Hallo,
ich habe eine Frage zu dem Zusammenhang zwischen den Phasenstrom und dem
Gesamtstrom. Wie kommt es zustande das der Phasenstrom doppelt so hoch
sein kann wie der Strom in der Zuleitung (Gesamtstrom) der B6-Brücke.
Bzw. welchen maximalen Wert kann der Phasenstrom in Bezug zu dem
Gesamtstrom denn anehmen?
Das wurde mir so geasgt und ich konnte mir das bisher noch nicht
erklären.
Wobei das der Strom in der Phase unterschiedlich zu dem Gesamtstrom ist,
ist mit klar nur das er doppelt so hoch sein kann ist noch unklar.
Bisher dachte ich das es nur ein kleiner unterschied ist.
Das Verhältnis Phasenstrom zu Gesamtstrom kann theoretisch gegen
Unendlich gehen.
Der Strom der in die Brücke hinein- oder hinausfließt bei einer
bestimmten Zwischenkreisspannung entspricht der Wirkleistung die der
Antrieb umsetzt (inklusive Verlusten im Umrichter / Antrieb).
Der Phasenstrom kann und wird unter Umständen eine hohen Anteil
"Blindstrom" oder auch Magnetisierungsstrom tragen.
Die Frage nach BLDC ist leider etwas pauschal, da es ganz
unterschiedliche Derivate mit unterschiedlichen Feldverläufen gibt, die
sich jeweils etwas anders verhalten. (z.B. ist ein BLDC Antrieb mit
sinusförmigem Verlauf eher ein Synchronmotor, mit einem rechteckförmigen
Verlauf eher ein Schrittmotor oder Reluktanz)
Der Verlauf der Phasenströme hängt von den Maschinenparametern und dem
Arbeitspunkt ab. Läuft der BLDC-Motor als Generator und bekommt soviel
mechanische Leistung eingespeist das exakt alle Verluste gedeckt werden,
wird der Zwischenkreisstrom zu null.
Nun, ein Anhaltspunkt für eine Grenze ist der Phasenstrom der am
blockierten Motor auftritt (oder bei schneller beschleunigung) und keine
Strombegrenzung in der Regelung hast. Im Extremfall legst Du die volle
Zwischenkreisspannung an den Motor über die MOSFETs und hast nur den
DC-Widerstand der Windung.
Im Motorischen Fall reduziert die Gegenspannung deine angelegte
Zwischenkreisspannung und somit den Strom.
Im Generatorschen Fall addiert sich die Gegenspannung zu der
Zwischenkreisspannung und der Strom steigt noch!!!
Im Dreieck ist die Strangspannung gleich der Leiterspannung.
Im Stern wären die Strangspannung nur Leiterspannung/Wurzel 3.
Zur EMK findeste hier im Absatz 2.2 was:
http://de.wikipedia.org/wiki/Elektromotorische_Kraft
Moin,
im Grunde ist doch so eine Schaltung wie ein Buck-Converter zu sehen.
Der mittlere Strom der durch das System "Antrieb" fließt sagt gar nichts
über den Strom auf den Phasen aus.
In der off-time der PWM fließt durch die Spulen (Induktivitäten) der
Strom weiterhin und erhöht somit den mittleren Stromfluss im Motor.
Richtig(er) wäre hier die Betrachtung der Leistung.
Was meiner Ansicht nach möglich ist, ist den Strom kurz vor dem Ende der
ON-time der PWM zu messen und davon auszugehen, dass dieser während der
OFF-time konstant bleibt.
Nimmt man nun einen Motor mit sehr niedrigem Wicklungswiderstandes, dann
wird schnell deutlich, dass die ON-Time nur sehr kurz sein kann (ohne
gegen-EMK betrachtet) bis der Induktivität der Nennstrom von, sagen wir,
5A eingeprägt wurde. Wenn man sich das mal für 60V und 10mH ausrechnet
wird man sehen, was ich meine....
Gruß,
Olof
Konstant? nicht wirklich...
Hier mal ein Bild des Strangstroms
Motor im Leerlauf, halbe Drehzahl, Schaltfrequenz 65khz(!).
ist ein Modellbaumotor. (Neumotor irgendwas...)
Vielen Dank schonmal für die Hilfe von euch allen :)
Der Zusammenhang ist mir zwar noch nicht klar aber scheint kein
einfaches Thema zu sein.
