Das Gate eines FETs wirkt bekanntlich wie ein Kondensator. Ein
Kondensator hat aber ja auch eine "Selbstentladung". Dann müsste man
doch auch irgendwie ausrechnen können, wieviel Strom ein dauerhaft
durchgesteuerter MosFet doch noch verbraucht.
Wie macht man das?
gate-source leakage current aus dem Datenblatt.
Damit kannst Du den typischen und maximalen statischen Ansteuerstrom
entnehmen (brauchst also nicht rechnen), der dann irgendwo unterhalb des
maximalen Wertes liegt.
Wenn Du es am lebendigen Objekt selbst ermitteln willst, dann würde ich
so vorgehen:
Mosfet an stabile Spannung anschließen, mit einem R am Drain (der R muß
entsprechend dem zu erwartenden Strom dimensioniert werden, aber nicht
zuviel Strom, damit er nicht warm wird)
zwei Gatespannungen aussuchen, bei denen der Mosfet innerhalb des
linearen Bereichs ausgesteuert wird (könnte so 2V und 3V sein), und zu
beiden Gatespannungen die Drainspannung notieren.
Dann wieder 3V an Gate anlegen, dann unterbrechen, und warten, bis am
Drain die Spannung erscheint, die der unteren festgelegten Gatespannung
entspricht.
Davon die Zeit nehmen. Wenn die Gatekapazität bekannt ist, kannste dann
mit der Zeit und ΔUg in etwa den Leckstrom ausrechnen.
Sollte eigentlich auch gehen, wenn man dieses Prinzip im Schaltbetrieb
macht, also bei höheren Gatespannungen, und einfach Rdson messen (also
ohne weitere Betriebsspannung an Drain-Source. Ist vielleicht sogar
günstiger, weil nur kleine Spannungen zw. D und S, somit kein größerer
Einfluß auf den Leckstrom (sofern das von Uds abhängt).
Nur mal so als Idee.
Ist auch nett zum Ausrechnen:
Gateoxid als Tunnelbarriere modellieren, Breite = Oxiddicke, Höhe =
Durchbruchsspannung * Elementarladung. Dann die Schrödingergleichung
aufstellen, aus Stetigkeitsbedingungen den Transmissionskoeff.
berechnen. Über GateFläche Strom berechnen.
Zeigt schön auf, warum die Halbleitertechnologie bald nicht mehr
miniaturisiert werden kann (Leckströme werden so groß wie Signalströme).
Das nur so nebenbei, um zu wissen, woher's kommt.
Daniel
@Daniel: Quelle? Wer behauptet das ?
Ich denke mal das die Leckströme durch die FET Kanäle sind eher das
Problem sind, nicht die Gateisolationen. Strom durch das Gateoxid? da
kann man die elektronen einzeln abzählen. EEPROM lässt grüßen.
>@Daniel: Quelle? Wer behauptet das ?
Übungsaufgabe an der ETH Zürich:
http://www.nanophys.ethz.ch/teaching/physik2/Serie9.pdfhttp://www.nanophys.ethz.ch/teaching/physik2/Loesung9.pdf
~9nA Gatetunnelstrom. Macht 54.2 MILLIARDEN Tunnelelektronen pro
Sekunde. Viel Spaß beim Zählen.
Die Kanal-Leckströme kommen natürlich hinzu. Die sind letztenendes ein
Kühlproblem. Gate-Tunnelströme haben zur Folge, dass die Signalströme
höher werden müssen. Genau das Gegenteil von dem, was man will.
Daniel hat es genau erfasst. Und natürlich kommen zum den
Gate-Tunnelströmen noch die Probleme der Kanaltunnelströme hinzu. All
das begrenzt die Baugröße nach unten, wir können nicht beliebig klein
werden mit MOSFETs und die Technologie stößt jetzt in die Bereiche vor
in denen die Tunnelströme als unerwünschter Nebeneffekt überwiegen (es
gibt auch erwünschte Tunnelströme, Floating Gate sei hier als Beispiel
genannt)
@Daniel
Intressante Rechnung. - aber dein Ergebnis bezieht sich anscheinend auf
eine Isolationsdicke von 0.15nm? Ich bin kein Halbleiterspezialist, aber
das ist absolut unrealistisch dünn. Die 500fache Dicke wäre
realistischer und führt zu entsprechend "einzeln abzählbaren
elektronen".
Als einfaches Gegenbeispiel:
Ladung auf einem Gate im EEPROM hat. aufgrund der Strukturgröße im
Vergleich zu einer DRAMzelle ca. geschätz 10fC -
Datenerhaltung/Entladedauer durch das Oxid ca. 10 Jahre.
Strom = 3.17E-23A = ca 3 Elektronen PRO STUNDE !. Also ich kann das
abzählen. Du auch ?
Wie auch immer, das Beispiel zeigt: Mit entsprechend hochwertigem Oxid
ist der Tunnelstrom aktuell überhaupt kein Hindernis für weitere
Miniaturisierung. Desweiteren ist der Tunneleffekt ja EXTREM von der
Spannung abhängig, wodurch der Tunnelstrom beeinflusst werden kann -
weitere Möglichkeit für Miniaturisierung.
