http://maybritillner.zdf.de/ZDFde/inhalt/7/0,1872,8010983,00.html
Zum ersten mal gerade in aller Deutlichkeit so gehört, gerade im ZDF bei
Maybrit Illner. Ariane Durian, Unternehmerin und Geschäftsführende
Gesellschafterin einer Personal-Service GmbH, vertritt 1500 deutsche
Zeitarbeitsunternehmen und fordert einen BRANCHENMINDESTLOHN, um endlich
den Dumping-Löhnen einhalt zu gebieten, die vor allem durch sog.
Arbeitgeber nahe christliche (Schein-) Gewerkschaften unterlaufen wird.
"Schön" mit anzusehen wie man mit dieser Forderung bei der aktuellen
Regierungskoalition auf Granit beist. Gleichzeitig beschwert sich Volker
Kauder über die hohen Hartz-Zahlungen, die aber erst durch diese
bescheuerte Lohnpolitik (zu geringe Löhne und damit Anspruch auf
Hartz-IV) befördert wurde und wird.
Auf jeden Fall sehenswerter Beitrag.
Im Prinzip schon richtig, aber was hält den Interessenverband Deutscher
Zeitarbeitsunternehmen mit den genannten 1500 Firmen davon ab, einen
Mindestlohn auch jetzt schon einzuführen? Braucht man dafür unbedingt
ein Gesetz?
Hinter "Forderungen" wie dieser versteckt sich lediglich Scheinmoral.
Das Problem ist der Kündigungsschutz. Denn dieser ist einfach nur teuer.
Wenn nicht sogar unbezahlbar. Mit dem Konzept des Leiharbeiters hebeln
die Unternehmen den Kündigungsschutz geschickt aus. Die Auftraggeber
können den Arbeiter jederzeit abbestellen und sind diesen dann rechtlich
und moralisch "sauber" wieder los. Der Arbeiter bekommt von seinem
Arbeitgeber darauf einen neuen Kunden zugewiesen, für den er ab sofort
arbeiten soll.
Und jetzt kommt Trick 17: Hat die Leihfirma selber keine Kunden mehr,
bekommt der Arbeiter einen nahezu unwürdigen Job zugewiesen (z.B.
sortieren von Müll unter "Ausbilder-Schmidt-Bedingungen"). Sobald der
Arbeiter sich beschwert und äussert nicht mehr für diesen Kunden zu
arbeiten, wird dieser unter dem Deckmantel der Arbeitsverweigerung
fristlos entlassen.
Das alles ist wie gesagt nur "die" Methode den zu teuren
Kündigungsschutz auszuhebeln. Wir brauchen feste Arbeitsverträge ohne
Kündigungsschutz. Damit die Unternehmen die Arbeiter wieder direkt
einstellen. Dadurch würden die Unternehmen einiges an Geld einsparen und
der Arbeiter könnte auch besser bezahlt werden. Die "Mitesser"
"Personaldinstleister" würden dann zwar verhungern, aber die verdienen
ihr Geld ja sowieso nicht mit Arbeit, sondern mit Verwaltung. Pfui!
>Wir brauchen feste Arbeitsverträge ohne>Kündigungsschutz. Damit die Unternehmen die Arbeiter wieder direkt>einstellen.
Nein Danke, wir haben schon genug vom wilden Westen auf dem
Arbeitsmarkt. Wir müssen nicht noch mehr von unserer Lebensqualität und
Errungerschaften abschneiden. So werden die Arbeitnehmer bei der
kleinsten Auftragsflaute nach Hause geschickt, wo was sollen sie die
Miete und ihre Häuser zahlen? Von der heissen Luft der Wirtschafsweisen?
Vielmehr verbirgt sich dahinter die Absicht die Menschen grundlos und
ohne jede Konsequenz zu können.
Es gibt keinen Kündigungsschutz und schon gar nicht von dir erwähnten
"teueren" Kündigungsschutz, sonst wären die Massenentlassungen erst
nicht möglich, das ist billige Lüge. Sehen wir uns doch den angeblichen
Kündigungschutz an:
Dem Arbeitnehmer steht nur eine Abfindung zu; ein Gehalt pro
Zugehörigkeitsjahr im Falle der Kündigung und wenn er sie überhaupt
kriegt. Das soll teuer sein? Hingegen bezahlt AG für einen Leiharbeiter
doch viel mehr. Der finanzielle Aufwand für einen
Zeitarbeiter/Leiharbeiter ist bestimmt höher als ein Gehalt Abfindung
pro Jahr für einen Festeingestellten.
Ich sage nur: Kapital verpflichtet.
Das weiß jeder dem schon mal gekündigt wurde. Wenn der Arbeitgeber es
begründen kann, kann er immer kündigen. Er braucht keine Meute zu
bezahlen wenn die Aufträge einbrechen.
>Es gibt keinen Kündigungsschutz und schon gar nicht von dir>erwähnten "teueren" Kündigungsschutz, sonst wären die>Massenentlassungen erst nicht möglich, das ist billige Lüge.
Dem stimme ich aus eigener Erfahrung uneingeschränkt zu.
>Dem Arbeitnehmer steht nur eine Abfindung zu; ein Gehalt pro>Zugehörigkeitsjahr im Falle der Kündigung und wenn er sie überhaupt>kriegt. Das soll teuer sein?
Und die mußt du dir einklagen, wenn du sie eben nicht freiwillig
bekommst. Und außerdem: Was sind schon 3 Monatsgehälter, wenn du 3 Jahre
angestellt warst???
Theoretisch, kann man auch versuchen, sich auf den alten Arbeitsplatz
zurück zu klagen. Also wirklich, das funktioniert dann wahrscheinlich so
gut, wie wenn man sich bei einer Ehescheidung in die Ehe zurück zu
klagen versucht.