Das Oszilloskop Bild find ich schonmal super kannst du dazu auch
gleichzeitig den Gesamtstrom in der Zuleizung messen?
Noch eine Frage wie würdet ihr dann Vorgehen bei der Messung der
Phasenströme. Wenn ich dieses über einen Shunt-Widerstand machen möchte.
Bei der Auslegung des Shunts muss ich doch den maximalen Strom kennen?
Andreas R. schrieb:
> Konstant? nicht wirklich...>> Hier mal ein Bild des Strangstroms>> Motor im Leerlauf, halbe Drehzahl, Schaltfrequenz 65khz(!).> ist ein Modellbaumotor. (Neumotor irgendwas...)
Moin!
Ja klar, konstant ist er natürlich nicht. Aber so für das Verständnis.
Während der Strom der Aus dem Netz gezogen wird in der OFF-time der PWM
zu null werden sollte fließt innerhalb eines Stranges vom Motor der
Strom weiterhin getrieben durch die Induktivität und über die
Freilaufdioden.
Leider stehen mir keine derart schönen Messgeräte zur Verfügung.
Aber evtl. hilft da mal eine Simulation!
Gruß,
Olof
Noch mal zum Zusammenhang Gesammtstrom zu Strangstrom unter der
Voraussetung, daß im Block kommutiert wird:
Mit dem Tastverhältnis der PWM verringert man die effektive Spannung
über den Motorsträngen.
Beispiel: Uzk = 24V, DutyCycle=0.5 ==> Ustrang = 24V*0.5 = 12V
Jetzt kommt das Prinzip DC/DC-Wandler ins Spiel.
Die eingehende Leistung ist Pein=24V*Igesammt
Da die Leistung nicht verloren geht, ergibt sich ein Spulenstrom von
Istrang=Igesammt/DutyCycle
Die Gegenrechnung zeigt Ustrang*Istrang=Pein
Die maximale Größe von Istrang ist der Blockierstrom.
Die Rechnung für Istrang gilt dabei Unabhängig von der Verschaltung im
Stern oder Dreieck. Istrang ist der Strom, der in einer der Zuleitungen
der Motors fließt.
Zur Messung: Entweder mit zwei Shunts in zwei Motorstängen (der dritte
berechnet sich über die Knotenpunktregel) oder Messung in der Zuleitung
zur B6-Brücke jedoch hinter den Kondendsatoren. Voraussetzung: PWM muss
im Stromverlauf erkennbar sein. Beispiel: Bei DutyCycle=0.5 ist der
Strom 50% der Zeit Null und 50% der Zeit maximal. Dann entspricht der
maximale Strom dem Strangstrom.
Gruß
mo
Ich habe leider kein Bild des Stromes in der Zuleitung zur Brücke, kommt
man auch kaum ran, da das ja auf der Platine ist. Man kann sich die
Stromform aber leicht herleiten: Sie entspricht dem gemessenen Strom in
den "ON"-Phasen (Ch1 = 50V), und ist 0 in den Off-Phasen(Ch1 = 0V).
Das Blaue ist übrigens das Kommutierungsignal, low-high kurz nach Beginn
des Sektors, high-low bei einem Rotorwinkel von 30° (Sensorlose
Kommutierung).
Man erkennt auch, wenn man genau hinsieht, dass einige ° vorkommutiert.
Das einzige, was ich noch bieten kann, ist der Strom zwischen
Zwischenkreis und der Spannungsquelle.(im Anhang, gleicher Betriebspunkt
wie das erste Bild)
Bez. Verlauf des Strangstroms in der Off-Phase der PWM: Es ist nicht nur
ein einfacher Freilauf (L und D) sondern es kommt noch die vom Motor
induzierte Gegenspannung, die den Strom abbaut
(Drehzahl*Drehzahlkonstante). In meinem Fall habe ich aktiven Freilauf
(die intrinsische Diode der FETs wird durch einschalten des FETs
kurzgeschlossen), so dass der Strom - verursacht durch eben diese
Gegenspannung - sogar die Polarität wechselt. (siehe Bild oben)
Wenn man die Strommesswerte noch ein wenig glättet kannst man daraus die
Strangströme über o.g. Formel
Istrang=Igesammt/DutyCycle
berechnen. Das ganze funktioniert auch bei aktivem Freilauf.
Gruß
mo