Hallo Thomas,
finde das TRL-Verfahren sehr elegant und für Microstrip-Systeme auch
eines der genauesten Verfahren, sofern der "Line"-Standard genau 50 Ohm
bzw. deine gewünschte Bezugsimpedanz hat. Das ist dann auch der
eigentliche Knackpunkt. 50 Ohm lassen sich mit einer Koaxial-Luftleitung
einfach und genau realisieren. Anders sieht es bei Microstrip-Leitungen
aus. Die Substratparameter sind in aller regel nicht genau bekannt, so
dass es allein deswegen schwierig werden kann, die korrekte
Microstrip-Leitungsbreite zu finden. Ich löse das so, dass ich
TRL-Substrate mit unterschiedlichen Leiterbahnbreiten anfertige, also
grob ein paar 100stel mm um die berechnete Breite herum. Zusätzlich
fertige ich Microstrip-Abschlüsse aus 50
Ohm-Hochfrequenz-SMD-Widerständen wiederum mit den angesetzten
Microstip-Breiten an, wie sie später auch in der Schaltung als
Abschlüsse verwendet werden. In Micorstrip-Technik sind die
Abschlusswiderstände durch ein Via mit Masse verbunden. Dieses Via hat
einen Induktiven Anteil. Dadurch startet die Kurve im Smith-Diagramm von
irgendeinem Punkt auf der X-Achse (Imag=0) und läuft dann nach oben
(induktiv). Die Leiterbahnbreite, deren Reflexionsfaktor des 50
Ohm-Widerstandes im Zentrum des Smith-Diagramms startet, ist die
Richtige.
Bzgl. Deiner Frage zum Frequenzbereich. Du misst mit Deinem Aufbau ja
nicht bei einer Frequenz, sondern über einen Frequenzbereich.
Dementsprechend müssen auch Deine Kalibriersubstrate aufgebaut sein. Man
sagt, dass die Länge des L-Standards eine Phase von 10 grad bis 170 grad
abdecken soll. D.h freqMin = v/L*10/360 und freqMax = v/L*170/360. Dabei
ist v die Ausbreitungsgeschwindigkeit, z.B. bei Rogers RO4350 15mil
1,7e8m/s. L ist die Länge des L-Standards.
Grüße,
Gyrotron