Frohe Ostern allen zusammen!
Ich arbeite an meiner Masterarbeit, inder ich eine Messschaltung
aufgebaut habe, die Spannungen in 100uV Schritten misst.
In der Schaltung sitzt ein 16-Bit ADC, der von einen MC ausgelesen wird,
der die Spannungswerte an einen PC sendet. 1-Bit entspricht etwa 10uV.
Bevor der analoge Wert in den ADC geht, wird mit einem OPV (LT6230) ein
Offset aufaddiert. Die Offsetspannung kommt von einem DAC AD5667.
Dabei ist mir etwas Merkwürdiges aufgefallen. Ich hatte vergessen, einen
100nF Kondensator (0805), der die Ausgangsspannung des DAC stützen
sollte, aufzulöten. Das Rauschen lag unter 70uV, errechnet sollten es
weniger als 30uV sein, aber das ist egal, ich will nur 100uV aufösen.
Nach dem Einlöten des 100nF Kondensators, irgendein Standardteil mit
X7R-Dielektrikum, hatte ich ein Rauschen, dass 5 bis 10 mal größer war.
Können Keramikkondensatoren so stark Rauschen? Bringt ein Typ anderem
Dielektrikum eine Verbesserung?
Das direkte Rauschen wird weniger das Problem sein. Die Kondensatoren
der Reihe X7R und ähnlich sind aber etwas Piezoelektisch und wirken so
etwa wie ein Mikrofon das Körperschall einfangen kann.
Rauschen ? Nein, allenfalls mikrophonie. Das wuerde dann Einsteuung im
audiobereich verursachen. Dagegen koennte man anstelle von X7R einen NPO
typen nehmen. Ist es moeglich ein Spektrum des Rauschens zu bestimmen ?
Die Speisung ist linear, ohne Switcher nehm ich an.
Der Ausgang dieses DACs verträgt nur 1nF laut Datenblatt.
Hast du etwa die 100nF direkt an den Ausgang des Verstärkers angelötet?
Falls ja, dann besteht die Gefahr, dass der Verstärker im DAC schwingt.
Eventuell ist auch der Massepunkt an dem der 100nF angeschlossen ist
durch digitale Störströme "verseucht".
Ansonsten: Folienkondensatoren haben keinen so ausgeprägten
Mikrofonie-Effekt.
Gruß Anja
Ohne Schaltplan läßt sich natürlich nicht so viel sagen.
Ersetze den X7R-Typ doch mal durch einen MKS2-Typ, oder schnippe mit dem
Finger auf die Platine, dann siehst du ja schnell, ob es Mikrofonie ist.
Ich hatte in der Anfangszeit der SMD-Technik mal ein Problem mit einem
keramischen 1206 Kondensator, den ich aus Unwissenheit beim Löten
überhitzt habe. Der hatte dann ein Kontaktproblem im Inneren, das auf
dem Oszi wie tieffrequentes Rauschen aussah. Erst als ich die Platine
mit beiden Händen durchgebogen habe, war das Rauschen weg (und das
Nutzsignal auch...).
Kai Klaas
>>Ohne Schaltplan läßt sich natürlich nicht so viel sagen.
Denn kann ich leider nicht veröffentlichen.
>>Ist es moeglich ein Spektrum des Rauschens zu bestimmen ?
Soweit ist die Software noch nicht, es sieht recht weiß aus.
Es ist erkennbar, wenn ich die Samplefrequenz auf 400K Samples erhöhe
und mir die dezimalen Werte anschaue.
Es hat auch einen Anteil im Bereich über 100 KHz.
>>Die Speisung ist linear, ohne Switcher nehm ich an.
Jein, ein Induktiver Wandler erzeugt die Vorspannung, die durch einen
niederohmigen Tiefpass in einen low-noise Linearregler eingespeißt wird.
Die Versorgung hat ein Rauschen, das unter einem mV liegen muss,
jedenfalls ist auf einem analogen Hameg, als auch auf einem digitalen
Tek im 10mV-Bereich nichts zu erkennen.
>>Ersetze den X7R-Typ doch mal durch einen MKS2-Typ, oder schnippe mit dem>>Finger auf die Platine, dann siehst du ja schnell, ob es Mikrofonie ist.