>Hingegen bezahlt AG für einen Leiharbeiter doch viel mehr.>Der finanzielle Aufwand für einen Zeitarbeiter/Leiharbeiter>ist bestimmt höher als ein Gehalt Abfindung pro Jahr für>einen Festeingestellten.
Das ist nicht ganz richtig. Leiharbeiter werden auf einer Kostenstelle
gebucht, das wird ähnlich funktionieren wie bei Betriebsausgaben z.B.
zur Anschaffung einer Maschine. Unter Umständen kann sowas auch noch
komplett abgeschrieben werden, dann zahlts wer??? --> Der Steuerzahler!
>Wenn der Arbeitgeber es begründen kann, kann er immer kündigen.
Richtig! Und Gründe wird es immer geben.
@Mark Brandis:
>Im Prinzip schon richtig, aber was hält den Interessenverband>Deutscher Zeitarbeitsunternehmen mit den genannten 1500 Firmen>davon ab, einen Mindestlohn auch jetzt schon einzuführen? Braucht>man dafür unbedingt ein Gesetz?
Anscheinend ja, wie in meinem Nachbarland Luxemburg, wo sogar Zeitarbeit
hervorragend funktioniert: Da sind vom Gesetzgeber 1501 Euro brutto für
eine ungelernte Kraft bzw. 1801 Euro für einen Lehrberuf vorgeschrieben,
Lehrberuf mit 3 Jahren BE bei 2101 Euro. Egal ob Zeitarbeit oder
Festanstellung. Automatischen Inflationsausgleich gibts auch, ohne
Streiks und für alle, das sollte doch hier mal jemand erwähnen!!! Und
daran rüttelt auch niemand ständig. Bei 20 Prozent Abgaben, können die
Leute dort davon tatsächlich leben. Es ist in L sogar üblich, daß Firmen
großteils nur noch über den Weg Zeitarbeit Personal herein holen zur
Festanstellung. Wem helfen schon die jahrelang immer wieder auflodernden
Scheindiskussionen? Den Betroffenen am allerwenigsten.
Na ja, wenn man Mindestlohn einführt können die Zeitarbeitsfirmen keine
hohen Gewinne auf Kosten der Arbeitnehmer mehr machen, denn die Schwelle
nach unten wird ja gesetzt, daher versuchen sie jetzt zuvor zu kommen um
dieses Problem aus der Welt zu schaffen.
Den Kündigungsschutz wollen viele Lobbyisten deshalb nicht haben damit
die Arbeitgeber Menschen ohne jeden Grund und rechtliche Konsequezen auf
die Straße setzen. Die aktuelle Kündigungen wegen Apel und Ei und
Missbrauch der Zeitarbeit lässt schon eine Vorahnung entstehen wie es
denn sein wird ohne Kündigungsschutz. Bei jeder Kleinigkeit ab nach
Hause und komme vielleicht in 3 Tagen. Nein Danke. Ein Unternehmen soll
immer etwas Kapitalpolster haben und keine leere Hülle darstellen. Für
irgendwelche Auftragsflauten zu büssen ist nicht die Aufgabe des
Arbeitnehmers, denn in guten Gewinnzeiten bekommt er nicht mehr Gehalt.
Und überhaupt: warum muss der Arbeitnehmer immer mehr abgeben? Wenn wir
schon Kündigungsschutz abschaffen, dann Bitte mit Gegenleistung für
Arbeitnehmer. Alles Andere wäre nur Blödsinn.
Gruß.
Gästchen schrieb:
> Der finanzielle Aufwand für einen> Zeitarbeiter/Leiharbeiter ist bestimmt höher als ein Gehalt Abfindung> pro Jahr für einen Festeingestellten.
Das widerspricht der in Realität zu beobachtenden Entwicklung. Wenn es
so ist dass Festangestellte dem Arbeitgeber billiger kommen, wieso
werden dann immer mehr Leiharbeiter eingestellt?
Gästchen schrieb:
> Die aktuelle Kündigungen wegen Apel und Ei
...sind nur ein Vorwand, weil "ehrliche" Kündigung nicht produktiver
Mitarbeiter kaum möglich sind.
Gästchen schrieb:
> Wenn wir> schon Kündigungsschutz abschaffen, dann Bitte mit Gegenleistung für> Arbeitnehmer.
Die Gegenleistung für den (potenziellen) Arbeitnehmer ist, dass er bei
Bedarf schneller eingestellt werden kann, weil der Arbeitgeber nicht
Angst haben muss sich jemanden für 10 Jahre ans Bein zu binden der sich
als überflüssig herausstellt, und stattdessen gleich Leiharbeiter
verwendet.
> Der finanzielle Aufwand für einen> Zeitarbeiter/Leiharbeiter ist bestimmt höher als ein Gehalt Abfindung> pro Jahr für einen Festeingestellten.
Ist er.
Vor allem, wenn man berücksichtigt, dass gesetzlich nur ein halbes
Monatsgehalt Abfindung vorgesehen sind. Und das auch nur dann, wenn man
mögliche Klagen des AN verhindern will, also schon weis, dass man nicht
einmal die lächerlichen Hürden des Kündigugsschutzgesetzes eingehalten
hat.
Und man sollte auch nicht vergessen, dass der Kündigungsschutz sowieso
erst nach sechs Monaten greift. Wer also jemanden für Auftragsspitzen
braucht, kann den bis zu sechs Monaten problemlos völlig ohne
Kündigungsschutz einstellen. Darüber hinaus kann man noch Zeitverträge
abschliessen. Danach sollte man eigentlich wissen, was los ist.
Der einzige Vorteil der Zeitarbeit ist eigentlich, dass man sich die
Leute nicht selber suchen muss.
