Hallo,
mal was neues zu der "Tonertransfermethode": Ich habe mal versucht,
statt eines Laminiergeräts die Fixiereinheit aus einem (defekten)
Laserdrucker zu verwenden.
So eine Fixiereinheit besteht aus zwei Walzen. Die obere ist aus Metall
und kann mit einem Halogen-Heizstab beheizt werden.
Die untere ist dick (einige Millimeter) mit Silikongummi ummantelt und
unbeheizt.
Sie wird mittels starker Federn und über Hebel mit viel Kraft
(schätzungsweise einige 100N) gegen die obere Walze gepresst.
Der Federweg beträgt aber mehrere Millimeter. Mit etwas Kraftaufwand
bekommt man da ohne Probleme eine 1,5mm dicke Platine dazwischen.
Normalerweise dient die Fixiereinheit im Laserdrucker dazu, den Toner
bei ca. 150...210°C (je nach Drucker) mit dem Papier zu verschmelzen.
Klingt doch schon mal ideal für die Tonertransfermethode, oder?
Die obere Walze hat ein Zahnrad, über das man sie mit einem Motor
antreiben kann.
Wie gesagt, bei der Heizung handelt es sich fast immer um einen
Halogen-Heizstab (vereinzelt soll es auch Keramik-Heizungen geben).
Die Halogensräbe sind für Netzspannung ausgelegt und haben etliche 100W
Nennleistung. Meiner hat 875 Watt.
Das Aussehen erinnert stark an eine Stab-Halogenlampe (die Dinger, die
z.B. in den 500W Halogenscheinwerfern stecken, die für
Baustellenbeleuchtung o.ä. verwendet werden). Ist ja eigentlich auch nix
anderes.
Allerdings haben die Halogenstäbe ein starkes PTC-Verhalten. Meiner hat
im kalten Zustand gerade mal 4 Ohm.
Beim direkten Anschluss an 230V würden also kurz ca. 60A fließen, was
evtl. die Sicherung rausfliegen lässt. Das ist also nicht
empfehlenswert, außerdem verkürzt das die Lebensdauer der Heizung.
An der Fixiereinheit ist auch ein Temperaturfühler angebracht, der die
Temperatur der Walze misst. Bei mir ist das ein NTC mit sehr steiler
Kennlinie (bei 17°C ca. 400kOhm, bei 100°C 28kOhm, bei 220°C 3,5kOhm).
Die nötige "Hardware" ist also vorhanden.
Wer es ganz einfach haben will:
Man kann die Heizlampe z.B. über einen Stelltrafo (Variac) betreiben. Er
sollte mindestens ca. 4A Nennstrom haben:
Erstmal ca. 30V anlegen. Das lässt das Heizelement langsam warm werden,
und der Widerstand steigt.
Nach ein paar Sekunden kann man die Spannung dann erhöhen, im Prinzip
bis auf 230V.
Dann mit einem Thermometer die Temperatur der Walze messen. Wenn die
gewünschte Temperatur erreicht ist, die Spannung zurückregeln, so dass
die Temperatur konstant bleibt.
Statt eines Stelltrafos kann man auch ein Labornetzteil verwenden,
sofern es mindestens ca. 80V bei 3A bereitstellen kann. Wegen der
geringeren Spannung dauert das Aufheizen damit aber ein Weilchen.
So habe ich die ersten Testläufe gemacht.
An den Antrieb der Walze kann man ein Rad o.ä. anbringen, um sie von
Hand drehen zu können und somit die Platine durchlaufen zu lassen.
Das ist aber umständlich und auch wenig reproduzierbar.
Ich habe das Ganze dann also µC-gesteuert gebaut.
Die Walze wird über einen Getriebemotor angetrieben, der vom µC
(ATMega8) per PWM geregelt wird. Die Drehzahl der Walze wird über eine
Scheibe mit vielen Spalten (wie heißt das richtig) und einer
Gabellichtschranke gemessen.
So eine Scheibe und die Gabellichtschranke fanden sich auch in dem
Drucker, aus dem ich die Fixiereinheit habe.
Die Heizung wird über einen Phasenanschnittregler auch vom ATMega8
gesteuert. Der Triac dafür (BTA24-600) stammt auch aus dem Laserdrucker.
Er wird über einen Opto-Triac (MOC3023) galvanisch getrennt angesteuert.
Nach dem Einschalten wird der Triac erstmal erst kurz vor dem Ende der
Halbwelle gezündet. Damit bekommt der Heizstab erstmal nur wenig Saft
und heizt so langsam vor.
Nach 8s wird (fast) volle Power gegeben. Bei mir sind das so 780 Watt.
Das lässt die Walze in unter einer Minute auf 190°C aufheizen.
Ist die Solltemperatur erreicht, wird die Leistung reduziert, damit die
Temperatur konstant bleibt. Bei meinem Aufbau sind ca. 120W nötig, um
die Walze konstant auf 190°C zu halten.
So, nun aber genug der Theorie:
Das Layout habe ich mit einem HP LaserJet 4 mit maximalem Tonerauftrag
auf Reichelt-Papier gedruckt.
Dann bei 207°C und ca. 20cm/min Vorschub mal in das Gerät gesteckt.
Ergebnis: Nicht extrem schlecht, aber auch nicht gut:
Der Toner auf der Platine hatte feine Poren und haftete auch nicht so
sehr gut. Manche Leiterbahnen sind aber auch etwas verlaufen.
Das heißt wohl, dass es zu heiß war und die Durchlaufgeschwindigkeit zu
hoch war.
Also nochmal mit Pinselreiniger abgewischt, Layout nochmal gedruckt und
machmal versucht, diesmal bei 180°C und ca. 8cm/min.
Diesmal gab es keine Poren, die Leiterbahnen sind aber wieder leicht
verlaufen. Anscheinend ist das einfach zu viel Toner.
An einer Stelle berührt ein Lötauge eine benachbarte Leiterbahn.
Das kratze ich dann aber einfach per Messer weg, deshalb mache ist nicht
alles nochmal. Ansonsten ist die Platine nämlich ok.
Und diese Methode ist durchaus brauchbar.
Vorteile gegenüber der Lamimator-Methode:
- Die Fixiereinheit ist für über 180°C ausgelegt, Laminatoren nur für
100...120°C
- So eine Fixiereinheit ist umsonst zu bekommen (defekter Laserdrucker)
- Starke Heizleistung, daher viel schnelleres Aufheizen (<60s) und
schnelles Nachheizen, wenn die Walze durch das Kupfer der Platine
gekühlt wird
- Durch die Silikonwalze gleichmäßigerer Andruck
Nachteile:
- höherer Bastel-Aufwand (kann auch ein Vorteil sein...)
- nur eine Walze beheizt, daher sind doppelseitige Platinen nur in 2
Durchläufen machbar
Was haltet ihr denn von dieser Methode?
Angehängt habe ich ein Foto von der Fixiereinheit und ein höher
aufgelöstes Foto von der Platine.
Schaltplan kann ich falls gewümscht noch reinstellen.
Die Firmware von ATMega8 kann ich auch noch posten, ich halte es aber
nicht für so sinnvoll: Das Verhalten des Temperaturfühlers, der Hezung,
usw. ist bei jeder Fixiereinheit anders, außerdem verwendet jeder einen
anderen Motor. Daher dürfte es sinnvoller sein, das selbst zu schreiben.