Schlechtes Ätzergebnis mit HCl+H2O2

OP #1639235
Hi! Ich habe eben meine erste Platine mit HCl+H2O2 geätzt, leider mit 
einem suboptimalen Ergebnis. Es handelt sich um ein Layout, das ich 
schon ca. 10x mittels Natriumpersulfat geätzt habe, wobei ich immer ein 
perfektes Ergebnis hatte. Gedruckt wurde es mit einem Epson C62 auf 
Overheadfolie und anschließend 60s mit einem Gesichtsbräuner belichtet.

Das neue Ätzgemisch habe ich angesetzt aus 350 ml Wasser, 175 ml 30%iger 
Salzsäure und 225 ml 3%igem Wasserstoffperoxid. Diese schwache 
Konzentration (1% H2O2, 7% HCl) wurde in einem Beitrag im Progforum 
empfohlen, da dabei weniger Chlorgas frei wird. Das Ätzen dauerte auch 
recht lange (hab leider nicht auf die Uhr geschaut, aber 30 min. waren 
es mindestens).

Was das Ergebnis betrifft: Obwohl das Kupfer in den belichteten 
Bereichen größtenteils verschwunden ist, gibt es immernoch Stellen, wo 
noch etwas hängt. Noch länger ätzen würde aber nichts bringen, denn 
bereits jetzt sind manche Leiterbahnen (eingestellte Breite 10 mil) 
vielleicht noch etwa 2-4 mil breit, während andere gut aussehen.

Hat jemand eine Idee, was da schiefgelaufen ist?
Gast #1639252
Ich ätze auch mit HCL / H2O2.
Ich würde behaupten: MEHR POWER!
Sprich mehr H2O2 (oder weniger Wasser)
Meine Mischung ist:
100ml Wasser, 50ml HCL(25%), 20-25ml H2O2 (30%)

Geht auch ganz langsam, kaum Bläschen, perfektes Ergebnis in 1-2min.
OP #1639385
Naja, ich hatte mich halt auf das Rezept aus dem Progforum mit 1% H2O2 
verlassen... Aber es stimmt, das ist definitiv zu schwach. Selbst ohne 
Wasser hat es 55 min. gedauert. Das Ergebnis ist besser als davor, aber 
die Leiterbahnen sind wieder auf Haaresbreite geschrumpft. Und die Pads 
für ein TQFP44 sind ganz unterschiedlich breit, selbst unmittelbar 
nebeneinanderliegende. Sehr komisch...

Ich werde mir also 30%iges H2O2 besorgen, und mit dem 3%igen kann ich 
dann ganz viel gurgeln :)
Gast #1639845
Christoph M. schrieb:
> Ich werde mir also 30%iges H2O2 besorgen, und mit dem 3%igen kann ich
> dann ganz viel gurgeln :)

solange bis der Verfassungsschutz kommt...

Soweit ich mich erinnern kann (wir haben mal professionell mit HCl/H2O2 
geätzt, aber das ist Jahrzehnte her), funktioniert das Ätzen erst mit 
einem gewissen Cu-Anteil in der Ätzbrühe, frisches Ätzmittel arbeitet 
viel schlechter. Daher immer nur einen Teil ersetzen.

Gruss Reinhard
Persönliche Seite #1639869
Reinhard Kern schrieb:
> Christoph M. schrieb:
>> Ich werde mir also 30%iges H2O2 besorgen, und mit dem 3%igen kann ich
>> dann ganz viel gurgeln :)
>
> solange bis der Verfassungsschutz kommt...

Der hatte die Brühe bereits vorher verdünnen lassen, da der 
Chems-Lieferant geschwätzig war.
Aber so viel Dummheit muß einfach verhaftet werden.


>
> Soweit ich mich erinnern kann (wir haben mal professionell mit HCl/H2O2
> geätzt, aber das ist Jahrzehnte her), funktioniert das Ätzen erst mit
> einem gewissen Cu-Anteil in der Ätzbrühe, frisches Ätzmittel arbeitet
> viel schlechter. Daher immer nur einen Teil ersetzen.
>

Jep. Es wird nämlich eigentlich mit einer Kupferverbindung hier geätzt! 
Jetzt sage ich aber keine, da ich aus dem Kopf falsch liegen könnte.
#1639931
Abdul K. schrieb:
> Aber so viel Dummheit muß einfach verhaftet werden.

Kein Problem, wenn man die Hohlköpfe erst per Agent Provocateur zu 
solchen Dummheiten animiert...

Zur H2O2 + HCl - Ätzchemie: Das Kupferchlorid katalysiert den Prozeß.
OP #1640229
Reinhard Kern schrieb:
> Christoph M. schrieb:
>> Ich werde mir also 30%iges H2O2 besorgen, und mit dem 3%igen kann ich
>> dann ganz viel gurgeln :)
>
> solange bis der Verfassungsschutz kommt...

Pardon, wie meinen?

> Soweit ich mich erinnern kann (wir haben mal professionell mit HCl/H2O2
> geätzt, aber das ist Jahrzehnte her), funktioniert das Ätzen erst mit
> einem gewissen Cu-Anteil in der Ätzbrühe, frisches Ätzmittel arbeitet
> viel schlechter. Daher immer nur einen Teil ersetzen.
>
> Gruss Reinhard

Ja, das hab ich auch bemerkt. Nachdem ich das Kupfer der zwei 
misslungenen Platinen komplett in der Suppe aufgelöst hatte, ging es 
schon etwa doppelt so schnell. Werde mir aber trotzdem eine höhere 
Konzentration besorgen, gelöstes Kupfer habe ich dann immerhin schon :)
Gast #1641500
Abdul K. schrieb:
> Jep. Es wird nämlich eigentlich mit einer Kupferverbindung hier geätzt!
> Jetzt sage ich aber keine, da ich aus dem Kopf falsch liegen könnte.

Verdampt lang her, aber da gibts noch was:
http://www.peters.de/service_d/schulungsblaetter/chem_aetz_d.pdf

"Beim sauren Ätzen dient eine salzsaure Kupferchloridlösung als 
Ätzmedium, das sich durch gute Steuerbarkeit und konstante Ätzrate 
auszeichnet.
Die chemische Gleichung des Ätzvorgangs lautet hier:
Cu + CuCl2 ==> 2 CuCl
Durch die Bildung von einwertigen Kupferionen sinkt die Aktivität der 
Ätze, die durch chemische Reoxidation mit Wasserstoffperoxid wieder 
regeneriert werden muß:
2 CuCl + H2O2 + 2 HCl ==> 2 CuCl2 + 2H2O "

Aktiv geätzt wird also mit CuCl. Da das wieder neu gebildet wird, kann 
man das auch als Katalyse verstehen (@Uhu). Der Charme des Verfahrens: 
das Ätzen produziert immer mehr Ätzmittel.

Gruss Reinhard
#1641542
Wie ist denn das zu verstehen:

> Um die Emission von Salzsäuredämpfen zu reduzieren bietet es sich an,
> den größten Teil der Salzsäure durch Kochsalz zu ersetzen. Neben der
> Umweltverbesserung werden dadurch sogar noch Kosten gespart.

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