, diese sind aber nicht so offensichtlich.
Vergleicht man ein Rigol hingegen mit einem LeCroy derselben Klasse,
wird man feststellen, das es diese Klasse dort gar nicht gibt. Da muss
man schon eine oder zwei Stufen höher einsteigen.
Vergleicht man ein Rigol schließlich mit einem Agilent derselben Klasse,
wird man feststellen, dass man es hier ebenfalls mit einem Rigol zu tun
hat, das nur etwas getarnt wurde und nicht einmal mehr ganz auf dem
Stand der Technik ist.
Zum Vergleich analog <-> digital:
Es ist ein Irrglaube, dass analoge Signale fast immer periodisch und
digitale fast immer aperiodisch sind.
Bei einem analogen Regler wirst du mit dem Analogoszi nicht viel messen
können. Auch ein Audioverstärker ist an sich nichts periodisches. Er
liefert nur deswegen ein mit dem Analogoszi messbares Signal, weil man
einen "Trick" anwendet und ihn entgegen seiner eigentlichen Bestimmung
nicht mit Musik, sondern einem periodischen Eingangssignal speist.
Das geht aber in vielen Fällen auch bei Digitalschaltungen. Besonders
einfach sind periodische Verhältnisse zu erreichen, wenn etwas
programmierbares (Mikrocontroller oder PC) Bestandteil der Schaltung
ist. So kann man bspw. eine serielle Schnittstelle ganz leicht auf ihre
Funktion testen, indem man per Software in regelmäßigen Zeitabständen
das gleiche Byte sendet. Hat das Analogoszi eine Delay-Funktion, kann
man bei einer periodisch gesendeten Folge von mehreren unteschiedlichen
Bytes auch das letzte noch in voller Bildschirmgröße in Augenschein
nehmen oder die gesamte Bytefolge vergrößert auf dem Bildschirm
durchscrollen. Noch komfortabler geht dies, wenn das Oszi eine zweite
Zeitbasis hat¹.
Das Analogoszi ist allerdings an seinem Ende angelangt, wenn man selten
auftretende Ereignisse, wie bspw. eine Spannungsspitze, die maximal alle
10s oder noch seltener auftritt, erfassen möchte. Das Speicheroszi wird
zu diesem Zweck einmal scharf gemacht, und einige Zeit später kann man
sich die Spitze in Ruhe anschauen.
Mit dem Analogoszi kann man aber viel leichter kleine Unregelmäßigkeiten
im Signal, bspw. Übernahmeverzerrungen eines Audioverstärkers erkennen,
da das angezeigte Kurve frei von Quantisierungsfehlern (Treppeneffekt)
und weitgehend frei von Rauschen ist. Dadurch stechen einem solche
Unregelmäßigkeiten sofort ins Aufge. Auf dem Digitaloszi geht dies oft
nur, wenn man das Signal durch Drehen an der Zeitbasis und dem
Y-Verstärker entsprechend vergrößert darstellt. Dazu muss man aber erst
einmal wissen, an welcher Stelle des Signals man die Unregelmäßigkeit
suchen muss.
Bei den Analogoszis war der Fortschritt in den letzten 10 bis 20 Jahren
im Gegensatz zu den Digitalen nicht sehr groß, weswegen ein nicht allszu
ausgelutschtes gebrauchtes Gerät praktisch so gut wie ein neues ist.
Weil aber alle "bäh" zu analog sagen, bekommt man die Dinger oft zu
Spottpreisen nachgeschmissen.
Fazit:
Wenn du also hauptsächlich Digitalelektronik machst, würde ich ein neues
Rigol nehmen (wenn das Geld reicht, eins mit 100+ MHz), sonst ein
gebrauchtes analoges, wenn möglich mit zweiter Zeitbasis.
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¹) M.W. hat das HM303-6 leider keinen Delay, geschweige denn eine zweite
Zeitbasis. Ich könnte mich aber auch irren.