Ich werde nächste Woche mal den NPO und MKS2 probieren, falls ich sowas
im Labor finde. Ich habe zwar die Schaltung hier, aber kein Sortiment an
Kondensatoren.
Es muss irgendwas mit dem Kondensator und/oder dem DAC zu tun haben,
weil der ADC zwei Kanäle gleichzeitig sampelt und die beiden OPs an den
Eingängen im gleichen Gehäuse sitzen. Auch die Verstärkungsfaktoren sind
etwa gleich, nur wird der eine Eingang um den Offset vom DAC angehoben
und der andere nicht. Das der DAC ein Rauschen hat, kann ich deutlich
sehen. Kanal 1 (ohne Offset) hat ein Rauschen von unter 10 (dezimal),
Kanal 2 von unter 70 (ohne Kondensator) und über 500 mit Kondensator.
Die Genauigkeit ist für mich gut genug, mich interessiert nur der Grund,
warum sich das Rauschen so verstärkt, wenn ein kleiner 100nF dran ist.
@Anel,
Hast du diese Frage übersehen?
> Der Ausgang dieses DACs verträgt nur 1nF laut Datenblatt.> Hast du etwa die 100nF direkt an den Ausgang des Verstärkers vom DAC angelötet?> Falls ja, dann besteht die Gefahr, dass der Verstärker im DAC schwingt.
>>Hast du diese Frage übersehen?
Ja, habe ich tatsächlich, war nicht bös gemeint!
Ich verstehe das Datenblatt so, dass das für den dynamischen Betrieb
gilt.
Das ist bei mir nicht so. Ich stelle einmal eine Spanung ein und das war
es dann. Warum sollte ein OP schwingen, wenn ich einen kleinen
Kondensator dranhänge? Es ist keine Induktivität vorhanden und die paar
nH von der Leiterbahn sollten das auch nicht bringen. Ich verlangsame
damit die Anstiegszeit, aber mehr auch nicht(?) Das musst du mir jetzt
erklären...
Hier mal ein Beispiel was bei einem realen Opamp passiert. Beachte den
Peak in der Verstärkung. Genauso wird dein Rauschen ge"peak"t.
Mit der .asc-Datei kannst du das mit LTspice simulieren.
>Warum sollte ein OP schwingen, wenn ich einen kleinen Kondensator>dranhänge? Es ist keine Induktivität vorhanden und die paar nH von der>Leiterbahn sollten das auch nicht bringen.
Aber du erzeugst am invertierenden Eingang eine Phasendrehung (phase
lag), die den OPamp instabil macht. Helmut hat völlig Recht. Du darfst
nicht einfach einen 100nF Kondensator direkt an den Ausgang eines
Operationsverstärkers hängen! Schalte wenigstens einen Widerstand von
größer 50R (genauer Mindestwert hängt vom OPamp ab) dazwischen. Dieser
Widerstand hilft dir übrigens zur zusätzlichen Filterung des Rauschens
und ist schon von daher zu empfehlen.
>Denn kann ich leider nicht veröffentlichen.
Das verstehe ich. Aber wenn ein Fehler vorliegt, ist er sowieso nichts
wert. Jetzt können wir dir nur Tips geben, aber kaum wirklich dein
Problem lösen.
Kai Klaas
Guten Morgen!
@Helmut: Das die Dinger so reagieren können, hätte ich nicht gedacht,
danke für die Simulation.
Den Tiefpass einbauen kann ich nicht mehr, aber ich kann einen Jumper
durch eine kleine Spule ersetzen. Das probiere ich morgen mal aus.
>>...aber kaum wirklich dein Problem lösen.
Ich habe kein wirkliches Problem, mich interessierte, wie oben gesagt,
nur das "warum".
Ich bedanke mich bei euch und wünsche einen schönen zweiten Ostertag!
Ich habe aber schon Applikationen gesehen da hat TI einen Kondensator
über 1µF ( waren glaube ich 4.7µF )direkt, ohne über einen Widerstand
entkoppelt am Ausgang des OPV gekoppelt.
Hat jemand eine erklärung dazu, würde mich interessieren.
Ist aber ein wenig blöde da ich die Applikation nicht finde ich weiß
aber
noch das es um einen Low Noise Spannungsregler ging.
Man könnte natürlich einen normalen Elko (>=10uF) mit mindestens 1 Ohm
Serienwiderstand(ESR) verwenden. Keine Sorge, das ist nur ein Bauteil.