Gruss
Axel
Andreas schrieb:
>> Der finanzielle Aufwand für einen>> Zeitarbeiter/Leiharbeiter ist bestimmt höher als ein Gehalt Abfindung>> pro Jahr für einen Festeingestellten.>> Das widerspricht der in Realität zu beobachtenden Entwicklung. Wenn es> so ist dass Festangestellte dem Arbeitgeber billiger kommen, wieso> werden dann immer mehr Leiharbeiter eingestellt?
Leiharbeiter/Zeitarbeiter/Ingenieurdienstleistende kosten oft mehr als
Festangestellte, aber die Kosten sind andere, die können nämlich
abgesetzt werden und wenn man den
Leiharbeiter/Zeitarbeiter/Ingenieurdienstleistende geht das binnen
Wochen und nicht Monaten.
>Die Gegenleistung für den (potenziellen) Arbeitnehmer ist, dass er bei>Bedarf schneller eingestellt werden kann, weil der Arbeitgeber nicht>Angst haben muss sich jemanden für 10 Jahre ans Bein zu binden der sich>als überflüssig herausstellt, und stattdessen gleich Leiharbeiter>verwendet.
1. Das ist keine Gegenleistung denn sie ist weder gesetzlich noch
vertraglich gesichert. Abschaffung des Kündigungsschutzes ist aber ein
Eingriff in das geltende Gesetz und der Arbeitnehmer wird benachteiligt.
2."Schneller Einstellen" ist ein Mythos. Unter den Arbeitgebern herrscht
eine Meinung so wenig wie möglich einzustellen und wenn selbst der
Bedarf da ist, es möglichst lange auszögern: (siehe den Thread für
Überstunden)
Eher werden die Menschen schneller entlassen um z.B. Investoren und
Aktien-Inhaber reicher zu machen; selbst in den heutigen Zeiten mit
"bösem" Kündigungsschutz ein Alltag.
3.Wenn sich jemand als "überflüssig" rausstellt, kann der Arbeitgeber
ihn auch so kündigen. Wenn er die Gründe darlegen will dass der
Arbeitnehmer nicht weiter beschäftigt werden kann: Wegfall einer Sparte
etc. wird die Kündigung jederzeit möglich. Dafür ist keine Abschaffung
der Errungenschaft der Arbeitnehmer notwendig.
Wie ich schon sagte, unter Angabe plausibler Gründe ist Kündigung
jederzeit möglich. Vielmehr wird hier die Absicht verfolgt Menschen
billiger, schneller und vor allem ohne Konsequenzen auf die Straße zu
setzen.
Nein, Danke.
dagger schrieb:
> Leiharbeiter/Zeitarbeiter/Ingenieurdienstleistende kosten oft mehr als> Festangestellte, aber die Kosten sind andere, die können nämlich> abgesetzt werden
Also kosten sie den Arbeitgeber effektiv doch weniger, sonst würde er
das ja nicht machen.
Gästchen schrieb:
> Unter den Arbeitgebern herrscht> eine Meinung so wenig wie möglich einzustellen und wenn selbst der> Bedarf da ist, es möglichst lange auszögern
Warum das wohl so ist?
Gästchen schrieb:
> Wegfall einer Sparte etc. wird die Kündigung jederzeit möglich
Und was wenn der Arbeitnehmer einfach nichts bringt, ineffizient
arbeitet, mehr Arbeit verursacht als erledigt, etc.? Solche Leute gibt's
genug. Versuch so jemanden mal zu kündigen. Da kann der Arbeitgeber nur
hoffen dass derjenige mal eine Frikadelle klaut.
Und überhaupt:
der eigentlich Kündigungsschutz ist der Schutz gegen unbegründetes
willkürliches Kündigen. So soll es auch bleiben.
Daher sehe ich überhaupt kein Problem.
>Und was wenn der Arbeitnehmer einfach nichts bringt, ineffizient>arbeitet, mehr Arbeit verursacht als erledigt, etc.? Solche Leute gibt's>genug. Versuch so jemanden mal zu kündigen. Da kann der Arbeitgeber nur>hoffen dass derjenige mal eine Frikadelle klaut.
So schlecht informiert kannst du wohl kaum sein oder?
Kündigung wegen Nichterfüllung der Arbetsleistung ist jederzeit möglich.
PS: Schon sehr schäbig die Kündigungen wegen einer Frikadell zu
verteidigen. Damit ist die unterste Schwelle erreicht.
Bei dieser Haltung wünscht man sich noch mehr Kündigungsschutz.
Gästchen schrieb:
> PS: Schon sehr schäbig die Kündigungen wegen einer Frikadell zu> verteidigen. Damit ist die unterste Schwelle erreicht.
Ich habe das nicht verteidigt. Aber das ist nun mal die Folge dessen,
dass normale Kündigungen kaum möglich sind. Oder warum glaubst du hat es
sich der Arbeitgeber angetan das durchzufechten? Weil er gerade Lust
hatte willkürlich mal jemanden zu kündigen? Weil es ihm wirklich um die
Frikadelle ging?
Gästchen schrieb:
> Kündigung wegen Nichterfüllung der Arbetsleistung ist jederzeit möglich.
Was muss der Arbeitnehmer dafür tun dass das möglich ist, sich weigern
zur Arbeit zu kommen?
Andreas schrieb:
> Das widerspricht der in Realität zu beobachtenden Entwicklung. Wenn es> so ist dass Festangestellte dem Arbeitgeber billiger kommen, wieso> werden dann immer mehr Leiharbeiter eingestellt?
Weil sie anders bilanziert werden als Festangestellte, was im Grunde
genommen einen Fehler im Arbeits- bzw. Bilanzierungsrecht darstellt.
>Ich habe das nicht verteidigt. Aber das ist nun mal die Folge dessen,>dass normale Kündigungen kaum möglich sind. Oder warum glaubst du hat es>sich der Arbeitgeber angetan das durchzufechten? Weil er gerade Lust>hatte willkürlich mal jemanden zu kündigen? Weil es ihm wirklich um die>Frikadelle ging?
