Hallo!
Mit hat jemand erklärt, dass man bei HF Leiterbahnen die Ecken abrunden
soll.
Ich kenn das nur aus der Hochspannungstechnik, wo an ecken die
Feldstärke höher ist und es dann zu Koronaentladungen oder eher zu
überschlägen kommt.
Doch auf einer Leiterplatte mit niedriger Spannung aber hocher Freuenz?
Liegt es daran das aufgrund der höheren Feldstärke an den Spitzen mehr
abgestrahlt wird?
MFG
Hilft natürlich auch nur, wenn die Leitungen überhaupt für einen
gleichmäßigen Wellenwiderstand konzipiert worden sind, also entweder
eine genügend große Massefläche drunter und Abstand von anderen
Leitungen haben (stripline) oder links und rechts gleichmäßig eine
Massebahn (coplanar waveguide).
>Weil die Signale dort zu stark reflektiert werden?
Warun?
Und,ja definierte Impedanz ist vorhanden (microstrip), definierter
Abschluss und trotzdem sollte man die Ecken abrunden??
>Und,ja definierte Impedanz ist vorhanden (microstrip)
Die ist ja eben nicht definiert, wenn die Leiterbahn eine Kurve macht.
Diese Microstrip-Förmelchen gelten genau nur für gerade Leiterbahnen.
Sobald die eine Kurve macht, stimmt der Wellenwiderstand nicht ganz
genau. Und da versucht man eben die Störung zu kontinuisieren, um ein
weiches Echo anstatt eines harten zu machen. Der Störpuls ist dann
verschmierter, erstreckt sich also zeitlich gesehen auf ein längeres
Zeitintervall und hat dadurch einen niedrigeren Pegel.
Kai Klaas
>Und,ja definierte Impedanz ist vorhanden (microstrip), definierter>Abschluss und trotzdem sollte man die Ecken abrunden??
Na, definierte Impedanz bedeutet doch auch definierte Breite, und bei
einer Ecke ist die Breite um Wurzel 2 größer, also Fehlanpassung,
Reflexion usw.
> Warun?
Im Raum um einen Leiter bildet sich ein kreisförmiges Magnetfeld, wenn
dieses durch die Leitungsführung sich nicht gleichmässig ausbreiten
kann, wirkt es ungleichmässig auf die Ausbreitung der
elektromagnetischen Welle im Draht zurück, die ungleichmässige
Leitungsimpedanz äussert scih eben in Reflektionen, die, wenn die
Wellenlänge des Signals kurz ím Vergleich zur Leitunglänge ist, sich
auswirken.
Naja, das 'endgültige Wort' ist bei HF-Leitungen noch nicht gesprochen.
Es gibt tatsächlich abgerundete Ecken, ebenfalls gibt es mit einer
'Phase' versehene Ecken (wird sogar nach einer bestimmten Formel
berechnet), andererseits gibt es auch durchgeführte Messungen, die
zeigen, daß sich eckige Ecken erst im zweistelligen GHz-Bereich negativ
auswirken.
http://www.ultracad.com/articles/90deg.pdf
* runde und 'mitered corners' sind auch im Agilent ADS hinterlegt
Das Eck ist breiter als der Rest der Leiterbahn, damit ist das eine
Diskuntinuitaet (parasitaere Kapazitaet), die Reflexionen verursacht.
Wenn man das aber genauer durchrechnet sieht man, dass mit ueblichen
Leiterbahngroessen dieser Effekt erst ab ca. 10 GHz eine Rolle zu
spielen beginnt. Fuer 99.9% aller Hobbybastler ist das also voellig
unerheblich.
Eine anderer Grund fuer die abgerundeten Ecken ist allerdings
Zuverlaessigkeit - so wie ein Klebeband sich uebelicherweise am Eck zu
loesen beginnt (weil da Kraefte von zwei Seiten einwirken koennen), kann
sich auch das Kupfer leichter vom Traegermaterial loesen. Das ist
insbesonders bei schmalen Leiterbahnen ein Probem. Die Loesung ist
dieselbe wie bei Klebeband - einfach 45-Grad-Ecken statt 90-Grad-Ecken
verwenden.
Wolfgang