Hallo,
welche Art von Cat5e Kabel sollte ich nehmen, wenn ich damit 50m quer
durchs Haus will und damit recht nah an Telefon- und TV-Kabeln vorbei
muss? UTP, FTP, F/UPT, SF/UTP?
Oder ist das egal solange Cat5e draufsteht?
Zunächst soll nur eine 100Mbit Verbindung aufgebaut werden, allerdings
solle sich das ganze irgendwann auch auf 1Gbit erweitern lassen, damit
ich dann nicht wieder ein Kabel verlegen muss.
Grüße, Johannes
S(hielded) ist immer gut, zusätzlich F(oiled) schadet auch nicht.
Auch wenn UTP theoretisch für 100MBit reicht, hat man mit
Schirmung natürlich weniger Störung.
@Klaus Falsch! Ein Kollege von mir hat sich da erst schlau gemacht. Das
ganze ist ne Wissenschaft für sich. Wenn man die geschirmten Kabel
nämlich falsch anschliesst kann die "Qualität" des Kabels gegenüber
eines UTP massiv abnehmen. Zusätzlich kann es Probleme mit Strom über
die Schirmung geben. Aber das ist wohl eher bei Firmen mit mehreren
Stockwerken interessant.
Ich war auch lang der Meinung, dass geschirmt grundsätzlich besser ist.
Geh doch gleich auf Cat6. Das macht preislich glaub nicht mehr viel aus.
Ich betreibe bei mir Cat5e mit SFTP im Haus (100 qm im EG, kleineres
OG und ein Zweig in den Keller, und 50 m in den Garten im Sommer)
ursprünglich mit 100MBit, inzwischen mit GBit.
Das geht jedenfalls problemlos.
Ich habe überall Cat7 Duplex-Kabel verwendet, ist eigentlich Stand der
Technik. Und sehr viel teurer als Cat 5e ist Cat7 auch nicht. Allerdings
mit dem Vorteil, dass die Kabel auch für 10GigE tauglich sind. Nur halt
die üblichen RJ45-Stecker nicht...
Ich würde ja für Cat7 plädieren, auch wenn bei Reichelt die
1000m-Trommel Cat5 grad für 463,95 im Angebot ist.
Und das es "Twin-Kabel" (2 Cat7-Kabel zusammengeschweißt) ist mir noch
neu, find ich aber praktisch.
Duplex-Kabel sind spitze, da meist ja sowieso Doppeldosen eingebaut
werden. Und versuch mal zwei einzelne Kabel in ein Leerrohr zu ziehen...
Das funktioniert meist nicht ganz so gut.
S/FTP, also Folienschirmung jedes einzelenen Adernpaars plus
Gesamtschirm aus Geflecht ist eine gute Wahl. Schützt nicht nur das
Netzwerk gut gegen Einstrahlung, sondern auch gegen Abstrahlung.
Besonders parallel laufende Telefonleitungen wird das freuen.
>Wenn man die geschirmten Kabel nämlich falsch anschliesst kann die> "Qualität" des Kabels gegenüber eines UTP massiv abnehmen.
Wenn man zu blöd ist, die Verkabelung ordnungsgemäß zu installieren,
dann bekommt man mit jeder Art Probleme.
Für die Dosen empfehle ich Telegärtner AMJ45. Du wirst die paar Euro
Mehrausgabe schon bei während der Installation nicht bereuen, kannste
glauben...
Ach wer braucht denn schon Dosen. Das Kabel geht vom Modem im Keller bis
zum Router im zweiten Stock in einem Stück durch. (Nicht unbedingt
schön, wenn das Kabel so von der Decke baumelt, aber da kommt es eben
raus :-)
An Kabel für Festverlegung kann man keine RJ45-Stecker crimpen, da die
Einzelleiter anders als bei Patchkabel keine Litze, sondern massiver
Draht sind. Da ist die Verwendung von Netzwerkdosen mit
LSA+-Schneidklemmkontakten äußerst ratsam.
>Ich habe übrigens auch schon SFTP-Verlegekabel an RJ45 geklemmt.>Zumindest mit meinem Kabel ging das hervorragend.
Muß aber welches mit sehr kleinem Querschnitt gewesen sein. Ansonsten
popelt man sich die Finger blutig, um es in die Modularstecker
reinzubekommen. Bei den für Cat.5e üblichen Querschnitten ist das so gut
wie unmöglich.