"Normale Kündigungen sind kaum möglich", meinst du das auch ernst?
Kannst du mir erklären wie "normale" Massenentlassungen möglich sind?
Warum soll die Frikadell nicht ein Anzeichen für eine willkürliche
Kündigung sein?
Und derjenige, der also die Menschen schneller und billiger entlassen
will, behauptet dass er später sie schneller einstellen will? Klingt das
nicht irgendwie schiziphren?
>Was muss der Arbeitnehmer dafür tun dass das möglich ist, sich weigern>zur Arbeit zu kommen?
Da kann ich gerne dich zitieren was er machen muss:
>Und was wenn der Arbeitnehmer einfach nichts bringt, ineffizient>arbeitet, mehr Arbeit verursacht als erledigt, etc.? Solche Leute gibt's>genug. Versuch so jemanden mal zu kündigen. Da kann der Arbeitgeber nur>hoffen dass derjenige mal eine Frikadelle klaut.
Aus diesem Grund sind Kündigungen möglich: schon selbst mitbekommen. Dir
fehlt anscheinend ein wenig Erfahrung dass ich dir so viel über
Grundsätze erklären muss. Warte mal ab wenn es in die große weite
Arbeitswelt hingeht, dann reden wir später.
> Das widerspricht der in Realität zu beobachtenden Entwicklung. Wenn es> so ist dass Festangestellte dem Arbeitgeber billiger kommen, wieso> werden dann immer mehr Leiharbeiter eingestellt?
Aber diese Zitat ist geil. Du siehst wie Leiharbeit missbraucht wird,
immer mehr Leiharbeiter werden eingestellt. Und obwohl die Leiharbeit
nur "zum Bewältigen der Auftragsspitzen" gedacht war. Und nun sollen wir
darauf vertrauen dass der Arbeitgeber bei dem fehlenden Kündigungsschutz
"schneller einstellen wird". Wenn es tatsächlich Menschen geben sollte
die daran glauben, so leben sie bestimmt auf dem Mars oder Jupiter.
Gästchen schrieb:
> Und nun sollen wir> darauf vertrauen dass der Arbeitgeber bei dem fehlenden Kündigungsschutz> "schneller einstellen wird".
Das hat nichts mit Vertrauen zu tun, sondern mit wirtschaftlicher
Überlegung. Warum stellt ein Arbeitgeber Zeitarbeiter ein? Welche
Anreize kann man schaffen um Festanstellungen wieder attraktiver zu
machen? Aber anscheinend bist du nicht gewillt das Thema sachlich zu
diskutieren, da gibt es nur die bösen Arbeitgeber die gefälligst dem
Arbeitnehmer zu dienen haben.
Gästchen schrieb:
> Kannst du mir erklären wie "normale" Massenentlassungen möglich sind?
Das sind betriebsbedingte Kündigungen nach Sozialplan.
> Warum soll die Frikadell nicht ein Anzeichen für eine willkürliche> Kündigung sein?
Weil sie vermutlich nicht willkürlich ist, sondern man einen Grund
sucht, einem langjährigen Mitarbeiter zu entlassen, der nicht mehr
genehm ist, aber aufgrund von langer Betriebszugehörigkeit kaum kündbar
ist.
Gästchen schrieb:
>> Was muss der Arbeitnehmer dafür tun dass das möglich ist, sich weigern>> zur Arbeit zu kommen?> Da kann ich gerne dich zitieren was er machen muss:>> Und was wenn der Arbeitnehmer einfach nichts bringt, ineffizient>> arbeitet, mehr Arbeit verursacht als erledigt, etc.? Solche Leute gibt's>> genug. Versuch so jemanden mal zu kündigen. Da kann der Arbeitgeber nur>> hoffen dass derjenige mal eine Frikadelle klaut.> Aus diesem Grund sind Kündigungen möglich: schon selbst mitbekommen.
Warum werden denn jetzt, zur Zeit der Finanzkrise, praktisch nur junge
auf die Straße gesetzt? Die Alten sind zwar eingearbeitet, aber dass die
Firmen nicht lieber gemischt kündigen würden um einen vernünftigen
Altersquerschnitt zu halten liegt klar auf der Hand. Desweiteren wird es
auch junge Mitarbeiter geben, die schneller, effektiver als manche
langjährige sind.
>Das hat nichts mit Vertrauen zu tun, sondern mit wirtschaftlicher>Überlegung. Warum stellt ein Arbeitgeber Zeitarbeiter ein? Welche>Anreize kann man schaffen um Festanstellungen wieder attraktiver zu>machen? Aber anscheinend bist du nicht gewillt das Thema sachlich zu>diskutieren, da gibt es nur die bösen Arbeitgeber die gefälligst dem>Arbeitnehmer zu dienen haben.
Anscheinend bist du nicht gewillt sachlich zu duskutieren und willst
einfach nicht verstehen dass der Kündigungsschutz gegen willkürliche und
grundlose Kündigungen sehr sinnvoll ist.
Warum stellt ein Arbeitgeber die Zeitarbeiter ein? Weil sie letzendlich
billig sind (steuerlich absetzbar) und er sie jederzeit entlassen kann.
Was soll man hier lange rumdebatieren?
>Das sind betriebsbedingte Kündigungen nach Sozialplan.
Wie das, es gibt doch Kündigungschutz der es verhindert?
>Weil sie vermutlich nicht willkürlich ist, sondern man einen Grund>sucht, einem langjährigen Mitarbeiter zu entlassen, der nicht mehr>genehm ist, aber aufgrund von langer Betriebszugehörigkeit kaum kündbar>ist.
Hier siehst du doch selbst warum der Kündigungsschutz sinnvoll ist.
Einen Menschen zu entlassen weil man lieber eine vollbusige und blonde
Sekräterin hätte ist eine willkürliche Kündigung.