Der Kanalstrom durch die Transistoren sind das Problem, welche übrigens
nichts mit dem Tunneleffekt zu tun haben @Michael.
>Strom = 3.17E-23A = ca 3 Elektronen PRO STUNDE !. Also ich kann das>abzählen. Du auch ?
Na dass das bei EEPROMS so ist ist ja klar, Daniel wollte damit nur
sagen, kleiner ginge es heute schon aber dann wird man vom Tunnelstrom
geärgert.
>Wie auch immer, das Beispiel zeigt: Mit entsprechend hochwertigem Oxid>ist der Tunnelstrom aktuell überhaupt kein Hindernis für weitere>Miniaturisierung
Das ist ein riesen Irrtum. Elektronen haben eine gewisse Tunnelstrecke
die relativ unabhängig vom Material in dieser Strecke ist. Wie schon
gesagt, inzwischen erreichen wir Strukturgrößen bei denen der jeweilige
Tunnelstrom deutlich überwiegt. Man baut nur nicht so klein weil die
Nachteile dadurch größer sind als die Vorteile. Man forscht und
entwickelt grade dran wie man noch kleiner werden kann aber die Grenze
des technisch machbaren werden wir bald ausgereizt haben, dann müssen
andere Technologien herhalten um noch kleiner werden zu können.
@Michael
Ok, das hört sich im Allgemeinen plausibel an. Nur wird einige Beiträge
weiter oben davon geredet als wäre speziell im Transistor im Bereich des
Gates der Tunnelstrom das Problem. Geht man davon aus das Allgemein die
Strukturen so klein werden dass überall der Tunneleffekt markant
auftritt, dann ok, das ist sicher eine Grenze. Bei heutigen
Fertigungstechnologien im dezi-nanometerbereich ist das Gate eines
Transtors jedoch (noch) kein Problem, da im die Sperrströme und ganz
besonders die kapazitiven Umladevorgänge viel mehr Strom/Energie
benötigen.
Das ist ja auch der Grund warum man (neben Kostengründen) kleiner werden
will: Kleinere Mosfets haben kleinere Kapazitäten welche umgeladen
werden müssen. Sie können also schneller (!!) und mit weniger
Energieaufwand geschaltet werden. Ebenso sind die Umschaltverluste mit
sinkender Betriebsspannung geringer, weshalb man ebenfalls möglichst
dünne Gateoxide und kurze Kanalstrecken haben will um mit geringer
Spannung schalten zu können. Der Strom durch den Tunneleffekt zwischen
Gate und Substrat ist dabei noch überhaupt kein Problem, wie z.B. am
Praxisbeispiel EEPROM-zellen gezeigt werden kann.
Als Ergänzung:
Das Problem von noch kleineren Strukturen ist neben der Machbarkeit und
(nach Angaben von Michael) Tunneleffekt o.ä. sicher auch zum Großteil
die Wirtschaftlichkeit (Zumindest bei DRAM-Speicher).
Das ist zwar alles richtig aber dein EEPROM-Beispiel ist hierbei
ungünstig. Speicher zählt, eben weil man hier versucht den Tunnelstrom
so gering wie möglich zu halten, zur größte Struktur auf dem Chip. Man
könnte EEPROMs wesentlich kleiner bauen von der Struktur her aber dann
sind die Tunnelströme zu groß. Der Speicher eines µC auf dem Die sieht
man ja immer so schön reflektieren was daher kommt, eben weil die
Strukturen da größer sind.
Wie dick sind denn die Gateisolationen von FETs heutzutage bei den
modernsten Fertigungen?
1997 waren EEPROM-gateisolationen 30nm dick. In modernen EEPROMS sind
die (Program/Erase)-Spannungen zum Tunneln noch geringer, weshalb ich
annehme das die Gateisolationen seit dem sicher nicht dicker geworden
sind.
Aktuelle CPUs laufen ja unter einer Fertigungstechnik um die 45nm;
zumindest sollte somit in der Ebene somit zwischen den Bahnen bei 1,1V
praktisch-faktisch kein Tunneleffekt statt finden?!
Stromaufnahme z.b. 60A, 700Mio Transistoren- entspricht ganz grob
überschlagen 100nA pro Transistor an "Stromverbrauch". Selbst die
absolut unrealistische Berechnung aus der Übungsaufgabe mit 2 Atomlagen
Gateoxid von 9nA - Schon bei diesem Beispiel wärend das nur 10%
Verlust.
Reine Schätzung Meinerseits (ohne Rechnung und Nachweis): Stromverbauch
bei modernen CPUs durch Tunneleffekt: Nicht Messbar (Vermutung aufgrund
der sehr geringen Spannung und aktueller Strukturgrößen).
Wobei ich ehrlich gesagt tatsächlich nicht weiß wie dick die isolationen
in der Hochachse sind ?! -> das dürfte aber zumindest für Leiterbahnen
nie zu einem Problem werden.