Der ESR ist "eingebaut". Vielleicht gibt es ja auch einen schlechten
Tantal mit >= 1Ohm ESR.
Ich glaube Helmut hat mich falsch verstanden. Ich baue eine Spule,
besser eine Ferritperle, sofern ich eine finde, in Serie ein, den
Kondensator muss ich weglassen, weil der einfach nicht reinpasst. Einen
bedrahteten Kondensator will ich nicht einlöten, weil ich dann eine
Schleife hätte, die wahrscheinlich mehr Rauschen von der
Schaltreglerspule einfängt als eliminiert wird.
Hier ein Ausschnitt aus dem ADS1251 Datenblatt von TI mit einemm
Vorschlag der Referenzspannungserzeugung.
Der Ausgang des OP wird massiv kapazitiv belastet, es besteht aber
offenbar trotzdem keine Schwingneigung.
Danke für den Tipp mit dem OPA350. Der ist an sich schon rauscharm und
scheint in der Tat besonders gutmütig zu sein bezüglich kapazitäter
Last.
Aus dessen Datenblatt:
In unity gain, OPA350 series op amps perform well with
very large capacitive loads. Increasing gain enhances
the amplifier’s ability to drive more capacitance. The
typical characteristic Small-Signal Overshoot vs
Capacitive Load shows performance with a 1kΩ
resistive load. Increasing load resistance improves
capacitive load drive capability.
>Ich habe aber schon Applikationen gesehen da hat TI einen Kondensator>über 1µF ( waren glaube ich 4.7µF )direkt, ohne über einen Widerstand>entkoppelt am Ausgang des OPV gekoppelt.>Hat jemand eine erklärung dazu, würde mich interessieren.
Es gibt spezielle OPamps, die große Kapazitäten am Ausgang vertragen.
Auch normale OPamps können scheinbar gutmütig auf sehr große Kapazitäten
am Ausgang reagieren. Das kommt so: Die Kapazität sorgt zusammen mit der
endlichen Ausgangsimpedanz nicht nur für eine destabilisierende
Phasendrehung in der Gegenkopplung, sondern auch für eine kräftige
Absenkung der Schleifenverstärkung, sodaß die Schleife nicht mehr auf
die Mindestverstärkung von V=1 zum Aufbau einer Schwingung kommt, trotz
gefährlicher Phasendrehung von insgesamt 360°. Solche Situationen findet
man beispielsweise, wenn man mit einem LM324 aus einer Single Supply
Spannungsversorgung einen Virtual Ground Generator bastelt und dazu
direkt vom Ausgang zu den beiden Supply Rails jeweils einen Elko von
47µF schaltet.
Ein solcher OPamp verfügt dann aber über fast überhaupt keine
funktionierende Gegenkopplung mehr, sondern ist praktisch tot. Er
kriecht DC-mäßig zu dem Pegel, den die Gegenkopplung ihm diktiert, kann
aber auf schnelle Störungen nicht mehr wirklich regelnd eingreifen. Sein
Ausgang wird schon für niedrige Frequenzen durch den Kondensator
kurzgeschlossen, was sich dann so auswirkt, als ob man bei einem Auto
gleichzeitig Vollgas gibt und wie ein gestörter auf die Bremse tritt.
Solche Schaltungen sind hochgradig gefährlich, weil sie nicht mehr
linear funktionieren und jederzeit Unfug treiben können.
Außerdem, täusche dich nicht, nur weil du das bei Texas Instruments
gefunden hast, muß das noch lange nicht richtig sein. Auch dort gibt es
jede Menge Pfuscher, die keine Ahnung haben...
Kai Klaas
Schrott in Applikation Notes finde ich unter aller Sau, schlecht für den
Entwickler darauf vertraut und ist auch richtig schlechte Werbung für
einen Hersteller. Wobei der Entwickler selber schuld ist wenn er blind
vertraut :D
---
Erinnert mich an "Test Pin" welche auf fester Spannung gelegt werden
müssen
aber nirgendswo steht was man wirklich mit den Testpin anfangen kann und
somit den µC oder etc hacken kann. Wenn es dann auch noch eine
Applikation im Sicherheitsbereich ist, wird's erst recht ekelig.