Der Arbeitgeber kann jedoch ein entsprechendes Angebot unterbreiten dass
der Mitarbeiter freiwillig geht: es wird alles mit Geld gekocht, warum
soll es hier anders sein?
>Warum werden denn jetzt, zur Zeit der Finanzkrise, praktisch nur junge>auf die Straße gesetzt? Die Alten sind zwar eingearbeitet, aber dass die>Firmen nicht lieber gemischt kündigen würden um einen vernünftigen>Altersquerschnitt zu halten liegt klar auf der Hand. Desweiteren wird es>auch junge Mitarbeiter geben, die schneller, effektiver als manche>langjährige sind.
Dass junge Mitarbeiter effektiver arbeiten ist eher Quatsch, denn gerade
ältere arbeiten effektiver als junge Mitarbeiter weil ihre Erfahrung es
ihnen erlaubt. Außerdem warum soll den deutschen Arbeitnehmer so ein
kleinliches Zeug interessieren dass die Firmen gemischt kündigen
möchten, wenn die Unternehmen sich ein Dreck um die Mitarbeiter kümmern,
und nur noch suchen wo sie entlassen oder weniger Lohn zahlen können?
Gästchen schrieb:
> Warum stellt ein Arbeitgeber die Zeitarbeiter ein? Weil sie letzendlich> billig sind (steuerlich absetzbar) und er sie jederzeit entlassen kann.
Mit anderen Worten, weil man Festangestellten eben doch nicht so
einfach kündigen kann wie du behauptest.
Auch wenn ich das Gefühl dass sich Diskussionen hier nicht lohnen.
Gästchen schrieb:
>> Das sind betriebsbedingte Kündigungen nach Sozialplan.> Wie das, es gibt doch Kündigungschutz der es verhindert?
Es heißt Kündigungsschutzgesetz, und nicht
Kündigungsverhinderungsgesetz.
Gästchen schrieb:
>> Weil sie vermutlich nicht willkürlich ist, sondern man einen Grund>> sucht, einem langjährigen Mitarbeiter zu entlassen, der nicht mehr>> genehm ist, aber aufgrund von langer Betriebszugehörigkeit kaum kündbar>> ist.> Hier siehst du doch selbst warum der Kündigungsschutz sinnvoll ist.> Einen Menschen zu entlassen weil man lieber eine vollbusige und blonde> Sekräterin hätte ist eine willkürliche Kündigung.
Bei den meisten Fällen ging es weniger um fehlende (verlorengegenagene)
sexuelle Reize sondern (angeblich) mehr um Betriebsräte, und ähnliches.
Gästchen schrieb:
> Der Arbeitgeber kann jedoch ein entsprechendes Angebot unterbreiten dass> der Mitarbeiter freiwillig geht: es wird alles mit Geld gekocht, warum> soll es hier anders sein?
Die Summen würden den Arbeitgebern zu hoch sein.
Gästchen schrieb:
>> Warum werden denn jetzt, zur Zeit der Finanzkrise, praktisch nur junge>> auf die Straße gesetzt? Die Alten sind zwar eingearbeitet, aber dass die>> Firmen nicht lieber gemischt kündigen würden um einen vernünftigen>> Altersquerschnitt zu halten liegt klar auf der Hand. Desweiteren wird es>> auch junge Mitarbeiter geben, die schneller, effektiver als manche>> langjährige sind.> Dass junge Mitarbeiter effektiver arbeiten ist eher Quatsch, denn gerade> ältere arbeiten effektiver als junge Mitarbeiter weil ihre Erfahrung es> ihnen erlaubt.
Liest den Satz nochmal, die Wörtchen auch und manche sind auch noch
da.
>Weil sie letzendlich> billig sind (steuerlich absetzbar) und er sie jederzeit entlassen kann.
Steuerlich absetzbar sind alle Arbeitnehmer. Das ist nicht der Grund.
Ansonsten basiert die Wissensbasis, auf der hier argumentiert wird, wohl
eher auf Talkshowwissen als auf fundierten Fakten.
Was übrigends auch das Problem der ganzen AG ist, die so gegen den
Kündigungsschutz wettern.
Die werden allenfalls von Anwälten beraten, die davon leben, die glauben
zu machen, dass das alles unglaublich schwierig ist und dass man
unbedingt einen Anwalt braucht, der das Kündigen erklärt.
Gruss
Axel
>Es heißt Kündigungsschutzgesetz, und nicht>Kündigungsverhinderungsgesetz.
Genau meine Meinung, guter Mann!
>Bei den meisten Fällen ging es weniger um fehlende (verlorengegenagene)>sexuelle Reize sondern (angeblich) mehr um Betriebsräte, und ähnliches.
Und trotzdem konnte der Arbeitgeber die Kündigung wegen einer Frikadelle
aussprechen.
>Liest den Satz nochmal, die Wörtchen auch und manche sind auch noch>da.
Lassen wir "auch" und "manchmal" weg und beschränken wir uns auf
Regelfall.
>Steuerlich absetzbar sind alle Arbeitnehmer. Das ist nicht der Grund.
Falsch. Einen festangestellten Kollelgen kannst du nicht wie
Zeitarbeiter absetzen.
Wir können hier noch Monate diskutieren, aber es ist einfach so, dass
immer weniger Arbeit vorhanden ist, um die sich immer mehr Menschen
balgen.
Das führt natürlich dazu, dass man als Arbeitgeber immer mehr
Möglichkeiten hat, Löhne und Gehälter zu drücken, einfach weil die
Wahrscheinlichkeit steigt, auf eine Stelle mit weniger Lohn jemanden zu
finden.
Das "Macht"-Gleichgewicht zwischen AG und AN hat und wird sich immer
weiter zur AG-Seite hin verschieben.
Um diese Entwicklung zumindest beim Lohndumping zu stoppen, sehe ich im
Moment nur einen Mindestlohn als Lösung.