> Patchkabel hat Litze?
In der Tat.
> Ich habe übrigens auch schon SFTP-Verlegekabel an RJ45 geklemmt.> Zumindest mit meinem Kabel ging das hervorragend.
Hmm. Reden wir hier vom gleichen? Du hast Verlegekabel mit einzelnen
Drähten in RJ45-Stecker gecrimpt? Und das hält? Wie lange?
Icke schrieb:
> Muß aber welches mit sehr kleinem Querschnitt gewesen sein. Ansonsten> popelt man sich die Finger blutig, um es in die Modularstecker> reinzubekommen. Bei den für Cat.5e üblichen Querschnitten ist das so gut> wie unmöglich.
Also das Cat5e mit AWG24 passt eigentlich ganz ordentlich in meine
Stecker, und halten tuts auch nicht schlecht.
@Icke:
>Wenn man zu blöd ist, die Verkabelung ordnungsgemäß zu installieren,>dann bekommt man mit jeder Art Probleme.
Wie installiert man denn "ordnungsgemäß"?
- Schirm des Kabels an beiden Enden in der Dose auflegen?
- Schirm nur an einem Ende auflegen?
- Werden die Dosen selbst geerdet?
- Oder erdet man über Schirmung des Patchkabels von der Dose zum
Computer?
- Womit misst man eigentlich, ob es gefährliche Potentialunterschiede
zwischen verschiedenen Dosen/Computern und dem Switch im Keller gibt?
- Mein Switch hat ein SNT ohne Schutzleiter. An welchen Stellen
verbindet man in der Verkabelung dann die Erdung mit der Schirmung?
Die Fragen sind ernst gemeint, ich bin offensichtlich "zu blöd", möchte
aber das Wissen erlangen, um selber mal ein paar Kabel zwischen Keller
und 1. Obergeschoss ziehen zu können...
Gruß, Horst
Horst schrieb:
> - Werden die Dosen selbst geerdet?> - Oder erdet man über Schirmung des Patchkabels von der Dose zum> Computer?
Die Verbindung RJ45-Dose <-> PC sollte als ungeschirmtes Patchkabel
passieren, eben um Masseschleifen zu verhindern.
Das festverlegte Kabel wird ja normalerweise auf ein Patchfeld geführt,
und dort wird geerdet. Die eigentlichen Patchkabel dann auch wieder
ungeschirmt.
> - Mein Switch hat ein SNT ohne Schutzleiter. An welchen Stellen> verbindet man in der Verkabelung dann die Erdung mit der Schirmung?
Patchfeld. Siehe oben :)
>- Womit misst man eigentlich, ob es gefährliche Potentialunterschiede>zwischen verschiedenen Dosen/Computern und dem Switch im Keller gibt?
Das ist Aufgabe des Elektrikers. Und der ist i.A. auch dafür
verantwortlich, einen vernünftigen Potentialausgleich zu schaffen.
Sollte das z.B. aus baulichen Gründen nicht möglich sein, dann ist
TP-Verkabelung grundsätzlich nicht geeignet. Die Verwendung
ungeschirmter Leitungen zur Umgehung des Problems würde ich vorsichtig
ausgedrückt als "Workaround" bezeichnen. Man kann es auch "Murks"
nennen. Spätestens bei Gigabit-Links wird das nicht mehr richtig
funktionieren, i.d.R. arbeitet auch ein 100-MBit-Netz bereits
suboptimal. Defekte an den Switches oder Netzwerkkarten sind auch nicht
selten eine Folge. Bei nicht behebbaren Potentialunterschieden ist LWL
die bessere Wahl oder notfalls ein spezieller Potentialtrenner.
Wie Reinhard schon richtig ausgeführt hat, wird die Erdung nur zentral
am Patchfeld vorgenommen. Die Masse der Dosen wird an den Schirm des
Kabels (oder bei UTP an den Massedraht) geführt. Beim Auflegen der Adern
muß man peinlich darauf achten, daß die Verdrillung bis auf wenige
Millimeter vor der Klemmstelle erhalten bleibt. Eine zu frühe Aufhebung
der Verdrillung ist die häufigste Ursache für schlechte Links.