CPU Gateisolationsdicke im Jahr 2010 ?
Stefan schrieb:
> Intressante Rechnung. - aber dein Ergebnis bezieht sich anscheinend auf> eine Isolationsdicke von 0.15nm?
Steht doch in der Lösung, dass es 0,56nm sind. Wir reden von
Hafnium/Siliciumdioxid, nicht von Wasserstoff.
>Ich bin kein Halbleiterspezialist
Da hast Du Recht.
> aber das ist absolut unrealistisch dünn. Die 500fache Dicke wäre> realistischer und führt zu entsprechend "einzeln abzählbaren> elektronen".http://www.iisb.fraunhofer.de/de/arb_geb/sim_nano_cmos.pdf
Seite 9: 1,5nm Gateoxiddicke bei 30nm Technologie (welche es schon
gibt). Das ist Faktor 3, nicht 500. Diese schwachsinnige Schätzung
Deinerseits zeigt, dass Du wirklich kein Halbleitesrpezialist bist.
>Schon bei diesem Beispiel wärend das nur 10% Verlust.
Was bitte haben Verluste mit einer unteren Grenze für die
Miniaturisierung zu tun? Zum dritten Mal: Nicht die Verluste durch das
Gate sind das Problem, sondern die Signalströme werden von den Gates
aufgefressen und man hat kein Signal mehr (häng mal 1000 Gates an ein
solches Signal... dann gehts gleich in den µA-Bereich).
Nun wärs an der Zeit für Dich, Deine Schätzungen zu unterlassen.
Daniel R. schrieb:
> Seite 9: 1,5nm Gateoxiddicke bei 30nm Technologie (welche es schon> gibt). Das ist Faktor 3, nicht 500.
Ich hoffe du bedenkst das es sich hier um eine Simulation, und nicht um
eine reale struktur handelt. Dazu sind das auch noch
"Labortransistoren". Aber ok, ist ein Anhaltspunkt, vielen Dank fürs
raussuchen!
> Deinerseits zeigt, dass Du wirklich kein Halbleitesrpezialist bist.
Sherlock Holmes, was? nachdem ich das selbst schrieb?
>>Schon bei diesem Beispiel wärend das nur 10% Verlust.>> Was bitte haben Verluste mit einer unteren Grenze für die> Miniaturisierung zu tun?
Nicht direkt mit Miniaturisierung, das war bloß eine Überschlagsrechnung
um schonmal anzuzweifeln das die Tunnelströme signifikate Größe in
heutigen Strukturen haben.
Zum dritten Mal: Nicht die Verluste durch das
> Gate sind das Problem, sondern die Signalströme werden von den Gates> aufgefressen und man hat kein Signal mehr (häng mal 1000 Gates an ein> solches Signal... dann gehts gleich in den µA-Bereich).
Das hast du aber schön ausgedrückt mit "aufgefressen" - Ich kann dir
recht geben und auch helfen: Du meinst die Umladeströme der parasitären
Kapazitäten, welche auch in deinen genannten Quellen als Hauptproblem
spezifiziert werden. So wie ich bereits sagte..
Also aufgrund des Inhaltes dieses Themas bin ich überrascht das
tatsächlich die Gateoxide schon so dünn sind und sich anscheinend das
Problem der Tunnelströme anbahnen -könnte-. Ganz im Gegensatz zu den
Behauptungen weiter oben ist es aber so, das bei heutigen Strukturen die
Tunnelströme keine Rolle spielen, auch wenn das hier manche Leute
behaupten. Vielmehr sind nach wie vor die parasitären Kapazitäten das
Hauptproblem für die Schaltgeschwindigkeit, und die Kanalsperrstörme
zusätzlich das Problem für die Verlustleistung (neben
Umschaltverlusten). Angenommen dass das Gate 1,5nm Dick ist, liegt das
Ergebnis der Beispielrechnung schon in einer anderen Größenordnung als
9nA. Dazu kommt, das ich mit typisch 1V Spannung arbeite.
> Nun wärs an der Zeit für Dich, Deine Schätzungen zu unterlassen.
Hab ich dich geärgert ;-) Tut mir aber leid ^^
.. Ich kanns bloß nicht sehen wenn Leute irgendwas von einem "coolen
Tunnelstrom" hören und wiedermal etwas vom Ende der
Halbtleiterentwicklung faseln. Noch dazu wenn die aktuellen Problem
-ganz wo anders- liegen (Kapazitäten). Damit meine ich ganz besonders
die Behauptung, welche ich nicht stehen lassen wollte:
>Zeigt schön auf, warum die Halbleitertechnologie bald nicht mehr>miniaturisiert werden kann (Leckströme werden so groß wie Signalströme).
[Das Zitat meint Tunnelströme]
Glaub was Du willst. Ich klink mich hier aus. Ist hoffnungslos mit Dir.
Scheinbar sind alle Professoren bescheuert und alle Institute reden nur
Schwachsinn, wenns nach Dir geht. Es gilt wohl eher die Umkehrung. Jeder
wird über Deine Aussagen lachen. Das ist doch auch schön.