Die anderen Nachteile bleiben den Arbeitnehmern ja auch noch, aber
zumindest fällt der Kündigungsgrund "der andere ist billiger" weg.
Mittelfristig muss eine Gesellschaft, in der es immer weniger Arbeit
gibt, ihr Verhältnis zur Arbeit neu definieren.
Chris D. (selbst Arbeitgeber)
Gästchen schrieb:
> Einen festangestellten Kollelgen kannst du nicht wie> Zeitarbeiter absetzen.
Kannst Du das auch mit Fakten untermauern?
Und komm' mir jetzt nicht mit der MwSt., die er von der Rechnung der
Zeitarbeitsfirma wieder abziehen darf, denn 1. fließt dieser Betrag
schon gar nicht in die Kalkulation ein und 2. wird auf das Gehalt und
die sonstigen Kosten eines Festangestellten erst gar keine MwSt.
aufgeschlagen.
>Falsch. Einen festangestellten Kollelgen kannst du nicht wie>Zeitarbeiter absetzen.
Blödsinn.
Beides sind ganz normale Ausgaben, die den Einnahmen entgegengerechnet
werden.
Da gibt es keinen Unterschied.
Gruss
Axel
Mazz schrieb:
> Das Problem ist der Kündigungsschutz.
100% richtig!
Die AN wollen Tariflohn haben, mittlerweile sind ja so gut wie alle
flexibel, an den Arbeitsbedingungen liegt's also erstmal nicht.
Wenn es Tariflohn geben würde, wären im Groben alle AN zufrieden.
Die AG wollen flexible Mitarbeiter, Leute die da sind, wenn sie
gebraucht werden und die wieder weg sind, wenn sie nicht gebraucht
werden. Ist ja auch verständlich. Die Lohnkosten sind dabei nicht
entscheidend. Evtl. schätzen AG noch, dass sie bei Zeitarbeit keine
große Personalabteilung brauchen, das sehe ich aber auch nur als
sekundär entscheidend an.
Alles in Allem also:
Der AN möchte Tarifbezahlung, der AG möchte bei Auftragsflaute nicht die
Belegschaft der Hochkonjunktur durchschleppen.
Also ist die Lösung so einfach wie Mazz schreibt.
Wer Kündigungsschutz hat ist natürlich dagegen, wie man hier ja auch
liest, nur zu verständlich. Fairer wäre es jedoch, weil der Rest der
Solidargemeinschaft definitiv keinen besitzt.
Als Nebeneffekt würden auch eher die faulen, aufgeblasenen Vollpfosten
aus den Abteilungen verschwinden, die von "oben" und "unten" nur
belächelt werden.
"Falsch. Einen festangestellten Kollelgen kannst du nicht wie
Zeitarbeiter absetzen."
Falsch! Alle damit verbundenen Kosten sind Betriebsausgaben. Punkt.
Eine Zeitarbeitsfirma braucht keine solchen Mätzchen machen,
wie unwürdige Arbeit zuteilen und warten bis man muckt.
Ich habe das so erlebt :
Die stellen die Leute in den Unternehmen vor, und wenn man einen
dort haben will, stellt die Zeitarbeitsfirma erst ein.
Endet der Vertrag und der Mann kann nicht innerhalb weniger Wochen
weitervermittelt werden, ergeht eine Betriebsbedingte Kündigung.
So einfach ist das.
Und, ja, Zeitarbeiter werden nicht wie Personal, sondern wie Material
abgerechent. Man kann sich im Management und vor den Aktionären leichter
brüsten, wieviel Personalkosten man abgebaut hat oder mit wie wenig
Personal
man auskommt. Sch...egal, wieviel mehr das kostet.
Und so werden auch Standorte in Germany "teuer" gerechnet.
Sämtliche Gemeinkosten werden auf die Stammbelegschaft umgerechnet.
(Wir erinnern uns - Leiharbeiter sind ja nur "Verbrauchsmaterial").
Bei 1/3 Stammbelegschaft und 2/3 Leiharbeitern ist ne deutsche
Entwicklerbude ganz hübsch teuer pro Mitarbeiter !
Würden sich die Aktionäre/Aufsichtsräte mal bemühen, diese
Milchmädchen-Rechnung zu durchleuchten, sollten einige hochbezahlte
"Manager"
mit dem Kopf nach unten ans Werkstor getackert werden. Aber ohne
Abfindung.
Zur Diskussion um Kündigungsschutz:
wie jemand hier schon trefflich gemerkt hat, es handelt sich um
Kündigungsschutz und nicht um Kündigungsverhinderungsgesetz. Lediglich
Kündigung ohne Gründe und ohne jede Berücksichtigung der Sozialauswahl
ist tabu. Alle anderen Gründe stehen dem Arbeitgeber offen, da kann er
so viel kündigen wie er will.
Man hat uns noch in diesem Jahr gekündigt, 20 man und ohne jede
Sozialauswahl. Selbst der Gang zum Anwalt hat nicht geholfen.
Ich sehe es nicht ein dass wir gerade nach den Zeiten wo die Firmen ihre
Gewinne verfielfacht haben und Reallohn sogar gesunken ist auch noch
diese Errungenschaft verschenken sollen und sehe überhaupt keinen Grund
dafür.
Zur Diskussion um Mindestlohn: da gibt es nicht zu diskutieren.
Flächedenkender Mindestlohn funktioniert in ganz Europa. Dadurch können
keine Arbeitsplätze wegfallen weil jemand immer noch die Arbeit machen
muss. Wenn die Menschen mehr Gehalt bekommen, konsomieren sie mehr,
können endlich fürs Alter vorsorgen, zahlen mehr Steuern und sind nicht
mehr auf Staatshilfe angewiesen. Genau genommen würde ich sogar die
Altersvorsorge von Arbeitgebern finanzieren lassen weil sie zu
Haupttätern gehören die jetzigen Zustand zu verantworten haben:
Arbeitnehmer mit Kinder werden eher gemieden und wurden gemieden. Den
Familien mit Kindern wird das Leben erschwert. Zum Meckern gegen
Mindestlohn: vielmehr verbirgt sich dahinter die Absicht der
Kapitalisten ihre Gewinne auf Kosten der Geringverdiener hoch zu halten.
