Das Alles (Minus an Masse) kommt - denke ich - vom gute alten
Dampfradio. Es war einfach praktischer, die Kathode als Bezugspegel zu
benutzen, speziell bei direkt geheizten Röhren. Anode als Bezugspegel
hätte bedeutet, daß - je nach Schaltung - die Kathoden auf sehr
unterschiedlichem Spannungsniveau "gelandet" wären. Bei
Transistorschaltungen wurde dann der Emitter (funktionell der Kathode
entsprechend) als Bezugspotential genommen. Das hieß bei PNP: Plus ist
Masse; entsprechend bei NPN: Minus ist Masse. Da NPN sich aus
fertigungstechnischen Gründen bei Si-Transistoren durchgesetzt hat (so
ca. Mitte / Ende der 1960er Jahre), landete dann auch bei
Transistorschaltungen meistens Minus auf Masse.
Zu dem Ganzen ein netter Vorfall:
Etwa 1976 besaß ich das Vergnügen, die Software für einen Prozeßrechner
(den kleiderschrankgroßen Vorläufer der ATMegas und Co.) zu entwickeln.
Das Ganze tat auch bei mir im Labor hervorragend. Beim Kunden allerdings
"schlachtete" ich den gesamten europaweit verfügbaren
(Ersatzteil-)Bestand an I/O-Karten für den Prozeßrechner. Ursache: der
Kunde hatte die Peripheriegeräte mit einem "Plus an Masse" Netzteil
versorgt, und über Gehäuse... wurden die I/O-Karten mit inverser
Spannung betrieben. Das konnten sie nicht so ganz ab.
Bernhard