Ein Paar Euros für Geringverdiener sind ihnen zu schade, und da wollen
sie dass jemand den Kündigungschutz einfach so abgibt. Was für ein
Quatsch.
Mark Brandis schrieb:
> Im Prinzip schon richtig, aber was hält den Interessenverband Deutscher> Zeitarbeitsunternehmen mit den genannten 1500 Firmen davon ab, einen> Mindestlohn auch jetzt schon einzuführen? Braucht man dafür unbedingt> ein Gesetz?
Sehe ich ganz genau so. Es braucht kein Gesetz um einen
Branchenmindestlohn (egal welche Branche) einzuführen. Das Eingreifen
des Gesetzgebers in Form eines Gesetzes für Mindestlohn ist eigentlich
die zweite Variante (die übrigens viel komplizierter und langwieriger
umsetzbar ist) und gleichzeitig ein Armutszeugnis für die jeweilige
Branche.
Hinter solchen Forderungen steckt in der Tat eine Art Scheinmoral.
Schlecker wurde in dem Zusammenhang als eine von vielleicht 3-5 Firmen
von 1500 genannt, die mit unlauteren Methoden arbeiten. Die Zahl scheint
mir zu gering zu sein und Schlecker wird nun als Einzelfall vermarktet.
Interessant fand ich auch den Kommentar des Betriebsratlers zum Thema zu
hohe Lohnkosten: Es gibt kein Beispiel für ein deutsches Unternehmen,
dass nur aufgrund der Lohnkosten Insolvenz gegangen ist. Vor dem
Hintergrund ist das Gejammere der Unternehmen über zu hohe Lohnkosten
falsch angesetzt.
Martin F. schrieb:
> Interessant fand ich auch den Kommentar des Betriebsratlers zum Thema zu> hohe Lohnkosten: Es gibt kein Beispiel für ein deutsches Unternehmen,> dass nur aufgrund der Lohnkosten Insolvenz gegangen ist.
Wobei das natürlich genau nichts aussagt. Eine Unternehmenspleite wird
fast immer mehrere Ursachen haben. Insofern könnte man den Satz
"Es gibt kein Beispiel für ein deutsches Unternehmen,
das nur aufgrund der Lohnkosten Insolvenz gegangen ist."
auch so formulieren:
"Die Lohnkosten spielen auch als ein Grund bei Unternehmenspleiten mit."
> Vor dem Hintergrund ist das Gejammere der Unternehmen über zu hohe> Lohnkosten falsch angesetzt.
So lange Unternehmen derartige Gewinne machen, ist das in der Tat
überzogen.
Ich bin auch überzeugt, dass die AN, wenn man ihnen die schlechte Lage
erklärt und sie auch sehen, dass wirklich alle den Gürtel enger
schnallen, durchaus mitziehen und auch zeitweise niedrigeren Lohn
akzeptieren. Aber das darf dann eben keine Einbahnstraße sein. Wenn es
aufwärts geht, muss man den Gewinn auch entsprechend verteilen.
Chris D.
>Ich bin auch überzeugt, dass die AN, wenn man ihnen die schlechte Lage>erklärt und sie auch sehen, dass wirklich alle den Gürtel enger>schnallen, durchaus mitziehen und auch zeitweise niedrigeren Lohn>akzeptieren. Aber das darf dann eben keine Einbahnstraße sein. Wenn es>aufwärts geht, muss man den Gewinn auch entsprechend verteilen.
Nichts anderes ist auch die letzten 10 Jahre passiert, bloß wo war diese
schlechtere Lage? Die Unternehmen haben ihre Gewinne vervielfacht
wogegen die Reallöhne gegenüber den Vorjahren sogar gesunken sind.
Wenn schon weniger Gehalt in schlechten Jahren, dann mehr Gehalt in
besseren Jahren oder es sein lassen. Niemand muss sich von vorne rein
einreden dass seine Arbeit nichts wert ist.
Über hohe Lohnnebenkosten muss ich immer lachen: da werden Vergleiche zu
den Lohnnebenkosten in Indien gemacht. Wenn man schon so billig werden
soll wie ein Arbeiter in Indien, dann sollen Bitte die Mieten,
Gesundheitskosten ,Lebensmittelpreise und Energiekosten auch genau so
wie in Indien werden.
Hinter der Debatte um Lohnnebenkosten versteckt sich wieder die Tendenz
Dumpinglöhne noch salonfähiger zu machen. Denn letzendlich wird man
wieder bei dem Lohn ankommen wo man am besten kürzen kann.
Momentan sind die Zustände für Unternehmer einfach paradisisch: eine
angeblich handlungsunfähige Regierung, schwache Gewerkschaften die keine
Konfrontation mit Arbeitgebern angehen wollen und ein Haufen billiger
Arbeiter die bereit sind jede Bezahlung zu akzeptieren.
Chris D. (myfairtux) wrote:
> Wir können hier noch Monate diskutieren, aber es ist einfach so, dass> immer weniger Arbeit vorhanden ist, um die sich immer mehr Menschen> balgen.
Da sehe ich genau so. Eigentlich müsste schon längst eine
Grundsatzdiskussion in (und vor allem mit) der gesamten Gesellschaft
geführt werden, was man bei stetig fortschreitender Rationalisierung mit
all den überschüssigen bzw. "überflüssigen" ehmaligen Arbeitnehmern denn
noch machen möchte?! Leider neigen gerade liberal/konservative Parteien
wie die CDU/FDP dazu mehr Druck bei der Arbeitssuche auf die dann
freigesetzten Menschen auszuüben (siehe Roland Koch's jüngste
Äußerungen). Ich finde das beschämend und widerwärtig! Auf der einen
Seite propagiert die aktuelle gelb-schwarze Regierung immer mehr den
Lohnzuschiesserstaat und auf der anderen Seite werden Aufstocker (=
Hartz-IV Empfänger) als arbeitsscheue faule Drückeberger hingestellt.
Damit wiegelt man bewusst die Leute mit Niedrigeinkommen gegen die
Aufstocker auf. Ich empfehle mal Volker Kauder's Äußerungen in der
Aufzeichnung der Illner Sendung zu beobachten.
> Das führt natürlich dazu, dass man als Arbeitgeber immer mehr> Möglichkeiten hat, Löhne und Gehälter zu drücken, einfach weil die> Wahrscheinlichkeit steigt, auf eine Stelle mit weniger Lohn jemanden zu> finden.
Wird doch den (noch) festangestellten permanent vor Augen geführt,
ersetzen durch einen Leiharbeiter geht ratz fatz ..
> Das "Macht"-Gleichgewicht zwischen AG und AN hat und wird sich immer> weiter zur AG-Seite hin verschieben.> Um diese Entwicklung zumindest beim Lohndumping zu stoppen, sehe ich im> Moment nur einen Mindestlohn als Lösung.
Gibt ja schon etliche Branchen mit Mindestlöhnen, wo keine schlechten
Erfahrungen gemacht wurden. Das meiste davon wurde noch von der großen
Koalition auf Druck der Sozialdemokraten und Gewerkschaften beschlossen.
> Die anderen Nachteile bleiben den Arbeitnehmern ja auch noch, aber> zumindest fällt der Kündigungsgrund "der andere ist billiger" weg.> Mittelfristig muss eine Gesellschaft, in der es immer weniger Arbeit> gibt, ihr Verhältnis zur Arbeit neu definieren.> Chris D. (selbst Arbeitgeber)
Siehst du da zur Zeit irgend einen erkennbaren Willen bei einer
schwarz-gelben Bundesregierung? Ich nicht .. Eigentlich müsste gerade
eine liberale Regierungspartei schnellstens alles auf den Prüfstand
stellen, was Arbeit erschwert oder verhindert. Das verdammte
bürokratische Monster als beispiel an ElektroG sollte doch einer FDP
schwer aufstoßen und Grund zu einer echten "Liberalisierung" liefern,
das dann nicht nur die großen Konzerne begünstigt, sondern jeden
Aufsteiger/Einsteiger/Neuling, der etwas gelegentlich verkaufen will
nicht gleich mit horrenden Gebühren überzieht. Ich möchte nicht wissen
wieviel Kleinexistenzen seit dem Inkraftsetzen dieses Gesetzes über die
Wupper gingen .. Und das ist ja nicht die einzige beschissene Verordnung
mit der die Gängelei überhand nimmt. Aber Westerwelle zeigt sich wohl
lieber auf einer Afghanistankonferenz. All die Sprüche von wegen
Bürokratieabbau etc. sind alle längst wieder vergessen. Diese verdammten
Märchenerzähler ..
Alle wovor sie Angst haben ist ihre Mehrheit bei der NRW-Wahl zu
verlieren ..
Mark Brandis schrieb:
> Im Prinzip schon richtig, aber was hält den Interessenverband Deutscher> Zeitarbeitsunternehmen mit den genannten 1500 Firmen davon ab, einen> Mindestlohn auch jetzt schon einzuführen? Braucht man dafür unbedingt> ein Gesetz?
JA! Denn ohne dass der Gesetzgeber den Willen der beteiligten
Branchenvertreter nicht ins Gesetzbuch geschrieben hat gibt es keinen
gültigen (Branchen-) Mindestlohn an den man sich halten MUSS!
> Schlecker wurde in dem Zusammenhang als eine von vielleicht 3-5 Firmen> von 1500 genannt, die mit unlauteren Methoden arbeiten. Die Zahl scheint> mir zu gering zu sein und Schlecker wird nun als Einzelfall vermarktet.
Die Dame (Verbands-Vertreterin) hat versucht den Schmuddel in der
Zeitarbeitsbranche mal wieder zu bagatellisieren, wie das so oft
geschieht. Mir hat auch überhaupt nicht gefallen, wie die Dame sich im
Lob für die Agenda 2010 genauer gesagt H4 erging. Aber immerhin halte
ich ihr zugute, dass sie an die CDU deutlich appellierte doch endlich
für die Zeitarbeit einen für alle gültigen Mindestlohn zu beschließen,
damit solche Scheingewerkschaften sog. "Christliche Gewerkschaften"
nicht weiter Dumpinglöhne beschließen dürfen. Volker Kauder hat ja mehr
oder weniger offen durchblicken lassen, dass er mit seiner Fraktion
nicht willens ist diesem Treiben ein Ende zu machen und der Forderung
nach zu geben. Damit stellt sich eine "Volkspartei" wie die CDU auf
seiten der Unternehmen die in Deutschland aktiv Lohndumping betreiben,
das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Nie hat eine Partei
so ihre Wirtschaftsnähe und Arbeinehmerfeindlichkeit offener zur Schau
gestellt. Die CDU treibt hier ohne Not die Lohnfindung in Deutschland in
eine ruinöse Abwärtsspierale ..
Und der mahnende Appell der Dame zum Schluss glich der Ankündigung einer
Katastrophe, nämlich die Öffnung ab 2011/12 per Arbeitnehmer
Entsendegesetz .. Dann strömen billige Arbeitskräfte aus Osteuropa
ungehemmt auf den deutschen Arbeitsmarkt, für die 5 Euro Stundenlohn
größtenteils noch eine Wohltaat sind .. Dann ist endgültig Schluss mit
"Lustig"!